Lamborghini Jarama – Wenig bekannte Sportwagen – Kapitel 10

Miura, Countach, Diablo oder Murciélago – alles Modellnamen, die den meisten Autofans bekannt sind. Der Lamborghini Jarama lief an diesem Bekanntheitsgrad Zeit seines Lebens vorbei. Als 2+2-sitziges Coupé ergänzte er das Modellprogramm der Stiere als drittes Modell neben Miura und Espada, blieb mit insgesamt 328 verkauften Fahrzeugen in sechs Jahren aber stets in deren Schatten. Dieses Jahr wird der Wagen 40 Jahre alt.

Lamborghini Jarama

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Neben den weltberühmten Kampfstieren hat Lamborghini ein paar Modelle gebaut, die es nicht als Poster an die Kinderzimmerwand oder als gerahmtes Bild ins Chefbüro geschafft haben. Zu diesen Modellen zählt auch der Lamborghini Jarama, der in diesem Jahr seinen vierzigsten Geburtstag feiert und uns nicht nur deswegen einen Artikel wert ist.

Was wohl nur eingefleischte Lamborghini-Fans wissen: Firmengründer Ferruccio Lamborghini mochte dieses 2+2-sitzige Sportcoupé besonders gern, da er den hohen Komfort in Verbindung mit dem V12-Motor sehr schätzte. Überdies fiel der Wagen nicht durch eine extrem aggressive Sportwagenkarosserie bereits von weitem auf, sondern wirkt fast schon dezent, was von vielen Kunden durch eine eher konservative Farbwahl noch unterstützt wurde.

Das gegenüber dem Miura deutlich weniger aufregende Karosseriekleid stammt dennoch aus der gleichen Feder. Marcello Gandini zeichnete auch den 2+2-Sitzer im Auftrag von Bertone und nutzte als Unterbau ein verkürztes Chassis des Espada. Am gesamten Wagen finden sich nur wenige verspielte Details, einzig die halboffenen Schlafaugen an der Front sind nahezu einzigartig. Wenn der Fahrer die Lampen einschaltet gleiten die Abdeckungen über die Leuchteinheiten hinweg nach unten und geben den Weg für das Licht frei. Da im Werk in Sant‘ Agata zu wenige Kapazitäten frei waren, wurden die Rohkarosserien von Carrozzeria Marazzi aus Mailand zugeliefert, die bereits den 400 GT und den Islero eingekleidet hatten.

Unter der Blechhülle arbeitet der 4 Liter große V12-Motor, der auch den Espada vorantreibt. Mit 257 kW/350 PS war der Jarama gut bestückt und beschleunigte in 6,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Maximal sind 250 km/h machbar, auch wenn das heute wohl kaum jemand mit seinem 40 Jahre alten Fahrzeug ausprobieren wird. Nur zwei Jahre nach der Präsentation brachte Lamborghini eine überarbeitete Version mit dem Namen Jarama S und 268 kW/365 PS heraus, der für 260 km/h gut war. Der S erhielt zusätzliche Luftein- und auslässe in der Motorhaube, um den Temperaturhaushalt unter Kontrolle zu halten. Darüber hinaus durften sich die Besitzer über eine Servolenkung und Räder mit normalen Radschrauben anstelle des Zentralverschlusses freuen. Lamborghini lieferte den Jarama eigentlich als Handschalter aus, doch einige wenige Kunden bestanden aus Komfortgründen auf einer Automatik und erhielten diese auch.

Im Innenraum konnten die Besitzer in bequemen Ledersesseln mit – für die damalige Zeit – ordentlichem Seitenhalt Platz nehmen. Die Sitzplätze in der zweiten Reihe taugten allenfalls für kleine Kinder oder sehr kurze Strecken und wurden daher eher als zusätzlicher Gepäckraum in Anspruch genommen, was die Alltagstauglichkeit des Lamborghini Jarama noch weiter erhöhte. Der eigentliche Kofferraum war nämlich auch nicht gerade klein und so lud das Coupé geradezu dazu ein, mit der besseren Hälfte auf Urlaubstour zu gehen.

Gut erhaltene Lamborghini Jarama werden heute für rund 50.000,- € gehandelt. In Anbetracht der Tatsache, dass lediglich 176 Jarama und weitere 152 Jarama S gefertigt wurden und es sich bis heute um den letzten Lamborghini mit Frontmotor handelt ist dies beinahe nicht zu verstehen. Allerdings bringen die meisten Fans wohl eher radikale Formen wie die des Countach mit der Stier-Marke in Verbindung und können daher mit dem zurückhaltenden Jarama wenig anfangen. Wie geht es Ihnen? Lust bekommen, einen unterschätzten Stier in die Garage zu stellen?

Quelle: Lamborghini

Autor: Matthias Kierse

3. Dezember 2010|Categories: Magazin, Unbekannte Sportwagen|Tags: |

6 Comments

  1. Markus Berzborn 3. Dezember 2010 at 20:33

    Schönes Auto, aber der Vorgänger Islero gefiel mir noch ein Stück besser.
    Beim Jarama stört mich optisch etwas der sehr kurze Radstand, wenn er auch der Wendigkeit zugute kommt.

  2. gecko911 4. Dezember 2010 at 08:29

    Das Auto gefällt mir sehr gut und hat durch die wenig gebauten Exemplare seinen besonderen Reiz.

  3. Ultimatum 5. Dezember 2010 at 15:36

    dieser lamborghini war schon immer etwas für den kenner mit besonderem geschmack. ein wirklich aussergewöhnlicher reise gt für lange strecken. super 12 zylinder sound.
    der im cp zine gezeigte silberne wagen (es sind die offiziellen werksfotos) steht übrigens in einer münchener sammlung und wurde in den 90 er jahren werksrestauriert.

  4. mk2007al 7. Dezember 2010 at 22:44

    doch als 2+2 er finde ich den Maserati Indy unerreicht. Was würde ich drum geben einen zeitgenössichen vergleichstest Lanbo/Maserati/Ferrari zu finden.

  5. Cpt.Kippdotter 30. März 2011 at 10:20

    Moin!
    Habe noch ein paar Bilder von meinem Besuch bei Lamborghini (und Ferrari)
    während meiner Motorradtour im April 2008 gefunden!
    Wen es interessiert:
    [URL="https://picasaweb.google.com/Cpt.Kippdotter/Bella_Italia__Tag_3_Besichtigungen_Ferrari_Lamborghini#"%5D Italientour 2008 [/URL]
    Gruss aus Hamburg
    Kippi

  6. pan2001 5. Juli 2011 at 15:38

    Wer ganz genau hinsieht, kann erkennen, dass bei dem in schwarz weiss abgebildeten Prototypen die Rückleuchten des Audi 100 C1 verbaut wurden. In der späteren Serie verschwanden diese dann wieder.