Essen Motorshow 2010 – Aufwärtstrend

Seit heute hat die Essen Motorshow ihre Pforten geöffnet, um zum Jahresende noch einmal allen Auto- und Motorsportbegeisterten eine Plattform zu bieten, sich die Nasen platt zu drücken und die Handy-Speicherkarten mit gesammelten Pixeln zu füllen. Ob Seriensportwagen, Tuningfahrzeuge oder Rennautos, in 12 Hallen, teilweise auf 2 Etagen wird alles gezeigt, was Rang und Namen in der Welt von zwei und vier Rädern hat.

Essen Motorshow 2010

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Wer in den vergangenen Jahren zu den regelmäßigen Besuchern der Essen Motorshow gehörte, wird nicht umhin gekommen sein, die langsam nachlassende Qualität und Quantität der Aussteller bemerkt zu haben. Speziell 2009 war dies zu bemerken, als man in einigen Hallen theoretisch hätte Badminton spielen können, ohne dabei großartig zu stören.

Wer aufgrund dieser Erfahrungen für die diesjährige Ausgabe ebenfalls von gähnender Langeweile ausgeht, wird positiv überrascht. In Halle 3 sind viele Hersteller angereist, die vor einigen Jahren noch zum festen Inventar der Motorshow gehörten, aufgrund der Finanzkrise allerdings abgesprungen waren. So begrüßt die Besucher, die über den Eingang West des Essener Messezentrums die Halle 3 betreten, direkt am Eingang eine Supersportwagen Sondershow, die an fast genau dieser Stelle auf der diesjährigen Techno Classica ihre Deutschlandtour begonnen hatte. Vom frühen Benz Sportwagen über den weltberühmten SSK, den 300 SL Flügeltürer, die Konzeptfahrzeuge C111, C112 und Vision SLR geht es bis zum FIA GT-Ableger CLK GTR hin zum aktuellen Flügeltürer SLS aus dem Hause AMG.

Neben Hyundai, Alfa Romeo, Abarth, Skoda, Mercedes-Benz, Ford, Opel und dem Gemeinschaftsstand von namhaften Tuningunternehmen wie AC Schnitzer, Lorinser, Heico Sportiv und Techart findet sich in Halle 3 auch ein Aussteller, der bislang eher selten auf Automessen zu Gast war: Der schwäbische Sonderkarosseriebauer Binz hat einen Stand angemietet und zeigt neben einer sechstürigen Mercedes-Benz E-Klasse Limousine den neuen Xtend, ein auf 5,75 Meter verlängertes E-Klasse T-Modell mit Platz für fünf Passagiere und jede Menge Gepäck.

In Halle 1 befindet sich die diesjährige Sonderausstellung des Messeorganisators SIHA. Themenschwerpunkt ist der 100ste Geburtstag der italienischen Marke Alfa Romeo. Zu diesem Zweck wurden aus dem werkseigenen Museum und von Sammlern aus Deutschland und den umliegenden Nachbarländern hervorragende Fahrzeuge zusammengebracht und zu einer einzigartigen Kollektion für die Dauer der Messe zusammengestellt.

Aber auch die weitere Belegung von Halle 1 kann sich sehen lassen. Viele Händler von klassischen und exotischen Autos haben hier ihre Stände aufgebaut und bieten neben neueren Sportwagen, wie einem Bugatti EB110 GT oder einem Alfa Romeo 8C Spider auch Legenden und Klassiker wie einen Porsche 935 oder einen toprestaurierten Lamborghini Miura zum Kauf an.

In Halle 7 gibt es Motorsport zum Anfassen. Naja, nicht ganz, eine gewisse Absperrung ist schon noch vorhanden. Dennoch ist man hier so nah wie selten an den Fahrern und Fahrzeugen, die auf einer Demofläche zeigen, was in ihnen steckt. Ob VLN, ADAC Procar-Serie, Bergcup oder Drift-Challenge: Wer auf Motorenlärm, verbranntes Gummi und Benzingeruch steht, ist hier absolut richtig und wird voll auf seine Kosten kommen. So zeigte zum Beispiel ein Fahrer der Drift-Meisterschaft, wie man mit einer 538 PS starken Toyota Supra den kompletten Kurs seitwärts zurücklegen kann. Frei nach dem guten alten Motto: „Fährste quer siehste mehr“.

