Pässe & Pizza Tag 3... Dienstag, Halbzeit sozusagen. Heute war noch mal volles Programm angesagt, vormittags stand ein Besuch bei der Supercar Schmiede Pagani an, nachmittags waren wir bei der Firma B Engineering, der Name dürfte nur wirklich eingefleischten Fans etwas sagen, wenn ich jetzt aber den Namen „Edonis“ in den Raum werfe klingelt es wahrscheinlich bei mehr Leuten. Aber der Reihe nach. 10 Uhr hatten wir einen Termin, d.h. Abfahrt 09:30 um möglichst pünktlich da zu sein. Die Fahrt ging über einige Dörfer und ein kurzes Stück Schnellstraße wo wir den MF3 verloren. Also anhalten, schon kam die Freundin des Fahrers samt Handy und telefonisch konnte „Erste Hilfe“ geleistet werden. Das vorbereitete Factssheet war leider nicht im Auto bzw. der Fahrer des Wiesmanns war nicht der der Besitzer und wusste nicht wo er suchen musste. Aber alles kein Problem, Navi sei Dank kam das Wiesel mit 5 Minuten Verspätung auch am Ziel an. Dort erwartete uns Francesco Bini von der Firma Motostars die mittlerweile die Besichtigung von Pagani organisiert und leitet. Obwohl es mir fürchterlich peinlich war das wir gesamt knappe 10 Minuten zu spät waren (typisch deutsch?!) war er absolut relaxt und meinte „you are perfect in time“ was mich beruhigt aufatmen ließ. Dann ging es hinein, erste Station Showroom wo uns zwei Fahrzeuge erwarteten. Ein Pagani Zonda F und ein Zonda R, beide in Sichtcarbon gehalten, Perfektion auf jeweils 4 Rädern. Die Biografie von Horacio Pagani sowie seiner Firma waren für mich mehr oder minder weißes Rauschen, ich war hin und weg von den beiden Autos, egal wo man hinsah, alles war 110% besser und auch liebevoller als man es einen Tag früher bei Ferrari gesehen hatte. All das in einer kleinen Werkstatt in einem Gewerbegebiet wo man als 0815 Tourist nicht in 100 Jahren hineinfahren würde. Ärgerliches Eingeständnis an dieser Stelle... Leider habe ich die Speicherkarte auf der meine Bilder waren formatiert. Offensichtlich sind die RAW Dateien von meiner und Ollis Kamera nicht gleich, deswegen werden sie auf der jeweils anderen nicht angezeigt was die Löschung zur Folge hatte... Entsprechend groß ist gerade mein Ärgernis über mich selbst nicht alles doppelt überprüft zu haben... Aber gut, es muss ja auch einen Grund geben ein weiteres Mal dorthin zu fahren Zurück zum Thema. Pagani... Nachdem wir uns im Showroom noch etwas austoben durften mussten wir die Kameras abgeben weil es in die Fertigung ging. Nettes Detail, Aufbewahrungsort für die DSLRs war eine „Satteltasche“ des Zondas, zwar nicht am Fahrzeug, aber es gibt dennoch wesentlich schlechtere Orte sein Fotoequipment aufzubewahren In der Fertigung waren drei Fahrzeuge, ein blauer Zonda S, ein oranger Zonda F die beide zum Kundendienst dort waren und zwischen den beiden die neueste Schöpfung von Pagani. Nicht etwa der Nachfolger des Zonda sondern eine der letzten Ausbaustufen des alten Modells. Nach dem Tricolore nennt sich dieses Exemplar schlicht „Zonda Uno“, Farblich in Sichtcarbon-Schwarz und einen Farbton gehalten der mich sehr an die Vitaphone Rennwägen erinnerte. Das Bild ist von Matthias am Donnerstag gemacht worden, wie & warum, dazu wird dann übermorgen was gesagt Nach dem ungläubigen Staunen in der Fertigung ging es knappe 1,5 Meter schräg hinter die Autos zur Werkstatt wo die Carbonfasern angepasst wurden und für die Autoklave fertig gemacht werden. Ein kleines Stück Carbon wurde herumgereicht, so richtig glauben konnte keiner das so ein dünner und leichter Werkstoff mal in das hochfeste Carbon verwandelt werden sollte das wir alle kennen. Francesco ließ sich jedoch nicht lange bitten, im Anschluß ging es nämlich direkt in einen weitere Halle wo neben den beiden Autoklaven noch die Montage für die Rohkarossen und die Entwicklung untergebracht war. Neben