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100.000 km mit dem A3

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100.000 Kilometer sind heute ja „kein Ding“ mehr – früher gab’s dafür noch goldene Uhren von VW.X-)

Dennoch: Über eine solche Distanz offenbaren sich an einem Auto Dinge, die über dem täglichen Gebrauch besonders angenehm oder lästig auffallen und der Gebrauch über eine lange Zeit hinterläßt immer seine Spuren. Dieses Mal geht’s um den Audi A3 Sportback 2.0 TFSI Ambition (was für eine Typenbezeichnung!) meiner Frau – ich gebe hier also nicht nur meine, sondern auch ihre Eindrücke wieder.

Zum Auto:

Brillantrot (jaja, das schreibt man wirklich nur mit einem „i“!), Open Sky (das Glasdachgedöns), DSG und sommers 17“-Reifen als wesentliche Extras. Kein quattro. Daß man beheizte Außenspiegel, Radio und Klimaanlage noch dazukaufen muß, ist schon happig und führt zum ersten Nachteil: Das Ding ist ziemlich teuer – bezahlt mit Rabatt zarte 29.000 € im Juni 2005.

Zum Fahrprofil:

„Weiblicher Alltagseinsatz“ mit Fahrten zum Büro, zum Einkaufen, zum Friedhof usw. – kaum mal mehr als 30 km am Stück - und gelegentlichen Ausflügen bzw. Langstrecken. Fahrweise bei ihr: Defensiv-flott („Wenn’s auf der Autobahn mal frei ist, will ich auch mal schnell fahren!“).

Die Verbrauchsdaten (damit wir das hinter uns haben):

Getankt wird Super, SuperPlus bringt bei dem Fahrprofil keine Ersparnis im Verbrauch und der theoretische Leistungsverlust ist ohne Bedeutung. Völlig problemlos mit diesem Sprit zu fahren, allerdings immer Markentankstelle. Spannweite sieben bis 14 L/100 km. Ruhige Langstrecke mit nicht mehr als 3500/min und so gut wie keinem „Turboeinsatz“ geht mit sieben bis acht Litern, etwas flotter kostet neun und gehetztes Fahren kann 14 L kosten. In der Stadt sind’s kalt des winters um die 10, sommers mit Klima um die 9 L. Über alles kommen ziemlich genau 9,2 L/100 km raus. Ölverbrauch: kein Nachfüllen zwischen den Intervallen.

Der BC kann auch „Momentanverbrauchsanzeige“. Sollte man bei flotter Fahrweise besser nicht aktivieren, die Zahlen sind erschreckend: Aus dem Stand laufen bei voller Beschleunigung anfangs hochgerechnet 49 L/100 km durch, bei Topspeed sind’s lockere 29,5 L/100 km. Turbo läuft, turbo säuft – da beißt kein Direkteinspritzer einen Faden ab!

Bis heute sind die Fahrleistungen gefühlt gleich geblieben. 0-100 gehen in um die sieben Sekunden, Spitze Tacho 250 mit Navi-Tempo 243. So ist’s versprochen und so geht’s auch mit 95 Oktan.

Was war denn so dran, was kostet die Wartung?

„Dran“ war (außer einem die Vorfahrt mißachtenden Citroen ZX) nur dreimal was: Liegen geblieben wegen Zündspulenausfalls (wohl eine Krankheit der Modelle), fast liegen geblieben wegen abgesoffener Steuergeräte im Heck (eine VW-Krankheit seit Golf I: die Schläuche zur Heckwaschanlage sind in zu kleinem Bogen in der Klappe verlegt und rutschen ab; man wäscht dann nicht die Scheibe, wohl aber geht das Waschwasser dann in den Kofferraum und setzt dort Steuergeräte schachmatt). Ging alles noch auf Garantie. Zu bezahlen: Austausch der Antriebswellen nach 72.000 km für 600 € netto. Eine Krankheit aller starken Fronttriebler, die Teile sind Lagerware beim Händler …

Ja, richtig gelesen: KEINE Bremsenreparatur, Scheiben und Beläge sind noch die ersten. KEINE Glühbirne, Batterie ist die erste, Lichtmaschine und Wasserpumpe funktionieren tadellos. Selbst die Stoßdämpfer funktionieren noch und sind dicht. Na gut, Wischerblätter hat er schon verbraucht – jährlich einmal rundum neu.

