Personen. Kraft. Wagen. – Automuseum Prototyp in Hamburg

Das CPzine-Team war mal wieder unterwegs und landete diesmal im Norden Deutschlands. Genauer gesagt in der Hansestadt Hamburg, wo seit 2008 ein Automuseum der Extraklasse beheimatet ist. Die Sammlung Prototyp zeigt Renn- und Sportwagen, die größtenteils von deutschen Konstrukteuren erbaut wurden. Spannende Wechselausstellungen zu motorsportlichen Themen machen den Besuch des Museums noch interessanter.

Automuseum Prototyp

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Hamburg, Norddeutschland, an einem schönen sonnigen Tag im Herbst 2010. Das CPzine ist im Anflug auf ein Museum, von dem es kein zweites weltweit gibt. Der einzig ärgerliche Punkt: Das Navigationssystem ist seit Jahren nicht mehr auf den neuesten Stand gebracht worden und kennt die Straße, an der das Museum liegt, nicht. Also Pi mal Daumen fahren und dabei grob im Hinterkopf behalten, dass der Zielort zwischen Hafen und Speicherstadt liegt. Bingo, da ist es ja. Die Sammlung Prototyp liegt vor uns. Ein mehrstöckiges ehemaliges Industriegebäude aus Backsteinen.

Hier eröffneten Oliver Schmidt und Thomas König am 12. April 2008 ihre ganz eigene kleine Welt. Seit Jahren hatten die beiden im Verborgenen Fahrzeuge der Spitzenklasse zusammengetragen. Neben verschiedenen sehr frühen Porsche 356 zählen vor allem Rennfahrzeuge von deutschen Nachkriegskonstrukteuren dazu, die ohne diese Sammlung wahrscheinlich bereits vergessen wären. Entgegen vieler anderer Museen beginnt der Rundgang durch die Sammlung Prototyp in der obersten Etage und führt treppab.

Welcher unserer Leser kennt beispielsweise Otto Mathé? Neben der Tatsache, dass er den ersten Ski-Schnallenschuh der Welt entwickelte, ist er besonders als Rennfahrer seiner eigens konstruierten Fahrzeuge in den 50er Jahren in Erscheinung getreten. Definitiv das berühmteste Auto ist sein „Fetzenflieger“, den man sich in der Sammlung ansehen kann. Teile der Konstruktion stammten vom Porsche Typ 64, der vor dem zweiten Weltkrieg in einer limitierten Serie von drei Fahrzeugen für ein Rennen zwischen Rom und Berlin von Ferdinand Porsche auf Basis des KdF-Wagens entwickelt wurde. Von den drei Wagen hat nur einer in ursprünglicher Form die Kriegswirren und die anschließenden Jahrzehnte in der Sammlung von Otto Mathé überlebt. Ein zweites Fahrzeug wurde in Einzelteile zerlegt und ebenfalls von Mathé erworben. Beide Wagen zählen heute zur Sammlung des Museum Prototyp, wo der zweite Wagen seit gut 10 Jahren nach und nach wieder aufgebaut wird.

Daneben stehen weitere Rennwagen von ebenfalls heute beinahe vergessenen Konstrukteuren und Rennfahrern mit in der Hauptsammlung. Darunter zum Beispiel ein knallblau lackierter Ludewig F3 von 1948, erbaut durch Rolf F. Ludewig. Aber auch sehr frühe Volkswagen Käfer für die US-Armee oder die Polizei, sowie Nachkriegssportwagen von Porsche, Borgward, AFM, Denzel oder NSU stehen in Reih und Glied in der Hauptsammlung im Obergeschoss. Eine gläserne Werkstatt, in der live weitere Exponate restauriert werden und ein Fahrsimulator in einem Porsche 356 sind weitere Highlights.

Eine Etage tiefer im Bereich der Sonderausstellungen standen bei unserem Besuch noch verschiedene Fahrzeuge aus dem Hause Porsche, sowie einige Renntransporter aus den 50er Jahren. Auch ein original „Herby“ aus den beliebten Disney-Spielfilmen oder ein noch recht aktueller Porsche 996 GT3 RS, sowie eine Kleinbahn-Lok mit Volkswagen-Motor waren Teil der Ausstellung.

Seit dem 27. November gibt es eine Sonderausstellung zum 60. Geburtstag der Formel 1 zu bestaunen. Ausgestellt sind Fahrzeuge aus jedem Jahrzehnt der Königsklasse des Motorsports. Darunter so berühmte Wagen wie der 1950er Alfa Romeo Typ 158 Alfetta, mit dem Giuseppe Farina erster F1-Weltmeister wurde, oder der Maserati 250F von Juan Manuel Fangio. Neuzeitlicher sind der Lotus 98T von Ayrton Senna oder das allererste Formel 1-Auto von Michael Schumacher, der Jordan EJ191 von 1991. Neueste Exponate sind der Ferrari F2007 von Kimi Räikkönen und der BMW F1.07 von Robert Kubica. Die Sonderausstellung ist noch bis zum 27. März 2011 zu besichtigen und ist Teil des normalen Eintrittspreises.

Eine weitere Etage weiter unten gibt es einen Kunstbereich. Hier werden Rennsportfotografien verschiedener Fotografen und kunstvoll arrangierte Motorsport-Accessoires ausgestellt. Unter den Fotos finden sich sowohl Aufnahmen der Neuzeit, die Fahrzeuge im Studio zeigen, als auch historische Rennszenen, die den Betrachter direkt in Berührung mit der Rennluft bringen. Man meint bei einigen Aufnahmen fast, die Reifen quietschen zu hören. Auch der Benzingeruch steckt direkt in der Nase und lässt den Blick umso gebannter über die Aufnahmen schweifen.

In diesem Museum werden also sowohl Autobegeisterte angesprochen, die unbedingt reale Fahrzeuge sehen möchten, als auch Kunstliebhaber, die sich an wunderbaren Fotos von gestern und heute erfreuen. Zu einigen besonderen Anlässen im Jahr ist es sogar möglich, in direkten Kontakt mit heute noch lebenden Fahrerlegenden zu treten, deren Fahrzeuge in der Sammlung Prototyp ausgestellt sind. Wer sich nach all diesen geistigen Eindrücken körperlich stärken möchte, hat dazu im Bistro hinter dem museumseigenen Shop beste Gelegenheit.

Die Sammlung Prototyp trägt den Untertitel „Personen. Kraft. Wagen.“, was eigentlich schon alles aussagt, was man hier in Hamburg finden kann. Wer sich davon gern selbst überzeugen will, sollte sich auf den Weg in die Hansestadt machen. Das Museum ist täglich außer montags zwischen 10:00 und 18:00 Uhr geöffnet.

Weitere Informationen erhalten Sie auch unter www.prototyp-hamburg.de. Dort stehen auch die Tage, an denen über Weihnachten und Neujahr geschlossen ist. Übrigens lohnt es sich durchaus, im Anschluss ein paar Häuser weiter ins Modellbahn-Wunderland zu gehen, sofern man Interesse an computergesteuerten Zügen, Schiffen und Autos im Maßstab 1/87 hat.

Fotograf und Autor: Matthias Kierse

4. Dezember 2010|Categories: Magazin|