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  1. Porsche-Tag: Carrera S, Targa 4S und Turbo Vor kurzem hatte ich die Möglichkeit, einige Produkte der Firma Porsche etwas näher unter die Lupe zu nehmen. Meine Erfahrungen möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten. Zur Verfügung standen ein 997 Carrera S, ein 997 Targa 4S und ein 997 Turbo. Die wichtigsten Ausstattungen der Fahrzeuge Carrera S: Seal Grau metallic, Volleder Cocoa, Sport Chrono, Navi, normale Soundanlage (ohne Bose), Standardsitze mit teilelektrischer Verstellung Targa 4S: Basalt Schwarz metallic mit Volleder Steingrau, ohne Sport Chrono dafür aber mit PSE, Navi, Bose, Standardsitze mit elektrischer Sitzverstellung Turbo: Carrara Weiß mit schwarzer Ledervollausstattung mit erweitertem Umfang (Mittelkonsole, Lüftungsdüsen, Sonnenblenden etc.), rote Ziernähte, rote Gurte, vollelektrische Sportsitze mit weißen Rückenlehnen, weißer Mitteltunnel, weiß lackierter Frontspoiler und Seitenschweller, roter „turbo“-Schriftzug am Heck, turbo-Schriftzug auf der Armablage, Schiebedach, Navi, Bose-Soundsystem, Sport-Chrono, Schaltwegeverkürzung, PCCB Erste Kontaktaufnahme Der erste Eindruck, bei allen drei Modellen: Porsche ist endgültig in der Großserie angekommen. Nicht genug damit, daß im Innenraum bis auf die paar aufpreispflichtigen Sonderausstattungen praktisch keine Unterschiede festzustellen sind, gibt es kaum eine Stelle, die nicht durchdacht erscheint. Klappern kommt ebensowenig vor wie liebevolle Schrulligkeiten, was man jetzt (zumindest letzteres ) positiv oder negativ sehen kann. Schade finde ich, daß ein Modell wie der Turbo, der immerhin die Hälfte mehr kostet wie seine zwei Modellbrüder, nicht mehr optische Reize im Innenraum zu bieten hat. Das Interieur ist für einen Carrera oder Targa zwar recht und billig, der Turbo als Spitzenmodell hätte aber schon etwas mehr verdient. Selbst ein GT3 kann mit anders farbigen Instrumenten und Zeigern, sowie Alcantara-Applikationen aufwarten. Warum spendiert man dem Turbo nicht z.B. etwas Carbon im Innenraum, ein anderes Lenkrad, hochwertigeren Schalthebel etc.? Mit solchen einfachen Mitteln wäre schon viel zu erreichen, aber leider regieren bei Porsche halt immer noch die Buchhalter. Carrera S und Targa 4S im Vergleich oder "Back to Basics" und "Es werde Licht" Von der optischen Erscheinung gefiel mir der Carrera S am besten. Das mittlerweile nur noch als Sonderfarbe lieferbare Seal Grau metallic (allerdings gibt es statt dessen ein ziemlich ähnliches Meteor Grau) steht dem Wagen ausgezeichnet. Dezent und elegant, für manchen vielleicht etwas zu unauffällig. Sehr gut dazu paßt der Innenraum in dem dunklen Braunton "Cocoa" (Sonderfarbe), die innen eine sehr warme, gemütliche Atmosphäre schafft. Die etwas schmalere Karosserie der hinterradgetriebenen Modelle ist in meinen Augen hübscher als die um nochmals 44mm verbreiterte Version der Allradler. Bereits der Standard Carrera hat ausgestellte Kotflügel und eine leichte Wespentaille, was insgesamt sehr stimmig und harmonisch wirkt. Die verbreiterte Karosserie z.B. beim Targa fällt jetzt nicht unbedingt negativ auf, wirklich nötig ist sie aber auch nicht. Interessant ist, daß man die zusätzlichen Zentimeter in der Breite beim Fahren bemerkt. Auf beengten Straßen, wo man im Carrera S problemlos durchkommt, merkt man im Targa ab und zu wie die Hinterreifen über den unebenen Randstreifen holpern. Mit etwas Eingewöhnung sollte dies aber kein Problem darstellen. Der Targa 4S kam in Basalt Schwarz auch gut rüber. Allerdings gefiel mir die etwas mausgraue Interieur in Steingrau nicht so gut wie das Cocoa im Carrera S. Sehr angenehm ist der lichtdurchflutete Innenraum aufgrund des