Hier soll eins nicht unerwähnt bleiben: Das Werkstättennetz ist zwar dicht, aber kaum ein Besuch verläuft ohne Ärger und wirklich günstig sind die Läden nicht. Ich will hier gar nicht erichten, wie jämmerlich der erste Versuch der Unfallreparatur war und wie man drängeln muß, damit das richtig gemacht wird!

Von Longlife halte ich nicht viel, der Wartungsplan läßt auch fixe Abstände zu von 15.000 km oder einmal jährlich (im Wechsel kleiner und großer Service). So haben wir das gehandhabt – bei Extremintervallen kommt es sonst viel zu oft zu „Vorsichtsmaßnahmen“, weil man ja erst wieder in 30.000 km erscheinen würde. Dafür wurden die Filterwechselintervalle halbiert. Ebenso gab es nach 1500 km einen ersten Motorölwechsel – egal, ob das notwendig war oder nicht. Gottseidank haben wir im Nachbarort eine penibel geführte freie Werkstatt (Auto Schütt in Hanhofen).

Reifenverschleiß ebenfalls sehr niedrig. Der Sommersatz Conti hielt ca. 45.000 km, der Wintersatz Pirelli war weniger haltbar: 32.000 km. Beide werden nicht vermißt und sind durch Michelin PilotPrimacy 225/45-17 im Sommer ersetzt und durch Michelin PilotAlpin 205/55-16 im Winter.

Damit ist die Überleitung zu den Langzeiterfahrungen geschafft – weg von den Fakten, hin zu den Eindrücken:

Zwei große Nachteile hat der Wagen: Er ist eher unhandlich und vergleichsweise unkomfortabel. Nein, er hat NICHT das Sportfahrwerk, sondern das Serienfahrwerk, das man alternativ bestellen kann. 2005 waren die A3er furchtbare Hoppelkisten mit viel zu straffer Dämpfung und hartem Anfedern auf kurzen Stößen sowie starker Neigung zu Nickschwingungen auf Bodenwellen. Probefahrten haben uns schnell überzeugt, daß „sportlich“ nicht wirklich sportlich, sondern nur lästig ist. „Sport“ kann er sowieso nicht gut – wo meine 74er Alfa Giulia schön sauber aus einer Bergaufkurve mit 60 herausbeschleunigt und nicht einmal quietscht, regelt bei ihm das ESP brutal und bremst auf unter 40 km/h ab. Straßenlage betont sicher aber völlig uninspiriert.

Dazu paßt der riesige Wendekreis. Meine S-Klasse ist wendiger als der 60 cm kürzere A3!

Zu „unhandlich“ gehört dann noch eine hundsmiserable Übersichtlichkeit nach hinten und schräg hinten. Die hohe Gürtellinie (hinten über 100 cm) und das hohe Heckfenster zusammen mit der leicht eingezogenen Karosserieflanke machen das knappe Rangieren und Beobachten des Fahrzeugumfeldes zum Lotteriespiel. Ich habe inzwischen mehr als eine Million km hinter mir, aber im Dunkeln fahre ich dieses Auto nur mit Einweisung rückwärts an eine Mauer heran. Entweder man stößt an oder steht einen halben Meter davor (und denkt, man stieße an). Parkpilot unerläßlich, aber bei Audi damals nur als akustische Warnung ohne optische Anzeige und daher auch nur „halbgehängt“. Top wäre eine Rückfahrkamera!

Unkomfortabel will ich hier zu einem Gutteil auch auf die Reifen zurückführen. Die Micheline laufen wesentlich leiser ab als Pirellis (die früher eh lauter als normal waren) und Contis (die vor allem in Kurven sehr laut waren). Mit den PilotPrimacy HP (dochdoch, die gibt es in 225/45-17! „Die krischen Se awwa ned als 45er!“ „Mein Mann sagt doch, also gucken Sie bitte nach.“ „Ewe seh‘ isch’s …“) ist das Anfederverhalten um Klassen besser, das Gestuckere ist gefühlt mehr als halbiert. Außerdem sind die leise.

