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Der neue Vierkampf der Nach-Veyron-Ära

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netburner
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Letzter Beitrag: (bearbeitet)

Machen wir uns nicht viel vor: Die Zeit des Bugatti Veyron geht langsam aber sicher ihrem Ende entgegen. Die 300 Coupés (inklusive Supersport) sind bereits ausverkauft und auch die restlichen Exemplare des offenen Grand Sport (inklusive Vitesse) dürften in absehbarer Zeit abverkauft werden (vermutlich mit noch einigen "besonderen Unikaten" auf dem Weg dorthin).

Was kommt nach? Wenn man genau schaut gleich vier tolle neue Sportwagen, die hier im Forum bereits Thema sind, aber vergleichen wir doch einmal genauer.

Folgende "Kandidaten" treten zum neuen Vierkampf der Nach-Veyron-Ära in absehbarer Zeit auf das Parkett (Reihenfolge rein zufällig gewählt):

Porsche 918 Spyder

Mit dem indirekten Nachfolger des Carrera GT scheint Porsche ein absolutes Meisterwerk in der Pipeline zu haben. Die ersten Journalisten durften inzwischen zum zweiten Mal auf dem Beifahrersitz Platz nehmen und sind voll des Lobes über die Fahrerlebnisse, die in Elektromodus und als Hybrid auf die Straße geworfen wurde. Rund 795 PS stehen kombiniert zur Verfügung und treffen dabei auf einen Supersportwagen mit Allradlenkung, ausgefeilter Aerodynamik und der Kombination aus zwei Elektromotoren und einem V8-Hochdrehzahltriebwerk. Gegen Aufpreis ist eine gewichtserleichterte Variante mit nochmals verbesserter Aerodynamik unter dem Titel "Weissach Paket" erhältlich. Insgesamt sollen 918 Exemplare verkauft werden.

Jaguar "C-X75"

Unter dem Arbeitstitel C-X75 entsteht bei Jaguar aktuell in neuer Supersportwagen, der sich optisch an der gleichnamigen Studie anlehnen soll. Entgegen diesem Fahrzeug wird in der Serie kein Turbinenantrieb, sondern ein Turbo-Benzinmotor mit zwei Elektromotoren gepaart, um für den Vortrieb zu sorgen. Angestrebt sind eine Beschleunigung von 3 Sekunden auf 100, sowie 6 Sekunden auf 160 und eine Höchstgeschwindigkeit von rund 320 km/h. Die 250 geplanten Exemplare werden in Kooperation mit dem Formel 1-Team Williams entwickelt und gefertigt.

Ferrari "F70"

Auch der neue Ferrari-Supersportwagen hat bislang noch keinen offiziellen Namen erhalten. Antriebseinheit und Carbon-Chassis wurden bereits auf Messen offiziell vorgestellt. Gegenüber Jaguar und Porsche handelt es sich allem Anschein nach um kein vollwertiges Hybridkonzept, sondern ein KERS-System wie in der Formel 1, durch das Zusatzleistung beim Beschleunigungsvorgang elektrisch dazugegeben wird. Gerüchte sprechen von einer Gesamtsystemleistung zwischen 850 und 950 PS. Die endgültige Stückzahl dürfte unterhalb von 500 Fahrzeugen liegen.

McLaren P1

In Paris wurde ein zu rund 90% fertiggestellter Prototyp des neuen McLaren P1 gezeigt, dessen technische Daten jedoch zu großen Teilen weiterhin geheim bleiben. Er soll über 600 PS pro Tonne Gewicht haben, womit man von rund 900 PS insgesamt wohl ausgehen darf. Auch hier wird ein KERS-System vermutet, was bei McLaren kaum verwundern dürfte, ist man doch in der Formel 1 damit gut unterwegs. Dazu wurde bekanntgegeben, dass die extreme Aerodynamik bei "durchschnittlicher Rennstreckengeschwindigkeit" zu 600 kg Abtrieb führen soll. Der ausfahrbare Heckflügel verfügt wie die modernen Formel 1-Rennwagen über eine DRS-Funktion, die ihn bei Hochgeschwindigkeitsfahrten flachstellt. Gerüchteweise werden vom P1 zwischen 100 und 300 Fahrzeuge entstehen.

Was passiert gleichzeitig bei Bugatti?

An der neuen Luxuslimousine Galibier wird wohl noch weitere 4-5 Jahre entwickelt, bis sie in Richtung Serienfertigung abbiegt. Auch ein Veyron-Nachfolger ist bereits im Gespräch, dürfte aber mindestens ebenso lange auf sich warten lassen. Nun gibt es neue Gerüchte, dass zum Abschluss der Veyron-Produktion eine finale Wahnsinnsversion mit 1.600 PS aus einem auf 9,6 Liter aufgebohrten W16-Quad-Turbo-Motor geplant ist. Ob da was dran ist? Wir werden es erleben (oder eben auch nicht).

bearbeitet von netburner
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G1zM0
Geschrieben

Der Huyara sollte meiner Meinung nach nicht fehlen, auch wenn er nicht der Wurf ist zumindest Designmäßig wie es der Zonda war. Ansonsten::-))!

Gast
Geschrieben
Der Huyara sollte meiner Meinung nach nicht fehlen, auch wenn er nicht der Wurf ist zumindest Designmäßig wie es der Zonda war. Ansonsten::-))!

