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Astra_GT

Auswegslose Arbeitssituation?

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Astra_GT
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Ich brauche mal Rat, es ist nicht dringend, denn es zieht sich schon über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hin... und auf ein paar Tage kommt es nicht mehr an.

Kurze IST-Situation: Es geht um meinen Vater, zwischen 50 und 60 Jahre alt, arbeitet seit 30 Jahren bei einem mittelgroßen Discounter (der, mit den ehemals Pfenningen im Logo).

Er arbeitet dort wie gesagt seit gut 30 Jahren dort, als Flilialleiter/Marktleiter. Was er verdient, ist keine Unsumme, aber es reicht für das Durchfüttern der vierköpfigen Familie inkl. mir (und finanziert auch mein Studium, größtenteils). Das Geld schüttelt sich jedoch nicht aus den Ärmeln, aber es reicht halt gerade so. Liegt aber auch an meiner Mutter, die auch viele Stunden im Einzelhandel arbeitet (anderer Laden).

Das Problem ist, mein Vater ist nicht mehr der Jüngste, hat aber eine Arbeitszeit von über 60 Stunden. Keine schonende Büroarbeit, sondern stressige Arbeit mit viel Belastung (körperlich wie psychisch). Die offizielle Arbeitszeit ist sauber, aber das ist nur die Thoerie. Er wird zum Lügen gezwungen, er muss seine Arbeitszeit offiziel auf dem Papier weit nach unten korrigieren.

Er könnte auch einfach die offiziele Arbeitszeit machen, dann schafft er aber die geforderten (vielen!) Aufgaben nicht mehr, und es gibt wieder Krach und die Kündigung droht.

Nun heißt es, die Märkte haben bald nicht mehr "nur" bis 22 Uhr auf, sondern bis 24 Uhr. Glaubt ihr, die Stellen mehr ein? Das wäre Wunschdenken, nein, es wird sogar noch personel gekürzt.

Hinzu kommen pissige Kunden, bei denen man sich noch entschuldigen darf (sonst Kündigung, obwohl die Kunden sich echt mega daneben benehmen und dann sich auch noch in der Zentrale beschweren) und lebensgefährliche Situationen, wenn der Laden von (so gut wie immer) Mitbürger mit Migrationshintergrund überfallen wird.

Was dort abgeht, ist schier unglaublich, aber alles bleibt im Hintergrund.

An dieser Stelle Respekt an meinen Vater, ich würde das ganz sicher nicht mitmachen können.

Das Problem ist, die Leute sind ersetzbar. Zickt einer rum, wird er gegangen.

Meine Eltern haben große Angst vor einer Kündigung und tun alles nach Plan von oben, nehme jede Form der Demütigung und Unterdrückung hin. Denn in dem Alter findet man nichts mehr, zur Rente ist es auch noch hin (und da fällt dann auch nicht viel ab). Leider verfügen sie über keinen hohen Abschluss, kein Englisch, fast keine Computerkenntnisse.

Sie nehmen sich keinen Anwalt (bringt nichts, höchstens die Kündigung), Gewerkschaft bringt/tut nichts.....

Was kann man tun? Nichts?

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Gast Alpinchen
Geschrieben

Du hast die Antwort mit dem letzten Wort leider schon gegeben. :puke:

Realistisch gesehen bleibt wohl nur der Zusammenbruch der betreffenden Personen, sowie anschließender Gang zum Arzt.

Psychosomatische Klinik, anschließend häufiger beruflicher Ausfall......... Verrentung.

Tut mir echt Leid mit deinem Paps, aber wenn er sich offen auflehnt, dann hat er es noch schwerer.

Oder aber er hat soviel Zorn, dass er das auf sich nimmt und klagt.

Realistisch gesehen bleiben bei diesen Discountern aber die Arbeitnehmer auf der Strecke.

TB!
Geschrieben

Lebensmittel-Discount ist Hardcore. Mir hat jemand, der nach dem Studium eine Weile bei Penny als Bezirksleiter (oder wie ist die korrekte Bezeichnung ... ?) gearbeitet hat, einmal berichtet, welchen Druck er u.a. auf Marktleiter ausüben musste.

