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"historischer Bericht": Wales 2009 mit Porsche carrera targa

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Zugegeben: Dieser Text ist alt - sechs Jahre, um genau zu sein. Beim "Endlich-mal-die-Festplatte-Aufräumen" fiel er mir wieder in die digitalen Finger - und da ich die Bilder dazu auch noch habe, sei er hier zur Unterhaltung eingestellt.

Damals besaß ich einen G-Modell targa von 1988, mit dem (natürlich) auch lange Touren anstanden. Bei mir blieb er nicht dauerhaft, er ging zugunsten des Wiesels. Immerhin: Kein Geld kaputt gemacht, alle Investitionen in Fahrwerk/Kupplung/schaltgestänge/Polsterer/Lackierer wurden 1:1 vom Käufer bezahlt.

Nun aber - los geht's!

Klar war, daß diese Walestour eine echte Fahrtour werden würde, das Programm war mehr als dicht gedrängt: Am Donnerstag um 12.55 Uhr fährt der Zug durch den Kanal ab Calais, das erste Hotel liegt in Südwales (schon mal 1100 km), danach eine Tour am Freitag über die Bracon Beacons an die Irische See (ca. 400 km), dann samstags über Snowdonia an die Nordküste (300 km), dann (gedacht) sonntags gemütlich übers walisische Hinterland wieder zurück in den Süden (350 km). Von dort montags gemütlich um 16.55 wieder in Folkestone „auf den Zug“ und noch bis kurz vor Brügge zur Übernachtung (620 km). Am Dienstag morgens früh los zu meiner Mutter nach (damals) Bad Waldliesborn, dort Geburtstagsglückwunsch, Essen, Kaffee und los Heim (850 km).

Immerhin: Wir haben uns wohl nicht wirklich viel verfahren, es wurden dann knappe 3.800 km.

Aus vorherigen Urlauben war schon klar: Wer in England vorankommen will, muß auf den Motorway, denn die Landstraßen sind eng, winklig und manchmal auch stark befahren – selbst in Wales. Auch klar ist, daß man zum Ankommen manchmal eine gewisse Unerschrockenheit braucht; die Tempolimits sind schon lustig: 112 auf der Autobahn (gähn) und zwischen 80 und 96 auf Straßen außerorts. Der carrera war in seinem Element, anders kann ich’s nicht sagen …

Die Hard Facts vorweg: Ölverbrauch ca. 2 mm am Peilstab, Öl immer noch golden, Sprit zwischen 12,4 und 9,2 L/100 km, insgesamt 10,18 L/100 km. Gottseidank riesiger Tank, denn mehr als 95 Oktan haben in England nur BP und Total – Shell macht bei 95 und „V-Power“ Schluß. Lustig: Frage ans Tankstellenpersonal: „How many octanes does V-Power have?“ – „Dunno“. „Hmm, does anybody here at the station know?“ – „Dunno“. Ein Biker wußte es: „You are looking for V-Power Racing. They sell it only in London!“ (!!!)

Immerhin: Spritpreise (damals) wie bei uns.

Nun aber:

Anfahrt war mehr als lässig über A6 – A62 – A1 – Luxemburg (Tanken, P****, Kippen) – Belgien – über Lille nach Calais. Sah aus wie „Zeit satt“, weil wir schon nach knappen zwei Stunden vollgetankt aus Luxemburg raus waren und es in Belgien auch hmmnunja guut lief. Einen Stau auf der AB bis uns der Gott der Beschilderung kurz in die Irre schickte und die Bahn von Lille ein bißchen baustellenverseucht und deshalb langsamer war. Also noch einen leichten Imbiß und auf zum Eurotunnel! Langsam wird’s auch etwas unangenehm warm, aber erst in dem Baustellenstau vor Calais wurde es heiß. Erst allgemein und dann mir:

Im Stau mal wegen offensichtlich länger dauernden Stillstandes den Motor aus, ging dann doch flott weiter – nur wir nicht. Carrera schweigt! Fluchend auf den Randstreifen und Stefan W., den damaligen Schrauber des Vertrauens, angerufen. „S‘ isch nor d’r Magnedschalder wo bei Hitz‘ aussteigt. Schiebet halt, er springt ja gut an! Wenn er wieder kalt isch, goht’s.“ Tolle Wurst, bei uns geht’s leicht bergauf – also zur Belustigung der Trucker um uns herum zu zweit die Karre angeschoben, ich im Rahmen der Möglichkeiten reingehechtet, Schäferchen schiebt, ich Knie angeschlagen, zweiter Gang, Kupplung – an. Applaus der Fernfahrer hinter uns – wohl für sie, nicht für mich … Er hat nie wieder auch nur eine Mucke gemacht, der Hund!

Nur wird’s jetzt langsam doch zeitlich etwas knapp, also das Herz in die Hand und los – „just in time“ würde der Engländer sagen.

Unterfahrt durch den Tunnel unspektakulär und in der Abwicklung sehr flott – empfehlenswert bis auf die Zugtoiletten.

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Flott und staufrei von Folkestone um London rum Richtung Bristol ist das erste Tagesziel erreicht. Sehr nettes Hotel, sehr leckeres Essen und viele leckere Biere – das

versprach ja wieder zu laufen „wie ein Länderspiel“.

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Die für den nächsten Tag vorgesehene Etappe über den Nationalpark der Brecon Beacons hatte alles für das Autofahrerherz zu bieten, was man sich wünschen kann: Tolle Landschaften, dichte Wälder, völlig überwachsene Landstraßen, enge Paßstraßen, flotte Etappen, romantische Dörfchen – wie aus dem Bilderbuch.

