New Stratos – Kleinserie in Reichweite

Nachdem der New Stratos im November der Fachpresse vorgestellt wurde und im Anschluss weltweit die Titelseiten wichtiger Automobilzeitschriften schmückte, rückt eine eventuelle Kleinserienherstellung dieser Neuinterpretation einer Rallye-Legende in greifbare Nähe. Noch in diesem Jahr könnten weitere Exemplare dieses 540 PS starken Sportwagens entstehen. Viele Interessenten haben sich bereits auf der Warteliste eintragen lassen.

New Stratos

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Die einzige optische Abweichung vom historischen Vorbild sind die Klarglasscheinwerfer am New Stratos.

Neuauflagen von legendären Fahrzeugen gelingen mal gut (Ford GT), mal schlecht (VW New Beetle) und hin und wieder einfach grandios. Als Beispiel könnte man den Ferrari P4/5 auf Basis des Enzo aufführen oder den New Stratos von Michael Stoschek. Bei beiden Genannten fallen zwei Dinge auf: Beide wurden von Pininfarina im Kundenauftrag gebaut und beide sind Einzelstücke. Noch! Denn zumindest vom New Stratos könnte es in absehbarer Zeit eine Kleinserie geben. Ein Grund für uns noch einmal genau hinzuschauen.

Als wir im vergangenen August über den New Stratos berichteten waren gerade die ersten Bilder veröffentlicht worden. In den Folgemonaten wurde der Wagen final verfeinert und erhielt sogar den Segen von Ferrari-Chef Luca di Montezemolo, der den Wagen testete und danach seine Cheftechniker ebenfalls zum Fahrtest beorderte, um ihnen zu zeigen, was man aus einem 430 Scuderia alles herausholen kann. Ja, richtig gelesen, unter der Karosserie des New Stratos steckt der Ferrari 430 Scuderia. Allerdings wurde dessen Chassis um 20 Zentimeter gekürzt und mit einem Sicherheitskäfig aus FIA-tauglichem Stahl verschweißt.

Das Ergebnis sind Fahrleistungen, die nicht nur den Ferrari-Chef, sondern auch die versammelte Weltpresse im November auf dem Rennkurs von Paul Ricard in Frankreich beeindruckten und zu einer beispiellosen Serie von Titelfotos auf renommierten Autozeitschriften führten. Der Wagen entstand durch den Zusammenschluss der beiden Stratos-Enthusiasten Chris Hrabalek (Designer) und Michael Stoschek (Chef von Automobilzulieferer Brose). Hrabalek sicherte sich vor einigen Jahren die Namensrechte am Wort „Stratos“ und überraschte die Welt mit dem Fenomenon Stratos, einer ersten Konzeptstudie, die die Machbarkeit einer Neuauflage abklopfen sollte und Michael Stoschek auf den Geschmack brachte.

Nach vielen Gesprächen mit Klein- und Kleinstserienherstellern wie Gumpert, Koenigsegg und Pagani einigte man sich schließlich mit der italienischen Designfirma Pininfarina auf die Zusammenarbeit zum Bau eines fahrtüchtigen „New Stratos“. An dieser Entscheidung war der eingangs erwähnte Ferrari P4/5 nicht ganz unschuldig, brachte er doch den Stein für Pininfarina ins Rollen. Allerdings sind die Italiener während des Aufbaus des New Stratos das eine oder andere Mal schier an der Perfektionswut ihres deutschen Kunden Stoschek verzweifelt. War ein Teil nicht absolut 100%ig so, wie er es wünschte, musste es neu erstellt werden. Wenn Geld keine Rolle spielt, kann es sich eben nur um eine absolute Herzensangelegenheit handeln.

Als Basis wurde der Ferrari 430 Scuderia gewählt, da man, um den New Stratos zulassen zu können, ein Crash-getestetes Chassis vorweisen musste. Wie bereits erwähnt wurden selbiges um 20 Zentimeter zwischen den Achsen gekürzt und versteift, was dem finalen Produkt eine hervorragende Verwindungssteifigkeit gibt. Der Motor des Scuderia blieb an seinem Platz, erhielt jedoch eine neue Abgasanlage, die von einem guten alten Bekannten der Carpassion.com-Gemeinschaft zugeliefert wurde: Capristo Exhaust aus Sundern. Das Hörerlebnis ist einzigartig und lässt die Nackenhaare Tango tanzen. Die Motorleistung stieg durch die Akustikbehandlung zusätzlich an, auf nunmehr 540 PS und 520 Newtonmeter Drehmoment, die durch ein sequenzielles Sechsgang-Getriebe auf die Hinterräder übertragen wird. Dadurch beschleunigt der New Stratos in nur 3,3 Sekunden auf 100 und erreicht maximal 274 km/h. Wer jetzt denkt: „Das ist doch deutlich weniger als beim Scuderia!“, hat damit Recht. Durch eine kürzere Hinterachsübersetzung wird das Tempo limitiert, um den Wagen mit seinem kürzeren Radstand stabil zu halten.

Der Aufbau des ersten Fahrzeugs mit seiner leicht schwarz eingefärbten Sichtcarbon-Karosserie kostete rund 750.000,- € und macht diesen Wagen somit etwa so teuer, wie einen gut erhaltenen „echten“ Lancia Stratos. Stoschek plante jedoch von Anfang an eine mögliche Kleinserie ein. Aufgrund des breiten Medienechos meldeten sich bislang rund 40 ernsthafte Interessenten, die gern einen New Stratos in ihrer Sammlung hätten. Der Aufbau weiterer Fahrzeuge wird mit rund 300.000,- € berechnet. Dazu kommt der Kauf eines gut erhaltenen Ferrari 430 oder 430 Scuderia, für den noch einmal mindestens 100.000,- € eingeplant werden sollten. Ob die Kleinserie bei Pininfarina oder einer anderen Firma angegangen wird, steht noch nicht fest. Wichtig ist Stoschek jedoch, dass die Fahrzeuge in der selben Topqualität zu den Kunden gehen, die sein eigener New Stratos hat.

Genau diesen wird Michael Stoschek übrigens bei der Rally Isla Mallorca zwischen dem 10. und 12. März als 0-Fahrzeug einsetzen. Dafür erhält der Stratos zwar nicht die berühmte Alitalia-Lackierung, für die Front sind jedoch abnehmbare Zusatzscheinwerfer eingeplant. Auf der offiziellen Präsentation im November wurde darüberhinaus ein Modellauto eines GT2-Rennwagens auf Basis des New Stratos gezeigt, das möglicherweise ab der Rennsaison 2012 tatsächlich auf die Rennpisten losgelassen wird. Schön, dass es solche Projekte gibt.

Quelle: New Stratos

Autor: Matthias Kierse

12. Februar 2011|Categories: Magazin|