Porsche 991 Turbo und Turbo S – Überdrucksituation

Pünktlich zum runden Geburtstag der 911er Baureihe, die in diesem Jahr 50 wird, stellen die Zuffenhausener den neuen Porsche 991 Turbo vor. Erstmals bringt man zeitgleich nicht nur die 520 PS starke Normalversion, sondern auch den 560 PS starken Turbo S. Dank Allradantrieb und PDK-Getriebe geht es auf Straße und Rennstrecke ordentlich voran. Die Karosserie ist nochmal 28 Millimeter breiter als beim Carrera 4.

Porsche 991 Turbo

Porsche 991 Turbo
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Der neue Porsche 991 Turbo rollt ab Ende September zu den Händlern. Vorn zeigt er eine neu gestaltete Schürze mit größeren Lufteinlässen und darin integrierten Tagfahrleuchten-Blinker-Einheiten.

Die Erfolgsgeschichte des Porsche 911 begann vor 50 Jahren mit der Präsentation des 901, der kurz später auf die bis heute bekannte Zahlenfolge umbenannt werden musste. Bereits 10 Jahre später stand auf der IAA in Frankfurt eine erste Studie mit Turbolader, der den Motor unter Druck setzte und somit mehr Leistung generierte. Die Serienfertigung ließ nur ein Jahr auf sich warten und übertraf die Zuffenhausener Erwartungen bei weitem. Was ursprünglich als limitierte Ausbaustufe zur Homologation des Turbomotors im Rennsport angedacht war, entwickelte sich zum dauerhaften Topmodell der Sportwagenbaureihe mit Heckmotor. Über die Jahre wurde dabei ein verstärktes Augenmerk auf eine umfangreiche Serienausstattung und gute Fahrbarkeit gelegt, weshalb seit der Baureihe 993 ein permanenter Allradantrieb zum Turbo ebenso dazugehört, wie Leder.

Auf Basis der Baureihe 991 wird ab Ende September nun die neueste Turbo-Generation zu den Händlern rollen. Während es bislang allerdings fast schon Tradition war, zum Ende der jeweiligen Bauzeit eine S-Variante nachzuschieben, wird diese diesmal direkt mit aufgelegt und damit das 991-Angebot auf nunmehr bereits 11 Versionen erweitert (Carrera, Carrera Cabrio, Carrera S, Carrera S Cabrio, Carrera 4, Carrera 4 Cabrio, Carrera 4S, Carrera 4S Cabrio, GT3, Turbo, Turbo S). Wie gewohnt erhält die Rohkarosserie ausladende hintere Kotflügel, die hier gegenüber den Allrad-Saugern weitere 28 Millimeter Breite aufweisen. Dadurch ergibt sich zwischen der C-Säule und der Außenkante der Kotflügel eine handbreite ebene Fläche.

Auch auf eine ausgewogene Aerodynamik wurde während der Entwicklung viel Wert gelegt. Erstmals kommt das Porsche Active Aerodynamic System (PAA) zum Einsatz, bei dem vorn ein dreistufig pneumatisch verstellbarer Frontspoiler und am Heck ein hochfahrender Flügel daran arbeiten, den Abtrieb deutlich zu erhöhen. Je nach Einstellung passt sich der 991 Turbo dabei den Wünschen des Fahrers nach maximaler Geschwindigkeit oder hohem Anpressdruck für kurvige Strecken an. Die Fahrdynamiksteigerung lässt sich auch in Zahlen fassen: Allein durch das PAA-System wurde die Rundenzeit auf der Nürburgring Nordschleife um zwei volle Sekunden gesenkt.