Ganz ehrlich: Der Rest an „na gut, das hätte besser sein können“ ist schnell aufgezählt:

Mir mit 190 cm und 87 kg sind die Serien-Sportsitze zu eng und die Sitzflächen zu kurz. Mir sind die vorderen Türausschnitte zu klein, weil ich mit dem Sitz bis hinter die B-Säule zurück muß. Die Alublenden (Aufpreis!) innen sind kratzempfindlich. Manchmal knarzt es minimal vom Schiebedach (trocken-kalte Luft). Meine Frau nutzt es nicht gerne, weil ihr das Geräusch in Kippstellung zu laut ist und geöffnet bei ca. 100 km/h ein Wummern innen einsetzt. Sie findet es aber todschick wegen Glasdach und hellem Innenraum – also … Na gut, Xenons wären nicht verkehrt gewesen, das Abblendlicht ist schon funzelig mit geringer Reichweite und insgesamt nicht sehr hellem Lichtstrom.

Wie bei allen Audis fängt die Klimaanlage trotz penibler Wartung nach etwa drei Jahren ein bißchen an zu müffeln – man sollte sie einfach immer an lassen. MICH stört, daß der Motor beim Kaltstart ewig braucht, bis er warm ist. Scheint den Verschleiß aber nicht zu beschleunigen bisher. SIE stört, daß die Heizung deswegen sehr lange braucht, bis es warm wird.

Alles andere ist sehr gut gelungen: Motor leistungsbereit ohne Turboloch, wirkt wie ein Bauernmotor und hat mich in der Papierform wegen guter Grundanlagen überzeugt (mittlere Belastungen von Kolben und Kurbeltrieb, gescheite Kühlung mit el. Pumpe zum Turbokühlen bei abgestelltem Motor), netter Klang für einen Vierzylinder und tatsächlich recht brauchbarem Alltagsverbrauch.

Karosserieverarbeitung tatsächlich tadellos (bis heute hat er nur ein Knarzen an dem Zuziehgriff der Beifahrertüre vorne, wenn man drankommt), Lackqualität und Rostvorsorge vorbildlich, meiner Frau gefällt die Form in ihrer Zeitlosigkeit heute noch, praktischer Innenraum mit in der Regel robusten und verschleißfesten Materialien (Teppiche, Bezugsstoffe, Lederlenkrad), großer Kofferraum, ordentliches Platzangebot innen für die Passagiere. Mit dem „Lichtpaket“ (Aufpreis!!) ist der Innenraum auch bei Nacht nicht einfach finster. Bedienung sehr einfach und leicht, Lenkung vielleicht bei scharfem Fahren etwas gefühllos, aber gut zentriert, angenehm zurückstellend und mit sehr niedrigen Krafterfordernissen.

Was fehlt?

Der Bericht zum DSG.

DAS war das allergrößte Argument für den Audi, denn damals war das vergleichsweise „neu“. Und es funktioniert ohne die geringste Mucke in 99,5 % der Fälle richtig wirklich ehrlich gut. Schnelle Gangwechsel egal ob warm oder kalt, mit Gas oder ohne. Gute Gangabstufung mit im sechsten relativ niedrigen Drehzahlen auf der Autobahn (4000/min sind 160) aber noch spurtfreudigem Ansprechen – diese ewig langen „7.“ oder „8.“ Gänge sind mir ein Greuel, da zieht keiner mehr eine Wurst vom Teller und Gasgeben bedeutet gleich Runterschalten, also nix für Fahren mit ohne Tempomat.

Schaltpaddel funktionieren gut, auch manuell macht das Spaß (kann aber mal ein bißchen rucken). Normalerweise reicht „D“ mit manuellen Eingriffen bei Bedarf. In „S“ werden die Gänge länger gehalten und auch automatisch früher mit nettem Zwischengas runtergeschaltet. MIR macht das Spaß auf Landstraßen, IHR ist das zu hektisch. Aber: für jeden was dabei und alles geht tausendmal besser als bei einem automatisierten mechanischen Getriebe wie BMWs SMG.

