Blog Tiescher

  • Einträge
    2
  • Kommentare
    14
  • Aufrufe
    462

Über diesen Blog

Einträge in diesem Blog

Tiescher

2. Oktoberfest Ho Chi Minh City

Ja, richtig gelesen, Oktoberfest. Quasi der Höhepunkt des Jahres, veranstaltet von der „German-Business-Assosiation“.

Das Oktoberfest findet an nur einem Abend statt, in einem sehr großen Veranstaltungssaal eines Hotels. Insgesamt mehrere tausend Gäste. Unsere Firma ist als einer der Sponsoren mit ca. 150 Tickets präsent, eingeladen sind die Führungskräfte von den Baustellen, das Büropersonal und die Kunden sowie ausgewählte Gäste.

Unsere Bürodamen haben sich alle eine Art Dirndl schneidern lassen, mich als Fischkopp hat die ganze Sache eher überrascht, nächstes Jahr trete ich da dann in entsprechendem Outfit auf.

Der Abend war quasi „All-inklusive“, also Essen und Bier (und Bierkrug) im Preis inbegriffen, lediglich andere alkoholische Getränke mussten bezahlt werden.

Geboten wurden bayrische Spezialitäten, mit entsprechender bilingualer Beschilderung. Dazu spielte eine Live-Band auf, von aktuellen Liedern bis hin zu „In München steht ein Hofbräuhaus“ und einigen Wiesn-typischen Stimmungshits. Man stelle sich bitte hunderte von zierlichen Vietnamesen und vor allem Vietnamesinnen vor, die sich die Birne zuschütten. Schön. Einfach schön.

Schon nach wenigen Augenblicken stand die ganze Bande auf den Tischen und Bänken und die Stimmung war am Toben. Die Vietnamesen lieben sowieso Deutschland, Wurtschen und Bier, entsprechend ging es hoch her.

Leider hat bei mir die lange ziemliche Abstinenz in Kairo vom Alkohol, gepaart mit dem hektischen Genuss von mehreren Lagen Jagermeister zum frisch Gezapften und der Zwang, mit diversen Kollegen, Kunden und mir völlig unbekannten Schönheiten trinken zu müssen, einen relativ kurzen Abend beschert. Bevor es zu peinlich wurde, habe ich das Weite gesucht.

Die doch teilweise sehr privaten Bilder stelle ich hier mal lieber nicht rein. Auch aus Rücksicht auf die KollegenInnen....

Tiescher

Leben und Arbeiten in Vietnam

Vietnam Blog

Es geht los!

Nach dem langen Einsatz in Kairo sollte es nun nach Vietnam gehen. Passte mir eigentlich ganz gut, mal wieder weg von den vollverschleierten Pinguinen in Ägypten zu dem bunten Treiben in Fernost.

Vietnam, da denkt man (also ich jedenfalls) erst mal an den Krieg, an Sozialismus, Tunnelbauer, Napalm, Zigarettenschmuggler und Boat-People.

In der Realität schaut es denn doch ein wenig anders aus.

Erst mal etwas chronologisch, die Einreise. Wir sind mit Sack und Pack, also in unserem Falle das „wir“ Frau und 7 Monate alte Tochter und „Sack & Pack“, also Koffer, Taschen, Kinderwagen, Kindersitz etc. zum Flughafen München gegondelt. Dort der erste kleine Schock, bei Thai Airways sollte heute das Kilo Übergepäck 48,- Euro kosten! Ein kleiner Blick auf die 95 kg, die wir dabei hatten, abzüglich der 2 x 20 kg und 1 x 10 kg plus Kinderwagen als Freigepäck standen uns Gebühren von 45 x 48,- Euro bevor, also mal eben schlappe 2,160 Euro!

Ha, ich bin ja nicht doof und hab nach einem Business-Class-Upgrade gefragt, kein Problem, kostet pro Erwachsener 650,- Euro, also viel günstiger. Allerdings befördert Thai Airways keine Kinder in der Business-Class … wieder zurück zum Übergepäck. Wir haben dann noch ein paar Kilo runter gehandelt und waren schließlich mit 1.380,- Euro dabei und saßen noch immer in der Holzklasse. Zählt zum Glück zu den Umzugskosten, die die Firma übernimmt, trotzdem wollte ich den neuen Chef nicht gleich zu Anfang so schocken.

Zusätzlich war noch eine Kiste mit Haushaltskram aus Kairo per Luftfracht unterwegs, die war dann vergleichsweise ein Schnäppchen.

Erster Zwischenstopp in Bangkok, ein paar Stunden Aufenthalt. Dort dachte ich, die Asiaten vermehren sich irgendwie anders, oder kommen als Erwachsene auf die Welt. Wo auch immer wir mit dem Baby auftauchten, war eine Menschentraube um uns rum, alle wollten das Kind mit den blauen Augen anschauen oder noch lieber anfassen und auf den Arm nehmen. Noch immer bricht hier in Saigon der Bürobetrieb zusammen, wenn meine Frau mit der Kleinen mal vorbei kommt.

