Bristol Cars Ltd.
Bristol Cars Ltd. ist ein englischer Automobilhersteller, der in den 1950er-Jahren stark im Rennsport engagiert war.
Zitat:
Erst als: "Bristol and Colonial Aeroplane Company" (1910) 
...später dann: "Bristol Aeroplane Company " (1920) |
Der Ursprung: Ein Flugzeugproduzent
Ursprünglich existierte die Bristol Aircraft Company als eine der bekanntesten britischen Flugzeugproduktionsfirmen zwischen den beiden Weltkriegen, die für die Royal Airforce die leichten bis mittleren Bombermodelle "Bristol-Blenheim" und "Bristol-Beaufighter" herstellte.
Bristol Blenheim
Die Bristol Blenheim ist ein 2-motoriger britischer Bomber, der im 2. Weltkrieg vor allem von der Royal Air Force für Tiefangriffe gegen feindliche Schifffahrt eingesetzt wurde. Es gab auch eine Jagdflugzeug-Version der Blenheim. Die Blenheim wurde aus dem zivilen Bristol 142 Britain First gemäß der Spezifikation B.28/35 entwickelt und vorerst als Blenheim Mk I (mit kurzer Nase) in Serie hergestellt. Der Erstflug des Prototypen (K 7033) erfolgte am 25. Juni 1936. Bereits damals bestand ein erster Liefervertrag; die ersten Blenheim I wurden daher im März 1937 an die Squadron 114 geliefert. Es wurden 1280 Mk I gebaut; bei Ausbruch des 2. Weltkrieges befanden sich 1007 davon in der RAF. Unter diesen Maschinen waren auch 147 als Mk IF-Jäger hergestellte Flugzeuge mit vier Browning MG in einer Wanne unter dem Rumpf.
Die Bomber wurden meistens im Mittleren und Fernen Osten eingesetzt, da die Staffeln der RAF bereits auf die langnasige Version Mk IV umgerüstet waren. Am 3. September 1939, zu Kriegsbeginn, waren von diesen Flugzeugen 197 Stück in den Einheiten verfügbar. Mit der 81. Maschine erhielt die Bezeichnung Blenheim IVL Gültigkeit, wobei der Buchstabe L für Langstreckenversion stand. Dies wurde durch den Einbau von zusätzlichen Flügeltanks erreicht. Der Mk IV verfügte durch Einsatz des Mercury XV auch über ein stärkeres Triebwerk als der mit dem 840 PS Mercury VIII ausgerüstete Blenheim I. Außerdem war die Bewaffnung verbessert worden. Von dieser Variante wurden 1930 Flugzeuge hergestellt.
(Bristol Blenheim)
Im Gegensatz zum Mk IV waren die Leistungen des Mk V, der letzten britischen Version, enttäuschend. Diese Variante wurde zur Erfüllung der Spezifikation B. 6/40 abgeändert, so dass 1941 bei Bristol je ein Prototyp des Mk VA Tagbombers und des Mk VB Erdkampfflugzeuges gebaut wurden. Rootes Securities Ltd bauten 942 Flugzeuge, die Mehrzahl in der Version Mk VD (eine Tropenversion des VA), zum Teil aber auch in der Version VC mit Doppelsteuer, als Trainingsflugzeug. Die Kriegsverluste an Mk VD waren jedoch sehr hoch, so dass sie so schnell wie möglich durch amerikanische Baltimore und Ventura ersetzt wurden.
Blenheim wurden bei jedem Dienstzweig der RAF und auf jedem Kriegsschauplatz eingesetzt. Noch vor Kriegsausbruch wurden Blenheim I nach Finnland, Rumänien, Jugoslawien und der Türkei exportiert. Mk I wurden in Jugoslawien, Mk I und Mk IV in Finnland in Lizenz hergestellt. In Kanada baute Fairchild 676 Blenheim für die Royal Canadian Air Force, welche diese Flugzeuge Bolingbroke Mk I bis IV nannte.
Bristol Beaufighter
Der Bristol Type 156 Beaufighter wurde von der Bristol Aeroplane Company aus dem Torpedobomber Beaufort entwickelt. Sein ursprünglicher Einsatzzweck war Langstreckenjäger; er wurde aber auch als Nachtjäger, Torpedobomber, Schiffsangriffs- und Tiefangriffsflugzeug gebaut und eingesetzt. In allen diesen Rollen galt das Muster als sehr erfolgreich.
