Analog zum Gallardo Test habe ich natürlich ebenso den
Carrera GT Test mit Cessna's CarCulator unter die Lupe genommen.
Der Testwagen war mit Klimaanlage und Navi ausgerüstet, was das Leergewicht entsprechend nach oben drückte. Alle anderen Extras, wie Kopfairbags,Sidebags,Fensterheber, Fernbedienung etc sind in der Werksangabe von 1380kg enthalten.
Laut Aussage von
Porsche wird von der Klima abgeraten. Nicht nur aus Gewichtsgründen sondern auch wegen der komplizierten Wartung. Zusammen mit der Navigation ergibt sich ein Zusatzgewicht von ca. 70kg.
In Anbetracht einer niedrigeren Aussentemperatur deuten die Messwerte tatsächlich auf eine Leistung zwischen 615 und 620 PS hin. Natürlich wirft dies die Frage auf, warum liegt der Wagen so weit von der Werksangabe weg? 9,9s statt 10,9 von 0-200.
Insgesamt exisistieren die folgenden Werksangaben für den
Carrera GT:
0-100:3,9
0-160:6,9
0-200:9,9
0-1000m: 20,0
Diese Werte sind meiner Meinung nach nicht ganz schlüssig. Der getestete
Carrera GT liegt bei 100 und 160 im grünen Bereich (3,8;7,3) und verliert dann bei 200. Der Wert von 0-1000m wäre irgendwo bei 20,6s gewesen. Auch hier Werksangabe verfehlt.
Die Werksangaben können meiner Ansicht nach fast nicht erfüllt werden. Oder nur ohne Beifahrer, wenig Benzin und perfekten Bedingungen. Ein gutgehender Mclaren F1 benötigt nur 9,4s von 0-200. Erreicht aber die 200 km/h Marke im 3ten Gang. Der
Carrera GT ist sehr kurz übersetzt (fast identisch mit dem Enzo) und benötigt daher einen Schaltvorgang mehr. Das kostet 0,7s. Der
Carrera GT bräuchte also ein bessereres Leistungsgewicht als der F1 bei ähnlicher Traktion um diesen Wert zu erreichen, denn allein von 0-100 macht der F1 0,7s gut.
Der Enzo ist mit 9,5s von 0-200 angegeben. Durch das sequentielle Getriebe macht er 0,2s pro Schaltvorgang gegenüber dem
Carrera GT gut. Macht bei 3 Schaltvorgängen bis 200 0,6s. Der
Carrera GT müsste also 0,3s nur durch seine Leistung in den Gängen gutmachen.
Auch ohne Klima und Navi wäre der
Carrera GT irgendwo bei 10,7s gelandet. Keine Chance also gegen den Enzo wenn man den Werksangaben von
Ferrari glauben darf.
Das gilt umso mehr auch für die oberen Geschwindigkeitsbereiche. Hier ist der
Carrera GT zusätzlich durch einen schlechteren cw Wert benachteiligt. Dieser beträgt 0,396. Auch die Stirnfläche ist minimal grösser als beim Enzo.
Für den Enzo ergibt sich mit 2 Personen ein Wert von 0-300 von ca. 26s. Für den
Carrera GT von ca. 32s. (Bitte diese Werte nicht mit irgendwelchen Testergebnissen vergleichen. Für den Murcielago berechne ich unter gleichen Bedingungen einen Wert von knapp unter 40s.)
Der Mclaren F1 liegt bei ca 24s. Mit einer Person. Fast exakt jener Wert, der auch gemessen wurde.
Der Zonda S liegt bei ca 38s. Grund hierfür ist ebenfalls der hohe cw Wert.
Am Rande dazu eine kurze Anekdote zur Entwicklung des Enzo.
Bei
Ferrari wurden während der Entwicklung mehrere Konfigurationen erarbeitet bzgl Leistung und Anpressdruck. Die Ingenieure wollten den Enzo eigentlich mit Spoiler bauen und ca 600PS. Diese Konfiguration wurde auf der Rennstrecke als die beste und fahrbarste erachtet. Mit dem Wissen einer drohenden Konkurrenz entschied man sich jedoch für eine Version mit niedrigerem cw Wert um insbesondere beim Topspeed und in der Beschleunigung die Autorität des Enzo vor dem
Carrera GT,Zonda und SLR zu unterstreichen. Der Wagen musste die 350 km/h Marke knacken. Ziel erfüllt.
Das war bei
Porsche anders. Insofern sind die Ergebnisse nicht verwunderlich. Die Performance des
Carrera GT reicht aber immer noch aus um alles zu pulverisieren was sonst rumfährt. Würden sich ein Murcielago und der in AMS getestet
Carrera GT bei 200 Seite an Seite stellen, dann würde der
Porsche bis 300 vermutlich ca. 20 Wagenlängen gewinnen.
Weitaus gespannter kann man dennoch auf die Ergebnisse auf der Rennstrecke sein. Sowohl der Bremswert (12,5m/s2 maximale Verzögerung) als auch die Handlingwerte (155km/h Wechselgasse) sind phänomenal. Insbesondere auf normalen Michelin Pilot Sport.
Let's wait for the Supertest.