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Enzo Ferraris 815er

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Jeder Ferrari-Enthusiast weiß natürlich, dass das erste Modell mit dem springenden Pferd der 125 S von 1947 war. Aber schon sieben Jahre vorher hatte Enzo Ferrari den Auto Avio 815 konzipiert. Er trug zwar nie den glanzvollen Namen, aber ist trotzdem der allererste Ferrari.

Als Enzo Alfa Romeo 1939 verlies, musste er zustimmen, dass der Namen Ferrari vier Jahre lang nicht im Motorsport aufzutauchen hat. Nach heutiger, offizieller Lesart heißt es, dass Enzo „aufhörte, um seine eigene Firma zu gründen”, aber wie er selber auch zugab, wurde er schlicht gefeuert. Wie Brock Yates in seiner meisterlichen Biographie Enzo Ferraris schrieb, war diese Kündigung so etwas wie „das Reizthema in der italienischen Sportpresse” und führte sogar zu einer kleinen Palastrevolte bei Alfa Corse, mit der Folge, dass auch andere bekannte Rennfahrer wie Enrico Nardi gleich Enzo über die Klinge springen mussten.

Produkt einer Palastrevolte

Aber man schrieb das Jahr 1939 und da gab es Themen in Europa, die weitaus ernster und weitreichender waren. Um wieder Brock Yates zu zitieren: „Selbst als der bittere Geruch des Kordits langsam südwärts über die Alpen waberte, plante Enzo Ferrari eine letzte Trotzgeste, ehe auch Italien in den Krieg gezogen wurde.” Das Resultat ist der Sportwagen, der hier abgebildet ist - der Auto Avio Costruzioni Tipo 815.

Enzos Trotzreaktion war die Folge eines Besuchs im Dezember 1939 von dem jungen Alberto Ascari, der wollte, dass Ferrari ihm zwei Sportwagen für die Mille Miglia 1940 bauen sollte - eines sollte für Ascari selbst sein (das Auto auf den Bildern) und eines für einen adligen Freund mit dem wundervollen Namen Marchese Lotario Rangoni Macchiaveli di Modena. Enzo stimmt zu. Seine Entscheidung war nicht nur eine Kampfansage an Alfa, sondern auch an Maserati. Dank der Geldspritze der Familie Orsi übersiedelte dieses Unternehmen gerade nach Modena, wo Enzo Heimrecht beanspruchte. Das muss Ferrari sehr verärgert haben.

Gebaut in nur vier Monaten

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Weil die Mille Miglia am 28. April starten sollte, blieben ihnen nur vier Monate, um zwei Rennwagen komplett von Grund auf zu entwickeln. Deswegen und auch, weil das Règlement vorschrieb, dass der Rennwagen auf einem Serienwagen-Chassis aufgebaut sein musste, diente den beiden Exemplaren ein Fiat 508C Ballila als Basis. Das Hauptproblem war, dass der Motor des Ballila viel zu klein war. Also musste Alberto Massimino, ein erfahrener Designer und ebenfalls Opfer der Alfa-Revolte, eine Lösung finden. Er baute einen Achtzylinder-Reihenmotor und setzte oben drauf ein Paar modifizierte Fiat Ballila-Zylinderköpfe. Das neue Modell wurde 815 getauft, weil es über acht Zylinder und einen Hubraum von 1,5 Liter verfügte.

Die offene Karosserie mit dem markanten Kühlergrill und einer ultramodernen Plexiglas-Windscheibe wurde von der Carrozzeria Touring Superleggera gezeichnet, der 815 rollte auf Speichenrädern von Borrani.

Kriegspause

Ihr Potenzial konnten die beiden Fahrzeuge gleich bei der Mille Miglia unter Beweis stellen, wo die beiden die 1500cc-Klasse anführten, aber wegen mechanischer Probleme aufgeben mussten. Kaum verwunderlich, denn nur vier Monate zuvor waren die beiden Rennwagen ein Glitzern in den Augen Enzo Ferraris.

Dennoch lohnte sich eine Weiterentwicklung. Doch mit Italiens Eintritt in den Krieg waren solche Pläne Makulatur. Doch 1945 konnte Enzo Ferrari endlich unter seinem Namen Fahrzeuge bauen wie beispielsweise der berühmte Ferrari 125 S. Obwohl er in der Chronologie offiziell als erster seiner Art geführt wird, war er sehr viel anspruchsvoller als der 815. Aber mit Sicherheit hat der spätere Commentatore sehr viel aus seiner Trotzreaktion und dem „geheimen” Ferrari, Baujahr 1940, gelernt.

Der Überlebende

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Nur einer der beiden Auto Avio 815 hat überlebt: der erste, der ursprünglich für Ascari gebaut worden war. Er ist jetzt Teil der ausgezeichneten Righini Collection, die in einem Schloss aus dem 15. Jahrhundert in der Nähe Modenas untergebracht ist. Hier durfte auch Classic Driver-Fotograf Rémi Dargegen diese wunderbaren Bilder machen.

Fotos: Rémi Dargegen für Classic Driver © 2015

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