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Selbstverantwortung an der Startlinie abgeben?


HighSpeed 250

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Geschrieben

Die tragischen Vorfälle auf der Zugspitze, als zwei Sportler ums Leben gekommen und weitere teilweise knapp daran vorbeigangen sind, veranlassen mich dieses Thema aufzuwerfen.

Wie weit kann man einem Menschen Selbstverantwortung und Selbstbeurteilung zumuten oder darf man diese auch abgeben?

Klar, wenn ich an einer Veranstaltung teilnehme, gleich welcher Art, dann erwarte ich grundsätzlich, daß der Veranstalter alles in seiner Macht Mögliche tut, um diese sicher und geordnet vonstatten gehen zu lassen.

Wenn ich an einem Marathon teilnehme oder einer Rallye, einer Regatta oder der Tour de France, darf man damit rechnen, daß Straßen und Gelände gesperrt sind, daß es Verpflegungsstationen gibt, daß es Ordnungs- und Hilfskräfte gibt, und daß entsprechende Rettungseinrichtungen, Ärzte etc. zur Verfügung stehen.

Ich gehe auch davon aus, daß ein Veranstalter Zustandsbedingungen der Strecke und Wetterbedingungen beurteilt, abwägt und dann verantwortungsbewußt entscheidet, ob dies für die Teilnehmer zumutbar ist oder nicht.

Es stellen sich aber dennoch die Fragen:

Darf ich mich 100prozentig und blind darauf verlassen? Liegt es nicht an mir selbst, mein Können und meine Fitness entsprechend selbst zu berurteilen und dann zu entscheiden teilzunehmen oder auch nicht?

Ist es dem Veranstalter anzulasten, wenn er eine Veranstaltung durchzieht, wo nur die „Besten“ durchkommen und die anderen eben nicht? Noch dazu wenn eine Veranstaltung bewußt und von vorn herein als „Extrem“ tituliert wird?

Das ist sicherlich eine strittige Ansichtssache, wobei ich der Meinung bin - bei aller Verantwortung des Veranstalters - wenn es um offensichtliche Bedingungen geht, muß ich selber wissen was ich mir zumuten kann und liegt es an mir teilzunehmen, weiterzumachen oder auch mal abzubrechen. Es geht hier nicht um Kinderveranstaltungen sondern um Erwachsene und als solcher habe ich immer und jederzeit ein Mindestmaß an Selbstverantwortung, und ist es nicht zulässig diese vollständig abzugeben.

In Falle Zugspitze finde ich es daher auch unzulässig jetzt dem Veranstalter einen Strick zu drehen. Weder wenn es einen unvorhersehbaren plötzlichen Wettersturz gegeben hätte noch in dieser Situatuion. Die Bedingungen waren bekannt, Tage vorher wurde schon vor den möglichen Wetterbedingungen gewarnt. Wer trotzdem teilnahm - noch dazu mit völlig unzureichender Ausrüstung wie T-Shirt und kurzen Hosen im hochalpinen Gelände - wußte, worauf er sich einließ und mußte somit auch die Verantwortung für sein Handeln, sprich die Teilnahme übernehmen.

Aber leider ist es auch so, daß bei manchen Extremsportlern der eigene Ehrgeiz oder die Selbstüberschätzung überwiegt und eventuell auch der Sauerstoffmangel im Gehirn, aufgrund des Sauerstoffbedarfs in den Muskeln, klares Denken manchmal unterbindet ... Von da her gesehen stellt sich die Zurechnungsfähigkeit und damit die der Selbstverantwortung wiederum im konträren Licht dar ...

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Geschrieben

von welchem Vorfall sprichst du?

Hab nix mitbekommen :-(

Geschrieben
Zugspitz-Bergläufer starben an UnterkühlungGarmisch-Partenkirchen/München (dpa) - Der Tod der beiden Männer beim Extrem-Berglauf auf die Zugspitze am Sonntag geht vor allem auf Unterkühlung der Sportler zurück.

