Innovationen der deutschen Autoindustrie – zukunftssicher?

10. Februar 2016 | 3 Kommentare

Welche Innovationen bietet die deutsche Autoindustrie?

Zwar erwirtschaftet Tesla seit vielen Jahren nur Verluste, konnte die deutschen Automobilhersteller jedoch unter Druck setzen. Denn die Urgesteine der Automobilherstellung haben den Trend der Nachhaltigkeit und Vorstellungen der Y – Generation verschlafen und stehen nun Einsteigern wie Google oder Tesla gegenüber, die mit voller Kriegskasse und neuen Ideen den Markt aufrollen. Sicherlich, Tesla ist derzeit ein Verlustunternehmen, jedoch nur wegen ständig neuen Investitionen. Aber nur im Bereich Elektroauto hatte das Unternehmen überhaupt eine Chance, auf sich aufmerksam zu machen. Und während alteingesessene Autohersteller mit großer Arroganz und Gleichgültigkeit auf sich aufmerksam machen, gehen die Mitbewerber neue moderne Wege.

Was 2019 in Deutschland gebaut wird, gibt es schon seit Jahren in den USA

Ein deutscher Sportwagen Hersteller hat vor kurzem einen elektrisch betriebenen Viersitzer angekündigt, unter dem Einsatz von 700 Millionen Euro Investitionsaufwand. Der Sportwagen des deutschen Herstellers soll dann 2019, also in knapp vier Jahren mit einer Reichweite von 500 km und 440KW/600PS auf den Markt kommen und in unter 3,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Zudem soll sich die Batterie enorm schnell wieder aufladen lassen. Grundsätzlich hat dieses Konzept keine Aussicht die Umwelt zu verändern, denn für einen Sportwagen sind keine 600 PS nötig. Diese Leistungskennzahlen, mit viel Aufwand in den Markt gedrückt, sind jedoch nichts anders, als etwas völlig veraltetes in neuem Gewand zu präsentieren.

Denn der Tesla Model S 85 D mit einer theoretischen Reichweite von über 500 km. und einer Beschleunigung in unter 3 Sekunden von 0 auf 100 km/h kann dies schon lange. Und dieses Auto ist nun schon mehrere Jahre auf dem Markt. Vor kurzem hat Tesla ein teures Update über das Internet für einen semi-autonomen Fahrmodus online eingespielt. Die deutschen Unternehmen sind hier Nachzügler in technologischen Entwicklungen und rühmen sich noch mit Bluetooth im Auto. Zwar kann man bisher den Tesla noch nicht oft voll beschleunigen, da dann gleich der rote Limiter im Tacho erscheint und die Leistung stark beschränkt wird, da die hohen Ströme der Batterie einiges abverlangen. Noch ist der Insane Mode im Tesla mehr Show, aber man arbeitet an Veränderungen. Tesla hat jedoch bereits eine Grundlage und der deutsche Sportwagenhersteller nur wenig Erfahrungswerte.

Bekannte Unternehmen die sich nicht weiter entwickelten

Typische Beispiele sind Kodak, die den Trend der Digitalfotografie verschlafen haben. Als weltweit bedeutendster Hersteller für fotografische Ausrüstung fertigt man jetzt Druckmaschinen. Der Handy Hersteller Nokia mit 40 % Marktanteil verschlief den Smartphone Boom und Microsoft übersah die Tabletts von Apple. Polaroid war in den 90ern jedem ein Begriff mit seinem Sofortbild Kameras. 2001 wurde das 1937 gegründete Unternehmen nach einer Insolvenz neu gegründet. Alle Unternehmen vereint eines. Die Unfähigkeit sich zu erneuern.

Warum bieten deutschen Autohersteller keine nachhaltigen Lösungen an?

Schauen Sie sich die Unternehmenskultur von einem derzeit in den Schlagzeilen stehenden Unternehmen an. Der neue VW Chef Matthias Müller sagte noch im September 2015, dass selbstfahrende Autos für Ihn einen Hype darstellen, der durch nichts zu rechtfertigen ist. Dies sagte er im Interview mit der Fachzeitschrift „auto motor und sport“. Logischerweise lässt sich ein Maserati selbst am besten steuern, aber die Einstellung des Chefs von VW an seine Mitarbeiter ist deutlich. Diese Innovation ist lächerlich und jeder der sich damit beschäftigen möchte, sollte dies möglichst nach der Arbeitszeit auf seine Kosten machen. Verbesserungsvorschläge sind hier nicht zu erwarten.

Derweil müssen sich die Hersteller doch die Frage stellen: Wie sieht ein Sportwagen aus Deutschland ohne Benzinmotor aus und wie können wir das so schnell umsetzen, dass einem nicht die Konkurrenz davon zieht. Google, Tesla und andere Unternehmen werden die Mobilität verändern. Die deutschen Autofahrer erwarten jedoch von den Vorständen deutscher Automobilunternehmen, dass diese Lösungen und Strategien bereitstellen, die Mitarbeiter nicht verunsichern und mit einbinden. Und dies zeitnah. Es wird jedoch lieber gefordert, dass die Regierung die Elektroautos fördert, Zuschüsse bereit stellt und das Umweltbewusstsein der Kunden wird völlig ignoriert.

