Wiesmann Spyder Studie – Radikaler Sportschuh auf Rädern

Mit der 420 PS starken Spyder Studie stellt Wiesmann ein Fahrzeug in einem für die Kleinserienfirma sehr ungewohnten Design vor. Auf dem Genfer Automobilsalon möchte man Feedback für eine angedachte Serienfertigung sammeln. Bei genug positiven Stimmen könnte das weniger als eine Tonne schwere, radikale Sportgerät also tatsächlich auf die Straßen rollen. Sportlich wären dann nicht nur die Fahrwerte, sondern auch die Besatzung.

Wiesmann Spyder Studie

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Ungewohnte Formen rollen uns aus Dülmen entgegen: Wo beim Roadster und GT Rundungen dominieren, sind es beim Wiesmann Spyder deutlich mehr Kanten.

Waren Sie in letzter Zeit mal in einem Schuhgeschäft unterwegs? Was Sie dort sehen gleicht ein wenig dem Angebot auf dem Automobilsektor. Es gibt Modelle, die für den Alltag taugen, Varianten für den gepflegten Auftritt, Versionen, die eher Damen oder Herren ansprechen und nicht zuletzt natürlich Sportschuhe. Was macht einen guten Sportschuh aus? Nun, neben einem eng geschnittenen, passgenauen Oberteil mit möglichst wenig Schnickschnack und noch weniger Gewicht sollte die Sohle für die jeweilige Sportart tauglich sein und nebenbei muss der neue Eigner mit dem Schuh gut klarkommen.

Also absolut nichts anderes als im Automobilbereich. Auch hier zeichnen sich wahre Sportwagen von Möchtegern-Versionen dadurch aus, dass sie auf ihren Einsatzzweck hin maßgeschneidert werden. Allerdings bieten viele Hersteller ihren Kunden zuliebe dann doch wieder einen Haufen Komfortoptionen an, die den Fahrgenuss verwässern. Was wäre also, wenn man das alles weglässt und sich radikal nur auf ein sportliches Leichtbaufahrzeug konzentrieren würde? Diese Frage trieb Martin Wiesmann bereits vor einigen Jahren in seine Entwicklungsabteilung in der Firma, die er Ende der 1980er Jahre mit seinem Bruder Friedhelm in Dülmen gegründet hatte. Zum Genfer Salon 2011 kam er mit einem ersten Ergebnis wieder ans Tageslicht.

Die Wiesmann Spyder Studie war an den Pressetagen in Genf eines der Top-Gesprächsthemen, neben der Anzahl an Elektrofahrzeugen und den neuen Supersportlern aus Italien und Schweden. Somit erreichten die Münsterländer eines ihrer Ziele mit dem neuen Fahrzeug auf Anhieb: Man war in aller Munde. Das Design des Spyder mit seinem weit aufgerissenen, zweigeteilten Maul und dem dazwischen eingefügten, typisch-ovalen Wiesmann-Grill, sowie dem radikal abgehackten Heck wurde dabei äußerst kontrovers diskutiert. Zwischen „total genial“ und „meine Güte, wie furchtbar“ waren dabei alle Reaktionen vorhanden. Und genau da hatte Wiesmann dann auch schon das zweite Ziel erreicht: Man wollte mit dieser Studie ganz gezielt Meinungen einholen, um über eine geplante Serienfertigung nachdenken zu können. Dabei geht es in erster Linie um ein radikales Fahrzeug mit BMW-Technik. Ob die Optik so oder anders aussieht, sollte auf der Messe abgefragt werden. Sicher ist lediglich, dass auch die Serienversion nach Möglichkeit auf Dinge wie eine Windschutzscheibe, Türen oder ein Verdeck verzichten soll.

Wie bereits angedeutet soll das Fahrzeug, wenn es denn in die Fertigungsstraße der Dülmener Manufaktur einbiegt, von der bekannten Technik aus München angetrieben werden. Während vergleichbare Konzepte anderer Hersteller auf Vierzylinder-Turbomotoren vertrauen, geht man bei Wiesmann jedoch einen anderen, noch radikaleren Weg. Die Planung sieht den Hochdrehzahl-Achtzylindermotor aus dem aktuellen BMW M3 vor, der aus vier Litern Hubraum 309 kW/420 PS schüttelt. Wenn man bedenkt, dass man darüber hinaus ein Leergewicht von deutlich weniger als einer Tonne anstrebt, dürften die Fahrleistungen zu Dauergrinsen nicht unter zwei Monaten führen – Fliegen zwischen den Zähnen inbegriffen. Wiesmann hat mal vorsichtig gerechnet und gibt zurückhaltende 290 km/h Höchstgeschwindigkeit und eine Beschleunigung von 0 auf 100 in unter 4 Sekunden an.

Fahrer und Beifahrer befinden sich dabei in je einer eigenen Öffnung der Karosserie und sitzen in superbequemen Sportsitzen mit viel Seitenhalt. Als Pilot blickt man dabei auf ein kleines Sportlenkrad mit integriertem Infodisplay, auf das alle wichtigen Fahrdaten, wie Tempo und Drehzahl eingeblendet werden. Ansonsten gibt es lediglich noch den Schalthebel, mit dem man spielen kann, um die sieben Gänge des Doppelkupplungsgetriebes einzuwerfen. Als Passagier erblickt man auf der rechten Seite lediglich die ungefiltert lange Motorhaube, hinter der man die Straßendecke auf sich zurasen sieht.

Da der Wiesmann Spyder als Sportgerät gedacht ist, kann man davon ausgehen, dass neben den Mov’It-Bremsen und den ultraleichten BBS-Felgen auch die Reifen für absolute Bestwerte ausgelegt sind und somit zwar nicht der Wagen, wohl aber die Besatzung durchaus in den Schweiß kommt. Damit schließt der Spyder durchaus den Bogen zu guten Sportschuhen, die ihr Limit im Normalfall weit jenseits des Bereiches haben, in dem das Limit des Besitzers liegt. Wiesmann – hält sie fit in jeder Lebenslage.

Wer sich gern selbst einen Eindruck vom neuen Wiesmann Spyder machen möchte, hat dazu bis zum 13.3. auf dem Automobilsalon in Genf oder alternativ am 26. und 27.3. beim Frühlingsfest an der Wiesmann-Manufaktur in Dülmen Gelegenheit.

Quelle: Wiesmann

Autor: Matthias Kierse

4. März 2011|Categories: Magazin|Tags: |

One Comment

  1. brobox 6. März 2011 at 10:45

    Radikale Lösungen sind ja durchaus interessant, aber ein Minimum an Nutzbarkeit sollte schon vorhanden sein. Wie will man denn in das Auto rein und wieder rauskommen, ohne sehr schnell den Lack zu zerkratzen? Es müsste, wie beim guten alten Enzmann 506, zumindest eine Einstiegsstufe in die Flanke.