Ein paar Bilder vom nett gestalteten Flughafen Bangkok, nicht so Klasse wie Singapur, aber auch nicht schlecht.

In Ho Chi Minh City (ich schreib ab hier Saigon oder HCM, das ist mir sonst zu lang) hatten wir eine einfache Einreise, nach einer problemlosen „Visa on Arrival“-Prozedur und auch alle Koffer wieder gefunden, hat uns der Fahrer in unser vorübergehendes Quartier gebracht: Somerset Residence – Serviced Apartments“

Was sind „Serviced Apartments“? Hierbei handelt es sich um eine Wohnanlage mit voll ausgestatteten Wohnungen, inklusive Küche, Töpfe, Teller, WLAN, usw. , wo aber trotzdem jeden Tag ein Reinigungsteam kommt und mehr oder weniger gut sauber macht und auch die Handtücher und Bettwäsche tauscht.

Die Anlage besteht aus drei Wohnblöcken mit je 12 Stockwerken, einem Restaurant, einem Pool, einem Kinderpool, Kinderspielplatz drinnen und draußen, einem kleinen Shop und einem Fitnessraum. Lässt sich ganz gut aushalten, wir haben eine Drei-Zimmer-Wohnung mit zwei Badezimmern im 12. Stockwerk, Blick über die Stadt.

Die Bilder geben schon einen kleinen Eindruck, wie HCM heute ausschaut. Viele neue, moderne Hochhäuser verdrängen die traditionellen, schmalen und bis zu 5 Stockwerke hohen Häuser.

Unser Quartier direkt in der lauten, quirligen Stadt war aber nur vorübergehend geplant, wir wollten uns hier vor Ort umsehen und dann beschließen, wo wir endgültig wohnen wollen. Der Wohnungssuche widme ich aber ein extra Kapitel.

1. Straßenverkehr

Von Kairo her war ich ja schon Kummer gewöhnt, in HCM ist es nicht viel besser, nur halt sehr anders. Autos sind hier eigentlich nur Taxen, Firmenwagen und Privatwagen der sehr reichen Bürger. Dazu kommen relativ wenig Busse, Straßenbahn oder gar eine U-Bahn gibt es nicht. 95% des Verkehrs sind Motorroller und ein paar Fahrräder.

Bei den Autos gibt es fast nur ein Modell, der „Toyota Innova“ ist hier das Standartfahrzeug schlechthin. Es handelt sich um einen bis zu 7-Sitzigen Mini-Van, der wohl speziell für Asien gebaut wird, Link siehe hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Toyota_Innova

Bilder bei Google Bilder:

http://www.google.de/images?hl=de&rlz=&q=toyota%20innova&um=1&ie=UTF-8&source=og&sa=N&tab=wi

Nachteil ist, dass die Firmenwagen Innovas alle gleich aussehen, sie sind silbern, grau oder bronzefarben. Ich musste die ersten Tage immer nach dem Kennzeichen schauen, um „meinen“ silbernen Wagen zu finden. Ausländische Führerscheine werden in Vietnam nicht anerkannt, internationale auch nicht, wir bewegen und hier mit gemieteten Wagen mit Fahrern durch die Gegend. Ich hätte hier auch keinen Spaß zu fahren.

Die Taxen sind auch fast alle Innovas, eigentlich ganz praktisch, weil viel rein passt. Die privaten Autos der Premium-Klasse sind dann aber auch mal in anderen Farben, ein rotes Auto fällt hier total auf. So stehen im Showroom von Audi und BMW schon oft mal rote oder gelbe Fahrzeuge. Wie in jeder Großstadt der Welt gibt es genügend Leute mit viel Geld, entsprechend viele Bentleys, AMGs und andere teure SUVs und Limousinen sieht man auf der Straße, Sportwagen eher weniger, was aber auch verständlich ist.

Mercedes fast nur als AMG-Versionen, Porsche fast nur als Cayenne, BMW recht wenig, Audi oft in den RS-Versionen (oder wie das bei Audi heißt, ich hab zu denen irgendwie keinen Draht). Dazu noch Geländewagen aller Typen, Toyota, Ford (US-Versionen), Infiniti FX, Lexus RX / LX etc.

Standartverkehrsmittel ist der Roller. Jeder hat so ein Ding, und die Stadt ist voll auf Roller eingerichtet. Die rechten Fahrspuren sind für Roller reserviert, die Autos fahren auf der linken Spur. Heißt dann aber, dass man sich auch bei Rechts abbiegen durch die Roller kämpfen muss. Links abbiegen geht so, dass man einfach wenn die Ampel grün wird wild mit den Fernlichtern und der Hupe auf sich aufmerksam macht und dann versucht, durch den Gegenverkehr bestehend aus Rollern und Autos nach links durch zu kommen. Also stehen erst mal wieder alle und blockieren sich gegenseitig. Vorfahrt ist, wie in vielen Ländern, nach Größe geregelt. Busse fahren, wie sie Lust haben, dafür machen sie Musik oder lautes Hupen, wenn sie blinken. Dann kommen LKW und PKW, danach die Roller und am Ende der Nahrungskette stehen Fußgänger, quasi das Freiwild auf den Straßen.