Nachdem alle 4 oben erst noch auf den Markt kommen und der Huyara schon älter ist passt er für mich nicht. Außerdem hat er keine elektrische Komponente im Antrieb, alle 4 oben sind dagegen extreme Technologieträger für zukünftige Entwicklungen. Der Huyara hat ein extremes Aussehen und Preis, aber es steckt ein aufgebohrter AMG Motor in viel Carbon....mehr nicht.

Ich denke bei obigem Vierkampf wird es ähnlich wie zu Carrera GT und Enzo Zeiten werden. Der 918 wird das tugendhafte deutsche Technikwunder, der F70 wird aber mehr Begeisterung auslösen. Einfach weil er ein Ferrari ist.

netburner
Geschrieben (bearbeitet)

Hattest du meinen letzten Absatz gelesen? :wink: Aber wenn, dann dürfte die 1.600 PS-Variante vermutlich extrem limitiert sein. Ich rechne mit maximal einer kleinen zweistelligen Stückzahl (wenn überhaupt).

bearbeitet von netburner
porsche.fan
Geschrieben

Hab ich gelesen, aber im Artikel sind ja noch ein paar ergänzende Infos zu dem Wägelchen...

Passionist
Geschrieben

Also die Aussage "...der Nach-Veyron-Ära" finde ich etwas gewagt. Noch kann kein anderes Fahrzeug an die Gesamtheit der Eigenschaften des Veyron heranreichen. Aber ich weiß natürlich wie das Thema gemeint ist.

Auch die 4 angesprochenen, in Planung befindlichen Autos kommen an die herausragenden Merkmale des Veyron nicht hin. Damit möchte ich den Veyron nicht vergöttern, die Aussergewöhnlichkeit hat seinen Preis, in mehrererlei Hinsicht.

Aber den Gedanken, ein Auto zu bauen welches am Thron des Veyron auch nur wackeln könnte, haben die anderen Hersteller damals schon im Ansatz aufgegeben. Merkt man auch daran, das die Vertreter der anderen Hersteller meist verstummen, wenns um den Veyron geht. Und das obwohl sie ansonsten gerne immer mal wieder gestichelt haben, in vielerlei Arten, ironisch, überheblich, gehässig...

Dafür sind die Konzepte mit Hybridantriebstechnik interessant, damit geht die Fahrzeugentwicklung auch in eine etwas andere Richtung als nur kerzengerade nach oben, zum Thron der Leistung und des Drehmoments.

Naja, vielleicht macht ja VW noch was mit Diesel, das wäre doch auch interessant. Ein Veyron (?) V12 TDI mit irgendwas um die 700 PS...

P.

netburner
Geschrieben

Es ging auch weniger darum, dass die vier versuchen würden, den Veyron vom Thron zu schubsen. Das hat glaube ich auch wirklich keiner der Hersteller ernsthaft vor, zumindest in Bezug auf die Höchstgeschwindigkeit. Bei den Rundenzeiten auf den allermeisten Kursen werden die Neulinge jedoch ähnliche Kreise um den Veyron drehen, wie das bereits Enzo und Carrera GT konnten, einfach weil der Veyron niemals als Rennstreckenfahrzeug konzipiert wurde.

Die Überschrift bezog sich eher darauf, dass die vier die Speerspitze im Sportwagenbau übernehmen werden, sobald die Serienproduktion des Veyron abgeschlossen ist. Natürlich lassen sich dazu dann auch noch Fahrzeuge wie der Pagani Huayra oder der Lamborghini Aventador stecken, von denen auf lange Sicht ja wohl auch noch kräftigere Ableger kommen werden, aber die vier genannten vereint eben die neue Technik, die in verschiedenen Versionen eingesetzt wird.

Mich erinnert die aktuelle Phase ein wenig an die Zeit Anfang der 90er, als mit Bugatti (EB110), Jaguar (XJ220), McLaren (F1), Ferrari (Wechsel von F40 auf F50) und Lamborghini (Diablo) einige Hersteller mit neuen Supersportwagen um die Ecke kamen und gegen schon existente Konzepte (Porsche 959, Ferrari F40, ...) antraten.

amc
Geschrieben
Nachdem alle 4 oben erst noch auf den Markt kommen und der Huyara schon älter ist passt er für mich nicht. Außerdem hat er keine elektrische Komponente im Antrieb, alle 4 oben sind dagegen extreme Technologieträger für zukünftige Entwicklungen. Der Huyara hat ein extremes Aussehen und Preis, aber es steckt ein aufgebohrter AMG Motor in viel Carbon....mehr nicht.

Na na, "mehr nicht" ist gut. Wenn man es sich so einfach macht kann man auch sagen: ach, im Grunde ist der 918 nur ein aufgemotzter Prius.

Wenn der Huyara schneller ist als einer der "Vierkämpfer", dann haben diese ein Problem. Ob er dann schon 1 Jahr länger am Markt ist, ist doch völlig egal, oder vielmehr: umso schlimmer. Und mit "ok, meiner ist langsamer und hat keinen so schönen Innenraum, hat aber Hybrid" gewinnt man doch in der Preisklasse keinen Blumentopf.