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Nur in schlechter Druckqualität, weil es den ganzen Tag über in unterschiedlicher Heftigkeit Wasser vom Himmel gab. Trotzig dennoch ohne Dach gefahren, aber das macht einen dauerhaft auch nicht froh; der Targabügel steht zu hoch, der Regen wird nicht drüber, sondern dran geweht und dann sieft’s auch innen. Zum Trost in einem unaussprechlichen Ort an der Küste leckersten Käse, Welsh Rarebits und Austern mit trostspenden Bierchen.

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Schlußetappe ins nächste Hotel – nicht ganz so toll wie das erste, aber auch sehr ordentlich, Essen sehr englisch (Salz muß da unglaublich teuer sein …).

Der nächste Tag (Farah Fawcett ist schon gestern gestorben, heute stirbt Michael Jackson) hätte uns atemberaubende Ausblicke über die Höhen des Nationalparks von Snowdonia eröffnen sollen. Menschenleere Hochlandweiden, engste und winkligste Sträßchen hätten Spaß gemacht bis zum Abend. HÄTTEN, denn: Der Sief von gestern ist noch da, hat nur seinen häßlichen Bruder „dichter Nebel“ noch dazugeholt. Über 400 m ist Essig mit Sicht, die engsten und winkligsten Sträßchen verlieren bei Sicht von teilweise keinen 20 m doch deutlich an Reiz!

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Zum Trost ein wunderschönes Hotel und vorher noch eine Tour durch das mittelalterliche Conwy – „man muß Abstriche machen“.

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Humor haben sie ja ...

Zum Abendessen ein riesiges Stück „extra well matured welsh fillet“ bestellt – natürlich ist man so was maximal „medium-rare“, besser blutig. So war’s auch – und schmeckte erstklassig und intensivst nach Rindfleisch.

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Leckere Bierchen dazu, dummes Zeug erzählt und ab in die Falle - - - - tja - - - - drinbleiben wollt’s nicht so recht und am nächsten Morgen ist mir nicht mehr nach Porridge, Cornflakes und Ei mit Toast. Eigentlich bin ich total im Eimer, alles tut weh und irgendwie sind meine Innereien in Auflösung.

Nützt ja alles nix – weiter geht’s. Eine zweite Tour nach Snowdonia haben wir uns deswegen verkniffen, Schäferchen hat sich noch ein „wasweißdennich“ angesehen und ich die Zeit im Auto dösend verbracht. Auf der Tour nach Süden nerven auf einmal die engen und winkligen Sträßchen mit den romantischen Ortsdurchfahrten, ich will eigentlich nur noch ankommen. Und das sonntags, wenn Birmingham, Manchester und Liverpool Wales als Ausflugsziel entdecken; der carrera muß jetzt richtig was leisten. Und er leistet!

Angekommen in der totalen Wallachei im „Bell Inn“ in Sketchfritch. Ein Luxus-Inn mit Suite für uns (kostenloser Upgrade) und nach Schäferchens Schilderung „dem besten, was sie je in England gegessen hat“.

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Optisch sah’s lecker aus, sogar meine Bohnensuppe aus weißen Bohnen schmeckte mir. Mehr war’s auch nicht, aber inzwischen bin ich Cola-Trinker asu purer Not (ohne Eis, möglichst warm, keine Zitrone). War nicht mal teuer – mir reichte schon der Geruch von "Küche" und von draußen reinziehender gaaanz leichter Zigarettenduft.

Am nächsten Tag ist’s nicht wirklich besser, aber nach regnerischer Nacht wenigstens trocken. Also Dach auf und zum Kanal! Locker durchgerollt, nur ein kurzer Stau auf der Stadtautobahn London, alles easy. Wir sind dieses mal mit riesigem Puffer am Tunnel. Nur ist dort am Vormittag ein Güterzug stecken geblieben und damit der Fahrplan durcheinander. Abfahrt 18.15 Ortszeit – Ankunft 19.50 Ortszeit. Heilandss***! Das Abendessen um sieben in Belgien (!) können wir abhaken!

Nö, können wir nicht. Auf wundersame Weise kommen wir doch schon um 16.45 weg. Ankunft 18.20 Uhr in Calais. Jetzt aber los, wir müssen ja noch nach Belgien …

Wo wir trotz bescheidener Beschilderung unsere Unterkunft um kurz nach sieben erreichen. Mitten im Nirgendwo hat einer einen großen Gutshof restauriert und ein Hotel draus gemacht. Klasse anzusehen, selbst was ich aß, hat klasse geschmeckt, super bestücktes Frühstück und auch noch preiswert dazu. Leider ist mir ausgerechnet dazu die Adresse abhanden gekommen - alleine der rohe Schinken zum frühstück wäre eine Reise wert gewesen.

Die Tour nach Bad Waldliesborn zu meiner Mutter beginnt etwas verzögert, Amsterdam ist auch etwas verstaut aber am übelsten haut die A44 ab Dortmund rein. Egal, auch das haben wir geschafft.

Bis uns dann zum guten Schluß der Heini aus der Wohnung unter der meiner Mutter beim „coolen Rangieren“ an den Porsche donnert.

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"Das machen wir ohne Versicherung, ich bin Lackierer, das geht so." Nein, mein Gutster, so geht das nicht. Ich muß nach Speyer zurück und da wird das ordentlich gemacht - incl. Verzinnen damals zarte 1.200 €. Beim Rückwärtsfahren wird er wohl jetzt besser aufpassen!

Markus

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