Der Murcielago
Man hat ihn den bestkonstruierten und best gebauten
Lamborghini seit Jahren genannt,
selbst wenn der Name Murcielago nicht annähernd so einprägsam ist wie Miura oder
Countach. Mit einer Spitze von 330 km/h dürfte dieses allradgetriebene Coupe von 2002
Lamborghini dank der Investitionen des Mutterkonzerns VW wieder in die erste Reihe der Superauto-Hersteller katapultieren.
Tatsächlich hatte der
Diablo Nachfolger eine lange Entwicklungszeit hinter sich: Das Projekt mit dem internen Codenamen L 147 begann bereits 1995, als
Lamborghini noch zu dem indonesischen Konsortium gehörte, das die Firma 1993 von Chrysler übernommen hatte. 1995 hatte der ehrwürdige V12 einen Hubraum von 5.7 Litern. Die Absicht war zunächst, ihn auf 6 Liter zu vergrößern als Antrieb für den
Diablo GT von 2000, bevor er seinen Weg ins Serienfahrzeug und schließlich zu seinem Nachfolger fand.
Letzterer sollte den Namen Canto tragen, und 1996 beauftragte
Lamborghini die Designfirma Zagato mit der Fertigung von vier Prototypen. Das Mailänder Unternehmen löste das Problem der Motorkühlung durch zwei ausgeprägte hülsenförmige Luftschaufeln im Heckspoiler.
Obwohl es intern Befürchtungen gab, das Design würde zu schnell altern, war
Lamborghini aus finanzieller Not nun gezwungen, damit fortzufahren. Das jedenfalls war die Lage bis Juli1998, als Volkswagen die Firma übernahm und der Konzerntochter Audi zuordnete, der Qualitätsmarke des VW Imperiums. Audi verlor keine Zeit und bestellte im Frühjahr 1999 ein neues Design bei Bertone, wo Marcello Gandini bereits für die vielgerühmten Formen von
Miura und
Countach verantwortlich gewesen war.
Zusätzliche Anregungen holte man sich vom italienischen Stilisten ldea und aus dem Französischen Heuliezkonzern.
Während die Arbeiten an der Karosserie im Gange waren, erkannte Massimo Ceccarani. der Chefingenieur von
Lamborghini, dem nun ein größeres Budget zur Verfügung stand, dass man das neue Modell durch einen stärkeren Motor bedeutend aufwerten könnte. Mitte 2000 vergrößerte man den VI 2—Motor versuchsweise und zuverlässig auf 6,2 Liter, indem man den Hub von 84 au 86 mm vergrößerte. Der überarbeitete Motor brachte 571 PS bei 7500 U/min hervor, eine Leistungssteigerung von 29 PS gegenüber der 6l Version.
Aber VW war noch immer nicht mit dem Erscheinungsbild des neuen Autos zufrieden und wandte sieh deshalb au einen der eigenen Designer auf der Suche nach Einfällen für ein Fahrzeug, das zweifelsohne zu den prestigeträchtigsten der Autowelt gehört. Der belgische Konstrukteur Luc Donckerwolke war zuvor für die form des Audi A2 verantwortlich gewesen und hatte auch für die Schwesterfirma Skoda gearbeitet.
Anfangs bat man ihn, Zagato Canto-Konzept zu überarbeiten, von dem letztendlich nur die Türöffnungen übrig blieben. Ansonsten entstand sein Design auf dem sprichwörtlichen „unbeschriebenen Blatt“. Im Januar 2001 wurde es Seite an Seite mit den Arbeiten von ldea und Heuliez beurteilt. Glücklicherweise, im Hinblick auf künftige Ereignisse, bevorzugte der
Lamborghini-Vorstand Donckerwolkes Version, und das Modell wurde neun Monate später auf der IAA in Frankfurt aus der Taufe gehoben. Während die Mechanik dem
Diablo folgt, haben die beiden Modelle sehr wenige Komponenten gemeinsam. Das neue Fahrzeug hat einen Radstand von 2665 mm, nur 5 mm mehr als der
Diablo, und es ist geringfügig breiter und länger. Mit der Umstellung des 6,2-l-V 12-Motors auf Trockensumpfschmierung wurde eine Tieferlegung um 50 mm ermöglicht, wodurch der Schwerpunkt des neuen
Lamborghini niedriger lag und die Straßenlage verbessert wurde. Ein Sechsganggetriebe ersetzte die Fünfgangversion des
Diablo.
