IAA 2013 – Auf der Suche nach Emotionen

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Nun liegt die Internationale Automobil Ausstellung bereits hinter uns und im CPzine ist immer noch kein Nachbericht erschienen – Skandal. Möglicherweise liegt dies daran, dass wir uns immer noch nicht sicher sind, was wir von der “Größten Autoausstellung der Welt“ in ihrer 2013er Auflage halten sollen. Dennoch werfen wir hier nun einen Blick zurück in die Messehallen von Frankfurt.

Mercedes-Benz S 63 AMG

Mercedes-Benz S 63 AMG
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Mercedes-Benz S 63 AMG

Zuerst ein Wort in eigener Sache: Dieser Messerückblick entspricht der Meinung des Autors und ist somit nicht repräsentativ für alle Autofans, aber mit Sicherheit interessant für die Hauptleser des CPzine, die Carpassionisten mit Benzin im Blut. Beim Rundgang über die IAA musste ich einmal mehr feststellen, dass die Zeit der Überraschungen vorbei ist. Daran bin ich als Internetredakteur zweifelsfrei nicht unschuldig, denn sobald Neuigkeiten über einen interessanten Wagen auftauchen, erscheinen diese rund um den Globus in allen denkbaren Online-Magazinen inklusive dem CPzine. Nun war es aber in den früheren Jahren gerade spannend, auf der Messe noch durch einige unerwartete und nicht angekündigte Fahrzeuge überrascht zu werden. Dies fiel auf der 2013er IAA gänzlich aus, denn selbst das Audi Nanuk Concept wurde 24 Stunden vor den Pressetagen auf ersten Bildern präsentiert.

Doch gehen wir einmal dem Hallenplan entlang durch die 65. Auflage der IAA, immerhin dürfte es Leser geben, die es in diesem Jahr nicht in die Messehallen am Main geschafft haben. Entsprechend unserer Leidenschaft, werde ich mich auf Sport- und Luxuswagen beschränken. Beginnen möchte ich diesen virtuellen Rundgang bei Mercedes-Benz, die neben dem neuen Crossover-Modell GLA vor allem die neue Auflage der S-Klasse und das davon abgeleitete Coupé in Concept-Form in den Mittelpunkt rückten. Am Rande wurde ebenfalls das CLA 45 AMG Racing Series Concept gezeigt, mit dem Kunden-Rennteams in der kommenden Saison beispielsweise im Rahmen der VLN auf der Nordschleife an den Start gehen könnten.

Nebenan in Halle 3.0 stand wie in den Vorjahren alles im Zeichen des Volkswagen-Konzerns und seiner mittlerweile sehr reichhaltigen Markenvielfalt. Diese ist so vielfältig, dass Audi es vorzieht, auf dem Freigelände vor der Halle eine eigene Zelthalle aus dem Boden zu stampfen. Dort gab es neben verspiegelten Decken und ebenfalls über den Köpfen der Besucher aufgehängten Großstadt-Straßenschluchten eigentlich nur zwei interessante Neuheiten zu sehen: Das Sport quattro Concept und die aus dem Italdesign Parcours abgeleitete Studie Audi Nanuk, einen allradangetriebenen SUV-Sportwagen mit Diesel-Hybrid-Antrieb. Die restlichen VW-Konzernmarken ließen es hingegen eher ruhig angehen. Bei Lamborghini gab es mit dem Gallardo LP570-4 Squadra Corse das voraussichtlich letzte Sondermodell des V10-Sportwagens – sofern den Italienern hier nicht noch eine Final Last Edition einfallen sollte. Bugatti erweiterte die Legendenserie, mit der man Menschen aus der frühen Markengeschichte ehrt, die den hufeisenförmigen Grill und die dazu gehörenden Fahrzeuge berühmte gemacht haben. Bentley stellte mit dem Continental V8 S die vierte Motorvariation für das erfolgreiche Coupé und Convertible vor.

