Wenn der über 100 PS stärkere, allradangetriebene
Lamborghini Murciélago LP640, den Du in der Vormittagssonne Arizonas auf dem rauen Asphalt des Phoenix International Raceway im
Lamborghini Gallardo Superleggera vor dich hertreibst, in den Kurven beginnt zu schwänzeln, dann verdammt noch mal weißt Du dass Du sehr, sehr schnell bist...
Bin den neuen
Lamborghini Gallardo Superleggera Ende März auf dem Phoenix International Raceway in Phoenix/Arizona, USA, sowie heute im Stadtverkehr, auf der Autobahn und einem kleinen Rundkurs südöstlich von Hamburg gefahren.
Ist schon der "normale" Gallardo vor allem Dank Allradantrieb eines der fahraktivsten und zackigsten Automobile auf Erden, so stellt der Superleggera durch punktuelle Verbesserungen eine weitere fahrdynamische Steigerung da. Aber der Reihe nach:
Eine veritable Phalanx an Gallardo Superleggera erwartete mich, als ich am frühen Vormittag auf der Rennstrecke eintraf.
Unschwer zu erkennen dass jede der vier erhältlichen Farbkombinationen vertreten war, ebenso wie jede erhältliche Sonderausstattung. Nach dem Briefing inkl. zwei Muffins und einem halben Liter Coca-Cola ging es auf die Rennstrecke, ich entschied mich mit einem Kollegen für ein Exemplar mit Pirelli Pzero Corsa – Bereifung, Carbon-Keramik-Bremsanlage sowie Heckflügel, jedoch ohne Multimedia- und Navigationssystem. Wollten doch mal sehen, ob der zwar mit lediglich einem Werks-Testfahrer besetzte, jedoch normal bereifte Murciélago LP640, der auf der Rennstrecke die Pace vorgeben soll, nicht zumindest in die Bredouille gebracht werden konnte

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Also die Dank serienmäßiger Carbon-Innenverkleidung und Carbon-Außenspiegel leichte Tür geöffnet und mich in die recht bequemen da nicht zu engen Sportschalensitze fallen gelassen. Jene sind ebenso wie der gesamte Innenraum in Alcantara gehalten – sehr, sehr sexy

. Es fällt die verschwenderische Verwendung von Carbon auf, die Türverkleidung habe ich bereits angesprochen, dazu der Mitteltunnel sowie auf Wunsch verschiedenste Parts im Innenraum, vom Handbremshebel bis zur Verkleidung des Radio-Cover inkl. "
Lamborghini"-Schriftzug.
Den Vierpunkt-Gurt fest angezogen..., den Vierpunkt-Gurt wieder gelöst und die Tür geschlossen

, den Vierpunkt-Gurt nochmals fest angezogen, die Außenspiegel in eine perfekte Position – herangeklappt, bringt drei km/h auf den Geraden

– gebracht und den Motor wie es sich gehört per Zündschlüssel gestartet. Holla die Waldfee, da hat aber einer zugelegt! Selbst am 250 Meilen entfernten Grand Canyon scheint das Gebrüll der gut ein Dutzend Gallardo Superleggera noch vernehmbar zu sein. Gegenüber einem Gallardo ein kleines bisschen lauter, aber in punkto Klang deutlich ungehobelter und "Rennwagen-mäßiger", auch an der Auspuffanlage wurde scheinbar am Dämmmaterial gespart.
Schon auf den ersten dahingerollten Metern beeindruckt die deutlich leichtgängigere Lenkung. Wobei die Lenkung des "normalen" Gallardo nicht schwergängig ist (vor allem im Vergleich zu einem Murciélago), nur ist eben jene des Gallardo Superleggera noch leichtgängiger. Kaum auf dem Kurs schießt der Gallardo Superleggera wie von der Tarantel gestochen nach vorne, wie auf dem Papier bereits bestätigt (3,7 s auf 100 km/h!) tatsächlich auch gefühlt schneller und leichtfüßiger als ein "normaler" Gallardo. Dies bestätigte auch die heutige Fahrt auf der Rennstrecke, subjektiv bewegt sich der Gallardo Superleggera in Punkto Längsbeschleunigung auf den Spuren des ultimativen Murciélago LP640

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Der Kurs in Phoenix bestand aus einem Teil des klassischen US-Amerikanischen Ovals, entschärft durch eine Barrikade sowie dem anspruchsvollen da schnellen, kurvenreichen, zum Teil uneinsehbaren und mit verschieden Asphaltbelägen versehenen Infield – ein perfektes Terrain für den Gallardo Superleggera. Dank der Sportreifen ist die Traktion unfassbar, Kurvengeschwindigkeiten jenseits von gut und böse werden beliebig reproduzierbar. Der Grenzbereich kündigt sich langsam und berechenbar weniger durch Unter- oder Übersteuern sondern ein Heraustragen über alle vier Räder an – zuvor jedoch blinkt die ESP-Warnleuchte im Kombiinstrument auf und macht ebenso freundlich aber unmissverständlich klar dass der Grenzbereich nun begonnen hat, vorbildlich diesseits des wettbewerbsmäßig betriebenen Motorsports.
Eineinhalb Stunden mit mehreren kurzen Pausen jagten wir die Gallardo Superleggera in Phoenix um den Kurs, die Carbon-Keramikbremse zeigte hierbei keinerlei Wirkungsverlust, die Reifen jedoch machten zunächst mit Reibungsgeräuschen und später mit leichtem Verlust an Traktion klar das der raue Asphalt in Phoenix der Gummimischung der Sportreifen merklich zusetzte. Wie auch die erreichten Kurvengeschwindigkeiten meinem Magen, stetig bahnten sich die Coca-Cola und die Muffins ihren Weg entlang der Magenwand wieder nach oben

