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Ferrari 360 Kauf - Skandal


Ecco

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Geschrieben

Hallo zusammen,

da ich durch dieses Forum eine Reihe von wichtigen Infos bekommen habe, welche mich bei der Fahrzeugsuche unterstützt haben, möchte ich an dieser Stelle etwas zurückgeben und meine Erfahrungen beim Kauf eines Ferrari 360 kundtun.

 

Präambel

Ähnlich wie den meisten, die der Versuchung eines Kaufs unterliegen, habe auch ich mich vorher gründlich über das Modell informiert. Darüber hinaus würde ich von mir behaupten, dass ich ein solides Verständnis von KFZ-Technik habe.
Einschränkungen beim Kauf wollte ich eigentlich nicht machen, trotzdem war die erste Wahl "Rosso Corsa" als Farbe, die zweite "giallo", am liebsten mit manuellem Schaltgetriebe. Ich entschied aber, bei der Suche nur nach dem besten (technisch, substanziell) Auto ausschau zu halten und alle anderen "Wünsche" subsidiär zu behandeln. 

 

Die Suche

Die bereits gestiegenen Preise der Ferrari 360 führten 2016 zu der Entscheidung entweder jetzt einen zu kaufen oder nie. Nach 9 Monaten der Marktbeobachtung entschloss ich mich, das komplett verfügbare Angebot auf Autoscout24 und Mobile.de abzutelefonieren und zu besichtigen. Dabei habe ich einige tausend Km zurückgelegt und unzählige Enttäuschungen erlebt. 

Die ersten Händler, die ich anrief, entgegneten mir auf die klassischen 'Fragen wie "Reimport, Unfallfreiheit, Nachlackierungen...", dass alles einwandfrei sei. Vor Ort gab es dann die große Enttäuschung. Bei den ersten 3 besuchten Fahrzeugen gab es riesige Lücken im "Service-Lebenslauf" und die Unfallfreiheit konnte durch den Lackschichtenmesser nicht bestätigt werden (eine besondere Enttäuschung war ein "unfallfreier" 360, welcher auf der kompletten linken Seite die 20-fache Lackdichte hatte (und noch dazu Lackeinschlüsse im Klarlack hatte). 

An dieser Stelle sei zu sagen, dass sich meine Erfahrungen über das komplette Angebotsportfolio zwischen 55.000 und 85.000 EUR erstreckt (also auch in höheren Preissegmenten war man vor "Lemons" nicht bewahrt). 

Bei weiteren Händleranrufen wurde ich dann etwas "forscher" und formulierte meine Anfrage direkt so, dass ich mit Lackdichtemessgerät, OBD Tester und Ferrari Meister vorstellig werden würde und ziemlich wütend werden könnte, falls man etwas verschweigt, bzw. in erheblichem Maße von der Produktbeschreibung abweichen sollte. Erstaunlicherweise wurde dann am Telefon weitaus mehr preisgegeben. Bspw. wurde man dann etwas fairer was die Historie anbelangt:

Zitat

"Das Fahrzeug hat zwar eine perfekte Historie, außer über den Zeitraum von 2005 - 2010. Da war das Auto im Ausland. - Da weiß ich jetzt nicht genau was da war."

oder bei einem Angebot mit der Angabe: 1 Hand und durchgehend scheckheftgepflegt 

Zitat

"Das Auto ist 2. Hand. Erste Hand war Tageszulassung (!) und die zweite Hand hat es dann in der Familie weitergegeben..."

Immer wieder stieß ich auch auf einen "ganz kurzen" Auslandsaufenthalt. "Der Vorbesitzer hatte eine Finca im Ausland...." so erklärte man mir mehrfach. Tatsächlich hat dies aber wohl einen anderen Grund. Fahrzeuge die "kurz" in einigen ausländischen (EU-) Ländern zugelassen waren, verlieren die Anzahl Vorbesitzer (im Fahrzeugbrief) bei Wiederzulassung in Deutschland. Ein Schelm, wer Böses denkt.