Wäre es evtl. ein Weg, diskret bei einem Konkurrenten eine Initiativbewerbung als Marktleiter in einer etwas freundlicheren Wohngegend zu starten? Bei uns im Dorf (grenzt direkt an Berlin ...) gibt es auch 2 Discount-Märkte und die Atmosphäre sowohl im Kollegenkreis als auch gegenüber den Kunden wirkt auf mich als Gelegenheitskäufer immer sehr entspannt und freundlich. Hier gibt es auch keine Probleme mit .. äh .. "Mitbürgern mit Migrationshintergrund".

Filialisierter Einzelhandel ist definitiv nicht mein Kompetenzgebiet, aber als außenstehender Laie würde ich denken, dass die Bewerbung eines erfahrenen Mittfünfzigers bspw. für Aldi interessant sein sollte:

- Mit der natürlichen Autorität qua Lebensalter kann er die jüngeren Verkaufskräfte in der Spur halten.

- Ein guter Marktleiter, der das Erscheinungsbild der Filiale auf Flughöhe hält, ist immer viel wert.

Nachtrag: Der Vorschlag von Alpinchen gibt einen Einblick in dessen Denkwelt. Vielleicht gibt es ja wirklich keinen anderen Ausweg. Ich persönlich würde aber immer den geraden Weg vorziehen und könnte mir vorstellen, dass sich auch Dein Vater wohler fühlt, wenn es eine Chance gibt, ohne Mogelei in ein etwas freundlicheres Arbeitsumfeld zu wechseln.

Astra_GT
Geschrieben

Meine Eltern sind gänzlich anders als ich. Einmal natürlich vom Alter her, allerdings auch persönlich anders.

Risiko wird nicht akzeptiert und es herrscht eine Angst vor Veränderungen.

Klagen ist Tabuthema... da der Job dann ganz sicher weg ist.

Ich sage ja: "Sammelt Beweise und wenn ihr mal gehen müsst, dann geht mit einem lauten Krachen".

Aber das stößt auf taube Ohren....

Bärlin
Geschrieben

Wie man sieht, kann man mitunter doch etwas bewirken. Vor allem mit Öffentlichkeit, siehe Anton Schlecker. Als wegen der zahlreichen Proteste aufgrund seiner Personalpolitik sogar schon eine Art "lex Schlecker" von seiten der Politik drohte, war Ruhe (jedenfalls vorerst, ich glaube, der lernt's nie).

Er sollte dokumentieren, was alles so im Laden passiert und die Story mal den Medien anbieten, bzw. sich von denen beraten lassen, wie man dieses Pferd da mal am besten aufzäumt.

Schlechte Publicity meiden Firmen wie Teufel das Weihwasser. Die Erfahrung zeigt, dass nur das wirklich sicher hilft und man nicht auf eine Art "höherer" Einsicht, was menschenwürdige Arbeitsbedingungen betrifft, hoffen darf. Schließlich wissen die genau, was sie tun, da kann man sich ethische Appelle sparen.

P.S. Ich bin für begrenzte Ladenöffnungszeiten bis 20 Uhr und keine Sekunde länger. Es führt ja doch nur zum Mißbrauch (wie man auch an deinem Beitrag sieht). Und wer um 21.45 Uhr noch eine Tube Senf vermisst, muss dann eben bis zum nächsten Tag warten oder die nächste Tanke aufsuchen.

Das ging jahrzehntelang in D so, da kämen wir auch weiterhin in Deutschland mit zurecht.

Bärlin
Geschrieben
Meine Eltern sind gänzlich anders als ich. Einmal natürlich vom Alter her, allerdings auch persönlich anders.

Risiko wird nicht akzeptiert und es herrscht eine Angst vor Veränderungen.

Klagen ist Tabuthema... da der Job dann ganz sicher weg ist.

Ich sage ja: "Sammelt Beweise und wenn ihr mal gehen müsst, dann geht mit einem lauten Krachen".

Aber das stößt auf taube Ohren....

Dann muss man ihnen klar sagen, dass nichts zu machen ist. Gut für so einen Arbeitgeber, der liebt natürlich so eine "man-kann-ja-doch-nichts- machen"-Mentalität.

Aber ich kann die Angst schon verstehen, so isses ja nicht..... Eine gewisse Zwickmühle ist das schon. Nur leben die entsprechenden Lumpen eben genau davon.