ToniTanti
Geschrieben

Der Veyron war aufgrund seiner gesamten Kostruktion, Auslegung und Bauweise schon immer ein völig alleinstehendes Fahrzeug.

Ferrari oder Porsche oder MacLaren haben den Veyron sicherlich nie als "Konkurrenzfahrzeug" betrachtet. Dafür war dieses Fahrzeug zu weit vom Rennsport (Ferrari und Porsche) entfernt.

Für den Veyron galten noch nie normale Maßstäbe oder Betrachtungsweisen.

Die neuen Supersportler von Ferrari, Porsche und McLaren sind sicherlich viel mehr auf Rennstreckenperformance ausgerichtet, als es ein Veyron je war. Ferrari wird sich sicherlich, wie in der Geschichte eigentlich immer praktiziert, stark an der Formel1 orientieren und mit dem neuen Enzo-Nachfolger ein Performance-Package vorlegen was sich sicherlich mit den FXX-Versionen messen kann und/oder diese gar überflügelt.

Porsche wird wie der 959 oder der CGT als Technologieträger alles das vereinen, was in Weissach an Kompetenz und Ingenierskunst verfügbar ist. Das dieses Fahrzeug dann ehr technisch orientiert sein wird, und auch sicherlich Bauteile (Konsolen, Lenkrad, Sitze, Instrumente etc.) aus dem breiten Porschebaukasten enthalten wird, tut der Performance sicherlich keinen Abbruch. Vielleicht ein wenig dem Besonderen, dem Einzigartigem.

Den genau mit diesen Werten wuchert ja Pagani. Schon der Zonda und jetzt der Huayra sind von einer Detailverliebheit geprägt, die sich gepaart mit hoher Qualität zu einem visuellen, haptischen und autitiven Gesamtkunstwerk erhebt, welches dann auch noch mit Fahrleistungen aufwartet, die ebenfalls jenseits von Gut & Böse sind.....

Ich freue mich auf die kommenden Supersportboliden und beglückwünsche schon jetzt Jeden, der ein solches Fahrzeug erwerben und dann bewegen darf/kann!

Adios

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Gast 456mgt
Geschrieben

Danke ToniTanti, spannend zu lesen deine Sicht und Positionierung. Mich interessiert deine Meinung zu McLaren, wie siehst du diesen Hersteller?

Cherio!

JoeFerrari
Geschrieben

Mercedes SLS AMG Coupé Electric Drive

...

Was ist mit dem?

Optisch zwar nicht mein Fall, aber vom Konzept her sehr interessant. Vier Räder, vier Motoren, dazu vollelektrisch. Kein Mitbewerber im herkömmlichen Sinne, aber nicht minder interessant.

ToniTanti
Geschrieben
Danke ToniTanti, spannend zu lesen deine Sicht und Positionierung. Mich interessiert deine Meinung zu McLaren, wie siehst du diesen Hersteller?

Cherio!

Tja, den McLaren kann ich derzeit nich so recht einordnen.

Schon der aktuelle MP4 ist ein sicherlich sehr gutes und herrausragendes Automobil.

Allein hier fehlt mir das Besondere, was der damalige McLaren hatte. Auch nach meiner Probefahrt war ich zwar von der reinen Performance sehr angetan, aber den Reiz eines "unbedingt haben wollen", kam bei mir nicht rüber. Mir persönlich war er zu wenig eigenständig und im Innenraum gähnend langweilig - gerade ggb. einem 458.

Auch wird sich zeigen, inwieweit der Über-McLaren als Technologieträger aufwartet, wie es der Ferrari und der Porsche, je nach spezieller Ausrichtung, ohne Frage sein werden.

Was kommen für Besonderheiten, die den Kauf eines McLaren bedingen?

Eine 4-Rad-Lenkung wie beim Porsche?

Das positive Image von McLaren bsiert doch eingentlich immer noch auf dem "uralten" F1.

Denn die SLR-Geschichte war ja nun wahrlich kein Ruhmesblatt.

Und in diesem Segment fehlt McLaren einfach die gewachsenen Mythen wie 959, CGT, F40, F50 und Enzo.....

Und da er mit dem kolportierten KP von einer Mio. nun wahrlich kein Schnäppchen ist, bin ich da eher skeptisch, was die Verkaufszahlen angeht. Das damalige Aleinstellungsmerkmal des F1 ist nicht mehr vorhanden.

Ich tendiere da ganz klar zu den heutigen Supersportwagen-Knallern und zukünftigen Klassiker von Ferrari und Porsche.

Adios

Passionist
Geschrieben
Bei den Rundenzeiten auf den allermeisten Kursen werden die Neulinge jedoch ähnliche Kreise um den Veyron drehen, wie das bereits Enzo und Carrera GT konnten, einfach weil der Veyron niemals als Rennstreckenfahrzeug konzipiert wurde.

Wo und von wem fanden denn ernsthafte Vergleichsfahrten auf den "allermeisten Kursen" statt, bei denen

Enzo und Carrera GT Kreise um den Veyron gedreht haben ?

Kreise um ein Auto drehen bedeutet, diesem in besonders drastischer Form davonzufahren. So einfach kann man aber einem Veyron nicht davonfahren. Dazu braucht es einen Kurs, bei dem der Veyron seine Kraft nicht ausreichend einsetzen kann.