Der Beaufighter war auch eines der ersten Flugzeuge mit Radar für die Nachtjagd an Bord. Die Nachtjägerrolle wurde aber von der Mosquito übernommen, sobald diese in ausreichender Stückzahl zur Verfügung stand. Der Beaufighter konzentrierte sich auf Tiefangriffe und Schiffsbekämpfung.
Schwer bewaffnet mit Torpedos, Raketen, Maschinenkanonen und Maschinengewehren wurde das Muster sehr erfolgreich gegen gegnerische Schiffe eingesetzt. Deswegen und wegen des typischen Geräuschs seiner schiebergesteuerten Sternmotoren schrieb ihm die britische Propaganda den (angeblich vom japanischen Feind verliehenen) Namen »Flüsternder Tod« zu.
(Bristol Beaufighter)
Der Prototyp flog erstmals am 17. Juli 1939. Das Produktionsende war im September 1945 nachdem bis dahin 5.562 Exemplare gebaut wurden.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mussten sich alle Rüstungsfirmen wegen der drastisch verschlechterten Auftragslage nach neuen Betätigungsfeldern umsehen.
Hinwendung zum Automobilbau
Bristol beschloss, sich - ähnlich wie Saab - auch dem Automobilbau zuzuwenden. H.J. Aldington von Frazer-Nash hatte 1934 den BMW-Dirketor Franz-Joseph Popp in München besucht und erwarb die Rechte zum Bau und Vertrieb einiger Entwürfe von Vorkriegs-BMW-Modellen in Großbritannien, aus der der Frazer Nash-BMW resultierte.
(Bristol 400, 1946 - 1950)
Im Juli 1945 erwarb Oberst Aldington einen BMW 328, während sein Bruder Kontakt zu George White, einem der Gründer der Bristol Aeroplane Company pflegte. So erwarb der Flugzeugbauer die Rechte an Frazer Nash und Frazer Nash-BMW. Fritz Fiedler, der frühere technische Direktor von BMW, fand 1946 Unterschlupf in England bei Bristol, dem früheren Lizenznehmer von BMW (Fraser-Nash) und brachte dort den Nachbau des 327 als Bristol "400 saloon"-Prototypen heraus, der erstmals auf dem Genfer Autosalon vorgestellt wurde.
(Bristol, 400 85A, Sport Saloon) Zur Info: Zitat:
Frazer-Nash...
...war ein englischer Hersteller von Sportwagen und Formel 1-Fahrzeugen. Ein gewisser Captain Archibald Frazer-Nash gründete Frazer-Nash Ltd. in Kingston-on-Thames um 1924, nachdem seine Automobilfirma GN (Godfrey Nash) geschlossen werden musste. Zunächst basierten die von ihm produzierten Fahrzeuge auf dem alten GN-Design. Der ehemalige Offizier hatte aus seiner vorangegangenen Cyclecar-Produktion die Idee eines Kettengetriebes mitgebracht, das sich außergewöhnlich schnell schalten ließ.
Die Gesellschaft wurde relativ schnell 1926 von den Brüdern H. J. und W. H. Adlington in Isleworth übernommen, die sie in AFN Ltd. umbenannten. Diese bauten sehr populäre, aber gleichwohl auch recht spartanische Fahrzeuge für Sportwagenrennen, bei denen, sie bereits 1934, um der großen Nachfrage gerecht werden zu können, BMW-Motoren importierten und einbauten. Zuvor verwendete man Motoren von Plus-Power, Blackburn, Anzani, Meadows und Cough. Die Sportzweisitzer bestanden in unverkennbar britischem Stil fast nur aus Motor und Fahrgestell.
Nach dem Zweiten Weltkrieg benannte man die Firma wieder in Frazer-Nash um und arbeitete eng mit den Bristol-Werken zusammen, indem man den BMW-328-Motor weiterentwickelte, wodurch die Wagen mit Fahrern wie Roy Salvadori und Tony Crook beachtliche Erfolge bei Sportwagenrennen erringen konnten.  (Frazer Nash)
1952 "befreite" man einige der Frazer-Nash-Le Mans-Replicas von ihrern Karosserien und baute auf deren Basis Einsitzer. Außerdem erklärte sich die Gesellschaft auch dazu bereit, reinrassige Monoposti zu konstruieren.
