Xenatec Maybach Coupé – Pressevorstellung in Genf

Während sich unsere Journalistenkollegen zwei Pressetage lang auf dem Genfer Salon vergnügten, knabberten wir ein wenig Zeit ab und folgten einer Einladung zur Pressevorstellung des von Xenatec entwickelten Coupés auf Maybach-Basis. Das Xenatec Maybach Coupé basiert auf der 57 S Limousine und ist vom Daimler-Konzern offiziell anerkannt. Insgesamt sollen maximal 100 Exemplare entstehen, von denen bislang 7 Fahrzeuge ausgeliefert wurden.

Xenatec Maybach Coupé

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Da steht es vor uns, das Xenatec Maybach Coupé. Imposante Größe gepaart mit exklusivem Luxus.

Die Firma Xenatec mag nur wenigen Lesern etwas sagen. Klar, wir haben bereits vor einiger Zeit über das Maybach Coupé berichtet, aber die Herstellerfirma ist dennoch für die Meisten irgendwo aus dem Nichts erschienen. Nicht ganz. Die Firma hat ihren Sitz in Weinsberg. Ältere Leser werden sich eventuell an einen Karosseriehersteller Weinsberg erinnern, der früher unter anderem für Fiat Sonderkarosserien auflegte. Damit ist man bereits auf der richtigen Spur. Später übernahm Thyssen den Karosseriebauer und schloß ihn mit dem ebenfalls erworbenen Betrieb Drauz aus Heilbronn zusammen. Der neue Betrieb firmierte zuletzt unter ThyssenKrupp Drauz Nothelfer und stellte unter anderem Prototypen für verschiedene Hersteller her.

Ende 2009 übernahm die Xenatec Group die Sonderfahrzeugsparte vom ThyssenKrupp-Konzern und firmiert seither unter eigenem Namen. Neben Fahrzeugpanzerungen stellt man im Kundenauftrag weiterhin Sonderkarosserien her und hat sich als Aushängeschild den Maybach ausgeguckt. Da der Daimler-Konzern offenbar wenig Interesse zeigt, ein eigenes Coupé zu entwickeln, trat man mit dem Vorstand in Verbindung und erhielt tatsächlich die Erlaubnis, aus der Maybach 57 S Limousine ein repräsentables Coupé zu machen. Einzige Voraussetzungen: Die Optik des Maybach soll klar erkennbar bleiben, am Antrieb darf nichts verändert werden und die Verarbeitungsqualität muss auf Maybach-Standard liegen. Drei Punkte, die Xenatec sowieso beherzigt hätte.

Während quasi nebenan der Automobilsalon lief hatte Xenatec sich mit einem Pavillion im Außenbereich eines Luxushotels eingemietet, um ausgewählten Kunden und einigen Pressevertretern das Maybach Coupé vorstellen zu können. Gezeigt wurde das Prototypenfahrzeug, mit dem man Erfahrungen beim Aufbau gesammelt hat und erste Kunden überzeugen konnte. Ob die matte Farbgebung den Weg auf allzuviele Kundenfahrzeuge finden wird, darf bezweifelt werden – wobei Xenatec definitiv jeden Farbwunsch umsetzen wird. Jedes Coupé wird von Hand auf Basis der Limousine gebaut, wobei von der Basis nicht viel mehr als die Front mit Kotflügeln und Motorhaube übrigbleibt. Ab der Windschutzscheibe nach hinten handelt es sich um spezielle Manufakturteile, die von Xenatex angefertigt werden.

Die Windschutzscheibe steht flacher und ermöglicht somit die sanftere Formgebung eines Coupés. Um einen besseren Einstieg in den Fond zu gewährleisten verbaut Xenatec größere Türen, hinter denen sich eine neue Seitenpartie anfügt, die dem Wagen hinten 20 Millimeter mehr Breite beschert und damit das ganze Fahrzeug ein klein wenig sportlicher wirken lässt. Die Rückleuchten stammen zwar von der Limousine, werden jedoch im unteren Bereich gekürzt und verleihen dem Heck eine eigenständige Optik, ohne die Linienführung des Maybach zu stören. Die Gesamtlänge beträgt wie beim Basisfahrzeug 5,7 Meter und bietet daher genug Raum im Innenraum, um sich sowohl auf dem Fahrersitz als auch in der zweiten Reihe wohlzufühlen.

