Sievers SLR GTB – 722 GT für die Straße

Eigentlich ist der Mercedes-Benz SLR McLaren ja bereits auf dem Weg zum Klassiker. Dennoch gibt es einige Enthusiasten, die sich weiterhin der Verfeinerung dieser Wagen widmen. So wie Sievers aus Böblingen mit dem Sievers SLR GTB, der auf der Essen Motorshow seine Weltpremiere feiert. 814 PS und über 1.200 Newtonmeter Drehmoment katapultieren den Sportler in 7,8 Sekunden auf 200.

Sievers SLR GTB

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Wer ist eigentlich Sievers? Mit dieser Frage wollen wir diesen Artikel einmal beginnen. Matthias Sievers ist Diplom Ingenieur und war lange Jahre bei Mercedes-Benz beschäftigt. Oder wie man im schwäbischen Sprachraum etwas pragmatischer sagen würde: „Er hat für den Daimler geschafft“. Dort entwickelte er unter anderem den SLR McLaren mit und kennt daher jede Schraube des Wagens mit zweitem Vornamen. 2006 machte er sich in Böblingen selbstständig mit einem eigenen Unternehmen für Prototypenbau und Tuning, wobei sein Hauptaugenmerk dabei dem SLR gilt. In der Zwischenzeit sind rund 25 feste Kunden in seiner Kartei, die alleine bereits mehr als 50 SLR in allen Varianten mitbringen. Einer von ihnen hatte einen besonderen Wunsch, der zum Sievers SLR GTB führte.

Für diesen Wunsch müssen wir noch einmal etwas ausholen: 2007 präsentierte Mercedes-Benz mit dem SLR 722 GT eine Rennversion für eine eigenständige Rennserie, die SLR Trophy. Damit wollte man zum einen die sportlichen Potenziale des SLR aufzeigen, zum anderen aber auch den SLR-Besitzern besondere Veranstaltungen bieten. Mit dem Kaufpreis zahlten die Kunden gleichzeitig die ersten Renn-Events inklusive Mechanikern und Catering. Allerdings verschwand die SLR Trophy beinahe genauso schnell, wie sie ins Leben gerufen wurde, auch wieder in der Versenkung. Von den 21 geplanten Fahrzeugen entstanden lediglich 12 bei der britischen Firma RML, die hierfür normale SLR Coupés aufgekauft hatte und diese in Handarbeit zu Rennwagen umgebaut hatte.

Da aufgrund der nicht mehr stattfindenden Rennen und mangels Homologation zu anderen Rennserien die wenigen SLR 722 GT nun in den Garagen herumstanden, verkauften nicht wenige Besitzer ihre Fahrzeuge. Ein SLR-Fan dachte jedoch weiter und fragte bei Sievers an, ob man irgendwie an Ersatzteile des 722 GT herankommen könne, um damit den ultimativen Straßenrennwagen zu erschaffen. Ein paar Telefonate später fanden sich der SLR 722-Straßenwagen des Fans und einige Kartons mit Carbonbauteilen in Böblingen wieder, wo sich Matthias Sievers frisch ans Werk machte. Dazu muss man wissen, dass er bereits vorher dem besagten SLR 722 mittels einer neuen Auspuffanlage und einigen weiteren Details ein wenig auf die Sprünge geholfen hatte. Nun also der Versuch, aus einem SLR 722 einen SLR 722 GT zu machen, ohne dabei die Straßenzulassung zu verlieren.

Bereits bei der Sichtung der Teile wurde deutlich, dass es sich um reine Rennsportbauteile handelte, bei denen es nicht um hervorragendes Finish, sondern rein um Gewichtsersparnis ging. Somit wurde viele Stunden geschliffen, um im Lackbild keine Orangenhaut zu erzeugen, immerhin hätte diese bei der gewünschten Farbe auch noch dem Namen nach gepasst. Anschließend wurde die Linie über den vorderen Radhäusern gegenüber dem 722 GT verändert und bis zu den Türen weitergezogen. An dieser Stelle befindet sich auch der breiteste Punkt des Sievers SLR GTB. Einen Meter und neunundneunzig komma fünf Zentimeter erstreckt sich die Haube in die Breite. Selbst Außenspiegel und Heckflügel überragen diesen Wert nicht mehr, obgleich gerade der mächtige Flügel im Format „Biertheke“ aus der Heckperspektive breiter wirkt.

