Lamborghini Countach
Ein Modell mit dem Ansehen des Miura zu ersetzen, wäre für jeden Automobil Hersteller eine beängstigende Vorstellung gewesen, aber
Lamborghini war schließlich nicht irgendein Kfz-Bauer. Das neue Superauto debütierte 1971 und wurde „
Countach“ getauft, ein Dialektausdruck aus Norditalien, den ein staunender Arbeiter ausgestoßen haben soll, als er das neue Fahrzeug zum ersten Mal sah.
Wie der Miura hatte der Wagen einen Mittelmotor. Dieses V 12-Triebwerk wurde auf einen Hubraum von fünf Litern vergrößert und längs statt quer eingebaut. Chefingenieur Paolo Stanzani entschloss sich, das Fünfganggetriebe in der Mitte des Fahrzeugs neben dem Fahrer unterzubringen. Wegen des Heckantriebs lag die Antriebswelle innerhalb einer versiegelten Röhre durch die Motorölwanne.
Lamborghini wandte sich wieder einmal an Marcello Gandini von Bertone, um eine passende Karosserie für diese unkonventionelle Mechanik zu entwerfen, und er enttäuschte nicht. Das Ergebnis war eine automobile Skulptur höchster Qualität, ein verwegenes keilförmiges Coupé mit Klappscheinwerfern und einprägsamen nach oben öffnenden Türen.
Der erste
Countach wurde rechtzeitig zum Genfer Salon 1971 fertig, wo er so begeistert aufgenommen wurde, dass
Lamborghini überzeugt war, einen würdigen Nachfolger für den Miura gefunden zu haben. Dennoch dauerte es noch drei Jahre, bis der erste Serien-
Countach das Werk in Sant‘Agata Bolognese verließ. Der vergrößerte Vl2-Motor hatte sich bei den Tests in Wohlgefallen aufgelöst, sodass man den ursprünglichen 375 PS starken 3,9-1-Motor einsetzte.
Technische Daten -
Lamborghini Countach (3,9 Liter)
Motor - mittig längs
Bauart - V 12
Bohrung x Hub - 82 x 62 mm
Hubraum - 3929 ccm
Ventilsteuerung - zwei oben liegende Nockenwellen pro Zylinderreihe
Leistung - 375 PS (277 kV bei 8000 U/min
Getriebe - Fünfganggetriebe
Antrieb - Hinterachse
Chassis - Stahlrohrrahmen
Radaufhängung vorn - Dreiecks und Schraubenfedern
Radaufhängung hinten - Dreiecks und Schraubenfedern
Bremsen - Innenbelüftete Scheibenbremsen
Höchstgeschwindigkeit - 282 km/h
Beschleunigung - 0—100 kn,/h: 5,6 sek
Das Modell war dennoch schneller als sein Vorgänger und erreichte bei einer Beschleunigung von 0 auf 160 km/h in gut 13 Sekunden rund 282 km/h. Und wenn Fahrer und Beifahrer auch einige Probleme beim Ein und Aussteigen haben — was soll‘s?
Die Originalversion überlebte bis 1978, als sie vom
Countach S mit breiteren Campagnolo-Leichtmetallfelgen abgelöst wurde - die Radkästen wurden entsprechend erweitert. Ein Heckflügel, der dem Wagen ein aerodynamischeres Aussehen gab, wurde zu einem beliebten (wenn auch nicht ganz notwendigen) Extra.
1982 wurde derVl2-Motor auf 4,7 Liter vergrößert, und das Fahrzeug hieß jetzt LP5000S. Weitere Veränderungen waren im Gange, und 1985 wurde der Hubraum nochmals auf 5,2 Liter erhöht, und der Motor bekam doppelte Nockenwellen und Vierventil Zylinderköpfe. Mit nunmehr 455 PS war der so entstandene 5000QV (für „quattro valvole“ = vier Ventile) bei einer Spitze von 286 km/h schneller und nach Meinung seiner Besitzer auch leichter zu fahren, dank des besseren Drehmoments seines Motors.