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Nichtsdestotrotz kamen in Phoenix die wieselflinken Gallardo Superleggera den Murciélago LP640 mit der Zeit verflixt nahe, es müssen in letzteren schon Könner am Volant sitzen um die relativ einfach und sicher zu bewegenden Gallardo Superleggera hinter sich zu halten. Denn dies war schon immer, ist und bleibt eine der herausragenden Eigenschaften des Gallardo: Er ist verdammt sicher, sehr einfach und ohne Zicken schnell zu bewegen, auch am sich berechnend ankündigenden Grenzbereich.
Dies zeigte auch der heutige Tag, an dem ich den Gallardo Superleggera zunächst durch den Hamburger Stadtverkehr bugsierte. Hier zeigte sich dass eine kalte Carbon-Keramik-Bremsanlage mit Bedacht dosiert werden will, und es zeigte sich oft, denn man ist permanent zu schnell unterwegs, gefühlte 50 km/h entpuppen sich beim Blick auf den weissen Tachometer als pro Achse zu zählend. Immer wieder schön dabei die Reaktionen auf den Straßen: Von schlecht geschauspielerter Ignoranz fahrradfahrender Mitbürger bis hin zu den mehrheitlich freundlich lächelnden Blicken der anderen Verkehrsteilnehmer, aus den Café’s und von den Bürgersteigen ist alles dabei. Bei aller Nähe zum Rennsport genießt man eine gewisse Art von Alltagstauglichkeit: Die Navigation weist den Weg, die Klimaanlage ist eine der wirksamsten der Welt und das Lifting-System für die Vorderachse nimmt jegliche Angst vor Bordsteinkanten. Im Grunde könnte man den Gallardo Superleggera jeden Tag fahren

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Wohler als auf den geschwindigkeitsbegrenzten Straßen der Hamburger Innenstadt jedoch fühlt sich der Gallardo Superleggera auf der Autobahn. Einen derart sturen Geradeauslauf findet man heute nur noch bei ehemaligen Radsport-Profis auf dem Weg zur eigenen Unglaubwürdigkeit. Das Fahrverhalten selbst bei Tempi um 300 km/h auf Autobahnen, die ausschließlich aus Längs- und Querrillen zu bestehen scheinen ist vorbildlich und beherrschbar. Die Bremswirkung ist enorm, man ist um die Unbeweglichkeit des eigenen Körpers in den martialischen Vierpunkt-Gurten hoch erfreut. Das Überholprestige eines gelben
Lamborghini mit Xenonlicht im Rückspiegel ist wohl nur noch durch jenes der eigenen Schwiegermutter am Steuer eines Raketen-getriebenen 40-Tonners zu übertreffen, mit Tempo 180 machte dann sogar ein Streifenwagen der Autobahnpolizei freundlich Platz, beherrscht schlichen wir vorbei, um 500 Meter weiter in den 5. Gang zurück zu schalten

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Auf der Rennstrecke bestätigte sich eindrucksvoll der erste positive Eindruck von Phoenix. Ich habe noch nie so ein gleichzeitig konkurrenzlos schnelles und dabei narrensicheres Fahrzeug bewegen dürfen, es war eine einzige Freude. Dieses gleichmäßige Einlenkverhalten, die zu Tränen der Freude rührende Traktion in jeglichen Fahrsituationen – heraus beschleunigen aus Kurven, sprunghaftes Beschleunigen aus niedrigen Geschwindigkeiten, schnelle Fahrt in winkligen S-Kurven als auch in langgezogenen Kurven – sowie die einem Ankerwurf gleich zupackenden und in ihrer Wirkung nicht nachlassenden Bremsen habe ich so noch bei keinem Sportwagen erlebt – der absolute Wahnsinn

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Der Gallardo Superleggera ist ein alltagstauglicher Straßenrennwagen, dessen beeindruckende und einzigartige Optik wie auch beim "normalen" Gallardo nicht zuviel verspricht. Hier treffen Performance und Rennsport auf italienisches Design, Style und Liebe zum Detail. Die bereits kolportierte Rundenzeit auf der Nordschleife von 7:46 min ist eindrucksvoller Beweis der Leistungsfähigkeit des
Lamborghini Gallardo Superleggera und passt in das Bild dieser neuen, seit Anbeginn in ihrer Klasse für Furore sorgenden Modellbaureihe von
Lamborghini. Hut ab.
