Pagani Huayra – Gegrüßt sei der Gott des Windes

Der Andenwind hat ausgepustet und macht Platz für den Gott des Windes. Bei Pagani geht der fast schon legendäre Zonda mit all seinen Ablegern in Rente und wird durch den neuen Huayra ersetzt. Auch hier werkelt wieder ein AMG-Triebwerk im Heck. Diesmal ein Biturbo-V12 mit 700 PS und gigantischen 1.000 Newtonmetern. Die Carbon-Karosserie erhält große Flügeltüren, verzichtet dafür aber auf feststehende Spoiler am Heck.

Pagani Huayra

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Der Pagani Huayra löst den Zonda ab und ist wieder ein Gesamtkunstwerk in Kohlefasern. Aus dem ultraleichten Werkstoff besteht nicht nur die Karosserie, sondern auch das Chassis.

Kurz erst einmal die Begriffserklärung: Zonda ist die Bezeichnung eines Windes in den Anden in Südamerika. Huayra ist in der indigenen Sprache Quechua der Begriff für Wind und wird vor allem im Zusammenhang gebraucht – Huayra Tata ist der Gott des Windes und besitzt in südamerikanischen Legenden große Macht. Und zu guter Letzt seie noch erwähnt, dass Pagani schlicht der Nachname des Argentiniers Horacio Pagani ist, der in den 1980er Jahren nach Italien kam, um Sportwagen zu bauen. Nach einer Weile in der Entwicklung bei Lamborghini machte er sich mit seiner eigenen Firma selbstständig und baute zwischen 2000 und 2010 rund 120 Exemplare des Pagani Zonda in verschiedenen Versionen.

Nun ist es Zeit für etwas Neues. Mit dem Zonda hat man genügend Erfahrungen gesammelt, um das Thema Supersportwagen noch gezielter angehen zu können. Gleichzeitig hat man über die 10 Jahre Bauzeit die Partnerschaft mit Mercedes-Haustuner AMG soweit verbessern können, dass für das neue Modell ein exklusiver AMG-Motor entwickelt wurde. Auch die Testarbeit wurde in enger Zusammenarbeit mit AMG und Mercedes-Benz durchgeführt – sowohl im Windkanal als auch auf den Straßen dieser Welt. Herausgekommen ist dabei ein äußerst wertig wirkender Supersportler mit hervorragenden Genen – der Pagani Huayra.

An der Karosserieform wird deutlich, dass auch an Kleinserienfirmen wie Pagani der Lauf der Zeit nicht spurlos vorbeizieht. Um den Huayra weltweit zulassen zu können, musste das Fahrzeug nach sämtlichen geltenden Regeln der Crashsicherheit, Fußgängersicherheit und den kommenden Verbrauchsrichtlinien geplant werden. Daher wirkt die Frontpartie des Neulings auf den ersten Blick ungewöhnlich hoch, lässt dadurch allerdings auch genügend Platz für die Kühler und die Bremsbelüftung. An dieser Stelle bietet Pagani eine Weltneuheit an. Der warme Abluftstrom von den Kühlern wird genutzt, um die Carbon-Ceramic-Bremsscheiben an der Vorderachse auf Temperatur zu halten und somit schneller ansprechen zu lassen. Hinten wird die Abluft der seitlichen Kühler für den selben Effekt genutzt. Bei hohen Geschwindigkeiten und warmer Bremse wird der Fahrtwind wie gewohnt zur Kühlung eingesetzt, während die speziell geformten Felgen den Luftstau aus den Radhäusern absaugen.

In über 5 Jahre langer Arbeit wurde die Formgebung des Pagani Huayra vom ersten Pinselstrich bis zur fertigen Carbon-Karosserie in fast schon wissenschaftlicher Akribie betrieben. Als einziges Bauteil des Vorgängers wurden an der Front die Bi-Xenon-Scheinwerfer des Zonda R übernommen. Alle anderen Teile sind Neuentwicklungen. Auf den vorderen Kotflügeln sitzen weit nach außen geschwungene Rückspiegel, die vom Cockpit aus gut einzusehen sind und dem Huayra-Piloten somit das nötige Quentchen Rundumsicht gewähren. Am Heck fällt die Rückleuchtenanordnung auf. Die drei Rundleuchten bilden auf beiden Seiten jeweils einen rechten Winkel und rahmen den Luftauslass vom Motor ein. Mittig sitzen die Auspuffendrohre. Wie beim Zonda treten vier Endrohre quadratisch angeordnet an, um den Passanten den Marsch zu blasen. Der darunter liegende, große Diffusor sorgt dafür, dass der Pagani Huayra ohne permanenten Heckflügel genügend Abtrieb aufbaut.