Die Fahrleistungen des Veyron liegen in einer anderen Dimension, deshalb müßte man auch einen Kurs in einer anderen Dimension wählen. Man lässt ja auch nicht auf einer Kart-Bahn einen Carerra GT gegen ein Kart fahren, welches dann um den Porsche "Kreise dreht".

Ein Argument zählt natürlich. Und zwar das die meisten Rennstrecken eben in einem Format sind, bei dem der Veyron seine Kraft nicht ausreichend einsetzen kann. Anders gesagt, die üblichen Rennstrecken sind eine Nummer zu klein für den Veyron.

P.

netburner
Geschrieben

Ein Argument zählt natürlich. Und zwar das die meisten Rennstrecken eben in einem Format sind, bei dem der Veyron seine Kraft nicht ausreichend einsetzen kann. Anders gesagt, die üblichen Rennstrecken sind eine Nummer zu klein für den Veyron.

P.

Genau damit gibst du die Antwort bereits. Richtig, es wurden kaum ernsthafte Vergleichsfahrten unternommen (wenn man vom TopGear-"Test" absieht eigentlich gar keiner), aber wenn ein Rennkurs nicht über lange Geraden und viele schnelle Kurven verfügt, sehe ich für den Veyron und sein Konzept dort keine allzugroßen Chancen (was mir auch von zwei Veyron-Besitzern und einem Entwicklungsfahrer bestätigt wurde). Da Bugatti das ebenfalls weiß und auch nie anders ins Lastenheft des Veyron geschrieben hat, hat man entsprechend auch nie Fahrzeuge für einen Supertest oder ähnliche Tests herausgegeben. Man hat einfach nichts zu beweisen, da der Wagen eher als extremer GT mit Hang zur Höchstgeschwindigkeit zu verstehen ist, denn als Supersportwagen mit Hang zur Rundenbestzeit.

ToniTanti
Geschrieben
Wo und von wem fanden denn ernsthafte Vergleichsfahrten auf den "allermeisten Kursen" statt, bei denen

Enzo und Carrera GT Kreise um den Veyron gedreht haben ?

Kreise um ein Auto drehen bedeutet, diesem in besonders drastischer Form davonzufahren. So einfach kann man aber einem Veyron nicht davonfahren. Dazu braucht es einen Kurs, bei dem der Veyron seine Kraft nicht ausreichend einsetzen kann.

Die Fahrleistungen des Veyron liegen in einer anderen Dimension, deshalb müßte man auch einen Kurs in einer anderen Dimension wählen. Man lässt ja auch nicht auf einer Kart-Bahn einen Carerra GT gegen ein Kart fahren, welches dann um den Porsche "Kreise dreht".

Ein Argument zählt natürlich. Und zwar das die meisten Rennstrecken eben in einem Format sind, bei dem der Veyron seine Kraft nicht ausreichend einsetzen kann. Anders gesagt, die üblichen Rennstrecken sind eine Nummer zu klein für den Veyron.

P.

Oder eben der Veyron wurde dafür gar nicht konstruiert und gebaut. Denn genau diese Track-Performance war niemals das erklärte Entwicklungsziel.

Und auf der Nordschleife hätte er ja fahren können - ist er aber nicht.

Und auf den meisten Rennstrecken dieser Welt, und wir haben nun halt mal nur diese eine Welt (und deshalb kann man eben auch nur das betrachten), ist der Veyron mit Sicherheit nicht der Performance-Leader. Allein schon mehrere zügige, forcierte Runden auf dem HHR - da würde ich gerne die Bremsperformance sehen.....

Aber ist ja auch egal. Der Veyron ist ein völlig irrationales Technologiewunderwerk auf vier Rädern und mit seinen Leistungsdaten in einem anderen Matrix. Auf Rennstreckenperformance wie ein Enzo oder CGT wurde dieses Wagen nie ausgerichtet.

Ich würde ihn eher mit einem kommenden One77 von Aston vergleichen. Eher ein imperialer Raumkreuzer, ein Todesstern, denn ein allierter X-Wing-Fighter.....

Adios

JoeFerrari
Geschrieben

Nun wenn der Veyron schon nicht für die Rennstrecke(n) gebaut wurde, wohl noch weniger für den Strassenverkehr. Doch wozu dann? Als reines Showobjekt für die Superreichen? Für Rekordfahren in der Mojavewüste?

Insofern - um zum Threatitel zu kommen - gab es überhaupt eine Veyron Ära?

Das schönste am Veyron fand ich immer die Farbkombinationen :rolleyes:

Azrael1965
Geschrieben

Klar gibt es eine Veyron Ära und meiner Meinung nach ist keiner der 4 Kandidaten ein geeigneter Nachfolger. Ganz einfach weil ihm keiner ihm im virtuellen Autoquartett in den Punkten Topspeed und Verkaufspreis den Rang abläuft. Der Veyron ist noch immer DAS Hypercar und das wird wohl noch eine Weile so bleiben.

netburner
Geschrieben

Ich denke schon, dass es eine "Veyron-Ära" gab, denn in dieser Zeit hat es kein Fahrzeug geschafft, den Bugatti vom imaginären Thron zu schubsen. Das gelingt den vier Neulingen zwar auch nicht, aber bis zu deren Produktionsbeginn ist die Serienfertigung des Veyron bereits in der allerletzten Phase. Somit beginnt (aus meiner Sicht) eine neue Ära, in der sich die vier Neulinge das Feld mit den bereits am Markt etablierten Supersportlern (bereits genannt: Huayra, Aventador, aber auch Agera) teilen dürfen und man erneut schauen darf, wer dann der neue Platzhirsch wird.