In einem Fall habe die Obduktion Unterkühlung als Todesursache ergeben, beim zweiten Opfer kämen daneben auch Herz-Kreislaufprobleme infrage, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München am Dienstag. Scharfe Kritik an derartigen Wettläufen übte unterdessen Extrembergsteiger Reinhold Messner. «Bergsteigen hat nichts mit Wettlaufen zu tun», sagte er.

Ein 41-Jähriger aus dem nordrhein-westfälischen Witten und ein 45 Jahre alter Sportler aus Ellwangen in Baden-Württemberg waren bei dem Lauf unter dem Gipfel des 2962 Meter hohen Berges nach einem Wettersturz trotz Wiederbelebungsversuchen gestorben. «Ich kann nur mein tiefstes Bedauern ausdrücken», sagte der Veranstalter des Extremlaufes, Peter Krinninger, am Dienstag der Deutschen Presse- Agentur dpa.

Die Staatsanwaltschaft habe ihn als Zeugen vernommen und ihm geraten, in der Öffentlichkeit nicht Stellung zu nehmen, berichtete Krinninger. Je nach Verlauf der Vorermittlungen könnte Krinninger ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung drohen.

«Wir sind dabei zu prüfen, ob wir einen Anfangsverdacht haben», sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Rüdiger Hödl. Die Anklagebehörde untersucht derzeit die Umstände des Unglücks. Zunächst sollen Zeugen und Betroffene vernommen und Wetterdaten eingeholt werden. «Wir prüfen einzelne Parameter, die für uns wichtig sind. Dann erst werden wir entscheiden, ob wir ein Ermittlungsverfahren einleiten,» sagte Hödl. Die Entscheidung werde nicht mehr am Dienstag fallen.

Bergsteiger Messner sprach sich für eine Abschaffung derartiger Läufe auf hohe Berge aus. «Der Berg ist zu etwas missbraucht worden, wozu er nicht geschaffen ist», sagte er dem Online-Magazin «stern.de». «Sicherlich kann man diese Bergläufe auf Hügeln bei München machen, aber nicht bei richtig hohen Bergen.» Der Tod der beiden Männer tue ihm wahnsinnig leid, betonte Messner, kritisierte aber sowohl Teilnehmer als auch Veranstalter des Extremlaufs scharf. «Diese Leute sind wie die Lemminge in eine Dummheit gelaufen.»

Sechs Sportler waren bei dem Lauf mit rund 600 Teilnehmern auf Deutschlands höchsten Berg mit Unterkühlungen und völlig erschöpft ins Klinikum Garmisch-Partenkirchen gebracht worden. Die fünf Männer und eine Frau zwischen 27 und 58 Jahren konnten jedoch nach einem Tag das Krankenhaus wieder verlassen. Bis zu 100 Helfer waren im Einsatz, um den frierenden, erschöpften und vielfach nur leicht bekleideten Läufern im Schneetreiben zu versorgen.

Es war der achte Extremlauf auf die Zugspitze. Im Vorjahr wurde nach Angaben eines Teilnehmers wegen schlechten Wetters nicht bis zum Gipfel gelaufen. Die Distanz beträgt 16,1 Kilometer bei 2100 Metern Höhenunterschied.

Tragisch das der Veranstalter das ganze nicht abgesagt hat...

Geschrieben

Beim tauchen kann ich ertrinken, beim fliegen kann ich abstürzen. Wenn ich mal eben in kurzen Sporthöschen auf 3000 Meter hoch laufe kann ich erfrieren oder durch Erschöpfung den Löffel abgeben. Das sind alles Tatsachen, die mit gesundem Menschenverstand vorher zu beurteilen sind.

Setze ich mich trotzdem dem Risiko aus, dann muß ich auch mit den Konsequenzen leben... (so hart und traurig die in diesem Fall leider waren)

Traurig, dass normal denkende Menschen (die im Alltag und im Job sicherlich umsichtig handelnd sind) sich dann auch noch getrieben durch falsches Ehrgefühl und durch Herdentrieb freiwillig ins Verderben begeben. :(

Geschrieben

Selbstverantwortung an der Startlinie abgeben?

Wenn man selbst tot oder verletzt ist nützt es einem auch nichts, wenn man jemand anderen dafür verantwortlich machen kann, oder? Daher auf die Frage ein klares Nein!