Dem QV war eine vierjährige Produktionsdauer beschieden. 1988 stellte
Lamborghini zum 25. Jahrestag seines ersten Pkws ein Jubiläumsmodell mit leicht überarbeiteter Karosserie vor. Im Juli 1990 wurde der
Countach nach 1549 Exemplaren eingestellt.
Obwohl der 5-l-V12-Motor, der ursprünglich für den
Countach entwickelt worden war, auf Eis gelegt wurde, baute man ein zweites Exemplar, und die Geschichte dahinter bietet ein weiteres faszinierendes Kapitel der
Countach-Historie.
Lamborghini-Fan Walter Woolf, der Besitzer des allerletzten Miura, spielte ebenfalls eine bedeutende Rolle in der Entwicklung des stark verbesserten
Countach S von 1978. Der in Österreich geborene Kanadier, der mit Ölbohrausrüstungen zum Millionär geworden war, unterstrich sein Motorsport-Engagement 1976 mit der Gründung eines eigenen Formel-1-Rennstalls.
Im Jahre 1974 wurde ihm ein roter
Countach angeliefert, angeblich das erste Fahrzeug, das vom Band gelaufen war. Woolf schaffte es, das Werk in Sant‘ Agata zu veranlassen, einen zweiten Fünflitermotor von jenem Typ zu bauen, der den
Countach-Prototypen angetrieben hatte und der sich bei den Tests 1971 auf spektakuläre Weise verabschiedet hatte. Dieser spezielle VI 2-Motor hatte einen Hubraum von 4971 ccm, ein Innenmaß von 85 mm x 73 mm und eine Leistung von 440 PS bei 7400 U/min. Er wurde auftragsgemäß in Woolfs ersten
Countach eingebaut, der auch einen beweglichen Heckspoiler erhielt, breite Pirelli-P7- Reifen und plump verbreiterte Radkästen. Und so wurde der
Countach S geboren.
Als Woolf den Wagen einem japanischen Fan verkaufte, behielt er den Motor und baute ihn in einen zweiten
Countach ein, den er 1976 erworben hatte. Dieses Fahrzeug war innen und außen in den Farben seines Rennstalls, dunkelblau und goldfarben, gehalten. Das Auto war zudem mit einem Lautsprecher- System für öffentliche Durchsagen ausgerüstet.
Der 5-l-V 12-Motor wurde auch in Woolfs dritten
Countach eingebaut, dessen Bremsen und Kupplung verbessert wurden, um den Anforderungen des stärkeren Motors gerecht zu werden.
Er war von diesen Veränderungen so begeistert,
dass er Giampaolo Dallara, den Schöpfer des Miura,
der zu De Tomaso abgewandert war, dafür bezahlte, zu
seinem früheren Arbeitgeber zurückzukehren, um die Serienfahrzeuge in der gleichen Weise aufzupeppen. Das Ergebnis war der deutlich verbesserte
Countach S.
Auch die Räder wurden verändert. Woolf hatte bereits die so genannten „Wählscheiben von Campagnolo angebracht, und die passenden Radkastenverbreiterungen aus Glasfaser, zusammen mit einem Frontspoiler, trugen zu einer optischen Aufwertung bei, an der man das Modell erkennen konnte.
Da
Lamborghini letztendlich den Hubraum des V12-Motors 1982 auf 4754 ccm vergrößerte, besaß der neue Motor andere Abmessungen als der ursprüngliche Fünflitermotor. Eine dritte Streckung fand 1985 statt, als der Hubraum nochmals auf 5167 ccm vergrößert wurde und der Motor Vierventilzylinderköpfe erhielt.
Dies war also die Rolle, die der gut betuchte und begeisterte Walter Woolf in der Geschichte von
Lamborghini spielte. Tatsächlich war er an einem Punkt sogar kurz davor, die ganze Firma zu kaufen, aber angesichts zukünftiger Ereignisse setzten sich zum Glück weisere Berater durch!
Gruss Winni