Vergangene Woche hatte ich die Möglichkeit, den neuen A6 in 2 Varianten 4 Wochen vor seiner Markteinführung probe zu Fahren. Die Testwagen wurden von Audi in Ingolstadt unserem Audi-Zentrum für mehrere Tage zur Verfügung gestellt.
Getestetes Modell:
1) Audi A6 3.0 TDI quattro, 6-Gang tiptronic: 225PS, 450NM, 243km/h, 42.900€; Laufleistung: ca. 1200km
2) Audi A6 3.2 FSI quattro, 6-Gang tiptronic, 255PS, 330NM, 250km/h, 45.400€; Laufleistung: ca. 500km
Mängel am Testwagen: keine
Der erste Eindruck:
Als ich die Testwagen auf dem Parkplatz stehen sah, war mein erster Kommentar: „Warum denn mit solchen Felgen?“ Aufgezogen waren auf beiden Testwagen 17 Zoll Felgen mit Reifen der Dimension 225/50 R17. Leider wirken sie auf diesem Auto ziemlich verloren (Vgl. mit Bildern). 18 Zoll sind in meinen Augen daher Pflicht.
Er wirkt riesig, wenn man sich im nähert. Nicht weit entfernt stand ein aktueller A8, von seinen Ausmaßen könnte der A6 beinahe Luxusklasse sein. Dieser Eindruck bestätigt sich im Innenraum. Im Vergleich zum Vorgänger deutlich gewachsen und hochwertiger anmutend. Der Kofferraum bewegt sich ebenfalls auf A8 Niveau. Nach einer kurzen Einweisung, seitens des Verkäufers, waren die Erwartungen an dieses Auto groß und ich wollte schnellstmöglich einsteigen und losfahren.
Das Fahren:
Der Diesel:
Schlüssel rein, Startknopf drücken:
„Das soll ein Diesel sein?“ Er ist unglaublich ruhig im Standgeräusch und behält diese Gelassenheit auch während der Fahrt. Wer sich davon überzeugen will, dass er in einem Diesel sitzt sollte das Gaspedal etwas mehr Richtung Bodenblech bewegen. „Aha, also doch..!“. Die gebotene Geräuschkulisse entspricht in etwa der, die man auch im großen A8 4.0TDI vorfindet. Nach meinem Geschmack sehr angenehm, wer Diesel aber ohnehin nicht mag, wird darin jedoch sicher auch kein Kaufargument finden.
Die Leistung des Diesels ist enorm. Die Beschleunigung aus dem Stand verläuft sehr unspektakulär: Tipp aufs Gaspedal, die Nadel bewegt sich sehr zügig im Uhrzeigersinn und man nimmt rasch an Geschwindigkeit zu. Auch Zwischenspurts werden souverän gemeistert. Das Drehmoment ist mit 450NM dieseltypisch hoch, auf der Autobahn und bei Überholvorgängen auf der Landstraße weiß man es zu schätzen.
allgemein;
Die tiptronic ist im Vergleich zum Vorgänger ein „Meisterwerk“. Im Vorgänermodell (zurecht?!) verschrien als unruhig, hektisch, unharmonisch merkt man im neuen A6 kaum etwas von den Schaltvorgängen. Sie ist nur schwer aus der Ruhe zu bringen und macht den A6 noch eine Spur komfortabler. Wie im RS6, dem A8 und dem S4 ist sie im neuen A6 nun auch mittels Schaltpaddeln hinter dem Lenkrad zu betätigen. Sehr nettes Feature, wenn schnelles runterschalten erforderlich ist: Auch in D und S-Stellung verlieren die Paddel ihre Funktion nicht. Manuelles Eingreifen ist somit ständig möglich. Negativ ist mir hierbei lediglich die Anordnung aufgefallen, schnell betätigt man z.B. die Lichthupe anstatt runterzuschalten.