Azrael1965
Geschrieben

Das letzte mal das ich einen Veyron gesehen habe war auf einer Automesse mit einem Preisschild von 2.000.000 €. Daneben stand ein Aventador aber neben dem Veyron hatte der Arme überhaupt keine Chance. Der Bugatti hatte wirklich so etwas wie eine Aura von Unerreichbarem :) Ok, vielleicht war es auch nur das Preisschild ....

Passionist
Geschrieben
Oder eben der Veyron wurde dafür gar nicht konstruiert und gebaut. Denn genau diese Track-Performance war niemals das erklärte Entwicklungsziel.

Naja, die Frage ob eine "Track-Performance" Entwicklungsziel war oder nicht, stellte sich so gar nicht.

Die primären Vorgaben - Serienauto für 2 Leute und Handgepäck, schicker Innenraum mit Stereo- und Klimaanlage, brutale Beschleunigung > optimale Traktion, 1000 PS, brutale Kraft ohne Turboloch, Vmax über 400 km/h, eine gewisse Alltagstauglichkeit, Sicherheit etc. etc. - führen halt zu einem Auto in der Art und vor allem mit dem Gewicht des Veyron. Und mit dem Gewicht des Veyron sind "langsame" Strecken wie Nordschleife, Hockenheim & Co. eben nicht das optimale Revier.

Und auf der Nordschleife hätte er ja fahren können - ist er aber nicht.

Doch, auf der Nordschleife sind schon Bugatti Veyron gefahren. Vielleicht nicht im Rahmen einer veröffentlichten Test-Veranstaltung, aber gefahren sind sie. Und nicht mal langsam.

Aber das was den Veyron auf Rennstrecken viel stärker bremst als das Gewicht ist die Angst des Fahrers, das Auto kaputt zu machen. Und sicherlich noch die Vorgaben des Eigentümers, welcher den Veyron zur Verfügung stellt.

P.

FutureBreeze
Geschrieben

Die Nordschleife ist keine langsame Strecke!

netburner
Geschrieben

Aber eine mit vielen technisch anspruchsvollen Passagen, in denen kleine leichte Autos (z.B. damals der Donkervoort D8 von Michael Düchting) den großen Supersportlern ordentlich Zeit abnehmen können. Die Döttinger Höhe ist mit solchen Autos dann zwar kein Genuss, aber für Rundenbestzeiten zählt nunmal eher, wie gut man durch eine Kurve und aus ihr herauskommt.

Das ist aber eigentlich nur am Rande Thema dieses Threads :wink:

ToniTanti
Geschrieben
Naja, die Frage ob eine "Track-Performance" Entwicklungsziel war oder nicht, stellte sich so gar nicht.

Die primären Vorgaben - Serienauto für 2 Leute und Handgepäck, schicker Innenraum mit Stereo- und Klimaanlage, brutale Beschleunigung > optimale Traktion, 1000 PS, brutale Kraft ohne Turboloch, Vmax über 400 km/h, eine gewisse Alltagstauglichkeit, Sicherheit etc. etc. - führen halt zu einem Auto in der Art und vor allem mit dem Gewicht des Veyron. Und mit dem Gewicht des Veyron sind "langsame" Strecken wie Nordschleife, Hockenheim & Co. eben nicht das optimale Revier.

Doch, auf der Nordschleife sind schon Bugatti Veyron gefahren. Vielleicht nicht im Rahmen einer veröffentlichten Test-Veranstaltung, aber gefahren sind sie. Und nicht mal langsam.

Aber das was den Veyron auf Rennstrecken viel stärker bremst als das Gewicht ist die Angst des Fahrers, das Auto kaputt zu machen. Und sicherlich noch die Vorgaben des Eigentümers, welcher den Veyron zur Verfügung stellt.

P.

Genau, der Veyron ist aufgrund seiner Gesamtkonstruktion so derart von dieser Welt, daß er eben für die Rennstrecken dieser Welt nicht mehr zu gebrauchen ist - jedenfalls wenn wir den Fred hier als Ursprung nehmen - und die anderen veritablen Sportwagen dem Veyron gegenüberstellen.

Allein schon die mechanischen Beanspruchungen dieses Fahrzeuges und die damit verbunden Service und Felgenwechselintervalle zeigen eben sehr deutlich, daß der Wagen nie und nimmer für den Track konzipiert wurde. Eben ganz im Gegenteil zu den anderen in diesem Fred angesprochenen Wagen.Ein Ferrari, Porsche oder McLaren werden eben ganz bewußt auf neue Höchstgeschwindigkeitsrekorde zu Gunsten von rennstreckentauglichem Abtrieb verzichten.

Es sind also völlig verschiedenen Lasten- und Pflichtenhefte zwischen einem Veyron (der eigentlich nur auf Highspeed-Oval oder einem Salzsee voll gefahren werden kann) und den Sportwagen die hier aufgeführt wurden.