zwei zusammengesetzten, noch unlackierten Rohkarossen stand ein Zonda im Schlafanzug... Trotz der Abdeckung konnte Matthias einen Zonda R ausmachen. Nach kurzer Erklärung was in dieser Halle alles erledigt wurde um aus Kohlefaser einen Zonda zu machen reichte unser Betreuer ein fertig gebackenes Stück Carbon rum. Ich tippe dass es sich um einen Teil der Cockpitrückwand handelte, und zwar das Teil dass zwischen den Sitzen sitzt. Leicht und trotzdem hochfest lag es in der Hand, alle Teilnehmer waren sichtlich beeindruckt wie aus ein paar lagen des Carbon-„Teppichs“ so etwas entstehen kann. Während wir staunend das Carbonteil betrachteten kam Mr. Pagani himself auf einmal in die Fertigung um sich mit seinen Arbeitern zu beraten. Ein kurzes „bon giorno“ in unsere Richtung und er war wieder ganz im Business vertieft. Nach Besichtigung der Fertigung ging es wieder in den Showroom, anschließende Fragen wurden beantwortet und der Handel mit dem ein oder anderen Souvenir angeregt. Bei meiner zierlichen Statur hätte ich gern ein T-Shirt in XXL gehabt, doch, oh wunder, war leider nichts mehr in der gewünschten Größe verfügbar. Also tröstete ich mich mit einer (halb so teuren) DVD über das bisherige Machwert von Mr. Pagani. Selbiger fand noch kurz die Zeit um ein gemeinsames Gruppenfoto mit uns zu machen, welches aber auf meiner Speicherkarte war und deswegen... Erschlagen von den Eindrücken standen wir gute 90 Minuten nach Start wieder vor unseren Autos. Start des nächsten Termins war erst gegen 15:30, also was tun... Mittagessen war eine gute Idee. Modena lag genau zwischen uns und B Engineering, also die Möglichkeit genutzt und dorthin gefahren. Nach einigem hin und her war ein Parkplatz gefunden der für gut befunden wurde und nach ca. 10 Minuten gemütlichen Fußmarsches waren wir auch schon mitten in der Altstadt. Vor uns (am Vortag von Quado & black&beauty ausgekundschaftet) lag das Cafe Concerto, DAS Cafe wenn man mal in Modena sein sollte. Als wir dort mit 14 Personen aufschlugen wurde sich bemüht ein Platz für uns zu finden was nach 3 Minuten auch klappte. Offeriert wurde ein „all you can eat“-Buffett im italienischen Stil, Preis 15 € inkl. Wasser. Ein wunderbares Angebot und so stürtzen wir uns auf Antipasti, Salate, Pasta, Pizza und Nachspeisen en masse. Neben der wunderbaren Anrichtung war es (wieder) ein Geschmackserlebnis der anderen Art. So gutes italienisches Essen sucht man in Deutschland oftmals vergebens, vor allem zu solch einem Preis! Das Hirn sagte nach einigen Tellern „MEHR, MEHR, MEHR“, der Bauch signalisierte von unten „VOLL, VOLL, VOLL“. Ein Kompromiss wurde dann irgendwann gefunden, für eine letzte kleine Portion Tiramisu und einen Espresso war dann doch noch Platz Anschließend teilte sich die Gruppe auf, ein kleiner Teil wollte sich B Engineering nicht ansehen und blieb in Modena, der Rest machte sich daran die 12 km bis zur Fertigungsstätte des Edonis zu fahren. Während wir so vor uns hinfuhren tauchte auf der rechten Seite das Maserati Werk auf das wir gerne besichtigt hätten, aber es scheinbar noch schlimmer ist als bei Ferrari. Doch auch hierfür fanden wir adequaten Ersatz, wie immer... Mehr dazu die nächsten Tage Edonis, kurz zur Erläuterung... Ein Supersportwagen der auf dem Bugatti EB110 aufbaut, der Hersteller, die Firma B Engineering kaufte die Überbleibsel des EB110 und EB112 auf, ebenso wie sämtliche Zeichnungen, mehrere Rohkarossen, Motoren etc. Ähnliches tat die Firma Dauer aus Nürnberg die den Bugatti unter eigenem Namen weiter fertigte. Die Italiener verschrieben sich dem Kundendienst und bauten aus den gekauften Teilen aber auch ein neues Fahrzeug auf. Den Edonis. Der Hubraum wurde von 3.5 auf 3.7 Liter angehoben, das einzig gleiche Teil das unverändert übernommen wurde ist das Chassie aus