50 Jahre Ferrari 250 GTO – Ein Traum in kleinen Stückzahlen

Wenn eine Sportwagenlegende wie der Ferrari 250 GTO 50 Jahre alt wird, lohnt sich ein Blick über den Tellerrand. Diesen haben wir gewagt und konnten den Ferrari-Experten und Buchautor Matthias Urban für diesen Jubiläumsartikel als Autor gewinnen. Wir hoffen, dass Sie Spaß bei der Lektüre haben und eventuell noch etwas dazulernen können, wenn es hier um das bis heute begehrteste und mittlerweile teuerste Gefährt aus Maranello geht.

Ferrari 250 GTO

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So rollte der Ferrari 250 GTO 1962 in die Öffentlichkeit. Er war als reines Rennfahrzeug gedacht, konnte jedoch für Straßenrallyes mit einer Zulassung versehen werden.

Wie Zeit verfliegt! Gerade erinnere ich mich an die Ausgaben 6 und 7 der damals recht jungen Zeitschrift „Ferrari World“, in denen das 30-jährige Jubiläum des Ferrari 250 GTO medial zelebriert wurde. Es war die Zeit kurz nach dem Ende des unwahrscheinlichen Preis-Hype für die Renner aus Maranello und die Zeit des Beginns meiner Datensammlung, die 15 Jahre später in der Veröffentlichung meines „Handbuch der Ferrari Serien-Nummern 1947 – 2007“ münden sollte.

Wie bei allen Ferrari der „Frühzeit“ – das Unternehmen schlitterte 1962 gerade in seine Pubertät – waren die 250 GTO handgefertigte, wenige Exemplare. Die Zeit, in der Wagen mit der gleichen Typenbezeichnung grundsätzlich alle ein eigenes Erscheinungsbild hatten und Unikate waren, war zwar schon vorbei, an der Menge der produzierten Fahrzeuge merkte man allerdings, wie bis heute, den Hauch des Exklusiven, der damals sicherlich noch viel intensiver wehte – gerade mal 33 Exemplare des heutigen Jubilars entstanden in seiner ursprünglichen Karosserieform mit der 3-Liter-Maschine.

Gedacht als Wettbewerbsfahrzeug übersteigt die Anzahl der Fahrer, zumeist Privateers, die den GTO bewegten, die gebaute Stückzahl um das Dreifache. Michael Salmon nannte den Wagen auf Grund seiner Fahreigenschaften die „Ballerina auf vier Rädern“ und gemessen an heutigen Maßstäben darf die Bezeichnung „Ikone“ schamlos genutzt werden. Dies führte natürlich zu Kindern und Kindeskindern: 1984 bekam das sogenannte Supercar 288 den eigentlichen Namen GTO und 2010 präsentierte Ferrari eine Sondervariante des 599 GTB ebenfalls mit dem Namen GTO. Eine der wählbaren Ausstattungen bei der Außenfarbe des 599 GTO war Argento Nürburgring livera Historic Racing, was nichts anderes definierte, als die Farbe des 250 GTO mit der Serien-Nummer 4153, der, nachdem er vom Franzosen Pierre Dumay eingesetzt worden war, an die belgische Ferrari-Vertretung von Jacques Swaters ging und von der Ecurie Francorchamps, die heuer ihr 60-jähriges Jubiläum feiert, eingesetzt wurde. Wohl als größten Triumph gewann dieser Wagen die Tour de France 1964. Die silberne (Argento) Farbe behielt der Wagen beim Wechsel von Frankreich ins Nachbarland. Der bis dahin vertikal verlaufende Tricolore-Streifen in den Farben der Grande Nation wurde von Swaters durch den bis heute existenten belgisch-nationalen gelben Streifen, der horizontal verläuft, ersetzt. Zwischenzeitlich, und so auch bei den Feiern zum 50-jährigen Jubiläum, hatte der Eigentümer Henri Chambon, der den Wagen von 1986 bis 1997 besaß, diesen 250 GTO in seiner ursprünglichen französischen Tricolore-Ausführung wieder hergerichtet, bevor er wieder zu den belgischen Rennfarben zurückkehrte.

Bunt, im Vergleich zu dem gemeinhin vermuteten Ferrari Rot “Rosso Corsa“, war die Vielfalt der GTO. Es scheute sich auch niemand, ganz im Gegenteil zum heutigen Hang zur Originalität, die Wagen immer nach dem eigenen Gusto umlackieren zu lassen. Leider gilt das auch umgekehrt. Das heißt Rosso Corsa ist immer noch Trumpf, auch, wenn es nicht die originale Farbe war und diese aus heutiger Sicht, höchst spannend wäre. So gab es dunkelblaue, grüne, hellgrüne, gelbe, schwarze und sogar braune GTOs.