Einzige Fahrsituation, in der die Grenzen erreicht sind: Enges Rangieren z.B. in eine Parklücke mit Randsteinüberkletterung oder am Hang. Das Getriebe merkt, daß es nicht leicht weiter geht und die Aktuatoren der Anfahrkupplung sind dann nicht so feinfühlig wie ein routinierter Kupplungsfuß oder ein Wandler im Automatikgetriebe. Erst fährt’s nicht, man muß mehr Gas geben und dann tut’s einen Ruck, der weiter führen kann als noch Platz ist.

Ergo:

Wem die Form gefällt, der muß mit dem Nachteil der Unübersichtlichkeit leben können, ansonsten ist das Auto grundsätzlich sehr dauerhaft gebaut und kann mit einer tadellosen Kombination aus starkem Turbomotor und nahezu perfekten DSG bis heute große Freude bereiten. Ggf. sollte mit einem guten Fahrwerk nachgeholfen werden (K&W soll ein schönes haben ohne Tiefer-Breiter-Härter – mal sehen!).

Markus

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Graunase
Geschrieben

Schöner Bericht mit herrlich makabrem Ansatz O:-)

„Weiblicher Alltagseinsatz“ mit Fahrten zum Friedhof usw. –

Und ja, die Michelins gibts in der Größe, habe ich auch eben geordert für meine Graunase!

Auf weitere problemlose 100000km!

Rodemarc
Geschrieben

Schöner Bericht über einen flotten Kompaktwagen. :-))!

Ist zwar ein anderes Auto, aber die Erfahrungen über den Motor kann ich so bestätigen. Unser GTI hat inzwischen 110.000km drauf und läuft bisher auch problemlos. Sehr wenig Öl, nur planmäßige Inspektion.

Durchschnittsverbrauch liegt bei 9l, wobei der Wagen oft 50km am Stück Landstraße fährt im Flachland. Da hat man dann eine 7 vor dem Komma wenn man normal mitschwimmt.

Bei fahrintensiven Monaten mit viel Autobahn braucht der Turbo definitiv Sprit, aber das liegt in meinen Augen deutlich im Rahmen. Wenn man ballert kommt man mit dem 55l-Tank ca. 350km weit. In den meisten Fällen ganz normales 98Oktan-Super+.

Daher darfst Du den Gag mit dem Momentanverbrauch nicht so ernst nehmen. Ein 1.6l Sauger hat da auch 29l stehen wenn man im Dritten auf die Autobahn fährt, ist dabei aber natürlich viel langsamer.

Den A3 finde ich mit dem Motor auch ganz reizvoll, weil man ihm die Leistung nicht ansieht.

bmw_320i_touring
Geschrieben

Ein schöner und sehr ausführlicher Bericht. War interessant zu lesen.

806
Geschrieben

EIGENTLICH wäre nach nun rund 134.000 km dem Bericht nichts hinzuzufügen - er lief und lief und lief.

Meine Frau störten die an der Sitzwange angeschabberten Bezüge des Fahrersitzes, was problemlos (aber teuer - 700 €!!) durch Neubezug mit Originalersatzteilen geändert wurde. Die gibt es für die Sitzfläche und Sitzlehne getrennt, des Seitenairbags wegen ist das eine ziemliche Fummelei.

Klasse: Kein (!) Farbunterschied zu den übrigen Sitzbezügen, die sind also mit etwas rücksichtsvoller Pflege wie regelmäßigem Saugen und einmal im jahr einer gründlichen Reinigung mit etwas Polsterreiniger ansonsten sehr haltbar und verschießen unter Lichteinfluß nicht.

Tja - bis das Kühlwasserthermometer nur noch mit großer Anstrengung nach laaanger Zeit auf die üblichen 90° (gedämpfte Anzeige - bedeutet faktisch nur "alles ok" und gibt nicht die wirklichen Temperaturen wieder) vermeldete.

Klarer Verdacht: Thermostat funktioniert nicht mehr richtig. Verdacht bestätigt. "Lassen Sie den Wagen da, das ist ja schnell gemacht." So dachte die Werkstatt. So falsch kann man liegen ... das gute Stück ist schön versteckt eingebaut, die Werksvorgabe von drei Zeitstunden war vom unerfahrenen Mechaniker nicht einzuhalten. Das Wegbauen verschiedener Teile hat ihn einen ganzen Tag beschäftigt.