Also: Sie sollten wenigstens versuchsweise einen Arbeitsanwalt oder eine Organisation, die sich um solche Angelegenheit kümmert, aufsuchen. Zumindest recherchieren, wo es so etwas gibt und sich von den entsprechenden Stellen dann auch beraten lassen, kann man ja! Und dann sieht man mal weiter.

Wenn sie sich aber absolut zu nichts durchringen können, haben sie leider tatsächlich "Pech gehabt".

Andy962
Geschrieben

Hallo,

ein ernstes Thema, welches hier angesprochen wird.

Im Endeffekt bleibt nur der (mutige) Schritt zum Anwalt. Höchstwahrscheinlich wird das aber nichts bringen:evil:.

Was helfen könnte wäre Kundendruck, soetwas aufzubauen ist aber extrem mühsam und wahrscheinlich unrealistisch.

Vielleicht gibts eine Alternative auf dem Arbeitsmarkt???

Mein Cousin hat auch für einen Discounter gerarbeitet (nicht minus, sondern ...), im mittleren Management. Die Leute werden da so verheizt, das ist echt übel.

Wenn dann einer aufmuckt (wie mein Cousin) wird er ersetzt, denn der nächste fällt bestimmt wieder auf die grossen Versprechungen herein. Ein Teufelskreis.

Das die Kunden dem Gebahren mal eine Quittung geben, das wird wohl nicht passieren.

Gruss, Andreas

TB!
Geschrieben

P.S. Ich bin für begrenzte Ladenöffnungszeiten bis 20 Uhr und keine Sekunde länger. [...] Und wer um 21.45 Uhr noch eine Tube Senf vermisst, muss dann eben bis zum nächsten Tag warten oder die nächste Tanke aufsuchen.

OT: Das beurteilt jeder sicherlich aus seiner persönlichen Lebenssituation heraus. Ich bin oft auch noch lange nach 20:00 h im Büro und empfinde es als ein Stück Lebensqualität, auch dann noch ein paar frische und hochwertige Lebensmittel spontan einkaufen zu können. Ich habe das während meiner Jahre im Ausland durchaus genossen.

Der Hauptpunkt ist aber: Wir benötigen Ideen für Arbeitsplätze, die gesellschaftlichen Mehrwert schaffen (sehe ich im Handel als gegeben an ...) und mit geringen Investitionen geschaffen werden können. Da sind verlängerte Ladenöffnungszeiten ein Paradebeispiel, wie so etwas funktionieren kann. Schöner wäre natürlich, nur lauter Nine-to-five-Jobs im warmen, schallgedämmten Büro mit gut gepolsterten Stühlen zu schaffen, aber wenn das so einfach wäre, hätten wir nicht Millionen von Arbeitssuchenden.

BTT: Schön wäre es, wenn hier jemand sagen könnte, ob mein Vorschlag, sich in einen attraktiveren Markt wegzubewerben, mit der Personalpolitik der Discounter beim Recruiting von Marktleitern kompatibel ist. Das wäre doch der angenehmere Weg, als monatelang unter einer arbeitsrechtlichen Konfrontation zu leiden.

Astra_GT
Geschrieben

@TB: Das Problem ist, dass es trotz längerer Ladenöffnungszeiten nicht unbedingt mehr Leute eingestellt werden (teilweise sogar im Gegenteil)!

Da sitzen ein paar BWLer im Büro in der Zentrale, haben ihre Statistiken und Projektfolien vor sich und streichen was weg, was dann eine Ersparnis von xxx Euro ergibt und fühlen sich ganz schlau dabei. (ich bin selbst Student der Wirtschaftswissenschaft, für alle Finger erhebenden...)

Was dann im Laden abgeht, ist (wenn überhaupt, dann) sekundär.

Und der Arbeitsmarkt... naja... also die jungen Marktleiter sind sicherlich nicht Marktleiter bei Penny, Aldi, Lidl etc. geworden, weil sie bei Daimler oder BMW eine Position im mittleren Management einnehmen könnten X-) Und die älteren, wie mein Vater, sind zu alt..... zumindest wird mir das so weiß gemacht.

Es geht ja auch um den Einkommensverlust, meine Eltern brauchen das Geld ja auch.. wenn nicht, würden sie da weit entspannter an die Sache gehen.

Felix
Geschrieben

Ernstes Thema.

