Bugatti Veyron Super Sport – Dimensionsverschiebungen

4 Kommentare

Schon der „normale“ Bugatti Veyron ist mit seinen 1.001 PS und einer Endgeschwindigkeit von 407 km/h in einer eigenen Klasse unterwegs, die viele Autofahrer niemals erreichen werden. Wenn nun jedoch 1.200 PS und 1.500 Newtonmeter Drehmoment im Bugatti Veyron Super Sport aufeinandertreffen, dann verschiebt sich die Dimension des Machbaren in den Bereich des Irrealen. Bei Testfahrten wurden 431 km/h gemessen – Weltrekord!

[imagebrowser id=438]

Eingeladen waren nur wenige Offizielle von Bugatti, sowie ein Team vom Guinness-Buch der Rekorde. Grund für dieses Treffen war eine Hochgeschwindigkeitstestfahrt auf dem Volkswagen-Testgelände Ehra-Lessien in Niedersachsen, bei der nach Möglichkeit ein neuer Höchstgeschwindigkeits-Weltrekord für Produktionsfahrzeuge aufgestellt werden sollte.

Bugatti-Cheftestfahrer Pierre-Henri Raphanel machte es sich im Testwagen, dem ersten Exemplar des neuen Bugatti Veyron Super Sport, bequem und rollte auf den Kurs hinaus. Das Wetter und die weiteren äußeren Bedingungen waren an diesem 26. Juni einfach perfekt. Das Programm sieht vor, die lange Gerade des Testgeländes zuerst von Süd nach Nord und danach binnen einer Stunde noch einmal in entgegengesetzter Fahrtrichtung abzufahren, um einen offiziellen Rekordversuch zu absolvieren. In dieser Zeit darf nur nachgetankt werden, Reparaturen oder Veränderungen am Auto sind nicht erlaubt. Man rechnete mit einer maximalen Geschwindigkeit von rund 425 km/h, womit man die Höchstgeschwindigkeit der normalen Veyron-Version um 18 Stundenkilometer überschreiten würde.

Umso erstaunter die Gesichter der Bugatti-Techniker, als die offiziellen Ergebnisse der Zeitnahme ausgedruckt wurden: 431,072 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit in beiden Durchgängen zusammen, kurzfristig sogar eine Höchstgeschwindigkeit von 434,211 km/h. Das ist nicht nur ein Rekord, das ist eine massive Ansage für die Zukunft. Bis diese Werte überboten werden, dürften einige Jahre vergehen.

Wie kommt es zu dieser deutlichen Verbesserung gegenüber dem bekannten Veyron? Als erstes kamen Veyron-Kunden auf Bugatti zu und baten um eine individuellere und leistungsstärkere Version. Dies ist in der Geschichte dieser Marke nicht das erste Mal, denn bereits unter Ettore Bugatti, dem Gründervater, waren solche Kundenwünsche an der Tagesordnung.

Diese Wünsche nahm man sehr ernst, immerhin sind die Kunden bei Bugatti nicht nur Kunden, sondern quasi Kaiser. Heraus kam der Bugatti Veyron Super Sport, dessen 16-Zylinder-Turbo-Motor nun 882 kW/1.200 PS und 1.500 Newtonmeter Drehmoment auf den Allradantrieb werfen darf. Dieser Leistungszuwachs resultiert aus größeren Turboladern und entsprechend angepassten Ladeluftkühlern. Die Kraft wird vom bekannten Siebengang-Doppelkupplungs-Getriebe übertragen. So gerüstet ist der Wagen zu den oben genannten Geschwindigkeiten in der Lage, allerdings wird dem Super Sport in der Verkaufsversion bei 415 km/h der Vortrieb abgedreht, um die Reifen zu schonen. Natürlich wurden alle Komponenten des Antriebsstrang an die höheren Leistungswerte angepasst. Dass man dabei quasi nebenbei die normal gültigen Leistungsdimensionen von 08/15-Autos um das 6-fache überschreitet, darf man als technisches Meisterstück verbuchen.