Einzig Porsche hielt sich nicht an die offenbar konzernverordnete Zurückhaltung und stellte den eigenen Messestand ganz in den sportlichen Kontext, für den die Marke seit ihrer Gründung bekannt ist. Neben der offiziellen Messepremiere des 991 Jubiläumsmodells und des neuen 991 Turbo und Turbo S war es vor allem die Präsentation des serienreifen 918 Spyder, der die Menschen auf die Ausstellungsfläche der Zuffenhausener lockte. Zur Pressekonferenz am Dienstag fuhr der zweifache Rallyeweltmeister und Markenbotschafter Walter Röhrl den Wagen auf die Bühne und verkündete im Gespräch mit Porsche Chef Matthias Müller die Rundenzeit von 6:57 Minuten auf der Nürburgring Nordschleife. Diese Zeit erreicht der 918 in kundiger Hand und mit dem optionalen Weissach-Paket, das an einem zweiten Fahrzeug in einer VIP-Lounge gezeigt wurde.

Neben Audi zeigte sich auch Radical auf dem Freigelände zwischen den Hallen 1, 3, 4 und 5. Dort wurde erstmals in Deutschland das neue Coupé RXC gezeigt. Dabei handelt es sich um einen 380 PS starken Sportwagen mit Ford-V6-Motor aus britischer Handarbeit, bei dem der Markenname wörtlich genommen werden darf. Noch dichter am Le Mans-Rennwagen geht es mit Straßenzulassung eigentlich nicht. Immerhin trifft die Leistung hier auf lediglich 900 Kilogramm Leergewicht. Radical verspricht außerdem in absehbarer Zeit eine noch kräftigere Variante mit V8-Triebwerk im Heck. Beim Blick durch Halle 4 fielen neben diversen Zulieferern der Automobilindustrie nur wenige Fahrzeuge ins Blickfeld, die einer Erwähnung wert wären, aber den Zender Abarth Corsa Stradale Concept werden wir in Kürze noch im CPzine zeigen.

Also schnell weiter in Halle 5, wo neben Volvo Concept Coupé und Jaguar C-X17 Concept vor allem ein Wagen für Gesprächsstoff sorgte: Der Brabus B63S 700 6×6 auf Basis des Mercedes-Benz G 63 AMG 6×6. Dieser deutlich mehr als 2 Meter hohe Gelände-Grenzgänger war quer durch die Halle zu erkennen und stellt unzweifelhaft den Gipfel des momentan Erreichbaren dar. Am Aston Martin Stand wurde an das 100-jährige Firmenjubiläum erinnert und neben dem CC100 Speedster auch die Deutschlandpremiere von V12 Vantage S und Vanquish Volante gefeiert.

Bereits am Eingang zur Halle 6 wird deutlich: Hier stehen die Italiener. Das hat auf der IAA bereits eine kleine Tradition und führt aufgrund der relativ engen Halle teilweise zu Staus vor den Ausstellungsstücken. Da ist es schon ein wenig verwunderlich, dass in diesem Jahr bei Maserati größtenteils auf Absperrmaßnahmen rund um den Stand verzichtet wurden und damit der Blick zum Beispiel auf die Sichtcarbonmotorhaube am GranTurismo MC Stradale noch dichter ausfallen kann. Nebenan bei Ferrari blieb es hingegen bei den strengen Einlasskontrollen und den hüfthohen Sichtschutz rund um die teuren Ausstellungsstücke. Für den einen oder anderen Besucher der Messe war es enttäuschend, dass sich kein lebensgroßer LaFerrari in Frankfurt finden ließ, aber die Sportwagenmarke aus Maranello stellte die IAA ganz in den Bann des neuen 458 Speciale, mit dem man im Segment der Mittelmotorsportwagen ordentlich aufräumen will. Nicht vergessen darf man Abarth, die mit einem Sondermodell an den 50sten Geburtstag des 595 auf Basis Fiat 500 erinnern.

Nach einem kurzen Spaziergang erreicht man die Halle 8, in der dieses Jahr eigentlich nur Opel und Peugeot mit CPzine-relevanten Fahrzeugen aufwarteten. Aus Rüsselsheim kam das Monza Concept, mit dem Opel zum einen an das legendäre Coupé aus den späten 70ern erinnerte und zum anderen die Designsprache kommender Modelle ankündigte. Peugeot zeigte mit dem 208 T16 Pikes Peak jenes Auto, mit dem Sebastien Loeb in diesem Jahr einen neuen Rekord beim legendären Bergrennen setzte und warf mit dem 308 R Concept einen Blick auf die Zukunft der sportlichen Kompaktfahrzeuge mit dem Löwen am Kühlergrill. Auch Halle 9 brachte nur wenige sportliche oder luxuriöse Ausblicke mit sich, aber das Cadillac Elmiraj Concept und den Caterham Seven 165 will ich hier keinesfalls verschweigen.