Mit dem reinen Anbau der Teile gab sich Sievers indes nicht zufrieden. Er verfeinerte den Wagen gleichzeitig in vielen Details. So schloss er in der Frontschürze die nicht benötigten Löcher der Nebelscheinwerfer bündig ab und verbaute zusätzliche seitliche Flics, um den Luftstrom rund um die breiten vorderen Kotflügel zu beruhigen. Die Motorhaube mit ihren riesigen Kühlluftauslässen ließ er abgesehen von der bereits erwähnten seitlichen Formänderung oberhalb der Radhäuser unangetastet, immerhin hatte RML genau geschaut, wo die Entlüftung am Motor nötig ist. Am Heck nehmen ein großer Diffusor und der riesige Flügel den Kampf gegen den Fahrtwind auf und pressen dabei den SLR GTB auf den Asphalt.

Neben der brutalen Optik gab es zwei weitere Baustellen, die angegangen wurden. Die eine betrifft das Gewicht des SLR McLaren, das unzweifelhaft eher auf GT- als auf Sportwagen-Niveau liegt. Sievers schaffte es, das Gesamtgewicht von vorher gewogenen 1.776 auf 1.520 Kilogramm zu senken. Dazu flogen erst einmal alle Komforteinrichtungen inklusive Radio, Klimaanlage und Komfortsitzen aus dem Auto raus. Stattdessen gibt es dünn bezogene Carbonschalensitze, deren schwarzer Bezug mit orangenen Ziernähten versehen und durch eine eingestickte „722“ in den Kopfstützen aufgewertet wurde. Allein die Türen wurden um rund 22 kg erleichtert und enthalten nun anstelle von Aluminium-Crashverstrebungen eine genau berechnete Carbonstrebe. Makrolonscheiben, die in den Türen mit Schiebefenstern versehen sind, helfen ebenfalls bei der Gewichtsreduzierung.

Die zweite Baustelle betrifft die Motorleistung. Hier machte Sievers keine großen Experimente mit dem bereits verbauten und gut eingefahrenen Motor, sondern baute auf einem neuen Block ein leistungsgestärktes Exemplar auf. Mittels eines größeren Kompressors und weiteren Verfeinerungen in der Motorzu- und abluft wurde eine Gesamtleistung erreicht, die diesem Fahrzeug mehr als gerecht wird. Stramme 814 Pferdchen versammeln sich zum gemeinsamen Galopp, das entspricht 599 Kilowatt. Das Drehmoment gipfelt bei 1.206 Newtonmetern und führte in der Folge dazu, dass Sievers auch das Getriebe verstärkte, um nicht allzuschnell für Zahnradsalat zu sorgen. In Verbindung mit den Pirelli Trofeo-Reifen, die vorn in 295/30 ZR 19 und hinten in 325/30 ZR 19 kommen, erreichte der Sievers SLR GTB eine Beschleunigungszeit von 0 auf 200 km/h in rund 7,8 Sekunden. Weitere Fahrleistungen konnten aufgrund des herbstlichen Wetters vor der Weltpremiere nicht mehr ausgelotet werden. Die Höchstgeschwindigkeit dürfte jedoch mit Heckflügel bei rund 345 km/h liegen. Eine Brembo-Rennbremsanlage sorgt dafür, das Geschoss wieder sicher zum Stillstand zu bringen, während ein einstellbares KW-Fahrwerk für passende Bodenhaftung sorgt.

Wer sich den Sievers SLR GTB gern persönlich anschauen möchte, hat dazu noch bis zum 4.12. auf der Essen Motorshow in Halle 10 Gelegenheit. Dabei kann man das Fahrzeug direkt mit seinem Vorbild, dem Mercedes-Benz SLR McLaren 722 GT vergleichen, der am selben Stand direkt daneben steht. Und falls Ihnen nun danach ist, auch einen SLR GTB in die eigene Sammlung einzufügen, möchten wir Sie selbstverständlich auch noch mit dem Preis versorgen. Inklusive dem Kaufpreis für einen Basis-SLR 722, dem Kauf der RML-GT-Bauteile, dem Umbau und der TÜV-Abnahme liegen die Erstellungskosten dieses orange lackierten, unverkäuflichen Fahrzeugs bei rund 1.200.000,- € inklusive Steuern.

Quelle: Sievers

Autor und Fotograf: Matthias Kierse

27. November 2011|Categories: Magazin|

2 Comments

  1. Dali_911 27. November 2011 at 19:19

    :puke::-(((°

  2. Hessenspotter 28. November 2011 at 12:24

    Endgeil, das Ding so muss ein richtiger SLR aussehen 🙂