Lotus Elite – Elitäres Erbe

Auf dem Pariser Autosalon bricht der alteingesessene britische Hersteller Lotus eine Tradition, die sich seit den 40er Jahren erhalten hat. Modernisiert wird eines der Modelle, das um 1960 gemäß der Lotus-Philosophie des Leichtbaus entstand. Der neue Lotus Elite wird schwerer als man es von der Traditionsmarke erwarten würde, dafür bekommt er aber auch einen Leistungsschub, der ebenso unerwarteter ist. An der Front eines optisch ein wenig an den Elite II angelehnten Kleides, produziert ein 5 Liter großer V8 gewaltige 620 PS.

Lotus Elite

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Bei gerade einmal 500 kg Leergewicht waren auch die anfangs mageren 55 kW/75 PS, die einem 1,2 Liter kleinen 4-Zylinder-Motor entsprangen, dazu in der Lage, dem Wagen zu guten Fahreigenschaften zu verhelfen. Gegen Ende der Produktion im Jahre 1962 gab es für die Straße sogar 70 kW/95 PS und im Renntrim, per Weber-Vergaser, bis zu 77 kW/105 PS. Die Kombination aus einem effizienten Motor, Mangel an Gewicht sowie einem cW-Wert von nur 0,29 brachte Lotus sechs Klassensiege beim 24 Stunden-Rennen von Le Mans ein. Das erste Lotus Serienmodell für die Straße beendete 1963, nach 1.030 gebauten Fahrzeugen, die Produktion: Der Lotus Type 14 Elite.

Es sollte 11 Jahre dauern, bis Lotus den Namen Elite wieder aufgriff und einem neuen Serienfahrzeug mit auf den Weg gab. Mittlerweile ist man bereits beim Type 75 angelangt, welcher den Namen Elite II trägt. Das neue Modell ist um einiges gewachsen und erhielt eine völlig neue Form. Grundverschieden vom Ur-Elite blieb man dennoch, sowohl beim Zweisitzer Type 75, wie auch beim gleich geformten Viersitzer Type 83 wenige Jahre später, bei zwei Türen. Es entstand eine Art Coupé-Kombi, oder auch „Shooting Brake“. Auch mit der neuen Form behielt der Elite seine schlanke Linie und kam nicht einmal auf 1.000 kg Leergewicht, mit denen die rund 106 kW/145 PS aus dem Lotus-eigenen 2, bzw. später 2,2 Liter großen Vierzylinder leichtes Spiel hatten.

Zeitsprung um 28 Jahre in die Gegenwart: Gerade noch gipfelte Lotus seinen traditionellen Fahrzeugbau mit der Formel-1-Hommage, dem Typ 125, schon ändert sich alles mit dem nächsten Pariser Autosalon. Zum dritten Mal nimmt sich Lotus dem Namen Elite an und beschreitet einen völlig neuen Weg. Wie schon zuvor, beim Umstieg vom Type 14 zu Type 75, gibt sich auch der Neue in ganz anderem Gewand. Ein 2+2-Coupé mit Fließheck und langer Fronthaube, unter der sich, zur Mitte hingerückt, das Gegenmittel gegen die, für einen Lotus unerhörten, 1.650 kg Trockengewicht verbirgt. Geimpft wird der Wagen mit einem hochdrehenden 5 Liter großen V8, aus dem sich eine Leistung von 456 kW/620 PS, sowie 720 Newtonmeter Drehmoment den Weg an die Hinterachse bahnen. Ob noch im ersten, oder vielleicht nachdem das Hybrid-Getriebe bei maximal 8500 Umdrehungen in den zweiten Gang geschaltet hat, der Elite soll in 3,5 bis 3,7 Sekunden die 100 Stundenkilometer erreichen. Bis gut 315 km/h soll es dann weiter gehen. Damit handelt es sich unzweifelhaft um den stärksten und schnellsten Serien-Lotus aller Zeiten.

Daneben ist eine Hybrid-Version eingeplant, bei der der nicht gerade überforderte Achtzylinder noch zusätzlich durch Elektromotoren unterstützt werden soll. Außerdem wird das aus der Formel 1 bekannte KERS-System Einzug halten. Mit diesen Methoden will Lotus den C02-Ausstoß auf 215 g/km reduzieren. Noch bekommt der Neuzugang in die Lotus-Familie keinen Typencode zugewiesen, da es sich um ein Konzeptfahrzeug handelt, welches aber für die Produktion fest bestimmt ist. Im Frühjahr 2014 soll die Fertigung beginnen und nur wenig später auch der Verkauf. Geplant ist ein Preis von etwa 115.000,- £, also fast 137.000,- € nach aktuellem Wechselkurs. Wieviel sich dabei noch an der Ausstattung machen lässt und wie das den Preis später beeinflusst, wird sich zeigen.

Quelle: Lotus

Autor: Michael Müller

21. September 2010|Categories: Magazin|Tags: |

3 Comments

  1. Graunase 21. September 2010 at 10:24

    Elitäres Erbe wird zu mainstreamhafter Geschichtslosigkeit verarbeitet. Das Ergebnis ist gefällig, aber nichtssagend…

  2. Markus Berzborn 21. September 2010 at 15:13

    "Gefällig aber nichtssagend" scheint halt momentan der Trend zu sein. Siehe Jaguar. 😆

  3. brobox 23. September 2010 at 20:50

    Das ist ja eine richtige Modellflut in letzter Zeit bei Lotus. Hoffentlich übernehmen die sich nicht.