Brutkasten mit Flügeltüren Erstellt unter Zuhilfenahme der rhetorisch-stilistischen Hilfsmittel der Übertreibung und Zuspitzung.
Es muss eine jener Bierlaunen gewesen sein, im Verlaufe derer man Dinge ausspricht oder zusagt, die man zwar später meistens bereut, an deren Konsequenzen es aber kein Vorbeikommen mehr gibt.
Als Christian mir vor eins, zwei Wochen auf der ciu’ Alsterinsel eröffnete, dass er und damit auch der Isdera Imperator 108i aufgrund einer zu feiernden Hochzeit nicht auf dem 3. Nordheide Sportwagenmeeting erscheinen können würden, fragte ich berechnend dummdreist, ob
ich nicht einfach den Wagen fahren könnte

. Während ich aufgrund des völlig unerwarteten „Warum nicht? Stößchen!“ noch spitzbübisch in mich hineingrinste ahnte ich jedoch nicht, auf was ich mich eingelassen hatte.
Und so trafen wir uns am vergangenen Freitag Abend in der Tiefgarage, in der der Isdera zwischen biederen Mittelklasse-Limousinen kauerte und nur darauf wartete losgelassen zu werden. Es folgte eine einstündige Einweisung von Christian in die Geheimnisse seines Imperator 108i, welche ich mir in Schriftform auch noch mal auf zwei DIN A4 – Seiten zu Gemüte führen konnte. Der Mann hatte an alles gedacht, sympathisch das als mit erster Punkt die ab 260 km/h zu fahrenden Reifendrücke aufgelistet waren. In Verbindung mit dem gleich darauf folgenden Hinweis „Achtung: Kein ABS, kein ESP etc.“ überkam mich eine Ahnung von dem, was mich am Sonntag erwartete. Ach ja: Mit geöffneten Flügeltüren „maximal 50 km/h fahren“, darüber hebt der Isdera vermutlich ab.
Gegen 6:30 Uhr am gestrigen Sonntag morgen warfen User HOLZ und ich erstmals den Motor an, das martialische Brüllen des mit neuen Zylinderköpfen versehenen 5.6L-V8 war gefühlt noch an der Alster zu vernehmen. Vorsichtig bugsierte ich das Biest aus der dunkeln Tiefgarage hinaus ans Tageslicht. Die Straßen waren zu dieser Zeit natürlich leergefegt was mir genug Zeit ließ mich auf den ersten Metern mit den Gegebenheiten im Innenraum vertraut zu machen. Die fest installierte Sitzschale und die damit zurückzulegenden Pedalwege waren idealerweise exakt auf Christians in der Länge nicht unerheblichen Ausmaße abgestimmt. Somit erreichte ich – eh schon liegend – also erst mit komplett durchgedrücktem linken Bein den Druckpunkt der mit gefühlt einem halben Meter Pedalweg gesegneten Kupplung, der auf den letzten aber wichtigen Zentimetern benötigte Kraftaufwand spottet jeder Beschreibung

. Um die im vorderen Teil der Schaltkulisse liegenden Gänge einzulegen, musste ich mich trotz gestrecktem Arm aus dem Sitz lösen – ganz zu schweigen von dem Nachdruck, mit dem dies zu Geschehen hatte. Ich perfektionierte das Gang einlegen in die oben liegenden Gänge später, indem ich sie einfach mit dem rechten Bein in die entsprechenden Gassen geradezu trat

.
Die Pedalerie sitzt wie bei vielen Mittelmotor-Sportwagen jener Tage zur Mitte versetzt, zumal in den vorderen Radkästen unfassbare 285er Breitreifen Platz finden müssen. Mit keinem Sportwagen gemein hat der Isdera den auf dem Dach sitzenden Rückspiegel, an dem man sich aber nach ein paar Kilometern gewöhnt hat. Die Sicht nach vorne ist aufgrund der sich tief nach unten ziehenden Frontscheibe ein Traum, die Sicht nach hinten eingeschränkt aber ausreichend.
Die erste Fahrt führte uns nach Hamburg-Rahlstedt zum Autohaus TAMSEN, wo ich den silber glänzenden Lack vom Staub befreite und die klassischen Kreuzspeichenfelgen in neuem Glanz erstrahlen ließ. Das hierzu benötigte Wasser fand sich nach dem Waschen zu großen Teilen im Innenraum wieder, die Dichtungen der Flügeltüren waren zwei Jahrzehnte nach Auslieferung dieses Imperator 108i an seinen ersten Kunden wohl spröde und durchlässig geworden. Doch ich sollte im weiteren Verlauf der Fahrt feststellen, dass gar nicht genug Wasser vom Dachhimmel auf meine Beine tropfen konnte.
Von Hamburg-Rahlstedt aus begaben wir uns auf den längsten Teil der Fahrt, nämlich über die A1 und A250 nach Embsen. Endlich auf die Autobahn, neben der Landstraße der natürliche Lebensraum eines Isdera. Die Sonne stand inzwischen schon hoch am Himmel und heizte durch die riesige, horizontale Frontscheibe den gesamten Innenraum auf. Da stellt man gerne noch mal fest, dass der Isdera ja keine versenkbaren Seitenscheiben hat

