20 Jahre Mercedes-Benz 500 E/E 500 – Die erste Porsche-Limousine

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Beim Stichwort „Familien-Porsche“ denkt man heutzutage sicherlich sofort an Porsche Cayenne und Panamera. Es ist aber noch gar nicht lange her, da waren diese Autos in weiter Ferne und Porsche ging es alles Andere als gut. In dieser Zeit war man glücklich über Fremdaufträge, um das Stammwerk in Zuffenhausen auszulasten. Und so entstanden, vor knapp 20 Jahren, die „Familien-Porsche“, die heute schon Legenden sind. Den Anfang machte der Mercedes-Benz 500 E.

Mercedes-Benz E500

Mercedes-Benz E500
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Im Jahr 1990, genau genommen im Oktober diesen Jahres, stellte Mercedes-Benz auf dem Pariser Automobilsalon eine Sportlimousine auf den Stand. Gegenüber seinen „braven“ Brüdern der W124er Baureihe unterschied sich dieser Benz von außen vor allem durch die ausgestellten Kotflügel und den neuen Frontspoiler mit eingelassenen Nebelscheinwerfern von seinen Artgenossen.

Die größte Neuerung war aber unter der Motorhaube zu finden. Dort wurde erstmals in der Geschichte der Mercedes-Benz Mittelklasse ein V8-Motor verbaut. Es handelte sich dabei um das Aggregat mit der Bezeichnung M119 E50, der erstmals im Roadster 500 SL der Baureihe R129 seine Verwendung fand. Der Motor leistete Anfangs 240 kW/326 PS, ab dem Modelljahr 1993 dann „nur“ noch 235 kW/320 PS, da man auf die schwere Volllastanreicherung verzichtete. Diese war dazu gedacht, den Motor bei Vollast sparsamer zu machen. Da jedoch der überwiegende Nutzer zu selten Vollgas fuhr, konnte man getrost darauf verzichten und sparte zudem noch einige Kilos ein.
Es gab den Mercedes 500 E – ab Modelljahr 1993 auf E 500 umbenannt – nur in Kombination mit einem Automatikgetriebe. Nicht, dass die Stuttgarter es nicht besser konnten, aber die Philosophie war klar. Bei dieser Leistung sollte sich der Fahrer auf das Fahren konzentrieren und nicht auf das Schalten. Zudem wollte man selbstverständlich auch den hauseigenen Ansprüchen hinsichtlich Komfort genüge tun.

Was aber hat das ganze nun mit Porsche zu tun?

Das Fahrzeug wurde im Auftrag von Mercedes-Benz bei Porsche in Weissach entwickelt. Doch damit nicht genug. Nicht nur die Erprobung fand dort statt, sondern als Fertigungsstätte diente das Porsche-Werk in Stuttgart-Zuffenhausen, wo der 500 E von Hand montiert wurde.
Das Automatikgetriebe des Mercedes-Benz 500 E fand übrigens im Gegenzug auch im Porsche 928 GT/S4 und GTS einen Sparringpartner in Form eines V8.

Die Porsche-Aura bot kein Vergleichsfahrzeug, von denen es zur damaligen Zeit zudem recht Wenige gab. Abgesehen vom BMW M5 mit seinem 232 kW/315 PS starken 6-Zylinder-Reihenmotor gab es keine Serienlimousine, die es mit dem 500 E aufnehmen konnte. 6,1 Sekunden von 0-100 km/h und abgeriegelte 250 km/h Spitzengeschwindigkeit sind auch heute noch ein Wort.
Zusätzlich gab es noch die in minimaler Stückzahl entstandenen BMW Alpina B10 Bi-Turbo- und Opel Lotus Omega-Modelle. Wenn wir uns aber an den Stückzahlen orientieren, war der einzig wahre Wettbewerber sicherlich der M5. Klar war der BMW um einiges sportlicher als der E500, es waren eben zwei verschiedenen Philosophien, die bei den beiden Power-Limousinen aufeinander trafen. Dennoch rüttelte der 500 E die Münchner wach, wollten sie doch leistungsmäßig nicht zurückbleiben. Daher schoben sie später eine 250 kW/340 PS starke Variante ihres M5 nach. Der V8 bleib jedoch Alleinstellungsmerkmal der Stuttgarter Sportlimousine.

Natürlich wurde im Mercedes-Benz 500 E seinerzeit alles verbaut, was den Stuttgartern gut und teuer war. Neben dem bereits erwähnten V8 waren dies unter anderem die Vorder- und Hinterachsbremsen des Mercedes-Benz 500 SL, an der Vorderachse mit einem Durchmesser von 300 mm, die Hinterachse bot immerhin noch stattliche 278 mm Durchmesser. Erstaunlicherweise war hingegen die Lederausstattung nur eine Option, was dem Gebrauchtwagenmarkt tatsächlich Modelle mit Stoffsitzen brachte. Man kann wohl trefflich darüber streiten, die persönliche Meinung des Autors ist allerdings, dass bei einem solch exquisiten und edlem Fahrzeug Leder Pflicht sein sollte.