Allerdings verfügt der Huayra über vier Spoilerflaps – zwei an der Front und zwei am Heck – die den Luftstrom rund um das Fahrzeug dynamisch beeinflußen können. Der Steuerungscomputer für die Flaps bezieht Daten aus dem ABS und dem Motorsteuergerät und kann so binnen Millisekunden auf Änderungen des Fahrzustands reagieren. Zusätzlich lässt sich der Bodenabstand der Front zum Asphalt durch eine Höhenverstellung beeinflußen, wodurch sich das Fahrzeug bei hohen Geschwindigkeiten noch besser in den Wind legen kann.

Das Monocoque des Pagani Huayra besteht, wie schon beim Zonda R und Zonda Cinque, aus einem Materialmix aus Carbon und Titanium. Damit ist es nicht nur ultraleicht, sondern auch super stabil und sicher. Da bereits früh im Entwicklungsstadium feststand, dass der Huayra Flügeltüren erhalten sollte, musste das Chassis entsprechend darauf angepasst werden, um die Strukturschwächung, die durch die breiten Einschnitte ins Dach einfach entsteht, durch gezielte Maßnahmen auszugleichen. Insgesamt hat Pagani es geschafft, den Huayra durch gezielte Entwicklung auf ein Leergewicht von 1.350 Kilogramm zu bekommen.

Darin ist die neue Kraftquelle im Heck bereits eingeschlossen. Direkt hinter der Besatzung, aber noch vor der Hinterachse arbeitet ein nagelneuer 6 Liter-V12 mit zwei Turboladern, der von Motorenpartner AMG exklusiv für Pagani entwickelt wurde. Die Motorcharakteristik erlaubt es dem Fahrer dabei, sowohl lange Reisen im Cruise-Modus hinter sich zu bringen, als auch den Hammer fallen zu lassen und dem Huayra nach allen Regeln der Kunst die Sporen zu geben. Dem Fahrzeug ist es beinahe egal, wie die Gaspedalstellung aussieht. Bei 515 kW/700 PS und einem Drehmomentplateau von 1.000 Newtonmetern mag das wohl kaum zu verwundern. Natürlich erfüllt das Aggregat die EU5-Norm und die strikten US-Abgaswerte. Die Kraft wird durch ein sequenzielles Siebengang-Getriebe an die Hinterräder.

Dass bei solchen Leistungswerten natürlich die Reifen einen absoluten Topp-Punkt auf der Entwicklungsagenda einnehmen, dürfte jedem Leser einleuchten. Es dürfte wohl nichts Schlimmeres geben, als einen Reifenplatzer bei hohen Geschwindigkeiten. Also zog Pagani bereits sehr früh im Prototypenstadium des Huayra den Reifenhersteller Pirelli heran, um gemeinsam einen Hochleistungsreifen zu entwickeln, der den brutalen Kräften des AMG-Triebwerks gewachsen ist. Pagani hat bislang noch keine Fahrwerte bekanntgegeben, es darf aber davon ausgegangen werden, dass mit den fünf Huayra-Prototypen auf über einer halben Million Testkilometern beeindruckende Werte eingefahren werden konnten. Die Pirelli-Pneus sind zumindest bis zu Höchstgeschwindigkeiten jenseits von 370 km/h zugelassen.

Erstmals betrachten kann man den neuen Pagani Huayra auf dem Genfer Automobilsalon ab Anfang März. Kurz darauf dürfte die Auslieferung beginnen. Preise sind noch nicht bekannt, das CPzine rechnet jedoch mit rund 750.000,- bis 800.000,- € für die deutsche Version, wobei ausstattungsbedingt nach oben kaum ein Limit gesetzt ist.

Quelle: Pagani

Autor: Matthias Kierse

28. Januar 2011|Categories: Magazin|Tags: , |

One Comment

  1. AStrauß 29. Januar 2011 at 22:29

    Genialer Wagen! Was ich nicht verstehe -> Wieso Schaft es Pagani so ein Drehmoment Motor mit einem sequenziellen Getriebe zu kombinieren und Mercedes bzw. AMG lässt Ihre Kunden mit der 5 Stufen Automatik rumeiern .