Ab in die Schüssel – Besuch im BMW Museum

Hat Ihnen gegenüber schonmal ein Münchner von „Der Schüssel neben dem Vierzylinder“ gesprochen? Dabei ging es mit großer Sicherheit nicht um das jeweilige Gefährt dieses Mitmenschen, sondern eher um das BMW-Werk nahe des Olympia-Parks im Münchener Norden. Das Gebäude der Geschäftsleitung und das anliegende Museum haben sich diese Spitznamen erarbeitet. Letzteres war dem CPzine einen Besuch wert, besonders die Art Car-Sonderausstellung.

BMW Museum

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Was Volkswagen für Wolfsburg, Audi für Ingolstadt und Porsche und Mercedes-Benz für Stuttgart sind, ist BMW ohne Zweifel für die bayrische Landeshauptstadt München. Nahe des Olympiageländes von 1972 finden sich ebensolang wie das weltbekannte „Zeltdach“ zwei weitere charakteristische Bauwerke, die jeder autofine München-Besucher gesehen haben sollte: Der „Vierzylinder“ und die anliegende „Schüssel“. Gemeint sind der Geschäftsleitungsturm und der denkmalgeschützte Museumsbau der Bayrischen Motoren-Werke AG, kurz als BMW bekannt.

In der Schüssel stellte BMW seit den 70ern die große Markenhistorie aus, allerdings wurde der Bau mit der Zeit zu klein, immerhin rollten ja weiterhin hervorragende Autos aus den BMW-Produktionsstandorten in aller Welt. Somit zog man 2004 Konsequenzen und schloss das Museum für umfangreiche Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten. Erst Mitte 2008 wurde der neue alte Museumsbau wieder seiner Bestimmung übergeben. Am Außenbereich durfte dabei wenig verändert werden, da sowohl die Schüssel als auch der Vierzylinder bereits unter Denkmalschutz stehen. Unterirdisch wurde die Ausstellungsfläche allerdings auf 5.000 Quadratmeter verfünffacht. Bei einem Besuch konnte sich das Team des CPzine von den inneren Werten der Schüssel bestens überzeugen.

Auf mehreren Ebenen, die durch so genannte „Laufgänge“ miteinander verbunden sind, wird die reichhaltige Modellgeschichte von BMW gezeigt. Nicht nur die Automobile, sondern auch Motorräder und Flugmotoren haben ihre Ehrenplätze erhalten und werden mehr als würdig vorgezeigt. Es gibt zwar einen vorgeschlagenen Rundweg, wer jedoch wirklich alles entdecken möchte, ist eingeladen ab und an einmal vom Weg abzuzweigen und zu schauen, was sich hinter der nächsten Ecke verbirgt.

Neben festen Installationen gibt es Bereiche, die neu bestückt werden können. Zum Beispiel wenn eine Modellreihe einen runden Geburtstag feiert oder einfach mal wieder beleuchtet werden soll. Bei unserem Besuch konnte man einen Blick auf die lange Historie der Luxusklasse aus bayrischem Haus werfen. Vom 335 von 1939 bis zum 7er der Baureihe E38 reichte der Querschnitt in die Geschichte.

Natürlich kommen auch die Beginne der Automobilproduktion mit dem „Dixi“ oder berühmte Fahrzeuge aus der Historie nicht zu kurz. Sowohl der „Barockengel“ 502, den ältere Leser eventuell noch aus der Fernsehsendung „Funkstreife Isar 13“ kennen, als auch die Knutschkugel Isetta sind vertreten. Auch die „neue Klasse“ und die daraus weiterentwickelten 02er kommen nicht zu kurz – immerhin verdankt BMW ihnen das heutige Bestehen.

Berühmt sind auf jeden Fall die offenen Bayern. Vom 328 von 1936 über den seltenen 507 bis zum Z8 stehen diese Roadster in der untersten Etage und sind bereits lange, bevor man bei ihnen ankommt, von oben zu bestaunen. Unter ihnen steht auch das originale Filmauto aus „James Bond – Goldeneye“, ein hellblauer Z3, der allerdings im Kinofilm nur äußerst kurz zu sehen war.