Wenn wir die Rahmenparameter wie Vorbesitzer und Historie mal etwas außer Acht lassen, gibt es da noch das Thema "Tachomanipulation". Hierzu könnte ich auch wieder einen Roman verfassen. Aber um euch nicht zu langweilen, gleich ein guter Tipp: Lasst bei jedem Fahrzeug die Betriebsstunden respektive KM aus dem ABS Steuergerät auslesen und vergleicht diese mit den Kilometerangaben der Tachoeinheit. Wahrhaft wundersame Unterschiede ergeben sich hier viel öfter als vermutet. Wenn ich schätzen müsste, würde ich sagen, dass mehr als die Hälfte aller gebrauchten Ferrari (360) tachomanipuliert sind.

Weitere Geschichten von Fahrzeugen die mit Ebay-Sperrholz-Applikationen, welche als 100% Original angepriesen wurden, erspare ich uns an dieser Stelle.

 

Standschäden

Ein weiteres wichtiges Thema sind "Standschäden" von sogenanten "wenig KM"- Autos. Einige Fahrzeuge standen sich so lange die Füße platt, dass es Ärger mit verharzten Bauteilen gab. Bsp.:

Zitat

"Den können wir leider doch nicht starten. Der stand etwas länger. Die Einspritzeinheit macht ein wenig Ärger, - machen wir bei Kaufabschluss neu"

Grundsätzlich ist gegen sowas ja nichts einzuwenden, aber wenn man sich mal überlegt, welche Teile noch alle in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn so ein Auto lange steht, wird einem fast schlecht. Insbesondere da gängige Gebrauchtwagengarantien nicht für solche (Folge)-Schäden aufkommen. - Also Vorsicht vor kaputtgestanden Fahrzeugen!

 

Fazit

Kurzum, ein Abenteuer! Von den damals 60 oder 70 Fahrzeugen, die ich "überprüft" hatte, kamen nur 3 in Frage. Gekauft habe ich schlussendlich einen gelben 360 mit fast 70.000 KM, welcher regelmäßig bewegt wurde und 17 Jahre lang beim selben Ferrari Meister in der Wartung war. Bisher mangelfrei.

 

Ich hoffe, diese kurze Zusammenfassung ist dem Einen oder Anderen eine kleine Hilfe.

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Geschrieben

Es scheint einen Unterschied zu machen, ob einem ein Fahrzeug quasi über den Weg läuft (wie bei meinem 599), oder ob man systematisch sucht. Bei einer solchen Suche werden solche Erfahrungen sicherlich öfter gemacht. Als ich seinerzeit (lang ists her) einen BMW 850 suchte, hatte ich ähnliche Erfahrungen gemacht, insbesondere mehr oder weniger gut verschleierte Tachomanipulationen. Gekauft habe ich dann von einem Rechtsanwalt, welcher die Gesamtlaufleistung (nicht: "Tachostand") als zugesicherte Eigenschaft vertraglich gewährleistete (wobei diese ansonsten auch plausibel erschien).

 

Historische Ferrari oder auch andere Exoten haben auch praktisch nie mehr als 5-stellige Laufleistungen, angeblich.... Wobei es bei denen (außer im Hinblick auf den Preis) schon egal ist, weil es auf den meist restaurierten technischen Zustand ankommt.

 

P.S.: Wobei das teilweise aber auch an den Kunden liegt. Wenn ich meinen 550 irgendwann mal verkaufen werde, wird der weit über 100 Tkm gelaufen haben und das werde ich auch angeben. Ich vermute allerdings, dass sich kaum Interessenten für einen 550 mit sagen wir 170 Tkm finden werden, auch wenn der Zustand besser sein wird, als bei so manchem Stehzeug ... Ich werds ja sehen ... :D

Geschrieben

Danke für den Bericht! Ein Exkurs über deine Erlebnisse in Sachen Tachomanipulation würde mich auch interessieren.

 

Eine Frage am Rande an die Experten die jetzt nicht direkt etwas mit dem Thema zu tun hat: Werden Lack-Reparaturarbeiten außerhalb des Werks mit dem Gartenschlauch erledigt oder wie kommt es sonst zu „20-fachen“ Lackdichten? :-o

Geschrieben

Originale Lackschichtdicken liegen bei selten mehr als 200 µm. Das 20-fache wäre rund 4 mm. Das ist eine durchaus nicht selten zu beobachtende Gesamt-Schichtdicke, wenn Dellen gespachtelt und dann lackiert wurden.