Der 250 GT Speciale, Seriennummer 2643GT, gilt als „Versuchslabor“ für den GTO. Das erste GTO-Modell, #3223, wurde noch ohne den Heckbürzel gebaut. Bei späteren Modellen wurde der Spoiler angenietet bevor dieser später Bestandteil der Karosserie wurde. Diese wurde von der Carrozzeria Scaglietti gezeichnet, die später auch den berühmten Daytona entwickeln sollte. Als weiterer berühmter „Mitspieler“ in der GTO-Entwicklung muss Giotto Bizzarrini angesehen werden, der seit 1957 bei Ferrari beschäftigt und mit dem GTO betraut war, bevor er 1962 seine eigene Sportwagenmanufaktur gründete. Einige Exemplare wurden nachträglich mit der Karosserie der Serie II, des sogenannten GTO 64, versehen, von denen neu insgesamt drei Fahrzeuge entstanden. Die GTO-Produktion wurde 1964 eingestellt, legendärer Nachfolger war der nicht minder berühmte 250 LM.

Die GTOs, zumindest diejenigen, die eine 3-Liter-V12-Maschine aufwiesen, wurden mit Motoren des Typs 168/62, einem V12 Zylinder-Colombo-Motor ausgestattet, dessen Höchstgeschwindigkeit mit 300 km/h angegeben wurde. Die Wagen verfügten über ein synchronisiertes 5-Gang-Getriebe und 6 Weber-Doppelvergaser. Das Chassis trug die Typen-Nr. 539/62 und hatte einen Radstand von 2.400 Millimetern. Die Fahrzeuge waren 4,40 Meter lang und 1,245 Meter hoch. Trocken betrug das Gewicht 880 Kilogramm, während der Tank 133 Liter fasste.

Gibt es einen Markt für GTO’s? Die Antwort muss ein ganz klares „Jein“ sein. Es wechseln natürlich Fahrzeuge den Besitzer, das findet dann aber in einer Region zwischen 20 und 30 Millionen US$ statt, was bedeutet: Limitiertes Angebot, hohe – aber marktkonforme – Preise sorgen für stets aufmerksam zur Kenntnis genommenen geringen Umschlag.

Die Fahrzeuge:

