Marussia – Doch keine Sportwagen aus Russland

Mehr als fünf Jahre wurde entwickelt, zum Teil mit Hilfe der finnischen Profis vom Valmet Automotive, nun steht jedoch endgültig fest: Eine Autoproduktion wird es bei Marussia niemals geben. Der russische Sportwagenbauer schickte letzte Woche alle Angestellten nach Hause. Das gleichnamige Formel 1 Team wurde abgespalten und läuft unter neuer Führung weiter. Neben B1 und B2 hatte Marussia auch den Crossover F2 in der Pipeline. Alle drei Modelle rollen nun ins Museum.

Marussia auf der IAA 2009

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Die 2007 gegründete Firma Marussia präsentierte sich auf der IAA 2009 erstmals auf einer großen Automesse.

Marussia wurde 2007 durch Nikolay Fomenko, Efim Ostrovsky und Andrey Cheglakov gegründet. Im Dezember 2008 wurde das Projekt erstmals vorgestellt. Unter diesem Markennamen sollte Russlands erster Sportwagen auf den Markt rollen, der B1 – zeitgleich mit dem Gesamtprojekt vorgestellt. Das Design: Rassig und rasant mit einer interessanten Bicolor-Lackierung. Unter der Haube sollte ein 3,5 Liter großer V6-Motor von Cosworth zum Einsatz kommen, der es als Saugmotor auf 224 kW/304 PS und 406 Newtonmeter Drehmoment bringt. Alternativ wurde an einem 2,8 Liter Turbo-V6-Triebwerk mit wahlweise 268 kW/365 PS und 519 Newtonmetern oder 313 kW/426 PS und 599 Newtonmetern gearbeitet.

Ein Jahr später auf der IAA 2009 stellte Marussia zusätzlich zum B1 einen zweiten Sportwagen unter dem Arbeitstitel B2 vor. Auch hier sollte in Heck-Mittelmotorbauweise die gleiche Technik verwendet werden. Speziell das Interieur der beiden Sportler war durchaus interessant und an die aktuellen Zeiten angepasst. Anstelle von klassischen Rundinstrumenten gab es Touchscreen-Displays für die Darstellung aller wichtiger Daten und Einstellungen. Während im B2 zwei Displays ausreichen mussten, gab es im B1 sogar drei davon, einer hinter dem Lenkrad, einer mittig und der dritte direkt über dem Handschuhfach angeordnet.

2010 sollte für die Marke besonders wichtig werden. Ein erster offizieller Showroom im Herzen von Moskau wurde eröffnet und die dritte Modellreihe, der siebensitzige SUV-Crossover F2, feierte in Russland Weltpremiere. Erste Vorverträge für die drei Modelle wurden abgeschlossen, auch begründet durch den werbewirksamen Zusammenschluss mit VirginF1. Dieses Formel 1 Team wurde zum Saisonende von den Marussia-Machern aufgekauft und in Marussia Virgin F1 Team umbenannt. Seit 2012 tritt das Team als reine Werksmannschaft unter dem Namen Marussia F1 Team an.

Ebenfalls im Jahr 2012 wurde eine strategische Zusammenarbeit mit Valmet Automotive aus Finnland abgeschlossen, um die Entwicklung und Serienfertigung des B2 endlich voranzubringen. Den B1 hatte man zu diesem Zeitpunkt bereits ad acta gelegt. Auf dem Genfer Auto Salon wurde der weiterentwickelte B2 am Valmet Stand gezeigt. Weitere Vorverträge folgten. Marussia selbst sprach zeitweise von mehr als 350 Vorbestellungen, während ein Termin für den Produktionsanlauf nie offiziell angesetzt wurde.

In der vergangenen Woche wurde nun klar, was manchen Experten schon länger vorschwebte: Eine Produktion des Marussia B2 wird es niemals geben. Stattdessen wurden alle Angestellten nach Hause geschickt. Einzig das Formel 1 Team wird den Namen Marussia weiterhin hochhalten, hängt nun aber nicht mehr an Marussia Motors, sondern an der Schwesterfirma Marussia Communications Ltd.

Ein weiteres, nicht uninteressantes Sportwagenprojekt ist somit also bereits vor der Serienfertigung gescheitert. Autos aus Russland hören somit hierzulande weiterhin einzig auf den Namen Lada.

Quellen: Marussia Motors, wroom.ru

Bilder: Matthias Kierse

 

11. April 2014|Categories: Magazin|Tags: |