Eines der ersten Modelle mit Bristol-Motor kaufte Peter Bells "Scuderia Franera": Ken Wharton startete mit dem Renner während der Formel-1-Saison 1952 und belegte beim Grand Prix der Schweiz in Bremgarten bei Bern einen beachtlichen vierten Rang - auch wenn er schon zwei Runden zurück lag. Eine Woche später erreichte Wharton bei dem nicht zur WM zählenden Eifelrennen am Nürburgring sogar einen dritten Platz. Diese angesichts des sparsamen finanziellen Einsatzes bemerkenswerten Resultate konnten, wie auch der sensationelle Targa Florio-Sieg von 1951, die Privatiers nicht davon überzeugen, dass in den Wagen mehr Potenzial gelegen hätte und man musste sich so unter den geänderten technischen Vorzeichen der 1950er-Jahre im Rennsport letztendlich zurückziehen, sodass ein weiteres Formel-1-Exemplar niemals eingesetzt wurde. Das dritte Modell, welches Tony Crook privat beim Grand Prix in Silverstone pilotierte, belegte einen nur enttäuschenden 21. Platz. - Die Produktion von Frazer-Nash-Wagen wurde 1957 eingestellt.
|
Motorsport
Ab 1951 rüstete man einige Teams in der Formel 2 mit den dementsprechenden Motoren aus, wobei die Chassis der jeweiligen Monoposti meist von Frazer-Nash stammten, die bereits seit 1934 BMW-Motoren verwendet hatten.
Als die Formel-1-Saison 1952 nach dem Reglement der Formel 2 ausgeschrieben wurde, konnte man mit dem Bristol-BS-Motor, der sowohl die Cooper als auch den Frazer-Nash Ken Whartons vorantrieb, kleineren Teams zu bemerkenswerten Platzierungen verhelfen. Neben dem letztgenannten erreichte insbesondere Mike Hawthorn so beachtliche Performance, dass er sich für Enzo
Ferrari empfehlen sollte. Doch die internationale Aufmerksamkeit für die Motoren blieb dabei zurück, sodass das offizielle Motorsport-Engagement in den höheren Klassen allmählich eingestellt wurde.
(Veritas)
In der Sportwagen-Rennszene nahmen Bristol-Werksteams bei Le Mans-Rennen zwischen 1953-1955 mit dem Modell 450 relativ erfolgreich teil, wie die Klassensiege 1954 und 1955 bezeugen. Nach dem Horror-Unfall von 1955, bei dem 80 Menschen ums Leben kamen, zogen sie sich wie Mercedes-Benz vom aktiven Rennsport zurück, obwohl ihre Motoren weiterhin von Cooper und Lotus genutzt wurden.
(Cooper) Trivia
Während James Bond vielfach einen Aston Martin fährt, benutzt in der britischen Kriminalfernsehserie "Inspector Linley" Nathaniel Parker in der Rolle des Detective Inspector Linley als Abkömmling der britischen Oberschicht einen Bristol, natürlich im traditionellen dunkelrot.
SpiegelOnline:
Zitat:
60 JAHRE BRISTOL - Rarer als Rolls-Royce
So eine Marke kann es nur in England geben: Sie macht keine Werbung, hat keine Händler und spart sich sogar eine E-Mail-Adresse. Trotzdem hat Bristol 60 Jahre überlebt. Zum Geburtstag gibt es jetzt ein Modell, das sogar dem Bugatti Veyron am Zeug flicken will.
Für Tony Crook ist die Zeit stehen geblieben. Zwar ist der freundliche Brite immerhin der Ehrenpräsident eines ruhmreichen Automobilherstellers, der gerade sein 60-jähiges Bestehen feiert. Doch sind für den ehemaligen Chef und heutigen Pressesprecher von Bristol Cars Begriffe wie Marketing oder Vertrieb Fremdwörter. "Wer eines unserer Autos haben möchte, der soll gefälligst kommen und es kaufen", meint man aus seinen Worten heraus zu hören, wenn er vom Händlernetz der Marke spricht, das aus einem einzigen Showroom in der Kensington High Street in London besteht. Ganz ohne jede Arroganz, sondern eher mit der Selbstverständlichkeit eines Maßschneiders, der seine Anzüge auch von niemand anderem verkaufen lässt, beschreibt er das Herz einer Marke, die zu den skurrilsten Überbleibseln der britischen Automobilindustrie zählt.
Nicht nur die Geschäftsmethoden, die den persönlichen Kontakt mit den Kunden über alles stellen und E-Mails als moderne Irrungen geißeln, sind etwas eigenwillig. Auch die Autos suchen ihresgleichen. Die Firma baut nur zwei Fahrzeugtypen, von denen das eine mittlerweile 30 Jahre auf dem Buckel hat. Dieser Blenheim ist nicht nur selten, sondern auch noch relativ unscheinbar - in den Worten seiner Hersteller "slightly understated" - und trotzdem alles andere als ein Schnäppchen. Unter 150.000 Pfund ist das altbackene Coupé nicht zu bekommen.
