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Alles über Lackschichtdickenmessungen


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Geschrieben

Ich möchte mich bitte keineswegs in diesen schönen Thread einmischen oder gar reingrätschen. Zum Stichwort -Lackschichtdickenmessgerät- würde ich jedoch gerne versuchen Etwas beizutragen:

 

Ja, so ein Lackschichtdickenmessgerät ist selbstverständlich hilfreich beim Autokauf. Allerdings muss ich sagen bietet solch ein Gerät auf gar keinen Fall eine hundertprozentige Sicherheit und kann mithin trügerisch sein, obwohl es einem eigentlich helfen soll. Wenn du fünf verschiedene Geräte unterschiedlicher Hersteller zum Messen der Lackschichtdicke verwendest, dann wirst du auch fünf unterschiedliche Messergebnisse erhalten. Ich konnte hier teilweise Differenzen von bis zu 60% feststellen. Während ein Gerät beispielsweise eine Lackschicht von 130 µm ermittelt, messen zwei weitere eine Lackschicht von 90 bis 100 µm und die nächsten zwei 180 oder sogar 200 µm (Messung jeweils an der selben Stelle des selben Fahrzeuges). Dieses Phänomen habe ich schon häufig festgestellt und erst letzten Sommer selbst erlebt als ich einen guten Freund beim Besichtigen eines Fahrzeuges unterstützte. Das breite Ergebnisspektrum hat insbesondere mit der Kalibrierung der Messgeräte zu tun und wie präzise die Messgeräte der jeweiligen Hersteller auf unterschiedliche Untergründe reagieren. Hier gibt es gravierende Unterschiede. So werden Messgeräte angeboten, welche die Lackschichtdicke von lackiertem Kunststoff oder lackierter Kohlefaser ziemlich genau bestimmen können, jedoch bei der Lackmessung von lackierten Blech extrem ungenau sind.

 

Speziell bei Ferrari sind Bauteile aus Kunststoff so eine Sache. Teilweise war der lackierte Kunststoff in den 80s/90s derart schlecht beziehungsweise dünn vom Ferrari-Werk lackiert worden, das noch bevor der Kunde das Fahrzeug erhielt die Bauteile vom Händler nochmal zum Lackieren gebracht wurden, um eine einigermaßen adäquate Optik herzustellen. So können Lackschichtdicken von 270-280 µm auf einzelnen Bauteilen eines älteren Ferrari völlig normal sein und nicht automatisch auf einen Unfallwagen hindeuten. Auch große Abweichungen zu anderen  lackierten Bauteilen am Fahrzeug von bis zu 100 µm waren damals keine Seltenheit. Bei Verwendung eines ungenauen Lackschichtdickenmessgerätes können hier gut und gerne mal eine Spanne im Rahmen einer Messung zwischen 80 und 300 µm festgestellt werden. In so einem Fall würde man unter normalen Voraussetzungen das Fahrzeug dann wohl gnadenlos + schnell verurteilen und wohl kaum noch näher berücksichtigen wollen. Aber tatsächlich sind insbesondere bei älteren Ferrari große Unterschiede in der Lackschichtdicke völlig normal. Und darüber hinaus kann das falsche Messgerät die Situation noch verschärfen. Ich tendiere derweil dazu den Lack stets mit zwei Geräten zu vermessen, wovon Eines eine hohe Genauigkeit beim Messen von lackiertem Kunststoff und ein Anderes eine hohe Genauigkeit beim Messen von lackierten Blech vorweist. Nur dann bekommt man ein recht genaues (aber immer noch kein 100% genaues) Bild von der Lackschichtdicke. 

 

Im Zweifelsfall hilft nur ein modernes, hochtechnologisiertes Präzisionswerkzeug namens -Auge-. Mit einem gut geschulten Auge in Kombination mit optimalen Lichtverhältnissen kann man auch heute noch häufig eine mögliche Nachlackierung beziehungsweise einen ausgebesserten Unfallschaden erkennen, selbst wenn die gemessene Lackschichtdicke unbedenklich ist oder es nicht erahnen ließe. Eine selbst mitgebrachte Lichtquelle mit wechselnden Lichtfarben und einstellbarer Lichtstärke ist dabei sehr hilfreich. So, und jetzt ziehe ich mich auch schon wieder raus und fahre mit dem Fahrstuhl zurück nach ganz unten in die Glanzabteilung des Carpassion-Gebäudes. Allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und liebe Grüße,

 

Sarah

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Geschrieben
vor 4 Stunden schrieb Driver A.J.:

@Sarah-Timo mit welchem Gerät hast Du auf Kunststoff gute Erfahrungen gemacht?

Hi AJ,

Lack mit metallischem Untergrund (Alu, Stahl etc.) messe ich mit wie du mit dem Trotec BB20 (tut was es soll und hat einen fairen Preis) oder dem NexDiag NexPTG Professional, einem App-gesteuerten Lackschichtdickenmessgerät. Davon bin ich sehr angetan. Lackierten Kunststoff messe ich mit einem Messgerät der Firma Sauter, dem TB 1000-0.1F, das mit Ultraschall statt einem Induktions- oder Wirbelstromverfahren misst. Bisher funktioniert das ganz gut.

  • Gefällt mir 3
Geschrieben
vor 20 Stunden schrieb Sarah-Timo:

Speziell bei Ferrari sind Bauteile aus Kunststoff so eine Sache. Teilweise war der lackierte Kunststoff in den 80s/90s derart schlecht beziehungsweise dünn vom Ferrari-Werk lackiert worden, das noch bevor der Kunde das Fahrzeug erhielt die Bauteile vom Händler nochmal zum Lackieren gebracht wurden, um eine einigermaßen adäquate Optik herzustellen.

War beim SCUD und ganz extrem beim 16M auch noch so. Die wurden fast alle vor der Auslieferung an den Kunden nochmal lackiert - natürlich zu Lasten des Händler. 

 

Ich benutze zur Lackschichtdickenmessung immer BB20 von Trotec. Bin eigentlich sehr zufrieden damit. 

  • Gefällt mir 2
Geschrieben

Beim 16M und auch später z.B. bei einzelnen F12 TDF waren manche Bauteile tatsächlich immer noch schlecht lackiert. Das Trotec 8820 macht als Lackschichtdickenmesser einen guten Job, es ist handlich und passt auch einfach in die Jackentasche. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Damit macht man m.E. alles richtig. Ebenfalls ganz gut finde ich das Etari MD666. So ein Gerät kauft man sich ja gefühlt für die Ewigkeit und wenn es dann EUR 10-20 mehr kostet (mit einem einhergehenden Mehrwert) dann gebe ich den Mehrpreis für ein Trotec/Etari etc. gerne aus. Besser als so ein No Name China-Schrott der frühzeitig den Geist aufgibt und man dann gezwungen ist zweimal kaufen zu müssen.

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  • 6 Monate später...

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