Weitere Verbesserungen der Rundenzeit darf man dem Antriebsstrang zurechnen. An der bekannten Position im Heck werkelt ein 3,8 Liter großer Sechszylinder-Boxermotor mit Benzindirekteinspritzung und zwei Turboladern mit variabler Turbinengeometrie, um das Ansprechverhalten zu verbessern und das berüchtigte „Turboloch“ vergessen zu machen. Im 991 Turbo stehen 383 kW/520 PS und ein maximales Drehmoment von 660 Newtonmetern zur Verfügung. Letzteres lässt sich für Überholvorgänge mittels einer Overboost-Funktion auf 710 Newtonmeter steigern. Nach nur 3,4 Sekunden stehen drei Ziffern im Digitaltacho, nach 11,1 Sekunden wechselt die vorderste Ziffer von 1 auf 2 und erst bei 315 km/h endet der Vortrieb. Wenn es noch schneller vorangehen soll, kann man den 412 kW/560 PS des 991 Turbo S vertrauen, der dank 700 Newtonmetern (750 im Overboost) nach nur 3,1 Sekunden Tempo 100 und nach 10,3 Sekunden Tempo 200 erreicht. Die Höchstgeschwindigkeit steigt gegenüber dem normalen Turbo um 3 auf 318 km/h.

Bei beiden Varianten wird die Kraft serienmäßig über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe auf alle vier Räder übertragen. Diese sind nun 20 Zoll groß und erstrahlen in neuen Designs. Der Turbo kommt werksseitig mit 10 Doppelspeichen und klassischen Radmuttern, kann jedoch gegen Aufpreis auch mit den Turbo S-Rädern im Kreuzspeichendesign und mit Zentralverschluss geordert werden. Eine elektrohydraulische Lamellenregelung sorgt im neu entwickelten Allradantrieb für eine noch schnellere und bessere Kräfteverteilung zwischen den Achsen und Rädern. Dank Wasserkühlung kann noch mehr Kraft an die Vorderachse transferiert werden. Das PDK-Getriebe ermöglicht es in den Turbo-Versionen ab jetzt auch, die Start-Stopp-Funktion beim ausrollen und segeln zu nutzen, wodurch sich der Kraftstoffverbrauch nochmals verringern lässt. Der Durchschnittsverbrauch von 9,7 Litern nach NEFZ-Standard kann sich gut sehen lassen.

Eine weitere Neuheit in Turbokreisen ist die Allradlenkung, die bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h entgegen der Lenkrichtung der Vorderräder lenkt und damit den Wendekreis spürbar verkleinert. Bei schnelleren Fahrten lenken die Hinterräder in gleicher Richtung wie die vorderen und verleiht dem 991 Turbo damit deutlich mehr Stabilität, da sich der Radstand durch diese Technik virtuell um rund 500 Millimeter verlängert. Mittels der im Turbo S serienmäßigen Ceramic-Carbon-Bremsen lässt sich das Fahrzeug jederzeit wieder gut zum Stillstand bringen, was im Turbo natürlich auch mit den Stahlbremsen gelingt. Erwartungsgemäß erhält der Turbo S darüber hinaus viele Ausstattungsumfänge, die es beim Turbo nur gegen Aufpreis gibt. Darunter finden sich beispielsweise auch die neuen Voll-LED-Scheinwerfer inklusive kameragestütztem Fernlichtassistenten und Vierpunkt-Tagfahrleuchten.

Das Interieur basiert logischerweise auf dem des normalen 991, erhält jedoch eine luxuriösere Anmutung. Speziell die Bicolor-Lederausstattung im Turbo S nebst adaptiven Sportsitzen und belederter Sitzrückseiten kann überzeugen. Die Designblenden am Armaturenbrett können in Sichtcarbon, Aluminium oder Mahagoniholz bestellt werden. Für den Turbo stehen diese Ausstattungen gegen Aufpreis zur Verfügung. Serie ist hingegen eine Bose-Soundanlage, die wahlweise durch eine Burmester-Anlage ersetzt werden kann. Ein radargesteuerter Abstandsregeltempomat und die kameragestützte Tempolimit- und Verkehrszeichenerkennung runden die Ausstattung gekonnt ab.

Ab Ende September werden die ersten Exemplare des 991 Turbo und 991 Turbo S bei den Händlern stehen. Preislich beginnt der Einstieg in die Überdruckmodelle bei 162.055,- € beim Turbo und 195.256,- € für den Turbo S (je inklusive MwSt.).

Quelle: Porsche

Autor: Matthias Kierse

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Kategorie: Magazin

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