Targa-Glasdaches. Auch im geschlossenen Zustand dringt – trotz Wärmedämmung – genügend Licht nach innen. Wenn einem die Sonneneinstrahlung mal etwas zuviel sein sollte, kann man mit der gleichen Taste, die für das Öffnen des Daches zuständig ist, ein gelochtes Sonnenrollo ausfahren. Das mag nicht so "sophisticated" sein wie z.B. das sich in wenigen Sekunden verdunkelnde Revocromico Dach eines Ferrari Superamerica, es erfüllt aber seinen Zweck. Mittels der beschriebenen Taste läßt sich das mittlere Dachteil (das man auch durch das Rollo abdunkeln kann), nach hinten unter die Heckscheibe fahren. Als kleines Manko verdeckt der Dachmechanismus, der sich normalerweise am hinteren Ende des verschiebbaren Dachmittelteils befindet (also in etwa oberhalb der Rücksitze) bei vollständig geöffneten Dach ca. das untere Drittel der Heckscheibe. Als Folge sieht man nur noch eingeschränkt durch den Rückspiegel. Bei geöffneten Dach fährt an der Vorderkante ein ziemlich großer Windabweiser hoch, der zwar für etwas Rauschen im Innenraum sorgt, diesen aber bis über 150 km/h relativ zugfrei hält (er soll übrigens bis zu einem gewissen Grad auch Regen aus dem Innenraum fernhalten, was ich aufgrund des wunderschönen Wetters allerdings nicht überprüfen konnte). Praktisch ist beim Targa auch die separat zu öffnende Heckklappe (funktioniert allerdings nur bei geschlossenem Dach), wodurch sich die (umgeklappten) Rücksitze relativ einfach von außen beladen lassen. Die Heckscheibe hat einen Zuziehmechanismus, der die Scheibe selbstständig ins Schloß zieht. Als kleine negative Anmerkung am Rande muß ich den "targa 4S"-Schriftzug auf dem Heckdeckel bemängeln, das "Carrera S" sieht einfach um Welten besser aus. Aber das grenzt schon an Haarspalterei und dagegen läßt sich in der Porsche Exclusive Abteilung gegen einen gewissen Obulus bestimmt Abhilfe finden. 8) Beeindruckt hat mich im Targa auch der Fahrkomfort (in der normalen Stellung des PASM, die Sportstellung war mir in allen drei Modellen zu holprig), der noch mal etwas besser ist als der des schon guten Carrera S. Zwar ist ein Großteil davon auf die beim Targa aufgezogenen Winterreifen zurückzuführen, aber meines Wissens nach stimmt Porsche zumindest den Targa auch noch einen Tick komfortabler ab als die Versionen mit Blechdach. Durch diese komfortable Grundabstimmung sind Knarzgeräusche oder Knistern selbst im Targa mit seinem komplexen Dachmechanismus kein Thema. Vom Fahrverhalten macht sich der Allradantrieb v.a. beim Herausbeschleunigen in Kurven nochmals positiver bemerkbar, als der hier sowieso schon gute hinterradgetriebene Carrera S. Den wahren Vorteil wird man aber wohl erst auf nasser Strecke spüren, die beim Testtag (glücklicherweise) nicht vorhanden war. Vom Auspuffgeräusch her war der Targa mit dem installierten Sportauspuff (PSE) natürlich deutlicher vernehmbar, als der mit dem Serientopf versehene Carrera S. Der normale Auspuff bietet dabei einen guten Kompromiß zwischen Sound und Understatement, der PSE im Targa klang dagegen richtig böse (aber so richtig böse! ), was v.a. der Außenwelt auffällt. Im Innenraum ist im Vergleich zur Serienversion der Unterschied nicht so gravierend. Das scheint von Porsche so gewollt zu sein, daß v.a. die Außenwelt von der Verwendung eines Sportauspuffs erfährt und weniger die Insassen davon belästigt werden. Wozu allerdings die sich in der Mittelkonsole befindliche Taste mit dem Auspuffsymbol gut sein soll, ist mir ein wenig ein Rätsel. Jedenfalls konnte ich keinen allzu großen Unterschied, ob gedrückt oder nicht, feststellen. Gedrückt ist der PSE wohl noch etwas kerniger, richtig groß ist der Unterscheid meines Erachtens aber nicht. Fahrleistungsmäßig schenken sich die