Fahrt im Wiesmann MF3 Roadster Final Edition

2 Kommentare

Es gibt Tage, gute Tage, schöne Tage und hin und wieder auch mal grandiose Tage. Stellen Sie sich vor: Geburtstag plus Einladung zu einer einmaligen Testfahrt. Wäre was? Dann wünschen wir Ihnen viel Spaß bei der Lektüre unseres Fahrberichts im Wiesmann MF3 Roadster Final Edition. Das Design „Polar Bear“ entsprach dabei leider beinahe dem Wetter, aber innerlich ging die Sonne auf.

Wiesmann MF3 Roadster Final Edition

Wiesmann MF3 Roadster Final Edition
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Für den Wiesmann Fahrer ist vermutlich jeden Tag so etwas wie Geburtstag oder Weihnachten. Immerhin hat der Glückliche doch jeden Tag die Möglichkeit dieses Kunstwerk zu sehen, sich in den edlen Innenraum hineinzusetzen und dieses einmalige Fahrzeug zu genießen. Was macht man aber, wenn man keinen Wiesmann hat? Zunächst einmal hat man sicherlich die Möglichkeit, schmachtend vor Bildern zu sitzen. Man kann sich auch einen Wiesmann mieten, wenn man über das notwendige Kleingeld verfügt. Vielleicht muss man aber manchmal im Leben auch einfach nur Glück haben – und so kam es, dass ich kurz nach meinem Geburtstag die Möglichkeit hatte, ein ganz besonderes Fahrzeug zu fahren. Sozusagen das perfekte Geburtstagstagsgeschenk, von dem ich nun kurz erzählen möchte.

Für eine Testfahrt hatte ich die Möglichkeit ein Unikat zu bewegen, nämlich eine von 18 möglichen wählbaren Farbkombinationen der Wiesmann MF3 Roadster Final Edition by Sieger. Also ging es Mitte Dezember auf nach Dülmen, wo der „Polar Bear“ getaufte Wagen auf mich wartete. Leider war der Wettergott nicht ganz so guter Laune wie ich und während er mich im Sommer anlässlich der Testfahrt mit dem Wiesmann MF5 Roadster noch mit Sonne verwöhnte, schickte er mir dieses Mal grauen Himmel, feucht-kalte Witterung und damit einhergehend leider auch feuchte Straßen. Aber sind wir doch mal ehrlich: Die Sonne geht bereits dann auf, wenn man das Prachtstück vor sich stehen sieht und steht allerspätestens dann voll im Firmament, wenn man den Schlüssel zum Traumauto in Händen hält.

Nun steht er also vor mir. Tief, geduckt, breit, sexy. 18 Jahre ist es nunmehr her, seitdem der Wiesmann MF3 Roadster das Licht der Welt erblickte. Wer sich mit der Geschichte der Firma Wiesmann ein wenig auskennt, weiß, dass die Form bereits 5 Jahre vor dem Erscheinen nahezu fertig war. Genau genommen ist der Kleine demnach nicht 18, sondern bereits 23. Aber wir wollen hier keine Erbsen zählen. Sehen wir es ihm einmal nach, denn wieviele Autos können nach 18 Jahren wirklich noch von sich behaupten, verführen zu können? Der Wiesmann MF3 Roadster schafft es noch heute und es war gut, dass die Gebrüder Wiesmann ihren eigenen Geschmack hatten und nicht irgendwelchen Designtrends gefolgt sind. Genau genommen haben sie ihren eigenen Designtrend kreiert, der in den letzten 18 Jahren insgesamt 907 Kunden überzeugen konnte.

Ich schaue dem Kleinen nochmals in die Augen. Fast habe ich das Gefühl, er lächelt zurück und will mir sagen: „Steig erstmal ein, dann werde ich Dir zeigen, wer von uns beiden alt ist. Ich jedenfalls fühle mich noch so frisch und jung wie am ersten Tag.“ Zunächst gibt es aber ein Problem an dem ich merke, dass ich „alt“ und verwöhnt geworden bin: Ich drücke auf das kleine Knöpfchen am Schlüssel und wundere mich, dass nichts passiert. Ja, genau – Der Wiesmann MF3 Roadster ist eben puristisch und möchte nach guter alter Sitte aufgeschlossen werden. Genau so und nicht anders muss ein puristischer Roadster sein. Erstaunlich wie verdutzt man dennoch reagiert, wenn zunächst erstmal nichts passiert. Aber jetzt – Tür auf und zunächst einmal den edlen, mehrfarbigen Innenraum der Final Edition wirken lassen. Wie gewohnt ist feinstes Leder verschwenderisch im Innenraum verbaut. Es fühlt sich gut an, edel, stimmig und passend zu diesem Traumauto. Selbstverständlich ist die Verarbeitung über jeden Zweifel erhaben. Ein Wiesmann ist eben ein Wiesmann und es gehört zur Philosophie des Hauses, dass man die Perfektion anstrebt.

