Mercedes-Benz 190 D BlueEfficiency

Ende 1982 kam der Baby-Benz 190 E auf den Markt, ein halbes Jahr später folgte die Dieselversion 190 D. Das Oldtimeralter hat er also noch nicht erreicht und runden Geburtstag hat er auch nicht, was macht dieses Auto also in den News? Der Name Mercedes-Benz 190 D BlueEfficiency ist des Rätsels Lösung. Mercedes-Benz-Ingenieure haben den aktuellen Dieselmotor aus dem C 250 CDI in die Karosserie eines 190ers gesetzt, um zu zeigen, wie weit die Diesel-Entwicklung in über 20 Jahren vorangeschritten ist.

Mercedes-Benz 190 D BlueEfficiency

Bild 1 von 6

Angefangen hat alles bei einer gemütlichen Abendrunde einiger Ingenieure mit der Frage: „Wie könnte man den Fortschritt in der Diesel-Entwicklung mal so richtig deutlich machen?“. Da heutige Autos deutlich schwerer sind als vor 20 Jahren, da viel mehr Sicherheits- und Komfort-Ausstattung verbaut wird, lag die Idee nahe, eine alte Karosserie mit heutiger Technik zu versehen.

Und welches Auto aus dem eigenen Haus hätte da besser gepasst als der Baby-Benz, der 190er, Baureihe W201? 1983 bekam dieses Fahrzeug einen Dieselmotor mit 53 kW/72 PS (später stieg die Leistung auf bis zu 93 kW/126 PS im 2.5 Turbo Diesel) und wurde zum Verkaufserfolg, denn immerhin 33,6 % der 190er Gesamtproduktion nagelten mit Dieselmotoren aus den Werkshallen.

Für den Umbau wurde allerdings kein Diesel-190er gewählt, sondern ein Mercedes-Benz 190 E 2.6 Sportline, um vorne im Motorraum direkt genug Platz für den großen neuen Motor zu haben. Kleinere Motoren brauchen andere Motoraufnahmen im Motorraum, daher sind bei solchen Modellen andere Teile im Vorderbau verbaut, die den Platz einschränken. Der Umbau fand unter Federführung von Peter Lehmann statt, der sonst bei Mercedes-Benz für den Aufbau von Conceptcars verantwortlich ist. Offenbar gibt es sogar innerhalb der Mercedes-Werktore genug Interessenten für ein solches Fahrzeug, denn Lehmann berichtet: „beinahe jeden Morgen hing ein Zettel mit der Frage, wieviel der Wagen denn kosten solle an der Karosserie“. Die Bremsanlage des 2.6ers blieb an Bord, da sie für den neuen Motor ausreichend dimensioniert ist. Auch das sportlicher abgestimmte Fahrwerk des Sport Line-Modells blieb an Ort und Stelle. Nach Sichtprüfung passte der neue Motor direkt, jedoch ergaben sich bei der Überprüfung am Computer dann doch ein paar Problemstellen. So stellt es sich als relativ schwierig dar, die Lenkung durch die Ölwanne zu führen und auch das moderne Sechsgang-Getriebe passte ohne Anpassungsarbeiten nicht in den Mitteltunnel. Das Problem mit der Ölwanne konnte durch einen Griff ins Ersatzteilregal des Mercedes-Benz Sprinters gelöst werden, ein ebenfalls unpassendes Hinterachs-Differenzial wurde gegen ein passendes Teil der C-Klasse (W203) getauscht.

Größere Probleme machte die Elektronik, denn vor über 25 Jahren gab es noch keine hochkomplizierten Steuergeräte, die der moderne Common-Rail-Dieselmotor jedoch benötigt, um rund zu laufen. Da einige Signale beim 190er einfach nicht nachzubilden waren, wird dem Motorsteuergerät nun mittels einer Elektronikbox im Kofferraum vorgegaukelt, er befände sich auf dem Leistungsprüfstand. Dadurch müssen aber nun auch die ABS-Signale simuliert werden, denn auf einem Motorenprüfstand gibt es keine drehenden und bremsenden Räder, aber ohne ABS-Signal meldet das Steuergerät einen Fehler.

Somit verfügt dieses 190 D Projektauto nun also über ein Vierkreis-ABS-Bremssystem, einen digitalen Tacho und einen modernen Dieselmotor, der mit der alten Karosserie leichtes Spiel hat. Wenn man sich vor Augen führt, dass der 190 D 1983 mit 53 kW/72 PS begann, kann man sich vorstellen, wie sich nun 150 kW/204 PS im selben Auto anfühlen. Ein weiteres krasses Beispiel für die Weiterentwicklung ist dabei das maximale Drehmoment: während der offiziellen Bauzeit der Baureihe W201 war es der 190 E 2.5-16 Evolution II, ein nur 502-mal gebautes Homologationsfahrzeug für die alte DTM, der mit 245 Nm Drehmoment den Spitzenwert setzte. Der 250 CDI BlueEfficiency-Motor, der hier ins Projektauto verbaut wurde, hat 500 Nm Drehmoment. Auch ein Blick auf die Beschleunigungswerte zeigt deutlich, dass sich im Diesel-Automobilbau viel getan hat. Das Projektfahrzeug beschleunigt in gemessenen 6,2 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und ist damit um 11,9 Sekunden schneller als der 1983er 190 D.

Interessant für Diesel-Liebhaber ist bekanntlich der Verbrauch. 1988 wurde der 190 D mit 7,3 Liter Verbrauch auf 100 km gemessen, der 190 D BlueEfficiency drückt diesen Wert, trotz annähernd dreifacher Leistung, auf 4,9 Liter. Spannend dabei: er liegt damit 0,2 Liter unter dem Wert des Motorspenders, also des aktuellen Mercedes-Benz C 250 CDI BlueEfficiency! Dies dürfte daran liegen, dass das Projektauto 385 kg leichter und deutlich kleiner (16 cm kürzer und je 9 cm tiefer und schmaler) als die heutige C-Klasse ist.

Quelle: Mercedes-Benz Presseserver

Autor: Matthias Kierse

4. September 2009|Categories: Magazin|