Was an meinen Oldies im Do-it-yourself-Verfahren eine Sache von wenigen Minuten ist, wird hier zum Geduldsspiel. Abrechnung am Ende: 332 € incl. Ersatzteilen und eine Werkstatt, die nie wieder am TFSI einen solchen Auftrag annehmen wird.

Markus

Siggi53
Geschrieben

Hallo,

schoner Bericht, meine Frau fährt schon den zweiten Sportback,

(neuer schon bestellt) mit ca. 100000 km je Fahrzeug ohne Probleme.

Man sollte aber schon einen Diesel 1,9 TDI oder 2,0 nehmen, dann halten sich auch sie Spritkosten im Rahmen, sie braucht im Schnitt, ca. 4,5-5,5l. da kann man nicht meckern.:wink:

Xenon ist auch Pflicht, der erste Sportback hatte kein Xenon, das kann man echt vergessen.:-o

806
Geschrieben

Die Zeit vergeht - und manche Teile am Audi auch:

Erstes Warnsignal war die Warnleuchte für nicht geschlossene Heckklappe, obwohl die sicher zu ist. KANN ein Elektrogremlin sein. WAR es aber nicht: Die Wischwasserzführung zum Heckwischer hat unter hunderten nicht immer sanften (da redet man sich den Mund fusselig ... :evil:) Schließmanövern gelitten und wurde undicht. Dadurch lief Wischwasser in die Schloßfalle und tötete den Sensor. Alles neu für 270 € und seitdem ist wieder Ruhe.

Die rechte Tür hinten läßt sich von außen nicht mehr sicher öffnen - auch hier steigt wohl ein Kontakt aus, der das Türschloß freigibt. Wird nicht teuer werden (60 €), aber ist lästig, weil man nur noch von innen die Pforte öffnen kann.

Ansonsten schlägt er sich bis heute unverändert - kein Ölnachfüllen zwischen den Intervallen, Spritverbrauch unverändert.

Etwas lauteres Ticken im Leerlauf ist wohl normal mit dem Alter aber kein Grund, ein "running system" zu reparieren.

Markus

806
Geschrieben

Inzwischen siind mehr als 150.000 km drauf - und so ganz preiswert waren die letzten nicht.

Eine wesentliche Verbesserung war erreicht durch Erneuern der Stoßdämpfer. Schon erstaunlich, wie lange die Seriendämpfer durchhielten; früher waren 100tkm schon eine Herausforderung. Die Kosten hielten sich mit rund 800 € netto in vernünftigen Grenzen, das Fahrverhalten hat sich seitdem bei Seitenwind und in Kurven deutlich verbessert.

Leider wurde er altersbedingt auch inkontinent. "Die Kühlwasserwarneluchte ist an, aber heiß wird er nicht," sprach die beste Ehefrau von allen. "Guck' mal, ob Du was siehst (schon der Spruch ist gut, oder?), ich hab' schon Kühlwasser aufgefüllt."

Geguckt und beim Gasgeben auch gesehen: Der Wasserkühler ist "durch" und muß ersetzt werden, bei höherer Drehzahl drückt er deutlich sichtbar Kühlmittel ab. Erste Befürchtungen, was das wohl kosten werde, bewahrheiteten sich nicht. Runde 250 € netto reichten.

Dann beim Waschen auf einmal ein helles "Pling" und etwas kleineres, dunkles fällt am Heckwischer zu Boden. Prima, auf die Knie und das Teil gesucht. Eine Spralfeder ist's. Die sorgt für Anpreßdruck des heckwischers und ist nach dieser Fahrleistung ermattet "aus der Fassung geraten". Kann ja so schlimm nicht sein, neues Federchen einhängen und gut ist das! Von wegen ... da muß nämlich der ganze Wischerarm mitsamt Wischerblatt (gibt's nur als "Set") ausgetauscht werden. Also weiter rund 100 €.