Adios

Passionist
Geschrieben

Dem letzten Satz möchte ich widersprechen. Einen Veyron kann man nicht nur auf Highspeed-Ovalen oder einem Salzsee voll fahren. Das geht viel öfter. Man gurgelt gemütlich durchs Dorf und am Ortsausgang gibt man einfach voll Gas und schiesst sich zum nächsten Dorf. Gut, optimalerweise sollte es eine StVO-freie Gegend sein und man muss dabei wissen was man tut, aber man kann das Auto oft voll fahren.

Der Veyron war aufgrund seiner gesamten Kostruktion, Auslegung und Bauweise schon immer ein völig alleinstehendes Fahrzeug. Dieser Satz von ToniTanti bringts auf den Punkt. Ebenso der Vergleich des Veyron mit einem imperialen Raumkreuzer, Todesstern, alliierter X-Wing-Fighter sowie der Bezeichnung DAS Hypercar u.s.w.

Vielleicht hat der Bugatti Veyron viel mehr bewirkt als man denkt. Indem andere Hersteller angesichts des Veyron alle Planungen in die Richtung Kraftsport erst mal aufgegeben haben und dafür den Weg in Richtung Leichtathletik eingeschlagen haben. Zur Freude der Puristischeren unter den Sportwagenfahrern.

Ein Punkt wurde noch gar nicht angesprochen. Die 4 genannten Hersteller wollen oder müssen doch mit den jeweiligen Autos doch auch ein bißchen Geld verdienen ?!

Bugatti hatte diese Auflage nicht; das Projekt Bugatti > Veyron läuft im VW Konzern unter Imagewerbung, ähnlich wie bei anderen Herstellern das Formel 1 Engagement.

P.

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      Im Gegensatz zum 720s hat der 570s ein konventionelles Fahrwerk. Also keine hydraulischen Pumpen, die jede Unebenheit oder Wankbewegung bereits im Ansatz vernichten. Doch so wirklich vermissen tut man die Features des 720 nicht. Der Mittelmotorwagen schnupft die Kurven nur so auf. Gemeinheiten sind im fremd. Ebenso Wankbewegungen. Wer ihn lenkt, weiss wie Mikrochirurgen mit dem Skalpell arbeiten. Kurve anvisieren, einlenken und der 570 fährt die Linie in seiner unnachahmlichen Präzision. Es ist ein Vergnügen höchster Güte.
      An der Tanksäule zeigt sich, dass die Euphorie ihren Preis hat. Er genehmigt sich kaum weniger als der 720s.
      Fazit: Wer einen Sportwagen auf Turbo S-Niveau sucht und dabei Sportlichkeit gegen Alltagstauglichkeit tauscht, ist hier richtig.
       
      Schlusswort
      Pech für den 911er, dass er zu diesem unfairen Vergleich antreten musste. Doch Fairness war nicht das Ziel des heutigen Tages - es gab nur ein Ziel: Spass, Fahrspass!
      Selbstredend bin ich nicht objektiv. Ich bin ein bekennender McLaren-Fan und habe 2015 mit Porsche abgeschlossen. Das ändert aber nichts daran, dass Porsche die besten Sportwagen baut, wenn Alltagstauglichkeit gefragt ist. Will man mehr Sport, ist man bei McLaren besser aufgehoben. Doch das darf glücklicherweise jeder für sich entscheiden.
    • Stig
      Auf vielfachen Wunsch (Danke für die netten Anfragen) schreibe ich hiermit einmal einen Erfahrungsbericht über meinen Jaguar XJ220.
       
      Noch gut kann ich mich an dessen Ankündigung erinnern: Bereits schon Ende der Achtziger-Jahre, genau wo der Sportwagen- und Spekulationshype losging, wurde bekannt, dass Jaguar etwas ganz Grosses plant und es mit den anderen Supersportwagenhersteller Bugatti, Ferrari, Porsche und McLaren aufnehmen will. Als die ersten Bilder von der Studie (noch mit Allrad und V12) auftauchten, war ich hin- und weg. Für mich als Jugendlicher das absolute Traumauto: schöner als EB110 und F1, dazu schneller als F40 und 959. Bald schon war auch das erste 1/10 R/C-Modell von Kyosho erhältlich, welches ich mir natürlich gleich im Spielwarengeschäft holen musste.  
      Der XJ220 war für mich ganz klar DAS TRAUMAUTO aus meiner Jugendzeit; als ich zum ersten Mal einen live beim Schweizer Jaguar-Importeur Emil-Frey sah, war dies für mich wie heute einem Hollywood-Superstar gegenüber zu stehen.
      Ich mag mich daran erinnern, dass kurze Zeit später beim AutoSalon Singen ebenfalls zwei dieser XJ220-Neuwagen standen (grün und bordeux); dazumal noch weit über dem Neupreis von mehr als einer Million D-Mark oder Franken (dazu später).
       