Die Geschichte von Bristol Cars beginnt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Während das Unternehmen zu Kriegszeiten noch mehr als 14.000 Jagdbomber produziert hatte, standen die Werkshallen nach dem Friedensschluss plötzlich leer. Um die Kapazitäten nicht brach liegen zu lassen, wurde deshalb ein Auto auf die Räder gestellt. Dass dieser Wagen den frühen BMW-Modellen ähnelte, kam nicht von ungefähr: Die Konstruktionspläne für die Modelle 327/328 hatten die Briten als Reparationsleistung erhalten. Statistik ist uninteressant, hier geht es um Stil
Wie viele Autos seitdem gebaut wurden, ist Crook nicht zu entlocken. "Genaue Zahlen veröffentlichen wir nicht", sagt der Ehrenpräsident. "Aber rechnen sie mal mit drei pro Woche", schiebt er hinterher und ist selbst überrascht, dass sein Taschenrechner daraufhin eine Produktionsziffer von fast 9400 Autos ausspuckt. Gegen einen Bristol ist damit selbst ein Rolls-Royce Massenware.
Die Mehrheit der gebauten Modelle entfällt auf ein Luxuscoupé, das 1976 als 603 vorgestellt wurde und in seiner jüngsten Evolutionsstufe - in Anlehnung an einen Jagdflieger - Blenheim 3 heißt. Der 4,87 Meter lange Zweitürer wird ausschließlich in Handarbeit produziert. Dabei lassen sich die Mitarbeiter viel Zeit und brauchen etwa dreimal so lange wie bei Rolls-Royce - und zwar bevor dort BMW die Produktion rationalisierte. Innen duftet es nach Walnussholz
Auf den ersten Blick jedoch hat der Blenheim so gar nichts von der Aura des Besonderen. Mit seiner unauffälligen Aluminiumkarosserie, die etwas an den Ford Capri erinnert, steht er für vornehme Zurückhaltung in Reinkultur. Obwohl ein Blenheim kaum günstiger ist als ein Bentley, fehlt ihm von Außen jede Spur von Prunk und Protz. Innen jedoch werden die vier Passagiere mit allem Komfort verwöhnt. Sie reisen auf handgenähten Ledersitzen, betten das Schuhwerk auf handgeknüpfte Teppiche und atmen den feinen Duft von echtem Walnussholz.
Auch die Technik ist keineswegs so spektakulär, wie es der Preis vermuten lässt. Angetrieben wird der Blenheim 3 von einem vermeintlich banalen Chrysler-Motor, der aber immerhin acht Zylinder und fast sechs Liter Hubraum hat. Informationen zur Leistung gibt es nicht: "Ausreichend" würde Mr. Crook wohl sagen. Und wenn man die gut sechs Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 sieht, ist man geneigt, ihm das zu glauben. Zum Geburtstag gibt es ein Modell mit 1012 PS
Wem der Blenheim zu zurückhaltend ist, dem bietet Bristol seit ein paar Jahren auch den vom Dodge-Viper-Motor angetriebenen Zweisitzer "Fighter", dem man die Tradition des Flugzeugherstellers schon eher ansieht. Mit einer Jahresproduktion von 20 Fahrzeugen ist er noch seltener, mit 660 PS noch stärker und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h noch schneller als der Blenheim. Aber auch noch teurer: Denn hier beginnen die Preise bei rund 230.000 Pfund.
Trotzdem ist das Ende der Fahnenstange damit noch nicht erreicht. Denn zum runden Geburtstag spendieren die Briten sich und ihren Kunden eine noch schärfere Variante des Fighters. Sie hört auf das Kürzel SCR und hat das Zeug zum absoluten Weltrekordler. Denn mit zwei Turboladern bestückt, klettert die Leistung des Zehnzylinders auf schier unglaubliche 1012 PS und liegt damit exakt ein Prozent über den bislang unerreichten 1001 PS des Bugatti Veyron.
Doch geben sich die Briten selbst mit diesem Superlativ ganz still, leise und vornehm. Denn auch wenn der Turbo-Fighter in weniger als 3,5 Sekunden auf Tempo 100 kommt und den Bugatti nach englischen Zeitungsberichten mit einer Höchstgeschwindigkeit von 465 km/h ähnlich leicht abhängen könnte wie ein Porsche 911 den Golf GTI, lassen sie es gar nicht erst so weit kommen: Bei 362 km/h wird automatisch abgeregelt.
Von Tom Grünweg
|
Moment bitte, Fortsetzung folgt gleich... .
.
.
.