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Hausratversicherung - was muss man beachten? Rolex / Bulthaup-Küche / Louboutins und eine Birkin Bag


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WuerttRene

Lieber Leser,

 

schön, dass Du einen Thread anklickst, in dem es um Versicherungen geht. In diesem Fall um die Hausratversicherung. Oft wird hier am falschen Ende gespart und/oder falsch beraten. Hier möchte ich eine kleine Hilfestellung geben, was man als Kunde beachten sollte.

Die meisten Versicherer benötigen eine Versicherungssumme, um eine Prämie zu berechnen. Die Versicherungssumme ist die Summe allen Hausrates zum Neupreis bzw. Wiederbeschaffungswert, sofern dieser zum Zeitpunkt der Wertermittlung höher als der Neupreis ist.

Um diese Summe zu ermitteln, nimmt man sich einen Stift und einen Zettel und geht durch jeden Raum. Nun notiert man sich den Wert jedes einzelnen Teiles, welches kein Gebäudebestandteil ist. Diese Werte addiert man und schon hat man die Versicherungssumme. Klingt ganz einfach? Ist es in der Theorie auch. Hier kommen wir zum ersten Fallstrick, der bei hochwertigem Hausrat oft falsch gemacht wird.

Gebäudebestandteile sind "in ein Gebäude eingefügte Sachen, die durch ihre feste Verbindung mit dem Gebäude ihre Selbstständigkeit verloren haben" (§93 BGB). Das bedeutet, dass z.B. eine Bulthaup-Küche (oder andere sehr hochwertige Küche), welche man fast immer abbauen und gebraucht weiterverkaufen kann, kein Gebäudebestandteil, sondern Hausrat ist. 

Nun geht es weiter mit einem Punkt, der in der Wertermittlung zu falschen Summen führen kann: Bekleidung. Gerade Maßkleidung hat die letzten Jahre stark angezogen, auch hochwertige Schuhe werden nicht günstiger, eher teurer. Doch was macht der Bekleidungsmessi mit den 50 teuren Jeans, die zwar einen Neupreis von 15.000€ haben, jedoch seit Jahre nicht getragen werden? Oder die gesammelten Werke von Ed Hardy, die man für viel Geld gekauft hat, deren Wert, seit es selbige bei Real am Wühltisch gab, in Richtung 0 geht?

Hier hängt alles davon ab, ob die Sachen noch getragen werden. Den Karton Bekleidung im Keller, den man aus nostalgischen Gründen aufhebt, aber nie mehr tragen wird, kann man ruhig mit dem Second Hand Einkaufspreis bewerten, also pauschal ca. 5-20€ je Teil.
Die Louboutins in einer aktuell nicht angesagten Farbe, welche man sauber verpackt in einer Box aufbewahrt, bis die Farbe wieder angesagt ist, kann man ruhig mit dem Kaufpreis oder falls es sich um ein gefragtes, limitiertes Modell handelt, auch mit dem Wiederbeschaffungswert bewerten, wenn man diesen im Schadenfall ersetzt haben möchte.

 

Als letzten Punkt, bei dem es oft zu Nachfragen kommt und bei dem fast immer große Unterschiede zwischen versichertem Wert und tatsächlichem Wert auftauchen, gehe ich auf Handtaschen, Schmuck und Uhren ein. Natürlich spreche ich hier nicht von Modeschmuck und normalen Uhren und Handtaschen, hier gilt selbiges wie oben bei Bekleidung. Ich spreche z.B. von Modellen wie der Birkin oder Kelly von Hermès, Uhren von Rolex, Patek Philippe, Audemars Piguet und besonderen oder angefertigten Schmuckstücken.

Fangen wir mit den Schmuckstücken an: Hier empfehle ich, die Werte einmal im Jahr von einem Fachmann überprüfen zu lassen und die Expertise, zusammen mit aktuellen Bildern der Stücke, in einem Schließfach aufzubewahren, um im Schadenfall einen Nachweis zu haben und ggf. die Versicherungssumme jährlich anpassen zu können. Manche Versicherungen, welche das Tragerisiko mitversichert haben, verlangen dies sogar.

Bei den Taschen ist es einfacher. Hier kann man einmal jährlich die Preise auf entsprechenden Portalen, welche mit geprüften Gebrauchttaschen handeln checken und mit dem aktuellen Listenpreis vergleichen. Den höheren Wert nimmt man dann. Vielleicht fragt sich an dieser Stelle schon der eine oder andere, warum man hier den höheren Wert nimmt, man kann die Tasche doch einfach neu bestellen, oder?

 

Auf diese Frage gehe ich gleichzeitig mit dem Thema Uhren ein. Dank einiger Artikel in fast jeder größeren Zeitung oder dem Besuch beim Konzessionär, ist vielen bekannt, dass man beispielsweise eine Rolex Submariner, eine Patek Philippe Nautilus oder eine Audemars Piguet Royal Oak, nicht so einfach bestellen kann. Die Wartezeiten für solche Modelle sind (wie eben auch bei den o.g. Taschen) teilweise mehrere Jahre lang, wenn man denn überhaupt auf eine Warteliste kommt. Entsprechend sind die Preise auf dem Sekundärmarkt höher als die Neupreise. Damit also eine Versicherung im Schadenfall die Verlust ausgleichen kann, muss sie einen Preis über dem Neupreis bezahlen. Dazu gibt es mittlerweile auch Urteile. Das wiederum bedeutet, dass man auch den entsprechenden Wert in der Versicherungssumme berücksichtigen muss.

Bei Uhren empfehle ich hierzu, einen Account bei z.B. chrono24 zu erstellen und dort seine Sammlung mit Bildern anzulegen, zu pflegen und einmal jährlich an die Versicherung zu senden. Damit ist man auf der sicheren Seite.

 

Hat man nun die richtige Versicherungssumme gewählt, sollte man sich unbedingt bestätigen lassen, dass die Sicherungsmechanismen, Tresore u.ä., der Versicherung für die Höhe der Summe ausreichen. Hierzu gibt es Sicherungsbeschreibungen, welche bei hohen Hausratsummen unbedingt überprüft und der Versicherungspolice beigelegt werden sollten.

Wer bis hierher gelesen hat, kann nun aufatmen und seine Hausratsumme überprüfen. Ich gehe davon aus, dass im Bereich hochwertiger Hausrat mindestens 50%, eher 70-80% der Verträge falsch und die Versicherungsnehmer unterversichert sind. Falls Du zu denen gehörst, bei denen die Hausratsumme stimmt, solltest Du Deinem Versicherungsvertreter mindestens ein Bier ausgeben :)

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Gast
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