Komme selbst aus einer Familie selbstständiger Lebensmittel-Einzelhändler/Kaufleute. Meine Alten haben aber (nach 25 Jahren mit eigener Firma/Angestellten) Anfang der 90er vor der aufkommenden "Discount-Supermacht" kapituliert, Firma verkauft und sich neue Jobs im Handel gesucht. Selbst und Ständig, hieß es bei uns daheim immer...

Diese Branche ist sehr hart. Trotzdem gibt es aber eine Firma auf die ich noch was halte. Hier mal ein Interview mit deren Chef: http://www.focus.de/finanzen/news/tid-16735/wirtschaft-da-war-ich-maechtig-wuetend_aid_466160.html

Grüße,

Felix

Ethan Hunt
Geschrieben

Wirklich ernste Geschichte. Diese Onmacht ist wirklich bedrückend, allein vom Lesen her schon.

Der Lebensmitteleinzelhandel ist wie schon so viel hier geschrieben ein knallhartes Gewerbe. Bei einer durchschnittlichen Gewinnmarge von unter 1% ist der Druck auf die Filialen natürlich enorm. Keine Branche ist so hart umkämpft, da kommt es zu solch extremen Zuständen, gerade im Discounter Bereich.

Ein Arbeitsplatzwechsel, insofern das denn klappen könnte, sehe ich eigentlich als einzig vernünftigen Ausweg.

LG

Max

Nugmen
Geschrieben

Es ist wirklich traurig welche Zustände mittlerweile in unserem Land herrschen.

Man fragt sich wirklich für was unsere Grossväter vor 50 Jahren gekämpft haben :(

Aber machen können Astras Eltern gegen diese Lebensmittelmafia gar nichts.

Akzeptiere oder geh lautet die traurige Devise in diesem und vielen ähnlichen Fällen :(

URicken
Geschrieben
Klagen ist Tabuthema... da der Job dann ganz sicher weg ist.

Das ist doch Quatsch :???:! Jetzt mal bei allem Respekt...

... Dein Vater arbeitet seit 30 Jahren in dem für den gleichen Arbeitgeber?

Das einzige, was passieren könnte, wäre ein klassisches Mobbing - wenn man dann keine starken Nervern hat, sieht es schei$$e aus.

Wir hatten mal einen Mitarbeiter, der hat es dann recht geschickt gemacht - Krankenschein / Krankenschein / Krankenschein ...

Dein Vater ist natürlich nicht unkündbar ABER...

- der Weg ist lang

- bei 30 Jahren gibt es eine ordentliche Abfindung (mind. 15 Monatsgehälter)

- ist es kaum vorstellbar, dass der Laden wegen "Pingelkram" Deinen Vater vor die Türe setzt!

Also komm' doch einfach mal wieder runter - so dramatisch kann es doch nicht sein!

Astra_GT
Geschrieben

An meinen Vorposter: Ich selbst kenne mich nicht aus, aber meine Eltern sehen das anders als Du und er ist schnell weg, wenn die das wollen. Und 15 Monatsgehälter bringen ihn nur 15 Monate weiter... er müsste aber noch mindestens 10 Jahre arbeiten.

Übrigens war er in den letzten 30 Jahrn fast niemals krank! Also war schon, aber ist trotzdem hingegangen... unglaublich.

Nub
Geschrieben

Ein Grund für mich als Kunde warum ich bewusst versuche wenn denn möglich, solche Einkaufsmöglichkeiten zu meiden.

Ich muss doch nur bei uns im örtlichen ***i 10 Minuten die Arbeitssituation beobachten und mir ist alles klar. Unterbesetzt und steht gerade kein Kunde an der Kasse, werden Regale eingeräumt, die Inventur gemacht, geputzt etc. etc.

Moderne Sklaverei eben :puke:

Die Kunden sind in der Masse zu dumm um dem ein Ende zu setzen, daher denke ich ist hier die Politik gefragt. Eine Frage der Zeit bis dort mal jemand Amok rennt.

janimaxx
Geschrieben
- bei 30 Jahren gibt es eine ordentliche Abfindung (mind. 15 Monatsgehälter)

§622 BGB, Abs. 2: Für eine Kündigung durch den Arbeitgeber beträgt die Kündigungsfrist, wenn das Arbeitsverhältnis in dem Betrieb oder Unternehmen

...

7. zwanzig Jahre bestanden hat, sieben Monate zum Ende eines Kalendermonats.

