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Ausbau von bündig eingesetzten Lagerschalen aus einem Gehäuse


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Beispielsweise Rollenlager sind oft so ausgeblidet, dass die äußere Lagerschale vom Lager separierbar ist. Der Einbau in eine Gehäuse (z.B., Motorblock) erfolgt oft so, dass zunächst die Lagerschale in ein Sackloch des Gehäuses eingesetzt wird, dann wird die Welle mit aufgepresstem Innenring und Rollenkäfig eingesetzt, fertig. Die äußere Lagerschale ist dabei oft ein zumindest leichter Presssitz im Gehäuse. Und oft bündig eingesetzt. So dass man weder von außen greifen kann, noch kommt man mit Haken oder dergleichen hinter die Schale, um sie ausziehen zu können. Auch sind Kugellagerauszieher logischerweise nicht einsetzbar.

 

Also wie ausbauen? Ich hatte dieses Problem bei Motorblock des Jarama, zwei solcher Rollenlagerschalen sitzen im Motorbock bündig in Sacklöchern eingesetzt (Kettenradwellen). Lokales Erwärmen des Blocks ist brandgefährlich (Verzugsgefahr). Einen Ofen, in welchen der komplette Block passt, habe ich leider nicht.

 

Ausprobiert habe ich daher einen "Trick", den ich mal irgendwo gelesen habe. Nämlich zunächst ein Werkzeug machen, und zwar einen "Kolben", dessen Außendurchmesser geringfügig kleiner als der Innendurchmesser der Schale ist (saugende Passung). Nützlich ist dafür eine über Jahrzehnte angehäufte Sammlung von alten Bremssattelkolben verschiedenster Durchmesser (diese sind auch als Pressstempel sehr gut einsetzbar), So einen habe ich passend abgedreht.

 

Dann den Hohlraum in der Lagerschale vollständig mit Fett gefüllt. Dann den "Kolben" an- bzw. eingesetzt, ein paar leichte Hammerschläge auf den "Kolben" und die Schale war rausgepresst. Wieso das? Der hydraulische Druck (Fett ist zwar verformbar, aber inkompressibel) wirkt selbst bei schmalstem Spalt an der Innenseite der Lagerschale (wo nie ein Werkzeug zwischen Schale und Gehäuse passen würde) mit voller "Gewalt" und drückt die Lagerschale in axialer Richtung nach außen. Schon mit einem leichten Hammerschlag entstehen sehr hohe axiale Kraftspitzen an der Rückseite der Lagerschale (auch radial natürlich, aber das kompensiert sich ja logischerweise). Die hohe Viskosität des Fetts sorgt dafür, dass mit den Hammerschlägen das Fett nicht zu schnell zwischen "Kolben" und Lagerschale austritt.

 

Ein "Geheimtipp", der tatsächlich wunderbar und auch materialschonend (kein Verkanten der Lagerschale beim Auspressen) funktioniert, toll!

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Hallo Bernhard,

das hat auch Edd China bei den Gebrauchtwagenprofis mal überlegt für das Auspressen mit Hammer und Fett. Erinnere mich nicht, ob er das wirklich gemacht hat. Aber gute Idee auf alle Fälle.

Gruß

Paul

  • Gefällt mir 1

Ich habs ja auch nur mal irgendwo gelesen. Aber das heißt ja nicht, dass es auch tatsächlich funktioniert B). Das tut es aber erfreulicherweise.:)

 

Ich war dabei aber auch möglichst behutsam. denn auf der Rückseite des Sackloches ist der Kühlwassermantel und davor ja der Kettenkasten, der ja zum Ölkreislauf gehört, dazwischen eine Wandung des Blocks. Da hydraulische Kräfte nicht zu unterschätzen sind, bin ich es seeeehr vorsichtig angegangen. Denn wer weiss, die widerstandsfähig die Wandung am Boden des Sackloches ist. Nicht dass plötzlich der Wassermantel ein schönes dickes Durchgangsloch zum Kettenkasten hat ...

 

Wäre es nicht so relativ easy raus gekommen, hätte ich als Alternative nur das Durchtrennen der Schale gehabt (oder halt den Kauf eines großen Ofens :D). Das wäre eine Schweinearbeit geworden, mit jeder Menge Schimpfwortpotential :D.

 

So wars für beide Schalen in insgesamt 15 Minuten, einschließlich Abdrehen des "Kolbens", erledigt.

 

 

P.S.: Hab gerade mal Edd China gegoogelt, war mir bislang kein Begriff. Scheint ja ein lustiger Vogel zu sein! :D

vor 47 Minuten schrieb Jarama:

Dann den Hohlraum in der Lagerschale vollständig mit Fett gefüllt. Dann den "Kolben" an- bzw. eingesetzt, ein paar leichte Hammerschläge auf den "Kolben" und die Schale war rausgepresst.