Obwohl die Form des Coupes grundsätzlich der des
Diablo nachempfunden wurde, ist das Erscheinungsbild des neuen Modells nicht nur unverwechselbar, sondern wird mit Sicherheit eine ansehnliche Produktionsdauer überstehen. Der mit Ausnahme des Stahldachs und der Scherentüren gänzlich aus Kohlefaser bestehende Murcielago wiegt 1650 kg, lediglich 25 kg mehr als der
Diablo.
Nachdem Donckerwolke die hinteren Wülste des Canto über Bord geworfen hatte, löste er das Problem der Motorüberhitzung durch die Einführung beweglicher Klappen in den C-Säulen des Coupes oberhalb der Kühlungsöffnungen, die sich bei Motortemperaturen über 321 automatisch öffneten. Sie werden durch optisch eindrucksvolle Luftschaufeln in den Schwellen ergänzt. Das ist jedoch nicht die einzige bewegliche Hilfe. Es gibt einen Heckspoiler, der ausfährt, wenn das Fahrzeug die 130-km/h-Marke überschreitet. Der Flügel neigt sich bei Geschwindigkeiten bis 220 km/h um 50 Grad und danach um mehr als 70 Grad. Sollte der Fahrer im Stadtverkehr auf eine Bodenschwelle stoßen, kann er den Murcielago vorn um 45 mm anheben, um Schäden an der Karosserie zu vermeiden.
Auch die Gestaltung des Innenraumes stammt von einem Audi Designer, nämlich von Ralph Luge. Die Präsentation ist charakteristisch nüchtern, doch gut in der Verarbeitung und vor allen, geräumiger als beim
Diablo. Auch der Einstieg ist einfacher als beim Vorgänger dank der niedriger liegenden Türschweller.
Die Journalisten waren sehr beeindruckt vom Straßenverhalten des neuen Fahrzeugs und waren sich einig, dass dies der bei weitern am einfachsten zu fahrende
Lamborghini war. Es versteht sich, dass das Fahrzeug große Kraftreserven besitzt und eine hervorragende Straßenlage, dank des erprobten Allradantriebs und des sicheren und berechenbaren Handlings.
Kurzum: dieser neue
Lamborghini ist ein gutes Zeichen für das Engagement und die sichere Hand des sechsten Besitzers dieser Firma. Bei dem für 2003 geplanten kleineren Modell sollte
Ferrari vielleicht einmal einen Blick über die Schulter werfen.
Wie Miura und eine ganze Reihe anderer Modellnamen bei
Lamborghini ist auch Murcielago ein Spanischer Name, der Assoziationen mit dem Stierkampf weckt, den
Lamborghini so liebte, und der Namenstradition des Markengründers Ferruccio
Lamborghini folgt, der im Tierkreiszeichen des Stiers geboren wurde. Murcielago war ein Kampfstier von solcher Zähigkeit, dass er während eines berühmten Stierkampfes 1879 nicht weniger als 24 Schwertstöße überlebte. Man schenkte ihm das Leben und verkaufte ihn an Don Antonie Miura. Murcielago revanchierte sich, indem er für seinen stolzen neuen Besitzer noch eine Generation prächtiger Kampfstiere zeugte.
Die Daten:
Lamborghini Murcielago
Motor: mittig längs
Bauart: V12
Bohrung x Hub : 87X96 mm
Hubraum: 6192 ccm
Ventilsteuerung zwei oben liegende Nockenwellen pro Zylinderreihe
Leistung: 571 PS (421 kw) bei 7500 U/min
Getriebe: 6 gang
Antrieb: Hinterachse
Höchstgeschwindigkeit: 330km/h
Beschleunigung: 0-100 km/h 3,8 sek.
Quellen:AZ,Sportwagen,Classicdriver
Bildquelle:dieselstation
Die Autozeitung schreibt:
EIN FEST FÜR DIE SINNE http://www.autozeitung.de/index.php?...=detail&id=498
rsportscars hat auch einen schönen Bericht.
http://www.rsportscars.com/eng/cars/murcielago.asp
Und hier bei alle-auto-in gibt es noch mehr Technische Daten.
http://www.alle-autos-in.de/lamborgh...__ktb660.shtml
Und noch ein kleines Video zum Murcielago
http://www.youtube.com/watch?v=GNTvIUX0trQ
gruss winni