B.Engineering Edonis – Wenig bekannte Sportwagen – Kapitel 5

Italienische Basis, französische Vorfahren, türkische Entwicklungsabteilung und gerade einmal drei Autos in 11 Jahren gebaut, in vielen Fällen wäre eine solche Firma nahe des Bankrotts, nicht so in Italien. Willkommen bei B.Engineering und dem hauseigenen Supersportwagen Edonis. Aufbauend auf dem Chassis des Bugatti EB110 entsteht hier ein Straßenrenner mit rund 700 PS ganz nach Wunsch des Kunden – maximal 21-Mal.

B.Engineering Edonis

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Über den Bugatti EB110 muss wohl nur wenig geschrieben werden. Diese allradgetriebene Sportwagenlegende der 1990er Jahre dürfte den meisten Lesern des CPzine gut bekannt sein, immerhin fuhr sogar Formel 1-Rekordweltmeister Michael Schumacher lange Zeit einen gelben EB110 SuperSport. Als jedoch Mitte der 90er die Auferstehung von Bugatti wieder unterging, wurde es still um dieses Fahrzeug. Ab und an wechselte ein Gebrauchtwagen seinen Besitzer, ansonsten hörte man nicht mehr viel. Bis zum 1.1.2000. An diesem Tag zog die Firma B.Engineering aus Campogalliano – dem Ort, in dem auch der EB110 entstanden war – das Tuch von ihrem neuen Supersportler, dem Edonis.

Der B.Engineering Edonis sollte nach Willen seiner Entwickler der erste Supersportler des neuen Jahrtausends werden, daher auch der ungewöhnliche Präsentationszeitraum in der Silvesternacht.

Man machte nie einen Hehl daraus, auf welcher Basis der Edonis steht. B.Engineering hatte große Teile der Bugattiproduktion, vor allem Ersatzteile und ungenutzte Chassis aufgekauft und mit diesen Teilen herumentwickelt. Obendrüber wurde eine gänzlich neue Karosserie gezaubert, die eigentlich nur zwei Meinungen zulässt: haben wollen oder abstoßend finden.

Unter dem Kleidchen blieb jedoch nicht einfach alles beim Alten. Der mit vier Turboladern ausgerüstete V12 von Bugatti wurde auf 3,8 Liter Hubraum aufgebohrt und leistete in der Präsentationsvariante 507 kW/680 PS, sowie 735 Newtonmetern Drehmoment. Um Gewicht einzusparen und mehr Fahrdynamik zu erreichen, wurde dem Edonis der Frontantrieb entnommen. Das Gesamtgewicht von rund 1,3 Tonnen kann sich durchaus sehen lassen, wenn man bedenkt, dass im Innenraum alle Komfortoptionen vorhanden sind, die man sich wünscht, seien es elektrische Fensterheber, Klimaanlage oder Servolenkung. Auch feinstes Leder auf Sitzen und Armaturenbrett sind selbstverständlich. So eingebettet kann der Fahrer die Beschleunigung von 3,9 Sekunden von null auf 100 km/h bestens genießen. Als maximale Geschwindigkeit gab B.Engineering 365 km/h an.

Beim Debüt des Fahrzeugs versprach man eine Kleinserie von exakt 21 Autos. Damit wollte man den Anspruch ans erste Supercar des 21. Jahrhunderts unterstreichen. Heute, 11 Jahre nach der Präsentation, sind lediglich 3 Edonis gebaut worden. Kritiker würden nun anfangen, die Marke systematisch zu analysieren und ihr vorwerfen, man habe zuviel versprochen. Dies wäre aber nur gerechtfertigt, wenn B.Engineering in der Zwischenzeit bankrott wäre oder die Produktion und Weiterentwicklung des Edonis eingestellt hätte.

Nichts davon ist der Fall. B.Engineering widmet sich hauptsächlich seinem Kerngeschäft und das ist die Wartung und Reparatur der rund 130 gebauten Bugatti EB110, sowie der drei existenten EB112 Limousinen. Für die Bugatti-Kunden werden auch Reparaturen und Verbesserungen an deren weiteren Sportwagen vorgenommen, immerhin ist es sehr selten, dass ein EB110-Fahrer nicht noch weitere interessante Autos in seiner Garage stehen hat. Diese Arbeiten werden nicht nur vor Ort in Campogalliano, sondern weltweit ausgeführt.

Der Edonis geriet jedoch keinesfalls in Vergessenheit. An den drei bestehenden Fahrzeugen werden fortwährend neue Teile erprobt, ob an der Technik oder an der Optik. So sind gegenüber der allerersten Version die Rückspiegel mittlerweile bei allen Fahrzeugen von der A-Säule auf die vorderen Kotflügel umgezogen, um eine bessere Sicht nach hinten zu garantieren. Darüber hinaus konnten wir bei unserem Besuch in den heiligen Hallen von B.Engineering auch einige Karosserieteile sehen, die ein neueres Design mit LED-Rückleuchten und veränderten Spoilern aufwiesen. Die Entwicklungsabteilung zieht jedoch nun aus Kostengründen in die Türkei um, während die Produktion in Italien verbleibt.

Ja, richtig gelesen, die Produktion. B.Engineering ist jederzeit bereit, einen komplett neuen Edonis für einen glücklichen Kunden aufzubauen. Dieser Neuwagen würde speziell für den entsprechenden Kunden entstehen, wobei im Bereich von Lackierung und Innenausstattung nur sehr wenige Grenzen gesetzt sind. Der Motor leistet mittlerweile mehr als 700 PS und erfüllt die aktuellsten Abgasverordnungen. Preislich beginnt der Wagen bei rund 700.000,- € zuzüglich Sonderausstattungen und Überführung nach Deutschland.

Vielleicht lachen die Italiener doch zuletzt, und wer zuletzt lacht, lacht ja bekanntlich am Besten.

Quelle: B.Engineering (8 Bilder), Matthias Kierse (4 Bilder)

Autor: Matthias Kierse

1. Juni 2010|Categories: Magazin, Unbekannte Sportwagen|

3 Comments

  1. tomekkk 1. Juni 2010 at 19:04

    wenn das Heck nur nicht so hässlich wäre..

  2. Sveni 1. Juni 2010 at 19:10

    Danke fuer diesen Bericht. Nachdem ich dort 2008 war, scheint nicht viel passiert zu sein, schade drum. Trotzdem mag ich das Fahrzeug aufgrund des eigenstaendigen Hecks und der Gesamtform.

  3. F40org 1. Juni 2010 at 20:30

    Danke für den Report!!!