 

Du kannst auch nasse Papierschnippsel verwenden ...  (z.B. auch beim Pilotlagerwechsel auf der Kurbelwelle) 

 

ja, und es gibt Leute, die klopfen sogar Brotkrümel ! da rein ... und funktioniert auch   :wink:

 

 

 

 

 

professioneller - aber natürlich ungleich teurer - geht`s mit einem Innenauszieher

 

.

 

 

 

 

Gruß aus MUC

Michael 

  • Gefällt mir 2

Michael, wenn der Ring direkt auf dem Boden des Sackloches aufsitzt, sind die meisten Innenauszieher nutzlos, weil da steht der beispielsweise in dem Video erkennbare Spreizkeil  am distalen Ende noch zu weit vor, als dass man mit der Ausziehkante hinter die Schale käme. Solche Auszieher taugen meist nur dann, wenn unterhalb der Schale noch hinreichend Raum ist, um diesen Keil aufzunehmen. Abgesehen davon, dass hier ein ziemlicher "Otto" benötigt würde, Durchmesser ca. 50 mm. Und das Ganze dann auch noch durch das vordere Lagerloch (vorne im Kettenkasten) hindurch reichen müßte ... :D.

 

Also in meinem Fall leider unbrauchbar. Ob es Innenauszieher gibt, welche diesen Nachteil des distal vorstehenden Spreizkeils nicht haben, müßte ich mal recherchieren. Was sowas dann wohl kostet ... B)

 

Ansonsten, ich nehme auch zukünftig lieber Fett als Brot oder Zeitung :D. Probier doch mal Öl an Stelle von Fett (oder Brot oder Zeitung) aus, aber bitte filmen, einschließlich Deines Gesichts :P;)

vor 2 Stunden schrieb Jarama:

Probier doch mal Öl an Stelle von Fett (oder Brot oder Zeitung) aus, aber bitte filmen, einschließlich Deines Gesichts

 

yub ... aber nur Olivenöl ... und bei offenem Munde -

 

dann hat (M)ann  gleichzeitig seine tägliche Vitamin D Dosis quasi "injected"    :P

 

 

 

Gruß aus MUC

Michael

 

Ich habe das neulich am E46 330i mit Fett versucht, aber das hat beim Kugellager die Kunststoffringe rausgequetscht und ist dann rausgequollen.

 

_DSC5969-X2[1].jpg

Aber mit Papierkügelchen...

 

_DSC5973-X2[1].jpg

... hat es schlussendlich gut funktioniert.

  • Gefällt mir 2

Tipp topp und danke für den Tipp. Und, schon wieder, Fett hin oder her, die Drehbank ist unerlässlich.

Noch eine Idee wegen Hitze, Induktionsgerät. Ist jetzt eins in der Werkstatt.

Jepp, ein komplettes Kugellager ist wieder eine andere Nummer, da wird Papiermatsch in der Tat die gegenüber Fett bessere Lösung sein. Wobei da ein Innenauszieher, wenn vorhanden, wohl die handwerklich "professionellere" Lösung wäre, der ist bei Pilotlagern eigentlich immer ansetzbar ;).  Aber wie unser Altkanzler gerne sagte: "Wichtig ist, was hinten rauskommt" :D. Im Falle eines Pilotlagers sogar wörtlich (hinten an der Kurbelwelle) ...

 

Bei mir wars ja "nur" die äußere Lagerschale (vom Rollenlager Kettenradwellen), zudem im Sackloch mit flachem Boden bis ganz unten hinein gepresst.

 

Induktionsgerät habe ich mir auch schon überlegt. Hätte aber beim Motorblock auch nichts genutzt, weil der will seeeeehr gleichmäßig erwärmt werden, was wohl wirklich nur mit einem Ofen gelingen wird.

  • 3 Wochen später...

Der nimmt Spezialpapier:

Lager1.JPG

 

Pilotlager-Auszieher in einfachster Qualität gibt es im Set ab ca. 30,- EUR. Ob man die zweimal benutzen kann, weiß ich nicht. Aber mein Satz war auch nicht wirklich teuer.

Habe mal rumgefragt. Alle Mädchen in der Nachbarschaft können Pilotlager ziehen. Ok.

 

Dann habe ich einen 3-jährigen Bub (Männerjob) gefragt, was er davon hält:

 

Mit dem Dremel einen Ringschlitz in halber Tiefe quer reinzumachen (Mit Schleifaufsatz oder Trennscheibe wegen hartem Stahl). Dann dort einen kleinen Innenabzieher oder eben einen Pilotlager-Auszieher nehmen.

 

Er meinte, ich solle einfach abziehen.

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