Auch neuzeitlichere Wagen wie der allererste M3 oder die 5er und 6er Reihen sind vertreten und machen klar, dass BMW nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch nach vorn schaut. Bis heute finden sich Zitate der klassischen Modelle an den Neuwagen in den weltweiten Showrooms wieder. Dazu zählt nicht nur die typische „Niere“ an der Front, sondern bei den Limousinen und Coupés auch der „Hofmeister-Knick“ an der hinteren Seitenscheibe.

Doch mal Hand auf’s Herz: Wer der Leser kennt wirklich alle Modelle der Bayern auswendig? Nicht nur die Historischen, sondern auch die Aktuellen? Vermutlich die Wenigsten. Damit man im Modell-Dschungel nicht zu sehr den Durchblick verliert, hat BMW eine feste Installation mit Modellnamenszügen auf lackierten Blechflächen erstellen lassen. Z4, X3, 525i, 316ti, M3 CSL, 735iL… schauen Sie doch bei einem Besuch selbst einmal, welche Bezeichnungen Sie finden können.

Was bei einer Marke wie BMW natürlich nicht zu kurz kommen darf, ist die Motorsport-Historie. Sowohl auf zwei als auch auf vier Rädern hat man seit den 1920er Jahren Sieg um Sieg eingefahren. Dabei sind so bekannte Fahrzeuge wie der M1 entstanden, die bis heute den Mythos BMW bereichern. Doch auch die beiden Formel 1-Phasen inklusive dem Weltmeistertitel als Motorenlieferant für Brabham in den 70ern und der Zeit mit Ralf Schumacher und Nick Heidfeld bis Ende 2009 sind auf keinen Fall ad acta gelegt und vergessen.

Da sich das CPzine gezielt um sportliche Autos kümmert, waren wir von den ausgestellten Rennfahrzeugen natürlich begeistert. Ob 3.0 CSL oder M3 E30 aus der alten DTM: Sie stehen ebenso hier wie „Gaby“, das Siegerfahrzeug des 24 Stunden-Rennens auf der Nürburgring Nordschleife in den Jahren 2004 und 2005. Die Wagen sind im Übrigen (wie die meisten anderen Ausstellungsstücke) nicht hinter Glas oder Absperrband abgestellt, sondern stehen mitten im Raum und lassen sich somit in ihrer vollen Pracht bestaunen.

All diese Ausstellungsstücke finden sich in der neuen unterirdischen Ausstellungsfläche. Aufmerksame Leser könnten nun fragen, was denn mit der Schüssel ist? Ganz einfach: BMW hat diesen Bereich für Sonderausstellungen reserviert. Diese müssen nicht zwingend mit Automobilen zu tun haben. So gab es hier bereits eine Präsentation von berühmten Museumsbauten, die in aller Welt realisiert worden sind (oder aufgrund ihrer Komplexität eben auch nicht).

Momentan befindet sich hier eine Sonderausstellung, die sowohl für Kunst- wie für BMW-Fans ganz besonders sein dürfte. Im kuppelartigen Innenleben der Schüssel präsentieren sich 14 der bislang 17 entstandenen BMW Art Cars. Seit 35 Jahren vergeben die Münchener immer wieder Fahrzeuge aus Serie und Rennsport an bekannte zeitgenössische Künstler, um einzigartige Meisterwerke daraus zu machen. Unter diesen Künstlern finden sich Andy Warhol, Jeff Koons, Frank Stella oder Roy Lichtenstein. Noch bis zum 30. Juni 2011 haben Sie die Gelegenheit sich diese einzigartigen Werke mit vier Rädern anzuschauen.

Doch auch so lohnt ein Besuch im BMW Museum. Täglich außer montags können Sie sich die genannten und viele weitere Fahrzeuge und Technikexponate am Olympiapark ansehen. Wenn Sie anschließend gern einen Blick auf das aktuelle Modellprogramm anschauen möchten, können Sie einfach die Straßenseite wechseln und in der BMW Welt bei einem Tässchen Kaffee einmal schauen, was heute bei den Münchenern so ausgeliefert wird.

Autor und Fotograf: Matthias Kierse

Bildquelle (1 Bild): BMW

2. Dezember 2010|Categories: Magazin|