Roller werden vor den Geschäften auf dem Gehweg geparkt, ohne Rücksicht auf Fußgänger und Zugang zu den Geschäften. Eventuell notwendige Umparkungen werden von den überall anzutreffenden Park-Mukkeln erledigt. Diese geben auch dem Fahrer eine Art Parkschein und schreiben ein paar Hieroglyphen mit Kreide auf die Sitzbank. Anschließen kassieren sie die Parkgebühren.

In großen Gebäuden, wie unserem Bürogebäude, gibt es im Untergeschoß zwei Parkebenen, die obere für Autos und die darunter, die nur über einen 2,5m breite Rampe zu erreichen ist, nur für Roller.

Für Fußgänger gibt es im Internet Anweisungen, wie man eine Straße überquert. Einfach im rechten Winkel langsam und gleichmäßig rüber gehen, der Verkehr fließt drum rum. Lediglich bei Autos und LKW sollte man einen Blick riskieren, denn diese fließen nicht drum rum, sondern halten drauf. Funktioniert im Alltag erstaunlich gut.

In der Stadt bewegt sich der Verkehr nur im Schneckentempo, es werden grundsätzlich keine anderen Fahrzeuge in die Spur gelassen und auf Kreuzungen versucht man sich gegenseitig bestmöglich zu behindern. Ich habe heute mal auf dem Infodisplay rumgedrückt, wir haben einen langmonatigen Schnitt von 14,3 km/h!

An Kreuzungen ohne Ampeln herrscht unbeschreibliches Chaos. Jeder fährt in irgendeinem Winkel irgendwie dahin, wo er hin will. Kreuzungen mit Ampeln sind nicht viel besser, haben dazu noch den Nachteil, dass die Phasendauer mit Displays angezeigt wird. In Folge dessen fahren die ersten los, wenn noch 3 Sekunden Rot sind, während der Querverkehr noch bei Rot 3 Sekunden weiter läuft. So kann man mal richtig gepflegt seinen Roller in mehrere Teile zerlegen. Außerhalb der Innenstadt wird so etwas auch bei höheren Geschwindigkeiten praktiziert, man kann schreckliche Unfälle sehen, zerfetzte Roller und schwer Verletzte oder gar tote Leute am Straßenrand. Vietnam gilt als eines der Länder der Erde mit den meisten Opfern im Verkehr.

Ursache sicherlich auch der steigende Lebensstandart der Einwohner zusammen mit fallenden Preisen für den billig Rollerschrott aus Fernost: Dramatisch zunehmende Zahl an Rollerfahrern. Öffentlicher Nahverkehr ist fast nicht vorhanden, was sollen die Leute denn auch sonst machen, um zur Arbeit zu kommen?

Hier ein Artikel dazu mit einem schönen Bild vom Alltag:

http://nikke005.multiply.com/journal/item/269/269

Inzwischen ist Helmpflicht und es halten sich auch fast alle dran (weil sie keinen Bock haben, von den Polizisten rausgewinkt zu werden und zu löhnen). Es gibt sehr modische Exemplare, deren Nutzen ich allerdings bezweifle. Ebenso die Variante, den Helm über dem Strohhut zu tragen. Youtube bietet eine Fülle von Filmchen mit den Suchbegriffen Vietnam und Verkehr.

Eigentlich ist die Regenzeit zu Ende, aber irgendwie weiß sie das noch nicht. Neulich hat es mal wieder sehr intensiv geregnet, so ein richtiger tropischer Regenguss bei dem „ordentlich was runter kommt“. Nach ca. 1 Stunden Regen bin ich von der Baustelle zurück ins Büro gefahren. Dabei konnte man sehen, dass die Hauptstraße von HCM schon stellenweise bis zu 50 cm unter Wasser stand. Bei den geparkten SUV ging das Wasser bis an die Türen, bei Kleinwagen auch etwas höher. Ich hab ein paar Minuten aus dem Auto raus gefilmt (Ton ist nicht Original, sollte die Gespräche im Auto übertönen, hab ich rein gespielt):

Wenn das Wasser zu hoch wird, steigen die Rollerfahrer dann ab und schieben, oder warten, dass es aufhört.

In dem Stadtteil, wohin wir demnächst hin ziehen, ist mondphasenabhängig einmal im Monat die Straße einen halben Meter unter Wasser, auch ohne dass es regnet. Dann drückt das Wasser vom Saigon-River einfach hoch und überflutet die Gegend. Die Leute haben sich aber dran gewöhnt und der Alltag läuft mit ein paar Sandsäcken vor der Ladentür einfach weiter.

Wir ziehen allerdings in den 14. Stock und haben einen gut gefüllten Supermarkt im Hochpaterre.

Wenn ich mal wieder Zeit hab, geht das hier weiter. Bilder und Ideen hab ich schon gesammelt!