In der Galleria zwischen den Hallen finden sich einige Dragster, aber auch verrückte Eigenbaukreationen aus Großbritannien. Darunter das kleinste fahrbare und zugelassene Auto der Welt, bei dem ernsthaft darüber nachgedacht werden darf, wie um Himmels Willen da jemals ein Fahrer hineinpassen soll. Noch skurriler ist aber definitiv der fahrbare Eßtisch, unter dem sich ein britischer Sportwagen verbirgt. Ja, liebe TÜV-Prüfer, sowas bekommt auf der Insel tatsächlich eine offizielle Straßenzulassung, während ihr direkt an Herzversagen leiden würdet. Ein wenig Spaß darf halt auch sein.

Zweifelsfrei ist ein Großteil der Essen Motorshow seit vielen Jahren dem Tuning von Automobilen aller Art vorbehalten. Dabei geht es zumeist bunt, tief, breit und recht laut zu. So auch in diesem Jahr. In den Hallen 5.0, 8.0 und 9.0 finden Tuningfreunde von der LED-Rückleuchte bis zur Bassreflexbox alles, was das Herz begehren könnte. Oftmals wird mittels wohlgeformter Hostessen versucht, die Messebesucher auf den Stand zu lotsen, ob dabei allerdings pinkfarbene Ausstellungsstücke hilfreich sind, darf zumindest bezweifelt werden.

Die Hallen 2, 10, 11 und 12 stehen traditionell den bekannten großen Tuningunternehmen zur Verfügung. Dazu zählen auch Hersteller von Fahrwerken und Felgen, die anhand von interessanten aktuellen Fahrzeugen ihr Repertoire vorstellen. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch ohne Zweifel auf den Tunern selbst, die die Essen Motorshow als letzte Chance des Jahres verstehen, um Neuheiten auf den Markt zu bringen oder allgemein ihr Produktportfolio zu zeigen. Aus Dortmund reiste Porsche-Veredler 9ff mit insgesamt vier Fahrzeugen an. Neben dem bereits im vergangenen Jahr präsentierten Speed9, der in diesem Jahr ein optionales Hardtop erhält und dem Veyron-Konkurrenten GTurbo 1200 auf Basis des GT3, der mit 1200 PS so ziemlich alles auf vier Rädern in Grund und Boden fährt, stellt 9ff auch die Serienversion des GT9R vor. 20 Exemplare dieses Fahrzeuges sollen ab kommendem Jahr verkauft werden. Das schwarz-goldene Fahrzeug in Essen ist bereits verkauft und wird nach Ostasien gehen. Des weiteren hat man mit dem GT9R noch einiges im kommenden Jahr vor, aber darüber wird das CPzine im Rahmen einer Besichtigungstour Anfang 2011 mehr berichten können.

Dieser Bericht hat mit einem Bild einer Benz-Parade inklusive SLS AMG begonnen und endet ebenfalls mit einem SLS-Bild. Der bekannte Bottroper Tuner Brabus brachte gleich zwei der neuen Flügeltürer mit. Bislang hat man zwar nur optisch und noch nicht technisch Hand angelegt, dafür gibt es aber bereits zwei unterschiedliche Optikpakete, um für möglichst viele Kunden das passende Angebot bieten zu können. Daneben hat Brabus mit dem Offroader G V12 S, der Businesslimousine S V12 R und den beiden Hochgeschwindigkeits-Limousinen Brabus Bullit und Brabus E V12 das volle Programm mit nach Essen gebracht. Auch der vor zwei Jahren an gleicher Stelle präsentierte Tesla Roadster durfte wieder mitkommen.

Die Essen Motorshow können Sie noch bis zum 5.12. besuchen. Sie ist täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr, Samstags und Sonntags von 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 15,- € für Erwachsene, ermäßigt 13,- €. Kinder zwischen 8 und 16 Jahren zahlen 11,- € Eintritt, unter 8 Jahren ist der Zutritt frei. Nähere Infos erhalten Sie unter www.essen-motorshow.de.

Fotograf und Autor: Matthias Kierse

26. November 2010|Categories: Magazin|

One Comment

  1. Bastian82 27. November 2010 at 18:04

    Ich war heute auch auf der Messe, in 4 Stunden ist sie entspannt zu besichtigen. Ich kann den besuch nur jedem empfehlen. Die Messe hat sich zu den letzten Jahren wieder sehr zum positiven entwickelt. Die Geboten Attraktionen, ausstellungs stücke sind unterhaltsam/sehens wert und so ist der Eintrittspreis mehr als angemessen. Ich selber finde den Bentley Continental GTC CONVERTIBEL für 300.000 Euro und den Ferrari 458 der auf einem Gerüst gestellt ist, als beste (interessantesten/passendsten) Fahrzeuge. Was mir fehlte war ein Aston Martin DBS (in Original). Doch kauf nur im Original zustand!