      Zur Auslieferung dieser Autos kam es bekanntlich erst ab 1992, dann aber nicht mit dem angekündigten Allradanrieb und auch nicht mit dem V12-Motor. Genau zu dieser Zeit begann die Wirtschaftskrise und damit der Zusammenbruch des Auto-Hypes dieser Epoche, wie aus dem Nichts wollte plötzlich keiner mehr diese ultrateuren Supersportwagen. Käufer (oder eher Spekulanten), welche einen solchen XJ220 bestellt haben, versuchten mit allen Mitteln aus ihrem Kaufvertrag herauszukommen, um diesen enormen Neupreis von CHF 1‘080‘000.- nicht bezahlen zu müssen. Jemand aus unserer Gegend, der dazumal ebenfalls einen solchen XJ220 bestellt hatte, verzichtete sogar auf seine gemachte Anzahlung von CHF 250‘000, um den Restkaufpreis nicht bezahlen zu müssen!
      Ein anderer Käufer, ein bekannter Möbelhändler ebenfalls aus meiner unmittelbaren Gegend, konnte zwar den vollen Kaufpreis seines bestellten XJ220 stemmen, wollte diesen aber nicht übernehmen, da er bei Ankündigung und Bestellung einen eher komfortablen 12-Zylinder-Jaguar-Sportwagen erwartet hatte und keinen nur leicht zivilisierten Gruppe-C-Renner mit 6-Zylinder-Biturbo-Motor haben wollte. So entschied er sich, das Auto beim Importeur als Neuwagen einzulagern (inkl. Trockenlegung und Konservierung) und ihn gar nicht zu fahren.
       
      Zwei Jahre später, etwa 1994, traf dieser Möbelhändler auf meinen Vater, welcher ebenfalls sehr angetan war von schönen Autos, dazumal aber noch eher für die Marke Ferrari schwärmte. Aus einem zuerst unverbindlichen Gespräch über diesen XJ220 entstand dann plötzlich eine spätabendliche spontane Besichtigung in einer Lagerhalle beim Importeur, wo sich dazumal auch die Auto-Sammlung von Walther Frey befand. Ich weiss noch, wie wir in diese grosse Halle kamen: da standen all diese Aston-Martin, Jaguar, Land-Rover etc. (welche sich heute im Classic-Center der EFAG befinden), und mittendrin dieser sensationell schöne XJ220!! Das Auto sieht schon im Stand nach LeMans und 350km/h aus, unglaublich die Präsenz dieses Autos! Dazu noch dieses edle Dunkelblau, WAHNSINN!
      Wir waren hin- und weg ab diesem Auto, der Kauf dann eine schnell beschlossene Sache. Der einzige Hacken: Das Auto musste zuerst noch in Betrieb genommen werden. Wir gingen davon aus, dass die Inbetriebnahme wegen der Konservierung keine allzu grosse Sache sein wird. War es aber: Ich glaube 80‘000 Franken kostete es zusätzlich, bis wir das erste Mal unseren 220er fahren konnten… Ich erinnere mich noch wie ich nach Hause kam und plötzlich in unserer kleinen EFH-Zweiplatz-Garage dieser Supersportwagen stand: ein ultrakrasses Bild!
       
      Gefahren sind wir ihn dazumal schlussendlich nur sehr wenig, bereits schon drei Jahre später verkaufte ihn mein Vater – natürlich gegen meinen Willen – an einen Deutschen Sammler weiter.
       Zu gross war die Angst vor unglaublich hohen Unterhaltskosten, zumal wir dazumal auch etwas wollten, was man ab und zu unkompliziert auf einer Rennstrecke fahren konnte. Aufgrund dessen, das eigentlich bis dato praktisch niemand einen XJ220 regelmässig fuhr, fehlte dafür auch die Erfahrung. Die meisten dieser XJ220 wurden nämlich gar nie immatrikuliert, zudem standen noch viele Neuwagen im Werk (Bloxham) rum, die keinen Käufer fanden. Offiziell fanden übrigens 20 der 275 gebauten Stück den Weg in die Schweiz. Schweizer Autos verfügen angeblich noch über etwas mehr Leistung (Ladedruck), es sollen über 600 PS sein.
       
      Die Jahre vergingen und ich selber wuchs ebenfalls zu einem Sportwagensammler heran. Die Preise der XJ220 fielen dann wirklich ins Bodenlose, die wenigen Autos auf dem Markt wurden zu einem Bruchteil des Neupreises gehandelt. Irgendwann stand dann bei meinem Mechaniker, welcher einige meiner Autos wartete, plötzlich so ein spektakulärer XJ220 auf dem Lift. Dieser wurde sogar regelmässig gefahren und verfügte meines Wissens über mehr als  20‘000km. Ich hatte gerade meinen ersten Testarossa da im Service als der Mechaniker mir erzählte, dass er den Unterhalt bzw. die Wartung dieser XJ220 als gar nicht so als grosse Herausforderung betrachte; dieser, welchen er da gerade gewartet hatte, lief stets problemlos (regelmässige Wartung vorausgesetzt), zudem sei die Ersatzteilversorgung auch kein Problem. Logisch – die von Jaguar gelagerten Teile wurden ja nicht gebraucht, da praktisch niemand seinen XJ220 fuhr.
       