Geschrieben
vor 24 Minuten schrieb Jarama:

Das 20-fache wäre rund 4 mm

OT: Und das wäre wiederum nichtmal so schlecht wenn das Blech vorher gefaltet war. Also immer Ansichtssache ^^

Geschrieben

Hallo Ecco,

Respekt für deine Ausdauer. Ich habe mir ja auch schon ein paar 'Exoten' zugelegt aber in der umfassenden Form der Selektion wäre mir das zu viel gewesen. Meine Erfahrung ist, dass ich bisher bei renommierten Händlern keinen Fehler mache. Da zahlt man vielleicht den einen oder anderen Tausender mehr. Aber dafür erhält man ein Auto vom Fachmann (ich bin keiner) und ein gutes Gefühl.

Ich will jetzt nicht behaupten, dass Privatverkäufe generell nicht das Gelbe vom Ei sind, aber ich habe selten so viel Vertrauen zum Verkäufer aufbauen können, dass ich ohne Zweifel einen Haufen Geld hinlegen wollte. 

Ich hoffe trotzdem, dass nicht alle meine Meinung teilen, sonst kann ich meine Autos künftig nicht mehr verkaufen ;)

 

Ciao

gary

Geschrieben

Hallo Ecco,

 

vielen Dank für Deinen Abenteuerbericht. Da heißt es nur, Augen auf beim Autokauf.

 

vor einer Stunde schrieb Jarama:

Originale Lackschichtdicken liegen bei selten mehr als 200 µm.

 

Mein gelber 458 hatte rundherum zwischen 220 un 300 µm. Wir haben versucht dies über die Historie nach zu vollziehen und haben das gesamte Auto vermessen. Wir erfuhren, dass manchmal Autos im Werk schon zweimal lackiert werden, da der erste Schuß den Ansprüchen nicht genügte. Da meiner rundherum zwar mehr als 200 µ, aber wirklich an allen Tellen sehr konstante Werte hatte, sind wir davon ausgegangen, dass dies bei meinem wohl aller Voraussicht nach so war. Mir wurde auch gesagt, dass bei der Farbe Gelb das wohl gar nicht selten vorkam.

 

Ob das stimmt???? Keine Ahnung.

Geschrieben

Skandal?

Irgendwie kommt mir das bekannt vor..... 

 

 

 

Geschrieben

@Ecco super Bericht Danke für die Einstellung deiner Erfahrung.

Geschrieben

Hallo  @Ecco , herzlichen Glückwunsch zum 360 und vielen Dank für diesen präzise formulierten Erfahrungsbericht!

Anzeige eBay
Geschrieben
Geschrieben

Hallo Ecco,

 

schau doch mal hier zum Thema Zubehör für Ferrari 360 (Anzeige)? Eventuell gibt es dort etwas Passendes.

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Geschrieben
vor 4 Stunden schrieb Ecco:

Fazit

Kurzum, ein Abenteuer! Von den damals 60 oder 70 Fahrzeugen, die ich "überprüft" hatte, kamen nur 3 in Frage. Gekauft habe ich schlussendlich einen gelben 360 mit fast 70.000 KM, welcher regelmäßig bewegt wurde und 17 Jahre lang beim selben Ferrari Meister in der Wartung war. Bisher mangelfrei.

Man sieht, es gibt die Fahrzeuge also doch noch. Gute Autos mit realistischen km-Leistungen und vernünftiger Wartunghistorie.

 

Fazit daraus >>> 5% der angebotenen 360 sind brauchbar, der Rest hat kleine oder größere Mängel oder ist gar schon ein Restaurierungsobjekt. 

 

Vielen Dank für Deine Berichterstattung. 

  • 2 Wochen später...
Geschrieben

Ähnliche Erlebnisse hatte ich auch.

Das beste war ein Verkäufer, der seinen 360er vor meinen Augen wie einen durchgerittenen 3er Golf behandelt hat.

Das arme Auto wurde mangels Platz zum einsteigen per Hand aus der Garage geschoben. Das erklärte dann auch die Kratzer in Tür und Außenspiegel.

Nicht für jeden ist ein 60000€ Ferrari etwas besonderes auf das man aufpassen muss.

 

Der den ich dann gekauft habe war auch nicht bis ins Detail perfekt. Dafür waren alle Rechnungen der vergangenen 12 Jahre dabei.

 

Sebastian

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