Galeria Ferrari – Nicht nur was für Pferdeliebhaber

Mitten in Maranello – das liegt in der Nähe von Modena in Italien – befindet sich nicht nur das berühmte Ferrari-Werk, sondern auch ein feines Museum, gefüllt mit den edelsten Rassepferden, die aus den Werkshallen der Sportwagenmarke in den letzten Jahrzehnten gerollt sind. Das CPzine war zu Besuch in der Galeria Ferrari und war beeindruckt von der Bandbreite der ausgestellten Formel 1-, Rennsport- und Straßenwagen.

Galeria Ferrari

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Unser Besuch liegt zwar schon etwas zurück, dennoch denken wir immer noch mit Freude an ihn zurück. Mitten im kleinen und eigentlich sehr beschaulichen Ort Maranello in der Emilia-Romagna liegt die Geburtsstätte der wohl berühmtesten italienischen Sportwagen. Genau hier entstehen seit 1947 die Wagen mit dem schwarzen Pferd auf gelbem Grund – Ferraris.

Um den zahlreichen Fans – sie nennen sich selbst „Ferraristi“ – neben dem Werk einen weiteren Ort für ihre Pilgerreisen zu geben, baute die Sportwagenmarke ein Museum, in dem in einer Wechselausstellung Autos aus der umfangreichen Modellhistorie und erfolgreiche Rennsportfahrzeuge ausgestellt werden. Daneben sind auch kunstvolle Inszenierungen aus einzelnen Bauteilen zu sehen, wodurch sich der Name des Museums durchaus rechtfertigt, erinnert er doch eher an ein Kunstmuseum: Galeria Ferrari.

Genau hierher hatte es uns vom CPzine also verschlagen und wie man wohl annehmen kann: Es gibt schlimmere Schicksale als dieses. Bereits kurz hinter dem Eingang werden die Besucher durch einen Ferrari 125 begrüßt. Mit diesem Wagen wagte Enzo Ferrari 1947 den Schritt in die Eigenständigkeit. Bis dahin hatte er unter anderem als Rennleiter von Alfa Romeo auf sich aufmerksam gemacht. Nun sollte es also ein eigener Sportwagen richten. Zeit seines Lebens war Enzo Ferrari Fan von Autorennen und so verwundert es kaum, dass seine Fahrzeuge grundsätzlich renntauglich sein mussten und die Serienfahrzeuge für die Straße eher als Beiwerk vom Band fielen, um den Rennsport zu finanzieren.

Natürlich verwundert es unter diesen Voraussetzungen auch nicht, dass Ferrari als einer der ersten Konstrukteure in die 1950 neu eingeführte Königsklasse des Motorsports, die Formel 1 einstieg, in der man als einziges Team ununterbrochen dabei ist. Von Anfang an holte man Weltklassefahrer wie Alberto Ascari oder Juan Manuel Fangio hinters Steuer der roten Renner und errang neben zahlreichen Siegen auch die ersten Weltmeisterschaften. Somit schuf man den Grundstein für einen heute noch gültigen Ruf als Spitzenmannschaft im Motorsport.

In der Galeria Ferrari stehen diese Grand Prix-Rennern gleich im guten Dutzend und quer durch alle Baujahre bis hin zu den aktuellen Wagen der vergangenen paar Jahre. Seitdem sind bekanntlich noch viele Siege und Titel dazugekommen – nicht zu vergessen die berühmten Fahrer, die auf den Ferrari Formel 1-Wagen über die Rennpisten dieser Welt gefahren sind. Darunter Legenden wie Wolfgang Graf Berghe von Trips und Gilles Villeneuve, aber auch heute noch lebende Fahrer wie Nigel Mansell, Alain Prost und Michael Schumacher, der sich spätestens auf Ferrari ja bekanntlich zum lebenden Mythos befördert hat.

Immerhin kann kein anderes Team bisher für sich verbuchen, dass man 15 Fahrerweltmeisterschaften eingefahren hat. Neben Alberto Ascari (zwei Mal) waren auch der unvergessene Juan Manuel Fangio, Mike Hawthorn, Phil Hill, John Surtees, Niki Lauda (zwei Mal), Jody Scheckter und eben Michael Schumacher (fünf Mal) erfolgreich, nicht zu vergessen Kimi Räikkönen, der bislang als letzter Fahrer auf Ferrari Weltmeister werden konnte.

Wenn man bedenkt, dass es die Konstrukteurs-Meisterschaft in der Formel 1 erst seit 1958 gibt, lesen sich 16 Titel umso imposanter. Immerhin wurde das Team somit in vielen Jahren gekrönt, in denen es die Fahrer nicht zum ersten Platz in der Endabrechnung geschafft hatten. Passend zu den 16 Titeln brachte Ferrari bekanntlich letztes Jahr den 430 Scuderia Spider 16M auf den Markt, der sich bei Sammlern großer Beliebtheit erfreut. In der Galeria Ferrari finden sich Modellautos aller jemals eingesetzten F1-Renner. Dazu ist eine Boxengarage nebst Kommandostand nachgebildet, wie man sie heute bei den Rennen sehen kann und einige Pokale haben ebenfalls den Weg in die Sammlung gefunden.

