Fahrbericht BMW M3 CSL – von HighSpeed 250
Irgendwann im August bei meinem BMW-Vertrauensmann in der Hauptniederlassung München:
„Wie siehts aus, ich würde gerne mal nen
M3 für eine Wochenendausfahrt ausführen? Bin da bei ein paar Verrückten dabei, die ordentlich Gas geben, und wir machen da so eine gemeinsame Tour in den Bergen.“
BMW-Mann: „Mal sehen. Wann soll das sein?“
„Samstag, 6. September ist Ausfahrt. Auto von Freitag bis Montag.“
BMW-Mann: „Wieviele Kilometer?“
„500 bis 600“.
BMW-Mann (wird bleich): „Normal gehen nur 250 ... muß ich erst nachfragen.“
„Darunter zahlt es sich nicht aus.“
BMW-Mann: „Hm, ja ich hätte einen
M3 für diese Zeit.“
„Mit SMG natürlich.“
BMW-Mann: „Nein, der ist Schalter“.
„Nein, kommt nicht in die Tüte. Kommt nur
M3 mit SMG in Frage. Wenn schon, denn schon.“
BMW-Mann: „Hab ich aber nicht. Darf es ein CSL auch sein, der hätte SMG.“
„Ähmm, nun ja, wenn es nun wirklich nicht anders geht, und bevor ich mich schlagen lasse, dann nehm ich in Gottes Namen halt auch den, aber wirklich nur ausnahmsweise...“ (bloß nichts anmerken lassen, yeahyeahyeahyeah jappadappaduuu oberhammeraffengeil!!!)
Freitag, 5.September 2003, 14.30 Uhr, Hauptniederlassung
Erstmals halte ich den Schlüssel in der Hand. Und dann gehe ich in Begleitung meines BMW-Mannes auf den Parkplatz. Da steht er schon. Saphirschwarz blinkt er in der Sonne. Die 4 Auspuffrohre grinsen mich förmlich an. Und der Heckspoiler zeugt davon , daß dies kein normaler
M3 ist, sondern das Top-Sport-Gerät aus dem Hause BMW: der
M3 CSL.
BMW setzt damit die Tradition fort. In den 70er Jahren gab es den legendären 3.0 CSL und einige Derivate, erfolgreich im Rennsport. Dann gab es lange nichts mehr. Bis sich BMW seiner Vergangenheit erinnerte, nicht zuletzt wahrscheinlich deshalb, um auch der sportlichen Konkurrenz wieder etwas Adäquates entgegensetzen zu können. Die Neuauflage hat mit dem damaligen Modell natürlich nichts mehr gemeinsam. Außer eines, das Kürzel:
„CSL“ steht für Leichtbau. Das bedeutet, leichter zu sein als die „normale“
M3-Ausführung. Und das bedeutet heutzutage, daß Teile des Autos aus Carbon gefertigt sind, z.B. das Dach, die Türen, Mittelkonsole, Teile der Front- und Heckschürze usw. Dann wurden verschiedene Dinge überhaupt weggelassen, z.B. Dämm-Material, wofür noch später die Geräuschkulisse den Beweis liefern würde. In Summe bedeutet das ca. 140 kg Gewichtsersparnis.
Wenn einer meint, das wärs dann schon, der irrt. Der CSL ist nicht nur leichter, er ist auch vielen anderen Teilen modifiziert. Ein anderes Fahrwerk, abgestimmt auf die erhältlichen Sportreifen – eine Art verkappter Slicks mit weicherer Gummimischung -, andere Bremsen, bis hin zum Motor, der im CSL 360 PS anstatt 343 PS im
M3 liefert. Optisch erkennt man dies bei geöffneter Motorhaube daran, daß sich ein völlig veränderter Ansaugtrakt entgegenstreckt, natürlich aus Carbon, mit einer ofenrohrgroßen Ansaugöffnung.
Zuerst spazieren wir um das Auto, um die vorhandenen „Schäden“ festzustellen. Da hat einer beim Einparken die Felgen schon ein bißchen angekratzt. Nur die hinten links war noch völlig unbeschädigt. Sonst war das Auto in einem top Zustand. Naja, bei erst 3.455 km sollte das ja auch so sein. Ein kleiner Hinweis noch, daß die niedrige Frontschürze, natürlich auch aus Carbon, bei Gehsteigen gefährdet sein könnte.