  • 3223GT, 250 GTO, Auto der Pressekonferenz im Juni 1961, Mittelblau metallic mit weißem Streifen, schwarzes Interieur, Erstauslieferung in den USA
  • 3387GT, 250 GTO, gebaut im März 1962, Blau metallic mit weißem Streifen, blaues Interieur, zwischenzeitlich rot lackiert und später wieder zurück in den Originalzustand restauriert worden, Erstauslieferung in den USA
  • 3413GT, 250 GTO, gebaut im April 1962, Rosso Cina, schwarzes Interieur, später mit blauem Interieur, wurde mit einer GTO ’64-Karosserie versehen, Erstauflieferung in Italien
  • 3445GT, 250 GTO, gebaut im April 1962, Rot, blaues Interieur, später Blau mit gelbem Streifen lackiert worden, zwischenzeitlich mit Drogo-Karosserie versehen, zurück auf Serie I restauriert in Blau mit gelbem Streifen, Erstauslieferung in Italien
  • 3451GT, 250 GTO, gebaut im April 1962, Kastanienbraun mit weißem Dach, Rot umlackiert worden, schwarzes Interieur, Erstauslieferung in Italien
  • 3505GT, 250 GTO, gebaut im April 1962, Blassgrün, schwarzes Interieur mit blauen Sitzen, Rechtslenker, Erstauslieferung in Großbritannien
  • 3527GT, 250 GTO, gebaut im Mai 1962, Rosso Cina, Interieur in Tan, Erstauslieferung in Österreich
  • 3589GT, 250 GTO, gebaut im April 1962, Blu Scuro, Rosso rotes Interieur, Rechtslenker, Erstauslieferung in Großbritannien
  • 3607GT, 250 GTO, gebaut im Juni 1962, Rosso Cina, schwarzes Interieur, Erstauslieferung in Italien
  • 3647GT, 250 GTO, gebaut im Juni 1962, Rosso Cina, schwarzes Interieur, Rechtslenker, Erstauslieferung in Großbritannien
  • 3673SA, 250 GTO, gebaut im Oktober 1962, Rot, Interieur in Tan, nach Nürburgring-Einsatz bei Tests gecrasht und als 400 Superamerica SWB neu aufgebaut, später mit 330 GTO-Karosserie restauriert worden, Erstauslieferung in Italien
  • 3705GT, 250 GTO, gebaut im Juni 1962, Rosso Cina mit Tricolore-Streifen in französischen Farben, schwarzes Interieur, Erstauslieferung in Frankreich
  • 3729GT, 250 GTO, gebaut im Juli 1962, Weiß, später Rot umlackiert worden, schwarzes Interieur, Rechtslenker, Erstauslieferung in Großbritannien
  • 3757GT, 250 GTO, gebaut im Juni 1962, Rot, schwarzes Interieur, Erstauslieferung in Belgien
  • 3765LM, 330 GTO, gebaut im Mai 1962, Rosso Corsa, schwarzes Interieur, originaler 4-Liter-V12 später durch einen 3-Liter-V12 getauscht, Erstauslieferung in Italien
  • 3767GT, 250 GTO, gebaut im Juli 1962, Grün mit gelber Nase, später Gelb, dann Rot lackiert, dann auf Originalfarben restauriert worden, schwarzes Interieur, Rechtslenker, Erstauslieferung in Großbritannien
  • 3769GT, 250 GTO, gebaut im Juni 1962, Blau, später Rot, dann Silber mit blauem Streifen lackiert worden, schwarzes Interieur, Erstauslieferung in Frankreich
  • 3809GT, 250 GTO, gebaut im Juli 1962, Rosso Cina, schwarzes, später blaues Interieur, Erstauslieferung in der Schweiz
  • 3851GT, 250 GTO, gebaut im September 1962, Grau metallic, später Rot lackiert worden, schwarzes Interieur, Erstauslieferung in Frankreich
  • 3869GT, 250 GTO, London Show Car, gebaut im Oktober 1962, Rot mit blauer Nase, Rechtslenker, Erstauslieferung in Großbritannien
  • 3909GT, 250 GTO, gebaut im September 1962, Grau metallic, später Rot mit weißem Streifen, dann Silber lackiert worden, blaues Interieur, Erstauslieferung in der Schweiz
  • 3943GT, 250 GTO, gebaut im Oktober 1962, Rot, blaues Interieur, Erstauslieferung in Frankreich
  • 3987GT, 250 GTO, gebaut im Oktober 1962, Rot, blaues Interieur, Erstauslieferung in den USA
  • 4091GT, 250 GTO, gebaut im November 1962, Rot, dann Grau metallic lackiert worden, später mit 1964er Karosserie in Rot mit schwarzem Interieur wiederaufgebaut, Erstauslieferung in Italien
  • 4115GT, 250 GTO, gebaut im Dezember 1962, Grau metallic, schwarzes Interieur, später in Rot mit schwarzem und blauem Interieur restauriert worden, Erstauslieferung in Deutschland
  • 4153GT, 250 GTO, gebaut im Juni 1963, Silver mit Tricolore-Streifen in belgischen Farben, dann Streifen in französischen Farben, dann horizontaler gelber Streifen, schwarzes Interieur, Erstauslieferung in Frankreich
  • 4219GT, 250 GTO, gebaut im Februar 1963, Rosso Cina, später in Dunkelblau lackiert worden, blaues Interieur, Erstauslieferung in den USA
  • 4293GT, 250 GTO, gebaut im April 1963, Rosso Cina, schwarzes Interieur, Erstauslieferung in Italien
  • 4399GT, 250 GTO, gebaut im Mai 1963, Rosso Cina & Cambridge Blau „Maranello Conc.“ Rennfarben, schwarzes Interieur, Rechtslenker, GTO’64-Umbau bei Scaglietti, Erstauslieferung in Großbritannien
  • 4491GT, 250 GTO, gebaut im Juni 1963, Grün, schwarzes Interieur, Rechtslenker, Erstauslieferung in Großbritannien
  • 4561SA, 330 GTO, gebaut im September 1963, Rot, schwarzes und blaues Interieur, Rechtslenker, 4-Liter-V12, Erstauslieferung in Frankreich
  • 4675GT, 250 GTO, gebaut im Mai 1963, Rosso Cina, schwarzes Interieur, neue Karosserie vom GTO’64 bekommen, Erstauslieferung in Italien
  • 4713GT, 250 GTO/LM, gebaut im Juni 1963, Rot, schwarzes Interieur, LMB-Karosserie, Erstauslieferung in den USA
  • 4757GT, 250 GTO, gebaut im Juni 1963, Rosso Cina, schwarzes Interieur, Erstauslieferung in Italien
  • 5095GT, 250 GTO, gebaut im September 1963, Rosso Cina, schwarzes Interieur, Erstauslieferung in Italien
  • 5111GT, 250 GTO, gebaut im September 1963, Rosso Cina, schwarzes Interieur, Erstauslieferung in Frankreich
  • 5571GT, 250 GTO’64, gebaut im Februar 1964, Rosso Cina, blaues Interieur, später schwarzes Interieur, Erstauslieferung in den USA
  • 5573GT, 250 GTO’64, gebaut im Juni 1964, Rosso Cina, schwarzes Interieur, Erstauslieferung in den USA
  • 5575GT, 250 GTO’64, gebaut im Mai 1964, Rosso Cina, blaues Interieur, Erstauslieferung in Belgien

Quelle: Ferrari (3 Bilder), Matthias Urban (6 Bilder)

Autor: Matthias Urban

28. März 2012|Categories: Magazin|Tags: |