Inzwischen stellt sich auch ein kleines bißchen Motorölverbrauch ein. Er kriegt im Frühjahr ud im Herbst frisches 0W40 von Mobil, da war bis dato kein Nachfüllen nötig. Jetzt ist etwa ein halber Liter zwischen den Wechseln nötig. Na gut, das bedeutet weniger als 0,1 L/1000 km an Nachfüllbedarf, aber zur Verbrauchsberechnung muß ja die Peilstabdifferenz addiert werden. Macht also in Wirklichkeit ca 1,5 L auf rund 8.000 km. Nichts Besorgniserregendes. Zumal der Spritverbrauch ziemlich konstant bei 8,5 bis 9 L/100 km liegt.

Das brillantrote Lackkleid des Laternenparkers ist mit nur ein bißchen vernünftiger Pflege noch in sehr gutem Zustand, selbst acht Winter haben keine schwerwiegende Änderung der Strahlkraft dieser auffälligen Farbe bewirkt. Im Frühjahr gibt es eine milde Politur, so daß sich ein paar Kratzer und tiefere Swirls halten, aber bei Langzeitnutzung ist der Erhalt gesunder lackstärke auch nicht unbedeutend.

"Wir haben Kunden, bei denen der Motor 300.000 durchhielt - bei den vernünftigen Ölwechseln scahft der das auch," spricht der Werkstattmeister. Wollen mal sehen ...

Markus

Kai360
Geschrieben

Deine Posts mit den wunderschönen Formulierungen les ich immer wieder gerne,

egal über welches Auto. Manchmal nur informativ, dann aber auch wieder einmal mit einem mehr oder minder süffisanten Seitenhieb auf Hersteller, KFZ, Männlein / Weiblein, aber IMMER stilvoll bleibend!

Bitte mehr davon!

Inkontinenz am Heckwischer kann ich auch von meinem Q7 berichte.

Da wird wohl von Audi in recht vielen Modellen das identische Bauteil von Valeo (Motor - Getriebeinheit mit Hohlwelle für das Spritzwasser) verbaut (gibt es im übrigen für gut 60 Euro bei Ebay als Original!). Austausch ist sehr einfach!

Die Feder am Heckwischer kann man auch einzeln ersetzen, in dem man einfach eine passende aus der Wühlkiste einbaut. Campingstühle sind dort u.a. eine hervorragende Bauteilquelle! O:-)

rx7cabrio
Geschrieben

Meine Frau störten die an der Sitzwange angeschabberten Bezüge des Fahrersitzes, was problemlos (aber teuer - 700 €!!) durch Neubezug mit Originalersatzteilen geändert wurde. Die gibt es für die Sitzfläche und Sitzlehne getrennt, des Seitenairbags wegen ist das eine ziemliche Fummelei.

Klasse: Kein (!) Farbunterschied zu den übrigen Sitzbezügen, die sind also mit etwas rücksichtsvoller Pflege wie regelmäßigem Saugen und einmal im jahr einer gründlichen Reinigung mit etwas Polsterreiniger ansonsten sehr haltbar und verschießen unter Lichteinfluß nicht.

Die abgescheuerten Sitzwangen kenne ich auch... (A4 mit S-Line Leder/ Alcantara Bj. 2012), allerdings nach knapp 6 Monaten und 34.000 km, wurden dann nach langen Diskussionen auf Kulanz ausgetauscht.

Mittlerweile komischerweise keine Probleme mehr (nach nun knapp 98.000 km ).

Grüße

Sascha

Obving
Geschrieben

Echt toller Bericht! :-))!

806
Geschrieben

Oder: Ich sah uns schon bei den Autodoktoren landen – diesen Tüftlerspezialisten von VOX Automobil.

Fangen wir vorne an: Der gute Audi A3 2.0 TFSI (DSG) in unserem Haushalt ist zehn geworden. So lange hatten wir außer dem Triumph noch nie ein Auto. Zarte 178.000 Kilometer sind drauf. „Gut eingefahren“, sollte man denken.

Stimmt in gewisser Weise auch, denn der Motor lief nach wie vor gut und verbrauchte weder besorgniserregend viel Sprit noch viel Öl (nach wie vor zwischen 8 und 10 L Super95 und etwa 0,5 L Öl auf 5.000 km). Geholfen hat ihm sicher, daß auf Longlife-Intervalle geschixxen wurde und stattdessen alle halbe Jahr das Öl mit Filter gewechselt wurde. Mobil1 0W40 statt „Longlifeplörre“ für teures Geld.