Verabschiedung. Nun bin ich allein mit ihm. Ein breites Grinsen macht sich in meinem Gesicht breit, in der Vorfreude, was da jetzt kommen mag. Ich falte mich hinein, denn das sind natürlich keine normalen Sitze, sondern Schalensitze mit rauhem Alcantara-Bezug, zum einen leicht und zum anderen für optimalen Seitenhalt. Auch das Lenkrad hat einen Alcantara-Überzug, für besten Griff und gegen schwitzende Hände, wie man es aus Rennwagen kennt.
Ich drehe den Schlüssel in die erste Stellung, was bewirkt, daß seltsame Geräusche aus dem Motorraum in den Innenraum dringen. Verursacht von allerlei Hilfsaggregaten, die sich nun bereit machen, das Herz dieses Fahrzeuges, das gleich zu schlagen beginnen wird, tatkräftig zu unterstützen.
Den kleinen silberne Schalthebel des SMG-Getriebes etwas nach rechts bewegt, bis eine große Null im Display erscheint – Leerlauf. Dann anlassen.
Ein Schauer läuft mir über den Rücken. Das was an mein Gehör dringt und meinen ganzen Körper durchdringt ist Akkustik vom Feinsten, eine Mischung aus Motor- und Auspuffsound, der keinen Zweifel daran läßt, daß hier Rennsporttechnik am Werk ist.
Als ich mich damit auf den Heimweg mache, fühle ich mich wie Gott in Frankreich. Noch sind wir in der Stadt unterwegs, aber bald, bald werden wir deine Tugenden zur Entfaltung bringen. Einstweilen registriere ich die halb bewundernden, halb neidischen Blicke der Passanten und Verkehrskollegen.
17.15 Uhr
Befinde mich auf der Autobahnumfahrung, auf dem Beifahrersitz meine Freundin. Tacho 260. Freundin still.
Bis die Bemerkung kommt, ja, jetzt klingt er gut. Zuvor meinte sie, als wir noch die normale Straße fuhren, der klingt so komisch, so blechern. Na, Gott sei Dank, konnte ich sie eines Besseren belehren als die Drehzahl 6000 Touren überschritt. Ihr Fazit: ja, oben herum klingt er gut, aber unbequem ist er trotzdem, vor allem diese Sitze, die sind hart und die Lehne kann man auch nicht verstellen, deiner (330 cd) ist mir lieber. Hm, Frau eben.
Ja, etwas puristisch ist er schon. Keine Armlehnen. Der Schalensitz ist hart aber paßt wie angegossen, die Rückenlehne ist steil, der Seitenhalt dafür super. Was fehlt wären höchstens noch Hosenträgergurte anstelle der normalen Dreipunktgurte.
Der Motor ist ein Gedicht. Ansprechverhalten mustergültig. Man kann es ganz gemütlich angehen lassen, und wenn man dann reinsteigt, geht’s los. Zuerst verhalten, dann, je höher die Drehzahl, desto mehr erwacht der Motor zum Leben und ab 6.000 kommt noch einmal der richtige Hammer.
Der Sound dabei ist einfach genial. Im unteren Drehzahlbereich klingt er sonor und voll, dann, mit steigenden Umdrehungen klingt er tatsächlich etwas blechern, um ab 6.000 Touren in rennwagenmäßiges Röhren überzugehen. Wozu Radio, das ist Musik in den Ohren – adagio, allegro, fortissimo.
Man will ihn gar nicht gedämmt haben.
Die Fünfte ausgedreht bis über 8.000 Touren und dann die Sechste. Auch bei hoher Geschwindigkeit liegt der Wagen ruhig auf der Straße. Kleine Lenkkorrekturen sind notwendig, das liegt an den fast profillosen Sportreifen, die schon mal gern einer Rille nachlaufen.
Das SMG tut das seine, um dem Wagen eine höchstsportliche Kompetenz zuzugestehen. Im Automatikmodus schaltet das Getriebe selbständig, aber wer will das bei so einem Auto schon. Das richtige Feeling kommt erst auf, wenn man die Lenkradwippen betätigt und durch kurzes Ziehen die Gänge wechselt. Formeleins-like.
Für Zwischenspurts hervorragend geeignet. Kurzes Ziehen, automatisches Zwischengas, das klingt wie das Bellen eines Dobermanns und der Motor ist in seinem Element. Eine andere Gangschaltung kann man sich nach einiger Zeit gar nicht mehr vorstellen.
Vollbremsung aus 250 - kein Problem. Das Auto bleibt in der Spur, auch wenn du glaubst, du bist gerade einem hinten draufgefahren, so mächtig ist die Verzögerung. Kein Wunder, das sind nicht die normalen Bremsen des
M3, sondern auch CSL-eigene. Und zudem müssen sie auch auch weniger Gewicht verzögern.