beiden Fahrzeuge nichts, der Carrera hat aufgrund des etwas niedrigeren Gewichts vielleicht einen kleinen Vorteil beim Antritt, während der Allrad wie erwähnt v.a. am Kurvenausgang noch etwas ruhiger liegt. Der 997 Turbo oder "Es geht voran!" Der Turbo zog allein schon durch die Farbe Carrara Weiß die Blicke auf sich. Die lackierten Schweller und Frontspoiler ließen den Wagen noch auffälliger erscheinen. Das Fahren im Turbo ist vielleicht am Besten durch folgenden Satz zu beschreiben: "Es geht voran". Aber gleich wie! Wenn die Lader einmal vollen Einsatz zeigen, dann gibt es im Turbo kein Halten mehr. Der Turbo degradiert andere Verkehrsteilnehmer zu Statisten, durch ihn schrumpfen Entfernungen und Lücken zum Überholen werden wie auf wundersame Weise größer. In der Praxis macht sich das so bemerkbar, daß man eigentlich nur einen Wagen überholen wollte, auf der linken Spur es sich dann aber anders überlegt und gleich noch den zweiten (und den dritten und vierten... ) mit dazu überholt. Der Einsatz der Turbolader erfolgt dabei hinreichend weich aber mit vehementen Nachdruck. Beim Überholen sollte man sich natürlich der Charakteristik des Turbo bewußt sein: also im sechsten bei 70 km/h ausscheren und Vollgas kann ins Auge gehen, im Dritten dagegen treibt es einem höchstens die (Freuden-) Tränen in die Augen. Nach Drücken der Sporttaste sollen ja noch mal 60 Nm mehr Drehmoment zur Verfügung stehen, um ehrlich zu sein fiel der Unterschied zwischen gedrückt und nicht gedrückt aber nicht so gravierend aus. Das liegt einfach daran, daß bereits in der normalen Einstellung der Wagen beim Einsetzen der Lader über immense Kraftreserven verfügt und daß die zusätzlichen paar Mehr-Newtonmeter dabei nicht wirklich ins Gewicht fallen. Auffällig war, daß das Kupplungspedal des Turbo deutlich leichtgängiger ist als das von Carrera und Targa. Trotzdem geht die Kupplung nicht zu leicht. Solche Bedienkräfte würde man sich auch für die nichtaufgeladenen Modelle vorstellen, offensichtlich sieht das Porsche aber anders (was jetzt nicht heißt, daß die Kupplungen von Carrera S und Targa 4S übermäßig schwergängig wären). Die Kupplung des Turbo kommt dabei relativ spät und punktgenau, zusammen mit der (klitzekleinen) Anfahrschwäche durch die Turbocharakteristik muß man beim Anfahren daher etwas aufpassen. Als einziger im Trio war der Turbo übrigens mit der Schaltwegeverkürzung ausgestattet, die selbst laut Aussage Porsche v.a. im kalten Zustand mit höheren Bedienungskräften aufwarten soll. Da am Testtag aber frühlingshafte Temperaturen geherrscht haben, war davon überhaupt nichts zu spüren. Die Schaltwegeverkürzung beschert knackige, absolut präzise Gangwechsel und stellt sicher eine überlegenswerte Alternative zur Serienauslegung des manuellen Getriebes dar. Dieses läßt sich zwar auch präzise und sehr leichtgängig schalten, aber die Wege des Ganghebels sind doch deutlich länger. Da die Schaltwegeverkürzung aber auch problemlos nachrüstbar ist, kann man im Prinzip nichts falsch machen. Die größte Enttäuschung des Turbo war – wie bereits erwartet – der Klang. Unter vollem Einsatz der Lader ist zwar ein dramatisches Rauschen und Zischen vernehmbar, mit kernigem Auspuff-Sound hat das aber in etwa soviel zu tun wie ein Roll Royce mit Understatement. Die überall zitierten Vergleiche mit Staubsaugern und Haarfönen haben also ihre Berechtigung. Ich möchte das jetzt hier bewußt ohne Wertung lassen, allerdings klingt selbst der Carrera S mit Serienauspuff um Welten besser, ohne gleich den Ohren lästig zu werden und von einem mit PSE ausgestatteten Modell wollen wir erst gar nicht reden. Und wenn wir schon bei der Kritik sind, das Schiebedach im 997 (der Turbo war damit