Carbonfaser. Außen- & Innen wurde das Fahrzeug komplett überarbeitet und wird seit 2001 interessierten Kunden angeboten. Bislang wurden von 21 geplanten jedoch nur drei Fahrzeuge aufgebaut. Als wir vor Ort waren bot sich ein ähnliches Bild wie bei Pagani, wenn man ehrlich ist rechnete man hier jedoch noch weniger mit Supersportwägen irgendeiner Art. Doch wir sollten uns ein weiteres mal täuschen. Nach kurzem Warten öffnete uns Frederico Trombi, einer der beiden Besitzer und bat uns herein. Nach kurzer Einführung in das Thema Edonis und B Engineering führte er uns in eine Halle in der sich die Augen weiteten und die Kinnlade gen Boden rauschte. Auf den ersten Blick standen da 3 EB110 sowie ein Edonis rum, allerdings waren noch mehrere Fahrzeuge abgedeckt und wurden uns erst später enthüllt. Unter anderem eine Lotus Elise und weitere Bugattis. Beim durchwandern der Halle waren auch einige Regale aufgestellt zwischen denen ich auch Fahrzeuge vermutete, also hingegangen, reingeschaut und was lag da... etliche Teile eines Murcielago LP670 Superveloce grinsten mich an und aus dem Hintergrund hörte ich Signorre Trombi sagen „the rest of the car is in the other box“ wo er dann auch wirklich stand. Von den hinteren Felgen, Heckklappe und Spoiler befreit wartete er auf einige Optimierungen die B Engineering durchführen wollte. Die Halle war wirklich ein Spielplatz für uns, Zerlegte Motoren, Ersatzteile, dann natürlich die Fahrzeuge nicht zu vergessen. Trotzdem wurden die mitgefahrenen Frauen nach einer guten halben Stunde unruhig, also reagierte unser Führer und öffnete die Tür zu einer anderen Halle. Auch hier erstmal erstaunen, drei Formel Fahrzeuge und ein Lotus Esprit S4 lachten uns an, auf einen zweiten Blick erblickten wir einen BMW 850i der allerdings nicht lachte, die Reifen platt und mit einer dicken Staubschicht bedeckt wartete er darauf von seinem Besitzer wiederentdeckt zu werden. Einige der Teilnehmer erklärten sich spontan bereit sich des Autos anzunehmen was aber dankend abgelehnt wurde. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei und als wir in eben jene dritte Halle betraten blieb außer einem ungläubigen Lachen eigentlich keine andere Reaktion mehr übrig. 7 (SIEBEN) fabrikneue California standen sich die Beine in die mit Lackschutzaufklebern übersähte Karosserie. Des Rätsels Lösung... Ferrari und andere Hersteller nehmen die Halle als Zwischenlager bevor die Fahrzeuge ausgeliefert werden. Am Tag zuvor waren wohl einige Mercedes SLS drin gewesen und für Mr Trombi ist es, laut eigener Aussage, immer wieder eine Überraschung welche Autos hier stehen. Nach guten 1.5 Stunden konnten wir unsere Augen dann doch von den ganzen Eindrücke losmachen und wir fuhren zurück ins Hotel. Abends stand ein Besuch in einem besonderen Restaurant an. Das Stammlokal aller Ferrari F1 Fahrer neben dem Cavallino war auf der Tagesordnung, das berühmte Ristorante Montana. Hervorragendes Essen, hervorragende Weine, unbezahlbare Erinnerungen an den Wänden waren die positiven Seiten, negativ muss man leider sagen dass der Service besser hätte sein können. Nach dem Essen ging es dann mit den Autos noch mal in Richtung Berge, zum einen um den fantastischen Ausblick den man bereits Tagsüber hatte noch mal Nachts zu erleben, zum anderen um das ein oder andere Foto zu machen. Bevor wir uns allerdings an den Aufstieg machten ging es kurz vor die Pforte um den California in Szene zu setzten: Nachdem es mittlerweile schon nach 24 Uhr war, waren dann doch alle froh als es in Richtung Koje ging. Am nächsten Tag war Kultur angesagt, vormittags war weitestgehend freies Handeln angesagt (ich fuhr z.B. nach Modena) und nachmittags besuchten wir ein Landgut mit einer schönen Sammlung automobiler Schätze.
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