Der Preis dieses edlen Geschosses lag bei Markteinführung bei 134.520,- DM. Zum Produktionsende waren es bereits 145.590,- DM, die man auf das Konto der Stuttgarter überweisen musste. Im Laufe seiner 4-jährigen Bauzeit wurden 10.678 (manche Quellen sprechen auch von 10.359) Fahrzeuge gebaut. Aus diesen Modellen stechen dennoch einige besonders hervor: So wurde die Nummer 10.000 extra für den ehemaligen Werksfahrer Hans Herrmann angefertigt und trug die Sonderfarbe Rubinrot.

Die letzten 500 Fahrzeuge des 500 E, beziehungsweise da ja schon E 500, wurden als Sondermodell „Limited“ gefertigt, die es nur in zwei Außenfarben, nämlich Saphirschwarz und Brilliantsilber gab. Im Innenraum boten sich vier Farboptionen für das Leder: schwarz/schwarz, schwarz/hellgrau, schwarz/rot oder schwarz/grün. Zudem konnte man zwischen Vogelaugenahorn und Zebranoholz für die Dekorleisten wählen. Als weitere Möglichkeit konnte man den Wagen entweder mit den bekannten 8-Loch Felgen oder mit den Felgen des 190 E Evo II ausrüsten lassen. Die Limited-Modelle sind heute die gesuchtesten Fahrzeuge des E 500.

Es gab zudem einige wenige Limited als E 60 AMG. All denjenigen, denen 320 PS nicht reichten, konnte Haustuner AMG einen Nachschlag in Form des E60 AMG bieten, der nunmehr 280 kW/381 PS leistete. Von diesem wurden aber nur geringste Stückzahlen gebaut, was unter anderem auch am sagenhaften Preis von mehr als 178.000,- DM lag.

Noch geringere Stückzahlen gibt es übrigens vom E 500 T-Modell, das den meisten Lesern sicherlich unbekannt ist. Während man den „normalen“ 500 E/E 500 noch ab und zu mal auf der Straße erblickt sind die E 60 AMG und E 500 T-Modelle nahezu vollständig aus dem Straßenbild verschwunden.

Heute altern die meisten W124 500 E/E 500 in Würde. Viele sind mittlerweile zu Sammlerfahrzeugen geworden, die nur noch bei schönem Wetter bewegt werden. Der geschätze Bestand von Fahrzeugen in Originalzustand liegt in Deutschland bei rund 1.200 Fahrzeugen. Ab und zu tauchen mal Exemplare für deutlich unter 10.000,- € auf, von denen man aber besser die Finger lässt. Denn was man am Anfang vermutlich spart, kommt gerade beim 500 E hinterher in 3-4-facher Höhe an Kosten zurück.

Wer sich nach der Lektüre dieses Textes einen 500 E oder E 500 zulegen möchte, dem sei gesagt, dass er zum einen viel Freude an diesem Fahrzeug haben wird, zum anderen aber auch von steigenden Preisen profitieren kann. Die Nachfrage nach guten Exemplaren steigt deutlich an, ebenso wie demnach auch der Preis. Natürlich gilt diese Aussage nur für Fahrzeuge im Originalzustand. Jene Exemplare, die leider bei der „Tiefer-, Breiter-, Härter-Gemeinde“ landeten, sollte man besser, ebenso wie der Teufel das Weihwasser, meiden.

Quelle: Mercedes-Benz

Kategorie: Magazin

Kommentare (8)

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  1. Markus Berzborn sagt:

    Tolles Understatement-Auto.
    Diese E-Klasse-Generation war auch für meine Begriffe formal noch harmonisch, was ich von der aktuellen leider nicht sagen kann.

  2. R-U-F sagt:

    Alois Ruf fährt so einen E500, das Auto hat mittlerweile eine Laufleistung von 450.000 km und steht noch da wie am ersten Tag.

  3. Markus Berzborn sagt:

    450.000 – das ist ein Wort. 🙂

  4. RABBIT911 sagt:

    Schon jetzt ein Klassiker. :-))!

  5. Faultier sagt:

    zeitlos geiles Auto :-))!

  6. EZB sagt:

    Solche ikonenhaften Autos vermisse ich von Mercedes in den letzten 15 Jahren. Auch ohne auffälliges Ornat erkennt der Kenner direkt, was er vor sich hat.

  7. Atombender sagt:

    Die guten alten Breitbandscheinwerfer haben der E-Klasse immer gut zu Gesicht gestanden. An die Doppelglubschaugen der Nachfolger hat man sich einfach irgendwann gewöhnt. Aber der W212 ist für mich der häßlichste E überhaupt.

  8. RABBIT911 sagt:

    Ja, solche Autos fehlen MB im Portfolio. Auch die S-Klasse dieser Zeit war so ein Fahrzeug. Leider werden diese viel zu oft verbastelt oder landen irgendwo in Schwellenländern. 🙁

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