Das macht aus meiner Sicht mindestens 22 Monate á ca. 5.500,- Brutto, gesamt 121.000,- zzgl. Pillepalle etc. Die Klage vorm AG beläuft sich auf mindestens 125.000,- Euro, eher sind 150.000,- Euro realistischer.

Deswegen:

- ist es kaum vorstellbar, dass der Laden wegen "Pingelkram" Deinen Vater vor die Türe setzt!

Doch, es ist sogar sehr vorstellbar!!!

Arbeitgebergrüße :wink:

URicken
Geschrieben
...sehen das anders als Du und er ist schnell weg, wenn die das wollen.

Was "die" wollen und was rechtlich machbar ist, das sind immer noch zwei paar Schuhe. Wenn aber Deine Eltern einer Konfrontation aus dem Weg gehen möchten (was ich sehr gut nachvollziehen kann!), bleibt halt als Ausweg nur die Neuorientierung oder ein konstruktives Gespräch mit dem Arbeitgeber (wovon ich jedoch nicht ausgehe)!

Jonny
Geschrieben
Ein Grund für mich als Kunde warum ich bewusst versuche wenn denn möglich, solche Einkaufsmöglichkeiten zu meiden.

Ich muss doch nur bei uns im örtlichen ***i 10 Minuten die Arbeitssituation beobachten und mir ist alles klar. Unterbesetzt und steht gerade kein Kunde an der Kasse, werden Regale eingeräumt, die Inventur gemacht, geputzt etc. etc.

Moderne Sklaverei eben :puke:

Die Kunden sind in der Masse zu dumm um dem ein Ende zu setzen, daher denke ich ist hier die Politik gefragt. Eine Frage der Zeit bis dort mal jemand Amok rennt.

Auch ich ingoriere diese Billigketten. Neben der Ausbeuterei für angestellte sehe ich hier auch ein Grundübel unserer Gesellschaft. Alles darf nichts mehr kosten, muss quasi umsonst sein, Service und Qualität ist den meisten weniger Wert als BILLIG! Ein neuer Götze ;)

Spielt man das ganze mal durch. Hein Blöd will alles ganz billig und kauft deshalb alles billig. Lebensmittel, Elektronik auch von Aldi und Co, Möbel bei Ikea und es wird nie nach Qualität sondern nur nach dem Preis gekauft. Was passiert? Die Wirtschaft stellt sich darauf ein und sieht, dass sie nurnoch über den Preis verkaufen muss. BILLIG. Wie macht man die Produkte billiger ? Man verlagert Standorte ins Ausland, spart beim Material, der Entwicklung, der Qualität...

Jetzt kommt der von Hein Blöd gestartete Kreislauf zurück zu ihm...er hatte bei AEG gearbeitet. Die Fabrik wird geschlossen um billiger produzieren zu können in der Ukraine. Seine neuen Arbeitsbedingungen sind schlechter, da auch seine Firma billiger produzieren muss und Hein Blöd versucht deshalb noch billiger einzukaufen.

Und so geht es immer weiter. Ich glaube viele Probleme wären beseitigt, wenn die Einwohner Deutschlands bzw. weltweit sich mal wieder mehr auf Werte wie Qualität, Haptik, Service etc. konzentrieren bei der Kaufentscheidung und dafür dann weniger aber dafür besser konsumieren.

Was deine Eltern angeht...es ist schwierig hier zu helfen wenn sie so "kuschen". Wenn das was du sagst mit Arbeitsstunden etc. nachweisbar ist könnte man nat. auch ganz krass Massenhaft beweise sammeln und den Laden hochgehen lassen wenn irgendwas passiert. Wenn das deine Eltern nicht wollen, ein Gespräch mit den Vorgesetzten wohl wenig bringt würde ich mich bei anderen Firmen bewerben...

URicken
Geschrieben
... eher sind 150.000,- Euro realistischer.

Ja - das sehe ich ähnlich. Und das auch zu Recht, wenn - wie GT es hier beschreibt - der AN sich immer pflichtbewußt und korrekt verhalten hat. Wäre ich an seiner Stelle, würde ich bei drohender Kündigung ab sofort "Tagebuch" führen, um später vor Gericht lückenlos Nachweise zu führen!