Nicht nur der Motor erhielt ein Update, auch das Fahrwerk wurde mehr in Richtung Agilität weiterentwickelt. Angehobene Hauptfederraten, stärkere Stabilisatoren und aus dem Rennsport adaptierte Dämpfer ermöglichen nun Querbeschleunigungswerte von bis zu 1,4 g. Damit hebt man den Veyron Super Sport auch fahrdynamisch auf die Dimension der sportlichsten Autos der Welt.

Direkt ins Auge fallen die Änderungen an der Karosserie. Das Vollcarbon-Monocoque erhielt einen veränderten Faseraufbau, wodurch zum Einen die Verwindungssteifigkeit anstieg, zum Anderen jedoch Gewicht eingespart werden konnte. Wieviel, das behält Bugatti noch für sich. Im Gegensatz zum normalen Veyron bestehen beim Super Sport nun alle Karosserieteile aus Kohlefaser und sind auf Wunsch einfach nur mit Klarlack überzogen, um den Hochleistungswerkstoff zur Geltung zu bringen. Oberhalb des Motors sitzt beim Super Sport eine windschlüpfrige Abdeckung. Für die Frischluftzufuhr sorgen zwei NACA-Einlässe anstelle der bekannten Lufthutzen. An der Front sind größere und zusätzliche Lufteinlässe verbaut, von denen sich der untere bis zum Radhaus hochzieht und dem Veyron fast ein Gesicht verleiht. Das Heck wird von einem Doppeldiffusor und einem neu gestalteten doppelten Auspuffendrohr dominiert.

Ab Herbst diesen Jahres wird der Veyron Super Sport parallel zum Grand Sport und den letzten Exemplaren des normalen Coupés im französischen Molsheim in der Bugatti Manufaktur gefertigt. Die ersten fünf Exemplare werden dabei die selbe Farbgebung – Sichtcarbon mit orange – wie das Weltrekordfahrzeug tragen und sind bereits verkauft. Wieviele Exemplare des Super Sport insgesamt aufgelegt werden, hat Bugatti noch nicht bekannt gegeben. Es kann jedoch gut sein, dass man sich an der Historie orientiert, in der es bereits auf Basis von Type 55 und Type 57S oder auch in den 1990er Jahren auf Basis des EB110 besondere Varianten gab, die je rund 40-mal gefertigt wurden. Vielleicht wird es auf dem Concours d’Elegance in Pebble Beach bei der offiziellen Weltpremiere des Bugatti Veyron Super Sport weitere Informationen geben.

Insgesamt hat Bugatti bis heute 260 von 300 geplanten Veyron Coupés fest verkauft und davon bereits 249 ausgeliefert. Vom auf 150 Exemplare limitierten Grand Sport sind 35 verkauft und davon bereits 22 Autos an ihre glücklichen Kunden übergeben worden.

Quelle: Bugatti

Autor: Matthias Kierse

Tags: , ,

Kategorie: Magazin

Kommentare (4)

Trackback URL | Kommentar RSS Feed

  1. brobox sagt:

    Interessante Weiterentwicklung. Bei der Farbgebung hätte ich mir etwas mehr Noblesse gewünscht.

  2. Faultier sagt:

    Ein heißes Geschoss 😮

  3. MAP sagt:

    Wahnsinn…:-))!

  4. Bärlin sagt:

    Bei aller Ehrfurcht vor dem Auto, aber einige Jahre werden wohl eher nicht vergehen müssen, bis die Leistungswerte geknackt werden. So hat der gerade frisch herausgekommene Hennessey Venom GT, über den ich erst gestern etwas gelesen habe, in der Topversion ja schon 1215 PS – und das mit der leichten, modifizierten Lotus-Karosserie.
    Allerdings ist der Bugatti natürlich eher ein luxuriöser Höllen-GT und keine reine Fahrmaschine, denn das hängt ja nicht nur von der Leistung ab. Insofern sind die Autos direkt wohl nicht ganz vergleichbar. Und dann trotzdem auf solche Geschwindigkeiten zu kommen, ist schon eine Ansage.

Schreiben Sie einen Kommentar

Spam-Schutz * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.