Die Straßenlage ist hervorragend, da es kaum eine Seitenneigung gibt, auch die Lastwechselreaktionen halten sich äußerst zurück. Ja, er ist hart, und zusammen mit dem harten Sitz ist der Wagen für den Alltag wirklich nur bedingt komfortauglich, aber als Sportgerät ist er dafür umso besser.
Die Sportreifen sind dabei ebenfalls eine reine Sportkomponente. Die weiche Gummimischung sorgt für eine gute Haftung, widerspricht aber einer langen Lebensdauer, und ein Regen ist für die slickähnlichen Reifen auch nicht gerade ein Segen. Da wird dann aus einer sportlichen Fahrt schnell eine Schleichfahrt, mit der das DSC alle Hände voll zu tun hat. Ich hatte bei der Geradeausfahrt und in Linkskurven leichte Vibrationen, die vom rechten Vorderreifen herrührten. In Rechtskurven war Ruhe. War nicht weiter gefährlich oder störend aber man erkennt daran, daß diese Reifen sehr empflindlich sind, was Reifendruck, Steine oder eine Notbremsung anbelangt. Aggressiveres Fahren läßt sich dadurch erkennen, daß der Übergang von der Lauffläche zur Flanke mehr oder weniger stark aufgerauht ist, wie auf der Allgäu-Tour zu beobachten war.
Samstag, 6. September 2003, Tour d’Allgäu
An diesem Tag gabs die Ausfahrt mit einigen Autoenthusiasten, wo der CSL sich auf kurvigen und bergigen Landstraßen beweisen konnte. Was er dann auch tat. Nicht nur auf langgezogenen Autobahnkurven sondern auch auf engen Bergstraßen mit schnellen Lastwechseln bergauf und bergab läßt sich das Auto sicher beherrschen.
Das SMG ist auch für diesen Zweck sehr gut abgestuft, um jederzeit die notwendige Leistung abzurufen.
Sonntag, 7.September
11.15 Uhr, Garmischer Autobahn. Neben mir sitzt Marius, der bei der Allgäu-Tour dabei war und mir zuvor die Fotos brachte. Vor uns befindet sich ein
Porsche Turbo, möglicherweise ein getunter, zumindest hat er einen nicht serienmäßigen Heckspoiler von Gemballa oder so.
In der Beschleunigung von 200 bis 260 hängte er mich ab. Nicht viel, aber immerhin. Da machen sich halt doch die Turbo-PS bemerkbar. Leider konnte ich nicht testen, wie es bei der Beschleunigung aus niedrigerer Geschwindigkeit ausgesehen hätte, vielleicht hätte sich da der Gewichtsvorteil mehr zu meinen Gunsten bemerkbar gemacht.
Abgebogen von der Autobahn und auf der Rückfahrt auf der Landstraße machten wir dann den Test für die Launch control. Das ist der automatische Traktionsmodus für die Maximalbeschleunigung aus dem Stand.
Drei Versuche brauchten ich, bis es geklappt hat.
DSC aus, 1.Gang, Ganghebel nach vorne drücken und halten. Keine Bremse, dafür Vollgas. Die Drehzahl pendelt sich bei 4.500 Umdrehungen ein. Dann Hebel loslassen. Die Hinterräder drehen durch oder wollen es zumindest bis die Launch control ihre Arbeit verrichtet. Der Wagen schießt nach vorn und im Nu ist der Drehzahlbegrenzer erreicht, was sofortiges Schalten verlangt. Naja, etwas Übung erfordert das schon, aber man sollte es trotzdem nicht zu oft machen, da dies eine enorme Belastung für das Material darstellt.
Montag, 8.30 Uhr
Hauptniederlassung München. Wehmütig übergebe ich meinem BMW-Mann den Schlüssel. Die Bemerkung, daß ich mehr Kilometer gefahren bin als persönlich geplant, scheint ihn nicht zu überraschen. In Summe waren es knapp 800. Und jeder Kilometer war ein Genuß.
Abschließend muß gesagt werden, daß das Auto zwei gravierende Fehler aufweist, der erste läßt sich beseitigen, der zweite nicht. Der erste: Das Auto hat bei 270 km/h abgeriegelt, schade, denn offen soll er ca. 305 gehen, was ich gerne überprüft hätte. Der zweite: Das Auto macht süchtig. Und dagegen hilft kein Mittel.
Euer HighSpeed 250
PS: Habe noch einen eigenen Bericht über die Allgäu-Tour ins Forum Usertreffen gestellt.