Geschrieben

Der Veranstalter ist seiner Sorgfallspflicht doch nachgekommen, indem er über die wetterverhältnisse informiert hat!

Die Leute waren ja nicht verpflichtet dort hoch zu laufen!

Welch ein irrsinn solch ein Lauf!

Ich laufe ja selber den ein oder anderen Volkslauf in der Eifel mit, und da geht es auch immer ordentlich rauf - aber keine 2100 Höhenmeter! das ist ja der Hammer! Wenn ich überlege, wie geschlaucht ich bin, wenn ich einen Volkslauf mit 200 Höhenmetern zu bewältigen habe!

Jeder der sich sowas utraut, muss Proffessionell an eine solche herausforderung herangehen!

Proffessionalität setzt aber auch voraus, dass man sich auf das Wetter einstellt, und zur not eben nicht läuft!

Geschrieben

Ich finde hier trifft die Schuld zu einem großen Teil die Teilnehmer. Wer bei 15 Grad im Tal losrennt und ehrlich denkt am Berg, knapp 2000m höher, ist es wärmer oder genauso warm der hat für mich einfach keine Ahnung und hat seine Hausaufgaben bei der Vorbereitung nicht gemacht.

Was aber schon dem Veranstalter zu Lasten zu legen ist ist die Tatsache, dass offensichtlich nichteinmal für jeden Teilnehmer Decken zur Verfügung standen, geschweige denn Plätze in den Pools zum Aufwärmen. Außerdem darf ich ein Rennen ins Unwetter hinein nicht starten, das Wetter kam ja nicht erst als der Lauf schon lief sondern stand nach meinem Wissen schon am Berg oben. Auch hier aber hätten die Teilnehmer einfach die Segel streichen sollen als sie schon bei Regen starteten.

Geschrieben

Meine Meinung zu dem Thema ist zuerst einmal ganz klar formuliert.

1. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Wer sich in die Alpen begibt sollte über eine richtige Ausrüstung (kurze Hose, Hemdchen ist das sicher nicht bei Null Grad!) und Erfahrung in der Wetterdeutung verfügen, und sich vorab IMMER einen aktuellen Wetterbericht einholen. An dem Wochenende ist mit Sicherheit kein einigermaßen vernünftig denkender Mensch auf die Idee gekommen in die Alpen zu gehen. Ich wohne nicht weit weg von Garmisch, und wäre nie im Leben auf die Idee gekommen eine Bergtour zu machen, die Wetterprognose war mal echt eindeutig!

Die Zugspitze ist hochalpines Gelände und verzeiht wie man gesehen hat keine Fehler!

2. Trifft meiner Meinung nach den Veranstalter eine ungeheure Generalschuld.

Es war absehbar was kommt, und er hat das Rennen nicht abgesagt! Und er, der Veranstalter hat die allerbesten Möglichkeiten sich über das Wetter zu informieren, er hat Spezialisten, weit bessere wie die Teilnehmer, und verfügt darüber hinaus noch über die Ortskenntnis.

Warum wohl hatte er so viele Steckenposten positioniert, waren dann aber leider doch zu wenige.

Ob vielleicht Sponsoren im Genick standen.....(reine Spekulation)

Allgemein ist bei Veranstaltungen zu beobachten, dass tatsächlich von sehr vielen die Eigenverantwortung abgegeben wird, und dann noch dieser Lemminge - Effekt eintritt. Ich habe das auch immer wieder in der Gleitschirmflugszene beobachtet (Wetter ist dort extrem wichtig).

"Da fliegt ja einer, also geht es"

"Wenn der soundso sagt es geht, dann geht es auch"

" Wenn der Wettbewerbsleiter die Bedingungen als fliegbar einstuft, dann ist das auch so"

Für mich leitet sich eben genau aus diesen doch sehr einfachen und vor allem bekannten menschlichen Regungen die große zusätzliche Verantwortung des Veranstalters ab.

Die Entscheidung kann dann immer nur heißen:

Im Zweifelsfall muss ich als Veranstaler absagen, denn die Teilnehmer gucken auf mich, die vertrauen mir, zum teil blind (was mit Sicherheit falsch ist) Das ist nun einmal so.

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