Das Finale in unserem virtuellen Rundgang findet schließlich in Halle 11 statt, in der sich seit zwei Jahren der BMW Konzern zur IAA häuslich einrichtet. Während bei Mini keine Neuheit zu entdecken war, stellte Rolls-Royce speziell die hauseigene Individualisierungsabteilung Bespoke vor, die unter anderem in der jüngeren Vergangenheit mit dem Ghost Alpine Trial an eine legendäre Alpendurchquerung vor 100 Jahren erinnert hatte und das Fahrzeug daher in den Farben des damaligen Siegerfahrzeugs aufgebaut hatte. Speziell für die Messe wurde ein Phantom LWB mit einem Sonderlack in Dunkelblau versehen, in dem feinste Glaspartikel verarbeitet sind, deren Lichtreflexe einen tieferen Schein hervorrufen, als klassischer Metalliclack. Zusätzlich wird mit dem Celestial getauften Einzelstück und der gleichzeitig offiziell erhältlichen Sonderserie Home of Rolls-Royce an die Auslieferung des ersten Phantom am 1. Januar 2003 um 00:01 Uhr erinnert, weshalb der Celestial im Fond den damaligen Sternenhimmel mit LED-Technik abbildet. Bei der Konzernmutter aus München stand auf der IAA die Einführung der neuen Untermarke BMW i im Mittelpunkt, die mit dem Elektrokleinwagen i3 und dem Hybridsportwagen i8 demnächst in den Verkauf gehen wird.

Ich hoffe, dieser recht persönliche Messerundgang über die 65. IAA in Frankfurt am Main hat Ihnen als Leser gefallen. Vielleicht haben Sie es gemerkt: Emotionen hat die Messe definitiv ausgelöst, nur die Emotion der Überraschung hat mir persönlich ein wenig gefehlt.

Autor und Fotograf: Matthias Kierse

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Kategorie: Magazin

Kommentare (5)

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  1. Der Kritikator sagt:

    Ein sehr dürftiger Bericht der IAA 2013.
    Die wirklich interessanten Neuigkeiten kommen kaum zur Sprache.
    Die stammten nämlich aus dem Bereich Hybrid und Elektromobilität sowie Fahrerassistenzsysteme.

    Nicht nur die Anmerkungen zur den Neuigkeiten der Marke Mercedes waren ausgesprochen dürftig, nein die Teils durchaus recht mutigen Designneuerungen der Marken Seat und vor allem der Marken Renault und Citroen fehlen komplett.

    Aber den absolut größten Fauxpas stellt der Abschluss des Berichts dar.
    Zitat:“ Bei der Konzernmutter aus München stand auf der IAA die Einführung der neuen Untermarke BMW i im Mittelpunkt, die mit dem Elektrokleinwagen i3 und dem Hybridsportwagen i8 demnächst in den Verkauf gehen wird.“
    Da werden ausgerechnet die beiden aufsehenerregendsten Neuigkeiten gerade mal mit Namen erwähnt. Noch nie zuvor dagewesenes Design, noch nie zuvor dagewesene Ausrichtung auf Nachhaltigkeit und noch nie dagewesene Spritsparende Fahrleistungen Kohlefaserkarosserie Porsche 911 Fahrleistungen mit einem Verbrauch von sensationellen 2,5 Litern auf 100Km. Da hat BMW Ökomobile sexy und sportlich verpackt, quasi rundum neu erfunden.
    Besonders der i8 ist ohne zweifel ein Wagen der fasziniert und beeindruckt und zweifelsohne Automobile Geschichte schreibt, schon alleine auf Grund der Werte und Technischen Neuerungen die nocnzuvor dagewesene neue Maßstäbe setzen. Auch wenn das Design sicherlich Geschmackssache sein ma, sog ist es unbestreitbar revolutionär, so wie fast alles an diesem Wagen revolutionär ist.
    Das Highlight der Messe und die internationale Autopresse faselt begeistert von Supersportwagen von der Zukunft des Automobils, von Revolution. Und hier wird gerade mal das i und die 8 erwähnt. Dabei ist doch ausgerechnet die Bezeichnung wahrlich das einzig uninteressante und belanglose was man an dem Fahrzeug finden kann.