Unser damaliger Mitarbeiter hat im Schlichtungsverfahren ganz klar der Kündigung widersprochen und sich wieder eingeklagt! Fakt war, dass wir bis zum zweiten Termin den MA weiterbeschäftigen mußten! Nur war leider - auf Grund seiner "Krankheit" - an Einsätzen beim Kunden nicht mehr zu denken!

Ich denke aber, dass das hier zu weit offtopic geht.

Fakt ist für mich: Wehren oder den Kürzeren ziehen! Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Ich kann nicht rumjammern aber nichts unternehmen wollen - das passt irgendwie nicht!

URicken
Geschrieben
Hein Blöd gestartete Kreislauf zurück zu ihm...er hatte bei AEG gearbeitet. Die Fabrik wird geschlossen um billiger produzieren zu können in der Ukraine.

Schuld sind nicht die Konsumenten sondern i. m. A. die Hartz-Gesetze. Sie haben "Lohndumping" erst möglich gemacht!

Ich glaube viele Probleme wären beseitigt, wenn die Einwohner Deutschlands bzw. weltweit sich mal wieder mehr auf Werte wie Qualität, Haptik, Service etc. konzentrieren bei der Kaufentscheidung und dafür dann weniger aber dafür besser konsumieren.

Tja Jonny - die gute Welt sieht aber anders aus als die Realität. Erzähle doch mal den 3,8 Mil. H IV-Empfängern und den zig Millionen Menschen, die zu Ihrem Gehalt noch Zusatzmittel erhalten MÜSSEN, Deine These von Qualität und Preis! Die werden Dir eventuell zustimmen - jedoch wird es ihnen immer an den Mitteln fehlen. Da denkst du etwas zu kurz!

Jonny
Geschrieben

@URicken...ich verstehe schon dass meine Meinung und Ideologie nicht für jeden umsetzbar ist. Aber es gibt ja neben den Hart4 Fällen und denjenigen die zwar Hartz4 Gehälter bekommen, dafür aber arbeiten noch andere. Und wenn ich mir so anschaue wer auf diesen Geiz ist Geil kram meistens abfährt...nicht selten Bürger die wohlhabender sind und einfach zu geizig.

Und Aldi, Lidl, Penny, Kik & Co überleben ja nicht nur von Arbeitslosen...führt uns aber weg von der eigentlichen Diskussion.

bmw_320i_touring
Geschrieben

Zu diesem Thema kann ich auch ein paar Worte verlieren. Ich war bis vor zwei Wochen Verkaufsleiter (=Bezirksleiter) bei einem Discounter mit blau-gelbem Logo. Nach zweieinhalb Jahren in dieser Position hat man sich auch von mir getrennt! Aber das ist ja nicht das Thema hier.

Ich kann es nur von dem Discounter sagen, wo ich tätig war, dort war es nicht so, dass die tariflichen MA "unbezahlt" arbeiten mussten, also ohne die Std zu schreiben. Klar kommt es mal vor, dass der Filialleiter eine halbe Std länger bleibt ohne diese zu schreiben, aber das sollte auch das höchste der Gefühle sein.

...aber als außenstehender Laie würde ich denken, dass die Bewerbung eines erfahrenen Mittfünfzigers bspw. für Aldi interessant sein sollte:

- Mit der natürlichen Autorität qua Lebensalter kann er die jüngeren Verkaufskräfte in der Spur halten.

- Ein guter Marktleiter, der das Erscheinungsbild der Filiale auf Flughöhe hält, ist immer viel wert.

Ja, ein guter Marktleiter ist sicherlich Aushängeschild für eine Filiale. Man erkennt auch sehr schön und schnell, wie ein Filialleiter einzuschätzen ist. Aber ein Filialleiter ist halt nicht nur für die Bestellungen und den Bürokram da. Er muss, genau wie alle anderen MA, abpacken, kassieren, Obst/Gemüse aufbauen, etc. Da kommt dann das "Problem" des Alters ins Spiel. Ein Filialleiter mit Ende Zwanzig/Anfang Dreißig bewältigt diese körperliche Beanspruchung wahrscheinlich besser als ein Filialleiter mit Mitte/Ende Fünfzig. Von der Kompetenz her wäre ein älterer Filialleiter durchaus interessant, aber körperliche Leistungsfähigkeit sinkt einfach. Folglich würde kaum ein anderer Discounter einen Filialleiter im angegebenen Alter einstellen. So schlimm wie es klingt, bis zur Rente sind noch 10-15 Jahre und die Leistungsfähigkeit wird nicht besser. Als ich noch in meiner bisherigen Position tätig war, hätte ich auch keinen Filialleiter eingestellt, der die 50 überschritten hat, auch wenn er x jahre beim Aldi oder wo auch immer, gewesen wäre. Denn jeder Bezirksleiter ist für die Kennzahlen seiner Filialen verantwortlich und diese Ziele erreiche ich nur, indem keine Mehrstunden, etc. verbraucht werden. Dies wiederum schaffe ich nur, wenn ich zügig arbeitende MA in den Filialen habe... etc.

