Rolls-Royce 102EX – Leiser geht es nicht

Rolls-Royce bringt uns die Vorzüge des Elektroantriebs erstmals in der Superluxusklasse näher und stattete für den Genfer Salon einen Phantom mit zwei Elektromotoren und insgesamt fünf Akkuzellen mit 96 Modulen aus. 290 kW und 800 Newtonmeter Drehmoment sorgen für lautlosen Fahrkomfort bis zu einer abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Die Beschleunigung auf 100 ist in unter 8 Sekunden erledigt.

Rolls-Royce 102EX

Bild 1 von 5

Worauf kommt es bei einem Rolls-Royce wirklich an? Ganz klar: Auf lautloses Gleiten auf den Wogen des absoluten Luxus. Etwas, was der Rolls-Royce 102EX mit seinem Elektroantrieb problemlos beherrscht.

Wenn man Rolls-Royce-Besitzer fragt, was sie an ihren Fahrzeugen besonders fasziniert, hört man zumeist: Das besonders leise Dahingleiten in vollkommenem Luxus. Somit ist eine Luxuslimousine eigentlich bestens dafür geeignet, mit einem Elektromotor ausgestattet zu werden. Man stellt sich fast die Frage, warum es vor dem Rolls-Royce 102EX noch keinen Versuch dieser Art gegeben hat. Aber widmen wir uns lieber diesem Fahrzeug, dass uns die Briten in Genf vorstellten.

Auf den ersten Blick fällt beim 102EX gegenüber den üblichen Rolls-Royce Phantom eigentlich nur die Lackierung in Atlantic Chrome. Allein für diesen Lack haben die britischen Ingenieure viel Zeit investiert, um ihn zu entwickeln. Nanopartikel, die zwischen 8.000- und 80.000-mal dünner als ein menschliches Haar sind, geben der Farbe einen silbernen Schimmer. Insgesamt 16 Farbschichten wurden aufgebracht und anschließend handpoliert, um ein Ergebnis zu erreichen, dass sich sogar von den bisherigen rund 45.000 Bespoke-Farbtönen noch einmal optisch abhebt.

Als zweiter Unterschied fällt die traditionell auf dem großen Grill platzierte Kühlerfigur „Emily“ auf. Anstelle einer verchromten Metallfigur schmückt den 102EX eine Figur aus Makrolon, die innen von blauen LEDs erhellt wird. Dies ist ein kleiner Hinweis auf den 100sten Geburtstag dieser wohl berühmtesten Kühlerfigur der Automobilgeschichte, der Spirit of Ecstasy. Ansonsten muss man schon sehr genau hinschauen, um die fünfpolige Steckdose in der rechten C-Säule zu entdecken.

Unter der langen Motorhaube hat sich deutlich mehr getan. Der 6,75 Liter große V12 machte Platz für zwei Elektromotoren. Gegenüber den sonst anliegenden 338 kW/460 PS und 720 Newtonmetern Drehmoment wird der Rolls-Royce 102EX mit 290 kW/394 PS und 800 Newtonmetern vorangeschoben, die über ein Einganggetriebe mit integriertem Differenzial übertragen werden. Der Standardsprint auf 100 km/h wird locker in unter 8 Sekunden abgeschlossen, während die Höchstgeschwindigkeit zur Schonung der Reichweite bei 160 km/h elektrisch limitiert wird. Diese liegt, wie man in ersten Testfahrten herausfinden konnte, bei rund 200 Kilometern, je nach Fahrweise.

Das mag ein wenig erstaunen, wenn man weiß, dass im 102EX der wohl größte jemals in einem Auto verbaute Akkusatz mit einem Gesamtgewicht von rund 640 Kilogramm zum Einsatz kommt. 71 Kilowattstunden Kapazität kommen aus fünf Zellmodulen. Diese sind wie folgt zusammengesetzt: Ein Modul mit 38 Zellen, eins mit 36, eins mit 10, eins mit 8 und eins mit 4 Zellen, die so angeordnet sind, dass sie in etwa die Form von Motor und Getriebe des normalen Phantom wiedergeben. Die Ladezeiten liegen bei 20 Stunden an einer Haushaltssteckdose, sowie 8 Stunden an einer Dreiphasenleitung. Der 102EX verfügt jedoch zusätzlich über die Möglichkeit, via Induktion geladen zu werden. Hierzu benötigt man ein Induktionsfeld in der Garage, was heute noch wie Zukunftsmusik klingt.

Im Interieur führen analoge Anzeigen in Atlantic Chrome die Lackfarbe weiter. Einige Informationen ersetzen für Elektrofahrzeuge unwichtige Anzeige-Instrumente. So wurde beispielsweise die Tankanzeige gegen eine Batterieladezustandsanzeige ersetzt. Dazu gibt es die von Rolls-Royce gewöhnte Luxuswelt in edlem Leder. Im 102EX kommt erstmals Corinova-Leder zum Einsatz, das auf natürliche Weise gegerbt ist und nur in wenigen erdigen Farbtönen erhältlich sein wird. Anstelle der sonst bekannten edlen Holzfurniere erhielt der Rolls-Royce 102EX Dekorleisten mit einer Aluminium-bedampften Folie.

Rolls-Royce bietet Fans und Interessierten die Möglichkeit an, unter www.electricluxury.com die Tour des 102EX zu verfolgen, der nun in den Langzeitversuch gehen wird. Darüber hinaus kann man dort seine Meinung zu diesem Projekt kundtun und Informationen erhalten.

Quelle: Rolls-Royce

Autor: Matthias Kierse

7. März 2011|Categories: Magazin|Tags: |

3 Comments

  1. Graunase 8. März 2011 at 10:20

    Fantastisch. Das stilvolle und lautlose Fahren ist mein Traum. Wenn das Auto jetzt noch so wird, daß man sich auch als Nichtangehöriger der Halbwelt und Neureichen darin sehen lassen kann, ich wäre glücklich! Achja, etwas mehr Reichweite darf auch noch sein…

  2. Markus Berzborn 8. März 2011 at 19:58

    Eine interessante Sache.
    Trotzdem ist es natürlich nicht der erste Rolls-Royce, mit dem man stilvoll und nahezu lautlos fährt, denn das war ja schon immer Programm.

  3. Atombender 17. März 2011 at 04:09

    Leider ist die Front immer noch eckig-klobig. Kommt nicht gerade der Reichweite zugute.