Wer sich mit Wiesmann auskennt findet sich auch im MF3 Roadster problemlos zurecht. Die Instrumente befinden sich nach Art des Hauses in der Mitte der Armaturentafel. Hinter dem Lenkrad finden sich zwei kleine Schaltwippen, die wunderbar anzufassenden Blinker und Scheibenwischerhebel und ein kleines Display, welches jedoch leider nicht, ganz im Gegensatz zum großen Bruder MF5, die gefahrene Geschwindigkeit anzeigt. Potentiell schlecht für den Führerschein. Die Leistungsreserven des kleinen MF3 reichen aus, um bereits nach 4,9 Sekunden seinen „Lappen“ auf einer Landstraße erheblich in Gefahr zu bringen. Ich drehe den Zündschlüssel und drücke den beinahe unscheinbaren silbernen Knopf, über dem „WIESMANN START“ ins Metall eingraviert ist. Ein angenehmes Grollen aus dem Vorderbau ertönt und die Nackenhaare stellen sich leicht auf.

Endlich darf ich also vom Hof fahren. Ich genieße die direkte, spontane Lenkung und wünsche mir eine schöne, einsame Landstraße, die am besten trocken sein sollte. Während der erste Wunsch recht schnell in Erfüllung geht, habe ich beim zweiten Wunsch leider weniger Glück und so ist es mir nicht vergönnt das Potential des Fahrzeugs auch nur annähernd auszuloten. 1.180 Kilogramm und 252 kW/343 PS nötigen gerade bei diesen Witterungsverhältnissen Respekt ab und es wäre wahrhaft ein Frevel ein solches Kunstwerk zu zerstören. Also lasse ich es zunächst gemächlich angehen, genieße die perfekte Verarbeitung des Innenraums und den grandiosen Sound des Motors bei jeder Beschleunigung. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase fange ich an, Vertrauen in das Fahrzeug zu entwickeln und lasse es zügiger angehen. Der MF3 Roadster reagiert zackig auf die gewünschte Lenkradbewegung, liegt absolut sicher auf der Straße, lenkt perfekt ein und macht einfach nur Spaß. Ich fange an das Gaspedal komplett durchzudrücken, genieße den Schub und jede Kurve die kommt. Ich bin beeindruckt wie viel Grip das Fahrzeug trotz der widrigen Witterung auf der Hinterachse hat. Man muss schon wirklich groben Unfug anstellen, damit einem die Straße ausgeht. So weit wollen wir es aber gar nicht erst kommen lassen. Beeindruckend ist auch die Steifigkeit des Fahrzeugs. Während die Landstraßen rund um Dülmen den letzten Winter nicht ganz so gut überstanden haben, können sie dem kleinen Wiesmann MF3 Roadster rein gar nichts anhaben. Kein Knistern, kein Knarzen – wahrhaft beeindruckend. Manch ein Großserienhersteller schafft so etwas trotz erheblich größerer Entwicklungsbudgets nicht.

Beinahe scheint es so, als gingen die Stunden, in denen man solche ein Traumauto fahren darf, schneller vorüber also „normale“ Stunden. Bei der Schlüsselabgabe spielt denn auch eine große Wehmütigkeit mit. Die Erinnerung, dieses einmalige Fahrzeug gefahren zu sein, die Erinnerung daran, dass man auch mit 18 noch deutlich besser aussehen kann als manch modernes Fahrzeug und der Rückblick, dass eine Ära zu Ende gehen wird, die zum Produktionsende 907 Kunden glücklich gemacht hat. Was wird nun bei Wiesmann kommen? Die Planungen für einen Nachfolger sind bereits im Gange, aber es ist noch ein wenig Geduld vonnöten. Wer ungeduldig ist und das wahre, pure Fahrvergnügen schätzt, sollte jetzt womöglich schnell nochmal in Dülmen anrufen, bevor die letzten verbleibenden MF3 Roadster verkauft sind. Eine gute Nachricht gibt es aber schon jetzt für den Nachfolger: Ein Vierzylinder-Turbo ist nicht geplant.

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Kategorie: Magazin

Kommentare (2)

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  1. Wiesel348 sagt:

    Schöner Bericht von gewohnt hohem Niveau. Vielen Dank.

    Vielen Dank v.a. auch für den letzten Satz. Der hat mich ungemein beruhigt!

    Schade eigentlich nur, dass Wiesmann für die Final Edition einen Designer beauftragte, über dessen Beruf ich mir im Unklaren bin. Aber man kann sich ja noch ein Auto in "normaler" Auführung ordern. Und diese machen wirklich höllisch Spass. Vor 8 Jahren stellte ich erstmals fest, dass jeder Tag ohne Wiesmann fahren ein schlechter Tag ist! Das gilt bei mir auch heute noch. Leider ist heute so ein schlechter Tag! 👿

  2. Philipp1991 sagt:

    der steht in Recklinghausen rum:wink:

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