ausgestattet) ist übrigens ein Witz, von der Größe nicht mehr up to date, eine winzige Luke im Dachhimmel. Meiner Meinung nach kann man beim 997 darauf getrost verzichten, noch dazu da sich das geöffnete Dach durch ziemlich laute Windgeräusche bemerkbar macht. Gleiches muß ich auch von dem sonst viel gelobten Bose Soundsystem sagen, für meine Ohren brachte die Bose-Anlage im Turbo und Targa kaum Vorteile zur Serienversion im Carrera (eher im Gegenteil). Das mag alles eine Sache der richtigen Einstellung sein und generell ist mir die Musikanlage im Auto sowieso nicht so wichtig, vielleicht sollte man aber beide Versionen vorher mal Probe hören, bevor man mit dem Gedanken spielt, sich das Bose-System für einen Aufpreis zuzulegen. Einen absolut positiven Eindruck hinterließ dagegen die PCCB, mit der der Turbo als einziger ausgestattet war. Sind die Standard-Graugußscheiben schon sehr gut, so legt die PCCB in jeder Beziehung noch mal eins oben drauf. Brachiales Bremsverhalten, konstantes Pedaldruck ohne Anzeichen von Ermüdung egal bei der wievielten Bremsung und eher kommen die Reifen an ihre Haftungsgrenze (was durchaus der Fall war), als daß die PCCB in die Knie geht. Auch das Ansprechverhalten bei langsamer Geschwindigkeit und kalten Scheiben war perfekt, auch in diesem – früher oft kritisierten Punkt – konnte ich keine Nachteile mehr zur Stahlversion feststellen. Wenn es überhaupt etwas gibt, so sind es das leichte Quietschen, das ab und zu bei kalter Bremse auftritt und das Schleifgeräusch der Karbon-Keramik-Scheiben unter harter Beanspruchung, beides aber absolut vernachlässigbar. Habe ich was vergessen? Ach ja, der Verbrauch. Beim Turbo lag er im Schnitt so bei gut 16 Liter, der Carrera verbrauchte rund zwei, der Targa ca. eineinhalb Liter weniger. Für alle Modelle sehr akzeptable Ergebnisse wie ich finde. 8) Welcher ist nun der Beste? Diese Frage ist schwerer zu beantworten, als mancher jetzt vielleicht denken mag. Natürlich bietet der Turbo Leistung im Überfluß, bei durchaus annehmbaren Fahrkomfort. Er empfiehlt sich daher am ehesten für jemanden, der viel Fahren muß und diese Strecken nicht in einer komfortableren Limousine bewältigen möchte, sondern bewußt mit den Einschränkungen eines Sportwagens leben kann und will. Fahren um des Fahrens willen ist dagegen weniger die Domäne des Turbo. Wenn ich wählen müßte, würde ich dem Turbo aber den Targa oder Carrera S vorziehen, da beides einfach die faszinierenderen Autos sind. Das mag jetzt vielleicht etwas hart klingen, aber der Turbo ist auf erschreckende Weise perfekt und wird damit viel zu schnell langweilig. Leistung ist wichtig, aber nun mal nicht alles. Der Carrera S dagegen bietet ein sehr gutes Gesamtpaket. Wenn man auf Exotik verzichten kann, ist dieser 911 in seiner aktuellen Form sicher einer der perfektesten Allround-Sportwagen, den man zur Zeit kaufen kann. Der Targa 4S besticht zusätzlich durch sein Dachkonzept, das mir – der nicht unbedingt der größte Cabrio-Fan ist – außerordentlich gut gefallen hat. Bis auf die kleine Sichtbehinderung bei geöffneten Dach, bietet diese Targa-Alternative eigentlich nur Vorteile, ohne die cabriotypische Nachteile wie Stoffverdeck, kleine Heckscheibe oder dergleichen. Und selbst bei geschlossenem Dach wirkt der Innenrauch angenehm hell und luftig, was mir jedenfalls sehr gut gefallen hat. Mein Ideal-911 wäre daher ein Targa 4S in der schmalen Karosserie des Carrera S. PS: Bilder habe ich auch noch ein paar, allerdings nur mit dem Handy aufgenommen. Aber schließlich wißt ihr ja alle, wie die obigen Fahrzeuge aussehen. Wenn ich dazu komme, werde ich ein paar Bilder davon trotzdem später noch einstellen.
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