Natürlich ist der Gesamtraumeindruck im Interieur nicht so luftig wie in der Limousine. Das liegt am flacher stehenden Dach und den stärker geneigten Scheiben vorn und hinten – aber genau das möchte man ja eigentlich von einem Coupé. Das Showfahrzeug verfügte im Innenraum über einen Mix aus schwarzem Glattleder und braunem Büffelleder. Die Mittelkonsole präsentierte sich in edlem Carbon. Natürlich können die Kunden auch hier fast grenzenlos ihrem persönlichen Geschmack nachgehen und die Materialien und Farben ordern, die sie sich wünschen. Einziges Limit sind dabei gesetzliche Maßgaben. Ausstattungstechnisch befindet sich das Coupé auf Maybach-Niveau, Sondereinbauten wie ein Rearseat-Entertainment-System oder ein Kühlschrank zwischen den hinteren Sitzen ist selbstverständlich möglich.

Selten bot ein Coupé soviel Beinraum im Fond wie das Xenatec Maybach Coupé. Während man über Landstraßen und Autobahn gleitet kann man wie in der Limousine über Armaturen am Dachhimmel beobachten, wie schnell man gerade unterwegs ist. Einzig die Kopffreiheit ist durch das niedrigere Dach in der zweiten Reihe ein wenig eingeschränkt, aber das Coupé wird ja auch gezielt für Kunden gebaut, die das Fahrzeug selbst bewegen möchten. Laut Xenatec waren unter den bisherigen Bestellern durchweg Leute, die ihren bisherigen Maybach eh zumeist selbst gefahren haben und dabei festgestellt haben, dass sie den vielen Platz im Fond eigentlich nicht benötigen.

Dass das Coupé mit Sicherheit Fahrspaß verströmen wird, ist bei einem 6 Liter großen Biturbo-V12 mit 463 kW/630 PS und 1.000 Newtonmetern Drehmoment stark anzunehmen. Der luxuriöse Viersitzer ist auf 275 km/h elektronisch begrenzt, um die Belastung der Reifen im Rahmen zu halten. Xenatec fasst das Triebwerk bewusst nicht an, da dies – wie oben erwähnt – eine der Bedingungen des Daimler-Konzerns war. Auf diese Weise erhalten alle Xenatec Coupés die volle Maybach-Werksgarantie. Einzig die Abgasanlage erhält beim Umbau einen neuen Endschalldämpfer, um ein wenig Sound aus dem V12 zu kitzeln. Hierbei soll aber keinesfalls prolliges Gebrabbel erzeugt werden, sondern eine leicht sportlichere Note ins Cockpit des Coupés wehen. Auf Wunsch bleibt es natürlich bei der absoluten Maybach-Ruhe der Limousinen. Kunden, die dennoch mehr Leistung wünschen sollten, können mit dem Fahrzeug natürlich zum Veredler ihrer Wahl gehen.

Neben der Freiheit bei der Wahl von Lackierung und Innenraumfarben kann der Kunde das Xenatec Coupé auf Wunsch auch in einer gepanzerten Variante ordern. Zusätzlich gibt es neben den serienmäßigen 20 Zoll großen Felgen auch eine Variante in 21 Zoll, die der sportlichen Formensprache des Coupés gut zu Gesicht steht. Wer sich übrigens wundert, dass das Fotofahrzeug keinerlei Maybach-Logos trägt: Xenatec darf bislang erstmal nur die Logos „zweiten Grades“ verwenden, also die in den Frontleuchten, im Tacho und an sonstigen nicht sofort auffallenden Stellen. Die Logos ersten Grades auf Motorhaube, Heckdeckel, Felgen und Lenkrad sollen jedoch in kurzer Zeit folgen.

Interessenten für eines der 100 Xenatec Maybach Coupés müssen in Deutschland mindestens 803.250,- € inklusive Mehrwertsteuer mitbringen, wobei der Preisliste nach oben keinerlei Grenzen gesetzt sind.

Fotograf und Autor: Matthias Kierse

6. März 2011|Categories: Magazin|Tags: |