. Und somit ein Denkmal dem Erfinder der Klimaanlage. Jene im Isdera – adaptiert aus einem
Porsche 928 - bemühte sich zumindest, ihren Job zu erledigen. Doch die Temperaturen stiegen und stiegen, der Schweiß floss schneller als das Wasser vom Dachhimmel tropfte

. Hinzu kam, dass der Wagen aufgrund der breiten Reifen auf der ausgefahrenen rechten Spur den Spurrillen nachlief wie ein Bluthund. Doch kein Anlass mehr zum Fluchen, denn auf der A250 ist kein Tempolimit, ich zog rüber auf die linke Spur und ich gab dem Imperator die Sporen. Schön sauber zog der Wagen auf der traumhaft freien Autobahn über die Drehzahl hoch bis 210, 220, der Geradeauslauf hier aufgrund der breiten Reifen und der vergleichsweise kommoden Federung perfekt, das Fahrwerk allgemein vermittelte ein sehr sicheres, verlässliches Gefühl. Die Lenkung des Isdera ist unfassbar direkt und findet bei mir bekannten Sportwagen so keine Entsprechnung. Bei derartig hohen Tempi wie wir sie fuhren musste man aufpassen nicht in der Leitplanke zu landen.
Christian hatte noch am Freitag die „ideale Reisegeschwindigkeit“ mit 250 km/h angegeben, was ich zum Anlass nahm das im Rückspiegel festsitzende BMW 3er Cabrio (E36) aus eben jenem zu entfernen. Hinderlich hierbei, dass der Innenraum mit steigenden Temperaturen immer heißer wurde…, unfassbar heiß. Gefühlte 70°C im Fußraum..., und durch die Frontscheibe knallte die Sonne auf unsere Arme und Bäuche sowie das schwarze Armaturenbrett, auf welchem ich ein Spiegelei hätte braten können… Die Geräuschkulisse bei Tempo 250 wird von den unfassbaren

Windgeräuschen dominiert, es zischt, saugt und zieht an allen Ecken und Enden, HOLZ und ich schrieen uns geradezu an. Hierbei wird wie auch beim Waschen klar, dass sich der Isdera eben noch mitten in der Aufbauphase befindet und Christian den Dichtungen und Spaltmaßen verständlicherweise noch keine allzu große Beachtung geschenkt haben musste. Der Isdera machte Tempo und Technik erlebbar, Geschwindigkeit wurde nicht nur visuell sichtbar sondern gehört, gespürt, geschmeckt, gefühlt – Wahnsinn

!
In Embsen bewegte ich den Isdera nicht mehr - aber er die Teilnehmer und Zuschauer. Wie immer vermuteten einige einen Mercedes-Benz C111 gesichtet zu haben, Bekannte Christians erkundigten sich nach dem Preis, den ich ihm denn gezahlt hätte (ich gab immer mindestens sechsstellige Summen an, gelle Christian

)…
Gegen späten Nachmittag machten HOLZ und ich uns wieder auf die Reise nach Hamburg zurück, wieder A250, wieder 70°C, wieder Schweiss, wieder brüllen, wieder „Reisetempo“. Der Verkehr hatte entsprechend der Tageszeit inzwischen deutlich zugenommen, was allerdings unserem Tempo auf der linken Spur keinen Abbruch tat. Der Isdera Imperator 108i nämlich verfügt aufgrund seiner wirklich aggressiven Fronansicht über ein unfassbares Überholprestige

, wir pflügten geradezu über die Autobahn. Selbst in weiter Ferne – und ohne Xenon-Laserstrahlen – wurden Überholmanöver abgebrochen und die linke Spur geräumt – alles ein Verdienst der martialischen Optik, sehr geil!
In Hamburg rund um die Alster ungläubige Gesichter allenthalben, es wurde jedoch mehr gerätselt mit was man es denn mit dem Isdera zu tun hatte als wie bei sofort zu erkennenden
Ferrari oder
Lamborghini die Fotohandy’s gezückt wurden. In die Höhe gereckte Daumen zeigten jedoch, dass zumindest in Hamburg das Interesse am Unbekannten und die Freude am Exklusiven jeglichen Anflug von Sozialneid entgegentraten

.
Wie sehr der Isdera selbst nach so kurzer Zeit prägt zeigten die ersten Meter in meinem eigenen Auto. Der Blick zum Außenspiegel endete am Glasdach, die Kupplung trat ich bis zum Motor

und HOLZ brüllte ich an er solle doch – endlich – mal die Seitenscheiben herunterlassen.
Ein geiles Auto, ein geiler Tag

. Wir hatten viel Spaß. Man darf auf das Endergebnis Christians Schaffenskraft gespannt sein, schon jetzt fasziniert der Wagen ohne Ende.
Danke auch noch mal an Dich, Christian

!