Wellnesskur aus Anlaß des Geburtstages: große Inspektion, Zahnriemen, Wasserpumpe, Anlaufschienen Zahnriemen, Keilriemen, Kühlwasserschläuche, Bremsschläuche, Silentgummis Hinterachse, Federn Hinterachse (verrostet in der Aufnahme!) neu, dazu alles Flüssige gewechselt und natürlich alles Filternde ersetzt. Neue Zündkerzen dazu und erstmals (!!!) die Bremsscheiben und Beläge rundum neu.

Erkenntnis 1: Manche Teile halten richtig lang. Sanft gefahren u.a. vernünftig dimensionierte und aus gescheitem Material gebaute Bremsen. Motoren, die nie Vollgas bekommen und immer vernünftig gefahren und gewartet werden. Radlager und Fahrwerksteile, die nicht aus Gummi sind (die altern nun mal). Karosserien, die sauber verarbeitet und gut gegen Rost geschützt sind. Innenausstattungen, die vernünftig gepflegt werden (sogar Softlack kann halten).

Innen und außen sieht er allenfalls aus wie ein Dreijähriger, wobei zu bemerken ist, daß er Zeit seines Lebens Laternenparker ist; Wagenpflege tunlichst von Hand und halbwegs engagiert hilft sicher.

Bis dahin also „alles gut“ – was ist also das Problem?

Kaum aus der Kur zurück, fängt er an zu spinnen. Motorkontrolleuchte brennt. Tolle Wurst! Erster Gedanke: Da ist ein Stecker nicht richtig fest, das kann ja nicht sein. Alles fest. Kann also doch.

Fehlerspeicher ergibt unplausibles Zeug. Irgendwas zu mager. Irgendein Druck zu niedrig. Das kann ja heiter werden! „Ist nur sporadisch, fahren Sie erstmal weiter.“ So sprechen Experten der Fachwerkstatt, die auch nix wissen. Leerlaufdrehzahl schwankt derweil zwischen leicht zu niedrig und bis 1200/min warm. Ich hatte noch ausdrücklich gefragt, ob man nicht gleich ein paar Sensoren mit erneuert, bevor das in Pannen endet. „Nicht nötig, nur wenn’s hin ist, wird was gemacht.“ Tja.

Gelbes Lämpchen brennt weiter. Verzweiflungstat: Der Luftmassenmesser hat bestimmt einen weg, so alt wie der ist. Neues Teil rein und erstmal ist’s gut. Nicht lange. Keine 100 km um genau zu sein. Kalt war’s noch gut, warm wieder Lampe an, Leerlaufdrehzahl schwankt.

Nachdem schon in den letzten Monaten dreimal die Kontrolle leuchtete, schwante mir Übles. Hätte ja auch ohne VOX-Kameras den Weg nach Köln-Bickendorf angetreten, wo die beiden feierabendbiertrinkenden Schrauber ihre Werkstatt auf der Venloer Straße haben. „Lecker Kölsch“ dann für Eva und mich und Fehlersuche für den Audi. War nix, jetzt dann doch richtig gucken wollten die Jungs hier in Dudenhofen beim Autohaus auch.

Taten sie. Mit Erfolg. Das Gehäuse für das Ventil der Kurbelgehäuseentlüftung verzog sich bei Wärme und dichtete nicht mehr richtig ab. Ein kunstvoll geformtes Kunststoffteil, das den Schlauch der Entlüftung aufnimmt und die Zuführung kontrolliert in den Ansaugtrakt gewährleistet. Bei Wärme keine plane Dichtfläche, Falschluft und schon war das Drama perfekt.

Erkenntnis 2: Selten sind es elementare Dinge, die bei älteren Schätzchen kaputt gehen. Der Teufel steckt im Detail und danach zu suchen ist aufwendig. Wellnesskuren sind teuer, aber nicht so teuer wie der Wertverlust im ersten Jahr eines neuen Wagens.

Markus

Allgoier
Geschrieben

Schön dass man so lange Freude an einem Auto hat.

Fährt ihr die 200.000 km noch voll drauf ?

LSchmitt62
Geschrieben

Das sind eine Menge Kilometer, 200.00 können kommen! :) Übersteht der Wagen bestimmt auch noch.

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