Kurzum: Ein Wechsel zu einem anderen Discounter halte ich für aussichtslos.

Den offerierten Möglichkeiten zum Thema Anwalt und Klage stehe ich zwiegespalten gegenüber, denn ich sehe die Erfolgschancen nicht so eindeutig. Wenn der AG jemanden kündigen möchte, wird er es auch schaffen, auch wenn dann sicherlich eher "ungerechte Mittel" zur Hilfe gezogen werden. Auch nach den vielen Jahren, wo Dein Vater im Unternehmen tätig ist, wird er nicht alles 100%ig nach Unternehmensrichtlinie ausführen und die entsprechenden Lücken kennen, und an diesem Punkt ist er aus Sicht des Unternehmens aus wiederum angreifbar. Für das Unternehmen wäre es eine durchaus teuere Angelegenheit sich von einem MA zu trennen, der ca. 30 Jahre beschäftigt ist.

TB!
Geschrieben

Spielt man das ganze mal durch. Hein Blöd will alles ganz billig und kauft deshalb alles billig. Lebensmittel, Elektronik auch von Aldi und Co, Möbel bei Ikea und es wird nie nach Qualität sondern nur nach dem Preis gekauft. Was passiert? Die Wirtschaft stellt sich darauf ein und sieht, dass sie nurnoch über den Preis verkaufen muss. BILLIG. Wie macht man die Produkte billiger ? Man verlagert Standorte ins Ausland, spart beim Material, der Entwicklung, der Qualität...

Jetzt kommt der von Hein Blöd gestartete Kreislauf zurück zu ihm...

Diese Abwärtsspirale gibt es. Zugespitzt formuliert läuft es darauf hinaus, dass sich westeuropäische Arbeiter die eigenen Löhne nicht gönnen.

Aber das Generalverdikt gegen die Discounter halte ich für falsch. Wir haben hier in Deutschland leider eher einen Mangel an exportfähigen Innovationen. Der Hard-Discount ist so eine deutsche Innovation, die erfolgreich exportiert wurde. Die Preise im LEH sind dadurch im globalen Vergleich sehr überschaubar, was so eine Art Sozialprogramm der freien Marktwirtschaft darstellt. Die Auswüchse i.S. Lohndumping wollen wir natürlich alle nicht haben. Aber die Branche spricht ja aktuell über Mindestlöhne, das ist doch ein Schritt in die richtige Richtung?

Zu diesem Thema kann ich auch ein paar Worte verlieren. Ich war bis vor zwei Wochen Verkaufsleiter (=Bezirksleiter) bei einem Discounter mit blau-gelbem Logo.

[...]

Kurzum: Ein Wechsel zu einem anderen Discounter halte ich für aussichtslos.

Schade. Aber schön, dass etwas Branchenwissen in die Diskussion hineinkommt.

bmw_320i_touring
Geschrieben

Was mir noch zu dem Thema einfällt, die Margen im LEH, vor allem im Discount, sind schon sehr gering. Und durch die Preissenkungen, die es im vergangenen Jahr mehrfach gab, meist durch Aldi angeleihert, müssen diese entgangenen Umsätze an einer anderen Stelle eingespart werden. Der Punkt Personalkosten ist einfach einer der größten Kostenfaktoren und vor allem auch die tarifvertraglichen Zuschläge, die alle tariflichen Angestellten erhalten.

Da kann ich mir es schon vorstellen, dass die Leistungsziele so hochschraubt werden, dass sie nur noch erreichbar sind, wenn MA "unbezahlt" länger bleiben. Und da die Filialleiter auch die Kennzahlenverantwortung für ihre Filiale haben, sind es meist sie, die auch dann länger bleiben.

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