Saab Sonett – Wenig bekannte Sportwagen – Kapitel 15

Wenn jemand der Meinung sein sollte, Koenigsegg seie der erste schwedische Hersteller, der einen Sportwagen auf den Markt gebracht hat, dann ist wohl Geschichtsunterricht fällig. Wir beginnen mit dem ersten Schwedensportler, den man käuflich erwerben konnte und schieben den früher präsentierten weiteren Skandinavier demnächst nach. Hier geht es also um den Saab Sonett. Oder wäre „das“ richtiger? Eigentlich hieß das Fahrzeug Saab 94 oder auch Saab Super Sport.

GTA Spano

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Ein spanischer Supersportwagen? Warum nicht? Der GTA Spano kann optisch durchaus überzeugen.

Wenn Leute mit den wohlklingenden Namen Olle Linkdvist, Gotta Svensson und Lars Olov Olsson nach Feierabend zuviel zu tun haben, die Mittsommernächte wieder mal lang werden und in der Nähe des Arbeitsplatzes eine Scheune leersteht, können interessante Dinge dabei herumkommen. Die drei arbeiteten in den 1950er Jahren bei Saab und waren eng an den ersten Automobilen der sonst für Flugzeuge bekannten Marke beteiligt. Nach den harten Tagen in der Fabrik dengelten sie mit minimalstem Budget in ihrer Scheune an einem Sportwagen herum, der die Saab-Automobile im Rennsport bekanntmachen sollte.

Natürlich musste dazu der Zweitakt-Motor mit drei Zylindern erhalten bleiben, der die Ur-Saab charakterisiert. Rundherum entstand jedoch eine völlig neue Hülle mit einem Aluminium-Chassis, das lediglich rund 70 Kilogramm auf die Waage bringt. Darüber wurde eine Glasfaser-Karosserie in Form gebracht, die beinahe mehr freiließ, als sie abdeckte und somit für eine ordentliche Menge Frischluft im Cockpit sorgte. Das Design orientiert sich an offenen Sportwagen der 50er Jahre und kann bis heute durchaus überzeugen. Wer würde unter diesem Kleidchen schon einen Zweitakter vermuten? Das 748 cm³ große Triebwerk bringt es auf sagenhafte 42,9 kW, was 57,5 PS entspricht und dem kleinen Renner, dank einem Leergewicht von nur rund 600 kg, zu einer Höchstgeschwindigkeit von rund 160 km/h verhilft. Dies wurde von Ex-Werksrallyefahrer Erik Carlsson mit einem restaurierten Fahrzeug Mitte der 1990er Jahre nachhaltig unter Beweis gestellt, als er 159,4 km/h erreichte.

Als das Fahrzeug im März 1956 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und den schönen Namen „Sonett“ erhielt, war es leider schon zu spät. Die Regeln der internationalen Sportwagenrennen wurden geändert und ließen für den kleinen Saab keine reellen Chancen auf Klassen- oder gar Gesamtsiege übrig. Daher entstanden von dieser Urform des schwedischen Sportwagens lediglich sechs Exemplare, die heute im Falle eines Verkaufs annähernd mit Gold aufgewogen werden. Der Name des Wagens sollte eigentlich schlicht „Saab 94“ lauten. Nach ersten Fahrversuchen war auch „Saab Super Sport“ im Gespräch, da das Fahrzeug den gewöhnlichen Saab-Modellen dynamisch um Welten voraus war. Kein Wunder bei dem geringen Gewicht. Sonett leitet sich vom schwedischen Ausspruch: „Så nätt den är.“ ab, was grob übersetzt soviel heißt wie: „Wie hübsch Sie sind.“

Unter strenger Betrachtung passte dieser Name zur zweiten Generation schon weniger als zur ersten. 1966 stellte Saab mit der Baureihe 97 den Sonett II vor, der gegenüber der Urversion durch eine gravierende Änderung sofort auffiel: Es handelte sich um ein geschlossenes Coupé. Saab schaffte es trotz Dach das Leergewicht bei 660 Kilogramm zu belassen, woran die Verwendung von GfK für die Karosserie einen guten Anteil hatte. Unter der Haube des Sonett II arbeitete anfänglich der bekannte Dreizylinder-Motor, der durch drei Solex-Vergaser auf 44 kW/60 PS erstarkte und für eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h sorgte.

Nach 258 gebauten Exemplaren wechselte Saab auch beim Sonett II auf den Vierzylinder-V-Motor, den man von Ford zukaufte. Somit stieg die Leistung auf 47,8 kW/65 PS an. Allerdings kletterte auch das Leergewicht auf 770 kg, wodurch die Höchstgeschwindigkeit nur milde auf rund 160 Stundenkilometer anstieg. Beide Motorisierungen kamen in Renn-Sonett zum Einsatz, die sich sowohl in Europa als auch in Amerika gegen andere kleine Sportwagen, wie den Austin Healey Sprite, behaupten konnten. Allerdings wurde der Sonett II aufgrund der geringen Stückzahlen alsbald von den Rennen ausgeschlossen. Vom Vierzylinder-Ableger Saab Sonett II V4 entstanden bis 1969 insgesamt 1.610 Fahrzeuge.

Bereits ein Jahr später erschien mit dem Sonett III der Nachfolger und bis heute letzte Träger dieses Namens. Es blieb sowohl beim 1,5 Liter großen V4-Motor, als auch bei der Coupé-Karosserie. Diese wurde jedoch streng dem Zeitgeist der späten 1960er/frühen 1970er Jahre angepasst und geriet deutlich eckiger als bei den Vorgängern. Das Design stammt in Grundzügen vom relativ unbekannten italienischen Designbüro Coggiola, wurde jedoch intern bei Saab noch etwas überarbeitet, um problemlos auf das Chassis des Sonett II zu passen. Dieses wurde aus Kostengründen für das neue Modell übernommen.

Da ein Großteil der Produktion des Sonett II bereits auf den amerikanischen Markt gegangen war, gestaltete man den Sonett III im Innenraum mit Ausrichtung auf dieses Kerngeschäft. Daher wanderte bei diesem Wagen der Schalthebel erstmals für Saab auf den Boden zwischen die Sitze, anstatt am Lenkrad seinen Dienst zu versehen. Die Händler konnten auf Kundenwunsch eine Klimaanlage nachrüsten. Zwei Jahre nach Markteinführung führten neue Sicherheitsregeln in den USA zu größeren Stoßstangen, die jedoch dem italienischen Design nicht gut taten. Aufgrund der Ölkrise 1973 überdachte Saab sein Modellprogramm und stellte schließlich ein Jahr später, nach 8.368 Sonett III, die Produktion ein.

Bis zum heutigen Tag gab es keinen Nachfolger. Allerdings könnte durch die vor einem Jahr neu gewonnene Freiheit nun wieder Raum im Modellprogramm für einen zweisitzigen Sportler sein. Das kürzlich in Genf vorgestellte PhoeniX Concept könnte ein erster Hinweis auf kommende Großtaten aus Trollhättan sein.

Quelle: Saab

Autor: Matthias Kierse

28. März 2011|Categories: Magazin, Unbekannte Sportwagen|

One Comment

  1. MOK24 2. April 2011 at 08:24

    Danke für diesen Artikel, über den ich mich als Saabfahrer sehr gefreut habe.

    Gruss Martin