    • Matthias Kierse sagt:

      Ich verweise an dieser Stelle auf den ersten Absatz unter der Bildergalerie. Citroen, Renault und Seat entsprechen nur in wenigen Randgebieten dem Kerninteressensgebiet des CPzine. Wer über diese Neuigkeiten etwas lesen will, wird genügend Seiten im www finden, die sich damit beschäftigen. Darüber hinaus siehe erster Satz des benannten Absatzes: Dieser Text entspricht meiner persönlichen Meinung und ich bin von den „Werten“ der neuen Hybridwelle absolut nicht zu überzeugen, da der Verbrauchszyklus, nach dem hier bemessen wird, nachweislich fehlerhaft ist, die Langlebigkeit der Batterien nicht gegeben ist und mich persönlich Elektro- und Hybridfahrzeuge einfach nicht vom Hocker reißen. Darüber hinaus gefällt mir das Design der BMW i-Modelle nicht mal ansatzweise und damit stand ich am Pressetag nicht alleine da, mag es noch so revolutionär sein (revolutionär ist nicht = schön). Daher bleibe ich durchaus bei meiner Kernaussage: Bei den CPlern, mit denen ich über die Messe gegangen bin, blieben wirklich tiefgreifende Emotionen in diesem Jahr größtenteils aus. Das ist OK so, es werden vermutlich auch wieder Messen kommen, wo das andersrum ist.

  2. okuehlein sagt:

    Ich kann dem Autor nur absolut zustimmen!
    Sowohl was seine Wertung der emotionellen Fahrzeuge als auch die Wertung bzgl. der Hybride betrifft. Und der Punkt mit den Batterien trifft den Nagel auf den Kopf – in meinen Augen werden Autos damit zu Wegwerfprodukten, weil ab einem bestimmten Punkt der Preis einer neuen Batterie den Restwert des Fahrzeuges überschreitet!
    Wir bei CP beschäftigen uns absichtlich nicht mit den Massenautos, sondern eben mit jenen, die Emotionen hervorrufen. Davon war auf der IAA viel viel viel zu wenig zu sehen. Zum Glück müssen wir nur noch 5 Monate bis Genf warten! Da sind sie dann wieder wieder – die Koenigseggs und Paganis und die italienischen Schneider, die genau das machen, was wir wollen – Emotionen!

  3. Forex sagt:

    Hallo Matthias,

    danke für den Bericht. Ich kann Deiner Meinung folgen und sehe das genauso. Ich hoffe, dass dieser ganze Öko-Schrott-Hype genau so schnell wieder verschwindet, wie er gekommen ist, Gründe gibt es genügend und ich möchte hier keine diesbezügliche Diskussion antreten.

    Was mich jedoch jedes Mal nervt und mich maximal 2-3 Bilder anschauen lässt (hallo Programmierer!):
    Wenn ich bis zum Bild runterscrolle und dann auf den Pfeil drücke für das nächste Bild, „spickt“ die HP wieder nach oben, das heisst, ich muss bei jedem Bild erneut runterscrollen. Kann man das nicht ändern? Auf anderen Seiten habe ich dieses Problem selten. So wird jede Bildstrecke zum Sehtrauma..

    Danke für die Abhilfe! 🙂
    Thomas

    • CPAdmin sagt:

      Hallo Thomas,

      vielen Dank für die Anregung bzgl. der Bildergalerie und Deinem Verbesserungsvorschlag, den wir unverzüglich umgesetzt haben.

      Wir hoffen, das Leseerlebnis unserer Artikel nun verbessert zu haben.

      Weiterhin viel Spaß und danke für Eure Treue.

      Euer CPAdmin

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