GWA Ciento-Once – Die Rückkehr des Flügeltürers

Moment mal, hatten wir diese Ankündigung nicht schon einmal? Ja, durchaus. Mit ähnlich markigen Worten kündigte Mercedes-Benz vor rund eineinhalb Jahren den Mercedes-Benz SLS AMG an. Nun folgt bereits der nächste Flügeltürer aus dem Stuttgarter Hause. Doch Augenblick mal, in diesem Fall zeichnet nicht das Stuttgarter Mutterhaus für die Entwicklung verantwortlich, sondern die amerikanische Schmiede Gullwing America aus Texas.

GWA Ciento-Once

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Wir schreiben das Jahr 1969 als auf dem Mercedes-Benz-Stand der IAA in Frankfurt ein kreischend oranger Sportwagen mit Flügeltüren namens Mercedes-Benz C111 für Aufsehen sorgt. Die Stuttgarter haben es wieder einmal geschafft und die Sensation des Salons steht bei Ihnen auf dem Stand. Die Fans der Marke stehen Schlange, um einen Blick auf das Objekt der Begierde werfen zu können. Die gutbetuchten Kunden füllen bereits eifrig Ihre Schecks aus und schicken diese nach Stuttgart-Untertürkheim.

Leider erfüllt sich die Hoffnung auf einen Nachfolger des legendären Mercedes-Benz 300 SL nicht. Vermutlich war es die Kombination aus Wankelmotor und Fiberglaskarosserie, die eine Serienfertigung in unendliche Ferne rücken ließ. Dennoch bleibt der C111 als Forschungsfahrzeug und Technikträger in aller Munde. Bereits im Jahre 1970 stellte man den Mercedes C111-II vor, der einen Wankelmotor mit einer Leistung von 275 kW/375 PS hatte. Dieser Prototyp erreichte die auch heute noch respektable Geschwindigkeit von 290 km/h. Doch die Ära das Wankelmotors im Hause Mercedes-Benz währte aufgrund der prinzipbedingten Nachteile nicht lange und so wurde der C111-II später mit einem Dieselmotor ausgestattet. Es folgten die Evolutionsstufen C111-III und C111-IV, die bis 1979 zahlreiche Weltrekorde für dieselgetriebene Fahrzeuge aufstellten, von denen einige wenige selbst heute noch Bestand haben. Damit endet die Story des Mercedes-Benz C111 jedoch auch schon.

Oder doch nicht? Wir schreiben das Jahr 2010 und die kleine, aber feine und vor allem auch unerschrockene Truppe in der amerikanischen Schmiede Gullwing America widmet sich der Neuinterpretation des Mercedes-Benz C111. Gullwing America ist bis dato vor allem für seine Repliken des 300 SL Flügeltürers mit moderner Technik bekannt geworden. Nun stellen Sie mit dem Ciento-Once eine Neuinterpretation des beinahe vergessenen Prototypen-Flügeltürers auf die Räder.

Im Gegensatz zu seinen historischen Vorgängern ist das Modell allerdings nicht mit einem Diesel- oder gar Wankelmotor ausgerüstet, sondern mit einem guten Bekannten. Der V12-Motor mit 408 PS, bekannt aus der S-Klasse der Baureihe W140, sorgt für einen adäquaten Vortrieb. In verschiedenen Ausbaustufen trieb dieses Triebwerk auch den Mercedes-Benz SL 73 AMG, den CLK GTR und die verschiedenen Pagani Zonda-Modelle an. Da man die 408 PS im Hause Gullwing America als ausreichend erachtete, wurden keine weiteren Eingriffe am Motor vorgenommen. Gepaart mit einer manuellen 6-Gang-Box dürften die nicht bekannt gegebenen Fahrleistungen völlig ausreichend sein. Und machen wir uns nichts vor: 408PS reichen für den Alltagsbedarf durchaus aus.

Ähnlich wie das historische Vorbild besitzt auch der Ciento-Once einen Gitterrohrrahmen, über den sich eine atemberaubende Karosserie spannt, die das historische Vorbild gekonnt zitiert. Neben einer Glasscheibe für den Motor wird ein ausfahrbarer Heckspoiler verbaut, der ausreichend Grip an der Hinterachse bereit stellt. Der Ciento Once hat im Übrigen einen geringfügig kürzeren Radstand als das historische Vorbild. Das Gesamtgewicht des Fahrzeuges liegt bei gerade einmal knapp 1.400 kg. Durch das Fahrwerk des Mercedes-Benz S 55 AMG wird für eine gute Bodenhaftung gesorgt.

Auch im Innenraum hören die Zitate an das historsiche Vorbild nicht auf. Die Brücke zur Moderne schlagen hier allerdings die Sitzschalen aus Carbon und die Akzente aus gebürstetem Aluminium. Der Stoff auf den Sitzen ist hingegen wie das Dreispeichenlenkrad voll und ganz 70er-like. Die offene Schaltkulisse erinnert gar an Rennfahrzeuge der 1950er und 60er Jahre.

Bevor nun die ersten Fans anfangen, das Scheckbuch zu zücken und Blankoschecks nach Texas zu schicken, folgt noch eine traurige Nachricht: Der Ciento-Once wird wohl ein Einzelstück bleiben. Doch auch dies ist nur konsequent, schließlich blieb bekanntlich auch dem historischen Vorbild C111 eine Serienfertigung verwehrt.

Quelle: Gullwing America

Autor: Oliver Kühlein

11. Januar 2011|Categories: Magazin|

One Comment

  1. Graunase 11. Januar 2011 at 15:56

    Der Innenraum ist absolut genial :-))! Dieses Stoffkaro war eines der schrillsten Polster aller Zeiten!
    Ich bin gespannt wie es weiter geht.