Volvo P1900 Sport – Wenig bekannte Sportwagen – Kapitel 16

Wie bereits in Kapitel 15 angekündigt, gab es in den 1950er Jahren einen weiteren skandinavischen Sportwagen, der heute nahezu unbekannt ist: Den Volvo P1900 Sport. Nach lediglich 68 gebauten Exemplaren war 1957 bereits wieder Schluss mit lustig. Der Grund dafür lag am hohen Preis des aus Glasfaserkunststoff gefertigten Roadsters, der potenzielle Kunden abschreckte, und der schlechten Qualität. Ein Großteil der Fahrzeuge existiert trotzdem heute noch.

Volvo P1900 Sport

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Ein typischer Sportwagen der 1950er Jahre: Der Volvo P1900 Sport ist jedoch ein äußerst seltenes Fahrzeug geblieben.

Volvo und Sportlichkeit, das waren zwei Begriffe, die bis Mitte der 1950er Jahre nicht zusammenpassen wollten. 1954 präsentierten die Schweden jedoch einen ersten Prototypen, mit dem sich dieser scheinbare Widerspruch in Luft auflösen sollte. Dazu hatte man Kontakte in die USA aufgebaut, um mit der Firma Glasspar zusammen eine Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff zu entwickeln. Die Amerikaner hatten darin bereits Übung, immerhin stellten sie zeitgleich die Karosserieteile für die erste Chevrolet Corvette her. Als Grundlage diente ein Stahlrohrrahmen. Insgesamt brachte der Volvo P1900 Sport getaufte Wagen lediglich 969 Kilogramm auf die Waage.

Die Karosserie erhielt ein Design ganz im Stil der Zeit. Ein großes Kühlerloch in Verbindung mit zwei Rundleuchten bildet die Front. Von den Scheinwerfern an startet eine Schulterlinie, die auch die Oberkante der Türen definiert und erst hinter diesen zum Heck hin leicht abfällt und als Abschluss leichte Heckflossen bildet. Hinter dem Passagierraum schließt sich ein Kofferraum an, der für zwei Leute locker ausreicht, um auf Wochenendreisen zu gehen. Große Chromstoßstangen sorgen für den Eindruck von Sicherheit.

Unter der Motorhaube werkelt ein 1,4 Liter großer Vierzylindermotor, der bei Volvo-Fans als B14B bekannt ist. Bestückt mit SU-Doppelvergasern bringt es das Triebwerk auf 52 kW/70 PS, die über ein manuelles Dreigang-Getriebe auf die Hinterachse übertragen werden und für eine Höchstgeschwindigkeit von rund 150 km/h sorgt. Diese kann von maximal zwei Personen im Cockpit genossen werden, die dabei auf ein in Wagenfarbe lackiertes Armaturenbrett mit acht Rundinstrumenten blicken dürfen.

Der P1900 Sport war auf Wunsch von Volvo-Chef Assar Gabrielsson entstanden, der auch die Kontakte zu Glasspar geknüpft hatte. Der Wagen kam nach lediglich zwei Jahren Entwicklungszeit im Jahr 1956 auf den Markt. Dies war gleichzeitig das Jahr, in dem Gabrielsson von Gunnar Engellau an der Spitze von Volvo abgelöst wurde. Engellau lieh sich Anfang 1957 einen P1900 übers Wochenende aus und war bitter enttäuscht von der Qualität des Fahrzeugs. Dies veranlasste ihn dazu, direkt am ersten Arbeitstag nach seiner Testfahrt die Produktion zu stoppen. Die Plastikkarosserie war so schlecht verarbeitet, dass bei Regen überall Wasser hereinkam, der Rahmen war nicht fest genug und verwand sich in schnell gefahrenen Kurven – kurz: der P1900 erfüllte nicht die Standards, die Engellau an einen Volvo hatte. Dazu kam der Neupreis von 20.000,- SEK (schwedische Kronen), was mehr als doppelt soviel war, wie für einen Volvo PV444.

Somit war nach lediglich 68 gebauten Volvo P1900 Sport das Thema „Volvo und Sportlichkeit“ erst einmal wieder zu Ende. Erst 1961 kam mit dem P1800 ein würdiger Volvo-Sportwagen auf den Markt, der sich lange Zeit halten konnte. Von den 68 P1900 sind immer noch mindestens 50 Fahrzeuge existent, die von Volvo-Fans gehegt und gepflegt werden.

Quelle: Volvo

Autor: Matthias Kierse

10. April 2011|Categories: Magazin, Unbekannte Sportwagen|Tags: |