Man fühlt sich wie in seinem eigenen Wohnzimmer, wenn man den A6 Fährt. Alles wirkt sehr edel und hochwertig, der Fortschritt gegenüber dem Vorgänger steckt als nicht nur im Detail. Komfortable Sitze, die schon in der Standardversion ausreichend Seitenhalt bieten waren in dem von mir getesteten Modellen selbstverständlich elektronisch zu verstellen. Die Bedienelemente sind klar angeordnet, wer mit Audi vertraut ist, wird die Bedienungsanleitung wohl nur selten benötigen. Witziges Detail: Im Innenspiegel wird die Fahrtrichtung im Stil eines HUD`s angezeigt, stellt sich nur die Frage: „Wer braucht`s?“
Benziner (FSI):
„Starker Sound!“ Schon beim anlassen musste ich grinsen. Endlich ist es Audi gelungen, bei einem V6 eine schöne Soundkulisse zu erzeugen. Er hört sich an wie eine Mischung aus V8 und BMW R6. Kernig, sportlich, aber nicht zu aggressiv. Die 255PS haben keine Mühe mit den 1680kg der Limousine. Die Werksangabe beträgt 7,1sec für den Sprint auf 100km/h. Mit Rücksicht auf die geringe Laufleistung habe ich nicht versucht diesen Wert zu erreichen, sondern den Wagen generell „schonend“ behandelt. Subjektiv ist bei der Beschleunigung kein Unterschied zum Diesel festzustellen (3.0TDI: 7,3sec 0-100km/h), allerdings wird sie beim Benziner von dem herrlichen Sound untermalt und ist demnach nicht so unspektakulär, sondern beinahe „sportlich“. Im Vergleich zum zuvor gefahrenen Diesel fehlt dem 3.2 jedoch etwas an Leistung. Das Plus an 30PS reicht nicht um den enormen Drehmomentunterschied auszugleichen. Besonders auf der Landstrasse und auf der Autobahn wird dieser Unterschied deutlich. Langsam ist der deshalb trotzdem nicht, er wirkt etwas angestrengter und nicht so souverän. Berücksichtigt man, dass der Testwagen noch nicht eingefahren ist, kann man mit der gebotenen Leistung durchaus zufrieden sein. Um mit einem 530i zu konkurrieren ist dieser Motor wohl genau die richtige Wahl. Ich vermute insgesamt ähnliche Fahrleistungen, einen 530i bin ich jedoch noch nicht gefahren.
allgemein:
Schön zu beobachten: Der A6 fällt auf! Egal ob Audi-Fahrer, Mercedes-Fahrer, Opel-Fahrer oder Fußgänger, der A6 zieht die Blicke auf sich, wie ein H&M Werbeplakat von Heidi Klum.
Das Fahrwerk:
- Autobahn/Landstrasse (allgemein):
Genial. Die Stärken des Fahrwerks werden deutlich, wenn man sowohl unmittelbar vorher, als auch nachher den Vorgänger fährt. Wesentlich ruhiger, direkter und „aktiver“ (= Unebenheiten werden links liegen gelassen). Die Seitenneigung wurde reduziert. Deutlicher Fortschritt. Punkt.
Ich persönlich würde mir jedoch den Einsatz des Luftfahrwerks wünschen, wie es auch im A8 zu finden ist. Die Höhenverstellung ist ein nützliches feature, welches sicherlich oft genutzt würde (nebst der Funktion: „automatic“)
Bremsen:
Die Bremsen packen gut zu - dies tun sie jedoch auch beim Vorgänger.
Wie standfest sie sind konnte ich nicht erfahren. Glaubt man den Audi-Mitarbeitern, so hat sich auch hier der Fortschritt eingeschlichen und es wird nicht mehr zur Notwendigkeit alle 15.000-20.000km die Bremsen komplett tauschen zu müssen. Wir dürfen gespannt sein.
Der Verbrauch:
Diesel:
Der A6 wurde nicht zimperlich bewegt, aber sich auch nicht am Limit. Ca. 10,9l/100km gehen absolut in Ordnung. 8,5l und weniger sind sicherlich machbar. Wesentlich mehr als 11-11,5l traue ich ihm nicht zu.
