Moin.
In diesem Thread...
http://www.carpassion.com/de/forum/v...r=asc&start=15
...kam die Sprache auf bb. Und da diese Firma keine Hinterhofwerkstatt war sondern für beispielsweise das Multifunktionslenkrad verantwortlich zeichnet, ist dieses kurze Porträt einen eigenen Thread wert:
Rainer Buchmann kommt als Student über private Lackierarbeiten an VW Käfer und Karmann Ghia zu
Porsche, denn er verkauft seine so veredelten Privatwagen grundsätzlich teurer weiter als er sie eingekauft hat. Mit der Zeit kommen die ersten Nachfragen nach ähnlichen Arbeiten an fremden Fahrzeugen, und so macht er sich 1973 schließlich in einer ehemaligen BMW-Werkstatt selbstständig und gründet bb (das zweite b steht für den Bruder Dieter). Veredelt werden zumeist
Porsche, und zwar ausschließlich optisch: Lackierung, Karosserie, Innenraum.
1976 kommt der Durchbruch, als bb für Polaroid ein simples
Porsche 911 Coupé in einen in Regenbogenfarben lackierten
Porsche Turbo Targa umbaut (man stelle sich da heute vor) und mit allem an lieferbarer Elektronik voll stopft. Das Autotelefon hat seinerzeit eine Preis von 18.000,- DM. Zum Vergleich: Der 3.0 Liter Sechszylinder Boxermotor des
Porsche 911 Turbo kostet damals lediglich 8.000,- DM!
Es folgen mehr und mehr Aufträge: 911er werden mit Front und Heck des 928 versehen, bekommen die breiten Kotflügel des Turbo und ein Targa-Dach. Des weiteren mitunter vergoldete Armaturenbretter, Massen an elektronischen Spielereien und eine 44er Magnum als Zubehör unter den Fahrersitz. 928er werden zu Targa’s (der Mittelsteg ist durchsetzt mit Radio, Cassettenlaufwerk, Equalizer usw.) und Cabrio’s umgebaut. Der Stromverbrauch ist mitunter so hoch, dass im Stand bei eingeschalteter Stereoanlage das Licht der Frontscheinwerfer schwächer wird. Die Mitarbeiterzahl wächst von drei auf 30 und später über 60.
1978 lernen sich Buchmann und Eberhard Schulz (ISDERA) kennen. Buchmann unterstützt Schulz beim Bau seines CW 311, der 1979 in Frankfurt auf der IAA ausgestellt wird. Die Fachwelt steht Kopf, und selbst Mercedes-Benz ist so beeindruckt von dem Wagen, dass man bb offiziell erlaubt, den Stern zu tragen. Es hagelt Blankoschecks, doch bb will nicht verkaufen. Der Wagen zeichnet sich im Übrigen nicht nur durch seine Form und die seltenen Flügeltüren aus, sondern ist darüber hinaus schlicht einer der schnellsten Sportwagen der Welt und knackt die 300 km/h, was 1979 noch einer Sensation gleichkommt.
Die Geschäfte von bb entwickeln sich bestens, neben
Porsche wird im Windschatten des mit einem von AMG (damals noch ein normaler, selbstständiger Tuner wie heute Carlsson oder Lorinser) getunten Mercedes-Benz-Motors versehenen CW 311 auch die Marke mit dem Stern umgebaut. Es entstehen die wildesten Kreationen, die denen der Styling Garage in nichts nachstehen: 600er Pullman mit freistehende Kotflügel à la 30er Jahre, das ganze in Bordeauxrot (der Kunde wollte ursprünglich eine Lackierung ähnlich eines Fliegenpilzes, rot mit weißen Punkten (!), was man ihm aber ausreden konnte). Oder das Mercedes-Benz SEC „magic top“ Cabriolet, dessen Dach sich komplett versenken lässt.
bb magic top:
http://retractable.free.fr/uk/cars/mbmagic.htm
Doch Buchmann verdient mit eben jenen Umbauten nur das Geld für seine eigentliche Leidenschaft: Elektronik. Er sinniert über all das als erster, was heute wie selbstverständlich in jedes Auto gehört: Zentralverriegelung per Fernbedienung, Abstandswarner beim Einparken usw. Er stellt mehrere VW Polo und Golf vor, die mit Display-Anzeigen anstatt normalen Tachometern versehen sind. Dahinter stecken die ersten Bord-Computer, die den Fahrer mit allen Informationen zum Fahrzeugzustand versorgen, seinerzeit eine absolute Innovation. Die Bedienung erfolgt über das Multifunktionslenkrad, das er sich 1983 patentieren lässt. Und taten die großen Hersteller Buchmann’s Wirken früher stets als „Lametta“ ab, so entwickelt er jetzt für die Industrie, so zum Beispiel das Motorrad „Futuro“ für BMW. Im Auftrag des Bundes-Forschungsministeriums arbeitet er an der Anzeige des Reifendrucks aller vier Räder. Daneben ist er einer der ersten, die changierende Lacke einsetzen, die heute jeden getunten 3er BMW und Golf GTI zieren.
Mitte der 80er gehen zum einen die Geschäfte zurück (wie bei allen deutschen Veredlern, das große Tuner-Sterben setzt ein), zum anderen dreht die Industrie den Hahn zu: Man entwickelt lieber selber weiter, bb ist zu schnell und innovativ, seine Kreationen lassen sich schlicht noch nicht verkaufen, er ist zehn Jahre zu früh dran. 1986 ist endgültig Schluss.
Heute ist Rainer Buchmann Unternehmensberater.
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"Das kommt von Herzen. Komm' auf die Leiter. Wir sind doch anders. W.I.R. machen weiter."