Während das Formel 1-Team dank der weltweiten Fernsehübertragungen jedem Kind ein Begriff ist, sind die Rennsportwagen mit dem Cavallino Rampante heute eher den wirklichen Fans bekannt. Je älter der Leser dieser Zeilen ist, umso eher wird er sich an Ferrari 250 GTO, den 512 M oder den 365 Competizione erinnern, die bei Rennen wie den 24 Stunden von Le Mans, den 12 Stunden von Sebring oder den 1000 km auf dem Nürburgring um den Gesamtsieg kämpften. Auch hier saßen berühmte Fahrer wie beispielsweise Sir Stirling Moss am Steuer und mehrten den Ruf der erfolgreichen Sportwagen aus Maranello in aller Welt.

In den 1970er Jahren entschied sich der Commendatore Enzo Ferrari dazu, den Werksrennsport größtenteils auf das Formel 1-Team zu beschränken. Natürlich gab es immer noch Rennsportwagen, dies jedoch hauptsächlich in den kleineren Klassen oder von externen Firmen entwickelt und dann von Ferrari „geduldet“.

Allerdings zog man sehr erfolgreich einen hauseigenen Markenpokal mit baugleichen Fahrzeugen auf. Dieses Programm gipfelte 2005 im FXX, den man exklusiv für die Corse Clienti (Rennsport-Kundschaft) auf Basis des Supersportwagens Enzo auflegte. Letztes Jahr folgte der 599XX. Für beide Hochkaräter werden mehrere Events im Jahr angeboten, bei denen sich die betuchte Kundschaft mal so richtig auf der Rennstrecke auslassen darf. Darüber hinaus fuhr man mit dem 599XX in diesem Jahr einen Rundenrekord für „vom Seriensportwagen abgeleitete Rennfahrzeuge“ auf der Nürburgring Nordschleife ein, der allerdings kurz darauf unterboten wurde. Einer der geplanten 30 Wagen stand bei unserem Besuch auch in der Galeria Ferrari.

Nun könnte der Eindruck aufkommen, das Werksmuseum seie eine Ansammlung von Rennautos und darüber hinaus wäre für nichts mehr Platz. Weit gefehlt. Die Galeria Ferrari zieht sich über zwei Etagen hin und zeigt neben der motorsportlichen Historie auch das originale Büro von Enzo Ferrari und einen Querschnitt durch das Programm der Straßensportwagen, die mit und ohne Pferd im Wappen aus den heiligen Hallen rollten.

Ohne Pferd? Oh ja. Zwischen 1967 und 1980 gab es die Untermarke „Dino“, die bis 1974 ausschließlich mit V6-Motoren ausgestattet waren. Der Name stammte von Enzos früh verstorbenen Sohn Alfredo „Dino“ Ferrari. Dieser hatte auf Wunsch des Vaters die besten Schulen Europas besucht, um eines Tages die Firma zu übernehmen. Bereits früh in seiner Karriere brachte Dino den Chefentwickler Vittorio Jano auf einen 1,5 Liter großen V6-Motor mit 65°-Zylinderwinkel für die Formel 2. Die Vollendung seiner Idee erlebte Alfredo Ferrari jedoch nicht mehr, da er am 30. Juni 1956 an Muskeldystrophie verstarb. Enzo war darüber sehr betrübt und verpasste im Gedenken an seinen Sohn den Rennwagen mit besagtem V6-Motor den Beinamen „Dino“. Ab 1967 rollte schließlich das erste Straßenfahrzeug unter dem Namen Dino auf die Straßen – der 206 GT. Über den 246 GT und GTS ging die Story der Dinos bis zum 308 GT4, der bis 1980 gebaut wurde. Offiziell hatten diese Fahrzeuge nirgendwo das Cavallino Rampante, allerdings haben viele Besitzer selbiges nachgerüstet.

Neben dieser Seitenstory sind auch berühmte Straßensportler wie der 275 GTB oder der aktuelle 458 Italia ausgestellt. Dazwischen finden sich die Supersportler F40, F50 und Enzo Ferrari. Von diesen Fahrzeugen wurden zur jeweiligen Zeit nur homöopathische Dosen unter’s Volk gestreut. Naja, fast, beim F40 scheint Ferrari vergessen zu haben, das Produktionsband abzustellen, weshalb er lange Zeit mit mehr als 1.200 gebauten Exemplaren der meistverkaufte Supersportwagen der Welt war.

Ein Abstecher in die Galeria Ferrari lohnt also auf jeden Fall für jeden Autofreund, der in Italien Urlaub macht und ein paar Stunden Zeit mitbringt. Zumal fest davon auszugehen ist, dass bereits andere Fahrzeuge in der Ausstellung stehen. Wie gesagt: Unser Besuch liegt schon etwas zurück und dennoch denken wir gern zurück.

Autor und Fotograf: Matthias Kierse

13. Dezember 2010|Categories: Magazin|Tags: |