Benziner:
Fahrweise wie beim Diesel: 12,5l/100km. 10-11l könnte ich mir vorstellen, jedoch auch 16l und mehr. Unter 10l wird sicherlich schwer zu realisieren sein. Zu beachten: Fahrzeug war noch nicht eingefahren.
MMI-Einheit:
Das MMI funktioniert tadellos. Kinderleichte Bedienung, sehr übersichtlich gestaltet. Beide Fahrzeuge hatten das Farbdisplay, welches meiner Meinung nach zur Serienausstattung gehören sollte.
Die Soundanlage hatte einen guten klang, klassenüblich. Verbaut war ein 6-fach CD-Wechsler, 12-fach ist ebenso möglich.
Das DVD-Navigationssystem ist der Wahnsinn. Blitzschnelle Routenberechnung und Bildaufbau, serienmäßig mit „Europa-DVD“. Kein Vergleich mehr zur CD-Navigation. Vorsprung durch Technik.
Design:
Außen:
Wie gefällt mir der neue A6? Vorab ist zu sagen: Ich gehöre wohl zur Kategorie der Audi-Fans, jedoch heißt dies für mich nicht, dass automatisch alles andere schlechter ist /aussieht und mir jeder Audi gefällt. Aber: Beim A6 passt einfach alles. Das Heck ist klasse, auch die Seitenansicht gefällt mir. Der Trapez-Grill bekommt von mir Kritik. Wenngleich ich ihn nicht als hässlich oder „Entgleisung“ bezeichnen möchte, hätte ich mir bessere Lösungen vorstellen können. Es ist das neue Audi-Gesicht, ich werde mich wohl daran gewöhnen. Wie oben angesprochen sind Felgen der Dimension 18 Zoll und mehr ein „must“ auf diesem Fahrzeug. 17 Zoll, wie sie beim Testwagen montiert waren oder gar 16 Zoll erzeugen bei mir Übelkeit und zeugen von keinem guten Geschmack. Favoriten wären für ich z.B. das A8-Rad im Turbinendesign, welches für den A6 in 18 Zoll erhältlich ist, oder dass im kommenden S-Line Programm enthaltende 5-Speichen Rad in 18 Zoll, bekannt vom RS6 in 19 Zoll.
Innen:
Der A8 macht es vor, der A6 macht es nach. So sieht ein gelungener Innenraum aus.
Fazit:
“Quantensprung!“: Meine Erwartungen waren groß und wurden ausnahmslos erfüllt. Nach über 18 Jahren Audi 100 und Audi A6 in meiner Familie (ausnahmslos alle Modelle) wird wohl auch der C6 in unsere Garage wandern. Der Fortschritt ist nicht mehr in Worten zu beschreiben. Man fühlt sich nicht mehr wie in einem Audi, man spürt, dass den Ingenieuren ein ganz großer Wurf gelungen ist. Meine Begeisterung während den Test`s konnte durch nichts getrübt werden. Es passt einfach alles.
Nach den Testfahrten würde ich mich für den 3.0TDI entscheiden. Er stellt für mich momentan die beste Kombination aus Leitung, Luxus, Sportlichkeit und gleichzeitig Komfort dar. Die Leistung überzeugt.
Der 3.2 FSI ist nicht schlechter, entspricht jedoch nicht in dem Maße meinen Wünschen, wie es der Diesel tut. Ich bin mir trotzdem sicher, dass er seine Käufer zufrieden stellen wird und ganz vorne im Trio der „Großen“ (Mercedes E 320 und BMW 530i) mitspielen wird.
Nun warte ich, ob und wann der 4.0TDI aus dem A8 im A6 zum Einsatz kommt. Das Audi Zentrum konnte mir keine Hoffnungen machen, andere Quellen (auch aus diesem Forum) berichteten mir einen Einsatz Anfang 2005.
Bilder:
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