      In mir entflammte dann wieder die etwas vergessen gegangene Begeisterung für dieses Geschoss, so dass ich mich selber auf die Suche machte nach einem XJ220. Siehe da, ein blaues Fahrtzeug mit knapp 2‘000km, also praktisch im Neuzustand, war sogar bei einem Schweizer Händler inseriert – selbe Kombination wie wir ihn Jahre zuvor schon hatten. Bereits mit einer gewissen Vorahnung hatte ich dann nach einem Telefonat Gewissheit: bei diesem Auto handelte es sich tatsächlich um „unseren XJ220“!! Der Deutsche Sammler ist ihn kein einziges Mal gefahren, das Auto stand die Jahre nur bei ihm rum. Für mich war klar: ich will unseren XJ220 wieder zurück! Hierfür musste ich u.a. zwei andere Autos eintauschen, die Sache war es mir aber wert, zumal ich noch „frisch ab Service“ einhandeln konnte.
       
      Seit dem Kauf sind nun bald sechs Jahre vergangen und ich habe ihn immer noch. Mittlerweile habe ich knapp 7‘000km auf dem Tacho und darf behaupten, nie grössere Probleme damit gehabt zu haben. Jede Fahrt mit diesem Auto ist wirklich ein Erlebnis und eine besondere Herausforderung; dies ist auch der Grund, warum ich nicht viel damit fahre. Einfach so eine kurze spontane Tour macht man damit nicht, eine Ausfahrt mit diesem Auto will geplant sein. Wie erwähnt, handelt es sich beim XJ220 um ein nahezu ungezähmtes Gruppe-C-Rennauto mit Strassenzulassung, die man irgendwie so hingekriegt hat. Die Bezeichnung „Rennwagen für die Strasse“ trifft bei keinem anderen Auto so zu wie beim XJ220, auch wenn dessen Optik und vor allem das Interieur etwas anderes vormachen. Ein F40 fährt sich im Vergleich dazu unkompliziert wie ein 348.
       
      Dazu kommt die schiere Grösse dieses Gefährts (5m lang, 2,2m breit), schmale Landstrassen sind wegen der enormen Breite kaum zu befahren. Als ideale Strasse sehe ich eine grosszügige und verkehrsfreie Passstrasse oder eine leere kurvige Autobahn. Stau oder Stadtverkehr ist der Horror, die Bedienkräfte von Kupplung, Bremse und Lenkung sind überirdisch.
      Hat man einmal freie Fahrt muss man zuerst einmal mit der unglaublichen Leistung und der explosiven Motorcharakteristik zurecht kommen. Die Fahrleistungen sind auch nach heutigem Massstab für Supercars ENORM, haben die Turbos erst einmal Druck, geht die Wildkatze unglaublich heftig zur Sache – untermahlt von wilden Turbogeräuschen und mittlerweile einem tollen Rennwagensound – dank eines Sportauspuffs von DonLaw, den ich montieren liess. Seither klingt der XJ220 im Leerlauf nicht mehr so nach kaputter Kaffeemaschine und hat nochmals deutlich mehr Leistung dank mehr Durchsatz. Der EB110 wirkt im direkten Vergleich geradezu lahm gegenüber dem Jaguar, dazu muss man sagen, dass der XJ220 auch abseits der Strasse unglaublich schnell war: die Rundenzeit auf der Nordschleife wurde 1992 ja bekanntlich mit 7:46min gemessen, was vor 26 Jahren eine unerreichbare Sensation war.
      Anfänglich immer etwas gewöhnungsbedürftig ist die Sitzposition; eher ist es nämlich eine „Liegeposition“. Dafür sind die Sitze sehr komfortabel, wenn auch extrem schmal.
      „Alltägliches“ wie Klimaanlage und Elektrik funktioniert problemlos wie bei einem Alltagsauto. Ebenso ist das Getriebe schön zu schalten.
      Ein bekanntes Problem, über welches viele Tester berichteten, sind die Bremsen: Es ist nicht so, dass diese unterdimensioniert wären, ganz im Gegenteil. Diese stammen nämlich auch direkt aus dem Gruppe-C-Rennauto. Problem: sind die Bremsen kalt, ziehen sie praktisch gar nichts. Es ist fast schon gefährlich, damit so rumzufahren. Haben Sie jedoch einmal etwas Temperatur, geht es ganz ordentlich damit im Strassenverkehr.
      Interessant ist auch immer wieder die Reaktion der Leute auf der Strasse; die meisten sind nämlich völlig überfordert und wissen gar nicht, was dies sein soll. Meistens wird dann fragend festgestellt: "Jaguar??" (was ist aus dieser Marke nur geworden...)
       
      Mittlerweile bin ich etwas an einem Scheidepunkt angelangt und weiss nicht, ob ich ihn noch weiter behalten soll. Einerseits hängt mir gerade dieser XJ220 besonders am Herzen, kann man nämlich irgendwie sagen, dass er sich noch „im Erstbesitz“ befindet. Zum anderen ist es schon immer etwas ein spezielles Highlight, damit ab und zu eine Ausfahrt zu machen, lässt er mich nicht wie letzte Woche wegen einer Kleinigkeit stehen…
       
      Falls Ihr euch hier auch für dieses Auto begeistern könnt: nur zu, haut in die Tasten. Ich beantworte Eure Fragen gerne.
       
      Gruss, R.










    • F40org
      Ist denn bekannt wie das Teilnehmerfeld ist - oder kann ich das irgendwo im www schon finden? Merci.

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