Die deutsche Automobilindustrie hat die Zukunft verschlafen

Es kommt der Zeitpunkt, da werden Motorenhersteller von Benzin und Dieselmotoren nicht mehr gebraucht. Die Zulieferer haben dies bereits erkannt, denn wer nur mechanische Teile für einen Verbrennungsmotor liefert, kann sich bereits jetzt ausrechnen, dass der Auftragsbestand kontinuierlich sinken wird. Die Welt wird weniger Auspuffanlagen, Benzinzufuhr-Geräte und Getriebe brauchen. Und Verbraucher kann man nicht mit einer nun einfachen Verbindung von Smartphone und Auto bei Laune halten. Das konnten 15 Euro Bluetooth Adapter schon vor fünf Jahren. Sicherlich, es ist eine große Anstrengung nötig und ob diese Änderung vollumfänglich zum Erfolg führt, ist noch nicht absehbar. Diese Unsicherheit möchten die Autohersteller in Deutschland nicht eingehen und weiterhin planbar bleiben.

Und auch die Mitarbeiter haben Angst und möchten natürlich nicht Ihren eigenen Arbeitsplatz weg rationalisieren. Es wird gezögert und intern gekämpft. Aus dem aktuellen Beispiel kann man jedoch sehen, wie ein moralischer Wandel im Unternehmen dieses schnell in Gefahr bringen kann. Bis Apple mit einer über 150 Mrd. Euro gefüllten Kriegskasse in den Automarkt einsteigt, bleibt abzuwarten. Derzeit üben sich die deutschen Automobilhersteller mit Vereinbarungen über eine Zusammenarbeit mit innovativen Herstellern. Aber im Endeffekt wird nur ausgelagert. Und auch der Verbraucher hat schon gemerkt, alles wird mit einer Panik präsentiert, bei der aber jeder Verbraucher schon erkannt hat, dass es eigentlich schon zu spät ist. Grund, dass nicht noch viel schlimmeres passiert, ist die Tatsache, dass jedes neue Unternehmen mit Milliarden an Einstiegskosten rechnen muss. Derzeit leisten das nur Unternehmen aus der digitalen Industrie.

Die Deutsche Post, als Besitzer einer der größten Fahrzeugflotten in Deutschland baut nun Ihre eigenen Elektro Autos. Weil keiner der bekannten Hersteller ein Zustellfahrzeug mit Elektromotor bauen kann oder möchte. Der Wille zur Elektromobilität ist beim Kunden bereits größer als beim Hersteller.

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Kategorie: Magazin

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Kommentare (3)

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  1. MassiveAttack sagt:

    China wird der wichtigste Automarkt in der Zukunft, denn China ist als allererstes Land gerade dabei, durch ändernde Verkehrsregeln, demografische Vorteile und massive Subventionen aktiv Elektrofahrzeuge zu fördern.

    Elon Musk ist nicht umsonst hungrig auf den chinesischen Markt. Er will dort mit seinen Elektrofahrzeugen chinesische Kunden erobern, damit er dort sein Image und sein Unternehmen in der Zukunft ausbauen kann.

    Europäische Kunden wollen aber keine Innovationen, weshalb die deutschen Autobauer kein Interesse haben, innovative Produkte zu entwickeln. Europäische Kunden sind arrogant und halten asiatische (besonders chinesische) Qualität für minderwertig.

    Die deutschen Autobauer haben 100 Jahre lang ihre Macht erhalten und nun wird sich die Machtposition langsam verschieben, was grundsätzlich nicht schlecht ist.
    Innovationen können nun mal durch schöpferische Zerstörungen entstehen, die wir heute bzw. in naher Zukunft erleben.

    Alte Unternehmen sterben, dafür entstehen neu, innovative Unternehmen. Was ist denn so daran schlimm?

  2. Stefan Müller sagt:

    Daran ist gar nichts schlimm. Der deutsche Automarkt verschläft eben die Entwicklung. Das ist total bitter für Deutschland, aber wir als Kunden können wenig ändern. Der Bericht oben ist super und zeigt genau kritisch die Situation auf. Mutig das zu schreiben. Mercedes sehe ich noch am meisten führend von den deutschen Herstellern.

  3. Uwe Ricken sagt:

    Ein fantastischer Bericht mit einer klugen Zusammenfassung der aktuellen Situation. Ich habe desn Tesla 85 D bereits zur Probe gefahren; einzige Alternative wäre hier noch der i8 von BMW.

    Für mich steht fest, dass das nächste Auto entweder hybrid oder voll elektrisch sein muss; man muss Kompromisse in Bezug auf die Mobilität machen und mehere Stops einkalkulieren.

    Das Konzept des TESLA hat mich vollkommen überzeugt!
    Hoffentlich erkennt auch die deutsche Automobil-Industrie möglichst rasch, dass die Generation Y nicht mehr auf PS, Protzen und Tanke steht sondern den Fokus auf Grund verbesserter Kommunikationsmöglichkeiten auf andere Mobilitätskonzepte lenkt!

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